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	<title>Politik und Panorama Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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	<title>Politik und Panorama Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<item>
		<title>36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 23:18:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost und West längst nicht in allen Lebensbereichen verschwunden. Auch bei Pflege und Demenz zeigen aktuelle Daten regionale Muster. Manche Unterschiede&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/">36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost und West längst nicht in allen Lebensbereichen verschwunden. Auch bei Pflege und Demenz zeigen aktuelle Daten regionale Muster. Manche Unterschiede sind deutlich, andere erstaunlich klein – und nicht für jede naheliegende Frage gibt es überhaupt belastbare Daten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Blick auf die Häufigkeit von Demenzerkrankungen, häusliche Pflege und die Bezahlung von Altenpflegeprofis zeigt vor allem eines: ein einfaches „Ost gegen West“ wird der Wirklichkeit selten gerecht.  </p>



<h2 class="wp-block-heading">Bei Demenz zeigt sich weiterhin ein Ost-West-Muster</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders interessant sind aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts. Auf Grundlage von Krankenkassen-Routinedaten wurde untersucht, wie häufig diagnostizierte Demenzerkrankungen regional auftreten. Für das Jahr 2022 ergibt sich eine administrative Demenzprävalenz von 2,8 Prozent bei Menschen ab 40 Jahren. Bei den über 65-Jährigen waren es 6,9 Prozent.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="border-left: 4px solid #2f5f8f; background: #f3f7fa; padding: 16px 18px; margin: 20px 0;">
  <strong>Wichtig zur Einordnung:</strong><br><br>
  Die Formulierung „höhere Demenzprävalenz im Osten“ ist erklärungsbedürftig. Gemessen wurde eine <em>administrative Prävalenz</em>: Grundlage sind ärztlich dokumentierte Diagnosen in Krankenkassendaten. Menschen mit einer nicht erkannten oder nicht dokumentierten Demenz tauchen darin nicht auf.
</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei fällt die regionale Verteilung auf: Das RKI beschreibt ein klares Muster mit höheren Prävalenzen in Ostdeutschland und im Osten Bayerns. Höhere Werte finden sich allerdings auch in Teilen des Ruhrgebiets und des Saarlands. Es gibt also keine scharfe Grenze, an der die Demenzhäufigkeit plötzlich von „West“ zu „Ost“ wechselt. Entscheidend ist ein weiterer Punkt: Bei der Analyse wurden regionale Unterschiede der Altersstruktur berücksichtigt. Das Ost-West-Muster lässt sich daher nicht einfach damit erklären, dass in ostdeutschen Regionen mehr ältere Menschen leben. Die Prävalenz wurde auf Grundlage von Routinedaten geschätzt und unter anderem hinsichtlich Alter, Geschlecht und Morbidität adjustiert.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ist Demenz im Osten häufiger?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Darauf geben die Daten keine einfache Antwort. Aus der Untersuchung lässt sich insbesondere <strong>nicht</strong> ableiten, dass das Leben in Ostdeutschland selbst ein Demenzrisiko darstellt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als Einflussfaktoren kommen grundsätzlich unterschiedliche gesundheitliche, soziale und versorgungsbezogene Bedingungen infrage – etwa die Verteilung kardiovaskulärer Risikofaktoren, Sozialstruktur, Gesundheitsverhalten oder Unterschiede bei Diagnostik und Versorgung. Welchen Anteil einzelne Faktoren am beobachteten regionalen Muster haben, lässt sich aus den Daten jedoch nicht bestimmen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist zugleich die Entwicklung über die Zeit: Zwischen 2017 und 2022 ging die altersstandardisierte Prävalenz von Demenzerkrankungen leicht zurück. Wegen der Alterung der Bevölkerung ist dennoch mit einer steigenden absoluten Zahl von Menschen mit Demenz zu rechnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was wir über Demenz in Ost und West nicht wissen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Naheliegend wäre nun die Frage, ob sich auch die Versorgung von Menschen mit Demenz systematisch unterscheidet. Werden sie im Osten häufiger zu Hause versorgt? Leben sie häufiger im Pflegeheim? Gibt es Unterschiede beim Schweregrad der Erkrankung oder bei der Verteilung verschiedener Demenzformen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für solche direkten Ost-West-Vergleiche liegen mir derzeit keine entsprechend belastbaren aktuellen Daten vor, die sich für eine einfache Gegenüberstellung eignen. Auch Pflegegrade als &#8222;Messgröße&#8220; können diese Lücke nicht schließen. Ein Pflegegrad beschreibt schließlich den Grad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und nicht etwa den Schweregrad einer Demenzerkrankung oder deren Vorhandensein an sich.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für einen Vergleich lohnt deshalb ein Blick auf die Pflege insgesamt. Diese Daten sind nicht demenzspezifisch, beschreiben aber den Versorgungsrahmen, in dem auch viele Menschen mit Demenz leben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Häusliche Pflege: Im Osten häufiger ausschließlich Pflegegeld</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Wissenschaftliche Institut der AOK befragte im Herbst 2025 bundesweit 1.490 Menschen, die als Hauptpflegepersonen einen Angehörigen mit anerkanntem Pflegegrad zu Hause versorgen. Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In Ostdeutschland gaben 65,5 Prozent der Befragten an, ausschließlich Pflegegeld zu beziehen. In Westdeutschland waren es 52,2 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine reine Pflegegeldversorgung bedeutet in der Regel, dass die Pflege überwiegend privat organisiert wird und keine regulären ambulanten Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen in Anspruch genommen werden. Die Zahlen dürfen jedoch nicht unmittelbar auf Menschen mit Demenz übertragen werden. Die Untersuchung umfasst häusliche Pflege insgesamt. Bei 15,7 Prozent der in der Befragung gepflegten Personen wurde eine Demenz angegeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verhinderungspflege wird im Westen häufiger genutzt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Verhinderungspflege zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Unter den Befragten mit einer ausschließlichen Pflegegeldversorgung nahmen in Westdeutschland 41,0 Prozent Verhinderungspflege in Anspruch. In Ostdeutschland waren es 26,9 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Verhinderungspflege soll Angehörige zeitweise entlasten, wenn sie die Pflege etwa wegen Krankheit, Urlaub oder aus anderen Gründen vorübergehend nicht übernehmen können. Warum das Angebot im Osten in dieser Gruppe deutlich seltener genutzt wurde, lässt sich aus der Untersuchung nicht beantworten. Unterschiedliche Versorgungsstrukturen, sozioökonomische Bedingungen oder historisch gewachsene Pflegearrangements können eine Rolle spielen, ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang ist damit jedoch nicht belegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessant ist außerdem: Bei der Intensität der Pflege zeigt sich kaum ein Unterschied. 64,1 Prozent der ostdeutschen und 63,1 Prozent der westdeutschen Befragten waren täglich in die Versorgung eingebunden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Altenpflegeprofis: Die Lohnlücke besteht noch</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Bezahlung gibt es noch einen Ost-West-Unterschied. Vollzeitbeschäftigte Altenpflegefachkräfte verdienten 2024 im Median 4.189 Euro brutto im Westen und 4.024 Euro im Osten – eine Differenz von 165 Euro beziehungsweise knapp vier Prozent. Bei Altenpflegehilfskräften betrug der Abstand 141 Euro. Die Lohnlücke besteht damit weiter, fällt in der Altenpflege aber vergleichsweise gering aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine zwei &#8222;Pflegewelten&#8220; – aber messbare Unterschiede</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">36 Jahre nach der Wiedervereinigung lassen sich in Pflege und Demenz also noch regionale Unterschiede erkennen. Für die Demenz ist vor allem der Befund bemerkenswert, dass sich auch nach Berücksichtigung der Altersstruktur ein höheres regionales Prävalenzniveau in Ostdeutschland zeigt. Warum dieses Muster besteht, lässt sich bislang nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der häuslichen Pflege zeigen aktuelle Befragungsdaten ebenfalls Unterschiede: Im Osten berichten Angehörige häufiger von Pflegearrangements mit ausschließlichem Pflegegeld, während Verhinderungspflege in dieser Gruppe deutlich seltener genutzt wird. Diese Zahlen betreffen allerdings die Pflege insgesamt und dürfen nicht als demenzspezifische Befunde verstanden werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Bezahlung von Altenpflegekräften ist die frühere Grenze noch messbar – allerdings deutlich schwächer als in vielen anderen Bereichen des Arbeitsmarktes. Die Daten zeigen damit keine zwei völlig unterschiedlichen Pflegesysteme. Sie zeigen aber, dass regionale Unterschiede auch dreieinhalb Jahrzehnte nach der deutschen Einheit noch vorhanden sind – und dass genaueres Hinsehen häufig mehr erklärt als ein einfacher Vergleich von Ost und West.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Robert Koch-Institut (2025): „Demenzerkrankungen – Prävalenz, Trends und regionale Verteilung in Deutschland. Eine Auswertung auf Basis von GKV-Routinedaten.“ Journal of Health Monitoring 2025. DOI: 10.25646/13078.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaftliches Institut der AOK – WIdO (2026): „Zur Lage pflegender Angehöriger – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede.“ WIdOmonitor 1/2026.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – IAB (2025): „Entgelte von Pflegekräften 2024.“ Auswertung der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/">36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<item>
		<title>Apotheker als Pflegeberater? Wo sinnvolle Zusammenarbeit endet und jetzt Doppelstrukturen gefordert werden</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/17/apotheker-als-pflegeberater-wo-sinnvolle-zusammenarbeit-endet-und-jetzt-doppelstrukturen-gefordert-werden/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 07:41:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[§ 37 SGB XI]]></category>
		<category><![CDATA[§ 45 SGB XI]]></category>
		<category><![CDATA[§ 7a SGB XI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei Landesapothekerkammern wollen Apotheken neue Aufgaben in der Pflege übertragen – selbstverständlich vergütet. Hessen denkt an Beratung zu Pflegegradanträgen, Vorbereitung auf Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst, Hilfsmittelberatung und eine allgemeine&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/17/apotheker-als-pflegeberater-wo-sinnvolle-zusammenarbeit-endet-und-jetzt-doppelstrukturen-gefordert-werden/">Apotheker als Pflegeberater? Wo sinnvolle Zusammenarbeit endet und jetzt Doppelstrukturen gefordert werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zwei Landesapothekerkammern wollen Apotheken neue Aufgaben in der Pflege übertragen – selbstverständlich vergütet. Hessen denkt an Beratung zu Pflegegradanträgen, Vorbereitung auf Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst, Hilfsmittelberatung und eine allgemeine „pflegerische Begleitung“. Berlin fordert einen pharmazeutischen Hausbesuch, bei dem neben der Medikation auch die „tatsächliche Versorgungssituation“ im Haushalt geprüft und gegebenenfalls eine „erweiterte Versorgungskoordination“ übernommen werden soll.<br>(siehe hier: <a href="https://www.haeusliche-pflege.net/apotheken-wollen-pflegedienstaufgaben-uebernehmen/?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=ckdaily_NL_20260917">Häusliche Pflege: Bericht</a> , oder hier <a href="https://www.abda.de/fuer-apotheker/arzneimittelkommission/amk-nachrichten/detail/deutscher-apothekertag-2026/">Digitalmappe vom Apothekertag</a>).</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Man kann diese Forderungen als Beitrag zur Entlastung eines überforderten Pflegesystems verkaufen. Man kann aber auch eine wesentlich einfachere Frage stellen: warum soll die Pflegeversicherung &#8211; die Beitragszahler &#8211; neue Beratungsleistungen für Apotheken bezahlen, wenn für einen erheblichen Teil dieser Aufgaben längst gesetzlich geregelte Pflegeberatungs- und Unterstützungsstrukturen existieren?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Apotheker können Medikamente </strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Apothekerinnen und Apotheker verfügen über eine wichtige und eigene Fachkompetenz. Gerade bei älteren Menschen mit mehreren Erkrankungen und zahlreichen Arzneimitteln können sie einen erheblichen Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit leisten, neben dem Verkauf von Zauberzucker und Hautcreme. Die bereits bestehende pharmazeutische Dienstleistung zur erweiterten Medikationsberatung bei Polymedikation zeigt z.B., wo diese Kompetenz sinnvoll eingesetzt werden kann: Medikamente erfassen, Doppelmedikation und mögliche Wechselwirkungen erkennen, Anwendungsprobleme identifizieren, Selbstmedikation berücksichtigen und einen aktuellen Medikationsplan erstellen. Genau dafür sind Apotheken qualifiziert. Auch ein Hausbesuch kann in diesem Zusammenhang sinnvoll sein.<br><br>Aber daraus folgt nicht, dass Apotheker/innen plötzlich Pflegefachpersonen oder Pflegeberater ersetzen könnten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pharmazie und professionelle Pflege sind unterschiedliche Berufe mit unterschiedlichen Qualifikationen. Arzneimitteltherapie ist nicht Pflegebedarf. Ein Medikamentenschrank ist kein Pflegeassessment. Und Kenntnisse über die Dauermedikation eines Menschen ersetzen keine pflegefachliche Beurteilung seiner Versorgungssituation.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aus Arzneimittelberatung wird plötzlich „pflegerische Begleitung“</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Genau hier wird der hessische Antrag problematisch. Es sollen also demnach neue „apothekenpflegerische Kernleistungen“ unter anderem die Unterstützung bei Pflegegradanträgen, die Vorbereitung und Begleitung von Begutachtungen des Medizinischen Dienstes, Hilfsmittelberatung und eine allgemeine pflegerische Begleitung definiert werden. Diese Leistungen sollen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Pflegeversicherung aufgenommen werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist keine kleine Ergänzung der Arzneimittelberatung mehr. Das ist der Versuch, Apotheken in ein Feld hineinzuschieben, für das das Sozialrecht längst eigene Strukturen geschaffen hat:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Leistungen der Pflegeversicherung erhält oder einen Antrag gestellt hat und erkennbar Beratung benötigt, hat bereits Anspruch auf Pflegeberatung nach § 7a SGB XI. Deren gesetzlicher Auftrag ist ausgesprochen umfassend: Der Hilfebedarf soll systematisch erfasst und analysiert, ein individueller Versorgungsplan erstellt, notwendige Leistungen sollen koordiniert, deren Umsetzung begleitet und der Plan bei veränderter Bedarfslage angepasst werden. Die Beratung kann ausdrücklich im häuslichen Umfeld und unter Einbeziehung von Angehörigen stattfinden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist Versorgungskoordination. Sie muss nicht erst als neue pharmazeutische Dienstleistung erfunden werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Beratung zu Hause gibt es ebenfalls längst</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch die Vorstellung, pflegende Angehörige bräuchten erstmals jemanden, der zu ihnen nach Hause kommt und die Versorgung betrachtet, hält einem Blick ins Pflegeversicherungsrecht kaum stand.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">§ 37 Abs. 3 SGB XI kennt seit Langem Beratungsbesuche in der eigenen Häuslichkeit. Und der Gesetzgeber formuliert deren Auftrag bemerkenswert eindeutig: Sie dienen der Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege sowie der regelmäßigen Hilfestellung und „praktischen pflegefachlichen Unterstützung“ der häuslich Pflegenden. Diese Besuche dürfen unter anderem von zugelassenen Pflegediensten, anerkannten Beratungsstellen mit nachgewiesener pflegefachlicher Kompetenz oder entsprechend beauftragten Pflegefachpersonen durchgeführt werden. Das Gesetz verlangt ausdrücklich spezifisches Wissen zum Krankheits- und Behinderungsbild, zum daraus entstehenden Hilfebedarf und besondere Beratungskompetenz.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f4f7f8; border-left:5px solid #4f6f73; padding:18px 20px; margin:24px 0; border-radius:4px;">
  <h3 style="margin-top:0;">Besonders bemerkenswert: Die bestehenden Angebote sind nicht etwa gescheitert</h3>

  <p>Die Forderung wäre leichter nachvollziehbar, wenn die bestehende Pflegeberatung nachweislich nicht funktionierte.</p>

  <p>Die aktuelle Evaluation des GKV-Spitzenverbandes spricht jedoch eine andere Sprache. Rund 87 Prozent der befragten Versicherten waren 2026 mit der Pflegeberatung ihrer Pflegekasse zufrieden. Verbesserungsbedarf sieht die Untersuchung vor allem bei der Bekanntheit des Angebots: Ein erheblicher Teil derjenigen, die die Pflegeberatung nicht nutzen, kennt sie schlicht nicht.</p>

  <p style="margin-bottom:0;"><strong>Vielleicht sollte man die vorhandene Pflegeberatung besser bekannt machen und leichter erreichbar gestalten, statt eine neue Berufsgruppe für teilweise dieselben Aufgaben aus der Pflegeversicherung bezahlen zu lassen.</strong></p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch Schulungen pflegender Angehöriger im eigenen Zuhause sind nichts Neues. § 45 SGB XI verpflichtet die Pflegekassen zu Pflegekursen, die Fähigkeiten zur eigenständigen Durchführung der Pflege vermitteln sollen. Auf Wunsch findet die Schulung direkt im Haushalt des pflegebedürftigen Menschen statt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und nun soll daneben eine weitere, von der Pflegeversicherung vergütete Struktur in Apotheken entstehen. Das kann man interprofessionelle Versorgung nennen. Man kann es aber genauso gut eine überflüssige Doppelstruktur nennen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Und dann ist da noch der Vorbehaltsbereich der Pflege</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Noch grundsätzlicher wird die Sache beim Berliner Vorschlag. Der geplante pharmazeutische Hausbesuch soll nicht nur die Arzneimittelversorgung erfassen. Genannt werden ausdrücklich die „Prüfung der tatsächlichen Versorgungssituation im Haushalt“ und gegebenenfalls eine „erweiterte Versorgungskoordination“. Dafür müsse die Leistung wegen des größeren Umfangs auch höher vergütet werden, argumentiert die Apothekerkammer.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Was genau soll aber unter der „Prüfung der tatsächlichen Versorgungssituation“ verstanden werden? Solange gefragt wird, ob Medikamente vorhanden sind, korrekt gelagert und richtig eingenommen werden, befinden wir uns eindeutig im pharmazeutischen Bereich.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Sobald jedoch beurteilt werden soll,</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">ob ein Mensch ausreichend versorgt ist,</li>



<li class="has-medium-font-size">welcher individuelle Pflegebedarf besteht,</li>



<li class="has-medium-font-size">welche pflegerischen Risiken vorliegen,</li>



<li class="has-medium-font-size">welche pflegerischen Interventionen notwendig sind,</li>



<li class="has-medium-font-size">wie der Pflegeprozess gestaltet werden muss</li>



<li class="has-medium-font-size">oder ob die bisherige Pflege fachlich ausreichend und wirksam ist,</li>



<li class="has-medium-font-size">ändert sich die Situation fundamental.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Denn der Gesetzgeber hat bestimmte Tätigkeiten ausdrücklich Pflegefachpersonen vorbehalten. (§ 4 Pflegeberufegesetz).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Pflegegradberatung ist mehr als Formulare ausfüllen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch die geplante Beratung zu Pflegegradanträgen wirft Fragen auf. Natürlich benötigt niemand eine dreijährige Pflegeausbildung, um einem Menschen beim Ausfüllen eines Formulars zu helfen. Auch Angehörige, Sozialberatungen und andere Stellen tun dies täglich. Sobald daraus aber eine professionelle, von der Pflegeversicherung finanzierte Dienstleistung zur Vorbereitung auf die Pflegebegutachtung werden soll, darf nach der fachlichen Grundlage gefragt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Begutachtung des Medizinischen Dienstes dreht sich gerade nicht hauptsächlich um Arzneimittel. Beurteilt wird, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag bewältigen kann und in welchen Bereichen Unterstützung notwendig ist. Der Medizinische Dienst setzt für die Begutachtung speziell ausgebildete Pflegefachpersonen oder Ärzte ein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dass Apotheker aufgrund der Arzneimittelversorgung häufig einen relativ guten Einblick in die gesundheitliche Situation ihrer Kunden haben, macht sie noch nicht zu Experten für Pflegebedürftigkeit. Auch eine Pflegefachperson im Pflegeheim wird nicht dadurch zum Pharmazeuten, weil sie seit zwanzig Jahren Medikamente stellt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Berufliche Kompetenz funktioniert nicht nach dem Prinzip: Ich sehe viel davon, also bin ich auch dafür qualifiziert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein weiterer Interessenkonflikt: Beratung und Verkauf</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders sensibel ist die vorgeschlagene Hilfsmittelberatung. Apotheken sind nicht nur Gesundheitsdienstleister. Sie sind gleichzeitig Wirtschaftsunternehmen und verkaufen beziehungsweise liefern auch zahlreiche Hilfs- und Pflegehilfsmittel. Das ist legitim.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber wenn ausgerechnet der mögliche Leistungserbringer aus Mitteln der Pflegeversicherung dafür bezahlt werden soll, Versicherte über Produkte und Versorgungslösungen zu beraten, die er anschließend selbst anbieten kann, entsteht zumindest ein struktureller Interessenkonflikt. Das Sozialgesetzbuch legt bei bestehenden Beratungsstrukturen Wert auf Neutralität und Unabhängigkeit. Bisher jedenfalls. <br><br>Wer also eine zusätzliche Beratung durch Apotheken aus der Pflegeversicherung finanzieren will, muss deshalb erklären, wie diese Unabhängigkeit gewährleistet werden soll.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Es geht ausdrücklich ums Geld</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Man sollte nicht so tun, als handele es sich bei diesen Forderungen ausschließlich um selbstlose Sorge um pflegebedürftige Menschen. Die Landesapothekerkammer Hessen fordert ausdrücklich eine strukturierte und vergütete neue pharmazeutische Dienstleistung. Berlin verlangt ebenfalls eine neue pDL und argumentiert ausdrücklich, der Hausbesuch müsse wegen seines größeren Umfangs „entsprechend höher vergütet“ werden. Gleichzeitig befindet sich der Berufsstand in einer politischen Phase, in der er sein Tätigkeitsspektrum erheblich erweitern will. Beim Deutschen Apothekertag wird über die zukünftige Rolle der Apotheken in der Gesundheitsversorgung diskutiert; die ABDA wirbt selbst für „mehr Verantwortung“ und eine stärkere Einbindung in die Primärversorgung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Berufspolitik darf wirtschaftliche Interessen vertreten.Pflege darf diese Interessen aber ebenso deutlich benennen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn eine Berufsgruppe neue Tätigkeiten für sich beansprucht und gleichzeitig verlangt, dass dafür neue Vergütungsansprüche geschaffen werden, darf gefragt werden, ob tatsächlich eine Versorgungslücke geschlossen werden – oder ob hier lediglich ein neues Geschäftsfeld erschlossen werden soll. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Zusammenarbeit statt Aufgabenverschiebung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade für Menschen mit Demenz wäre eine echte Zusammenarbeit durchaus sinnvoll. Interprofessionalität bedeutet aber nicht, dass jeder Gesundheitsberuf nach und nach die Aufgaben der anderen übernimmt und sich anschließend eine neue Abrechnungsziffer dafür schaffen lässt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Apotheken haben in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen eine wichtige Rolle. Sie müssen dafür nicht zu Pflegeberatungsstellen werden. Und die Pflegeversicherung hat genügend finanzielle Probleme, ohne bereits vorhandene Leistungen noch einmal unter anderem Namen einzukaufen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer wirklich die Versorgung verbessern will, sollte die bestehenden pflegefachlichen Beratungsstrukturen stärken, ihre Bekanntheit erhöhen und ihre Erreichbarkeit verbessern.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine pharmazeutische Parallelstruktur für Pflegeberatung ist dafür nicht notwendig.<br><br>Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/17/apotheker-als-pflegeberater-wo-sinnvolle-zusammenarbeit-endet-und-jetzt-doppelstrukturen-gefordert-werden/">Apotheker als Pflegeberater? Wo sinnvolle Zusammenarbeit endet und jetzt Doppelstrukturen gefordert werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>Alzheimer wegoperieren? Wie der Hype um eine experimentelle Hals-OP der Forschung davonlief</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/16/alzheimer-wegoperieren-wie-der-hype-um-eine-experimentelle-hals-op-der-forschung-davonlief/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 05:07:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein schwer an Alzheimer erkrankter Mensch erkennt wenige Tage nach einer Operation wieder Angehörige, spricht mehr und läuft Monate später durch einen Krankenhausflur: Solche Bilder verbreiteten sich in China über&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/16/alzheimer-wegoperieren-wie-der-hype-um-eine-experimentelle-hals-op-der-forschung-davonlief/">Alzheimer wegoperieren? Wie der Hype um eine experimentelle Hals-OP der Forschung davonlief</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein schwer an Alzheimer erkrankter Mensch erkennt wenige Tage nach einer Operation wieder Angehörige, spricht mehr und läuft Monate später durch einen Krankenhausflur: Solche Bilder verbreiteten sich in China über soziale Medien und sorgten für enorme Aufmerksamkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die dahinterstehende Operation gibt es tatsächlich. Eine etablierte Alzheimertherapie ist sie jedoch bis heute nicht. Im Gegenteil: In China verbreitete sich der Eingriff wesentlich schneller, als seine Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft werden konnte. 2025 zog die chinesische Gesundheitsbehörde schließlich die Notbremse und untersagte seine klinische Anwendung zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was wird bei der Operation überhaupt gemacht?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der sogenannten tiefen zervikalen lymphatisch-venösen Anastomose – kurz dcLVA – verbindet der Operateur winzige Lymphgefäße tief im Hals mit benachbarten Venen. Eine Anastomose ist dabei schlicht eine operativ geschaffene Verbindung zwischen zwei Gefäßen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Idee dahinter: Der Abtransport von Flüssigkeit und Stoffwechselprodukten aus dem Gehirn könnte dadurch erleichtert werden. Und diese Ausgangsidee ist nicht aus der Luft gegriffen. Das Gehirn besitzt ein sogenanntes glymphatisches System – vereinfacht gesagt ein Flüssigkeits- und „Reinigungssystem“ entlang der Blutgefäße im Gehirn. Daneben gibt es meningeale Lymphgefäße, also Lymphbahnen in den Hirnhäuten. Beide Systeme sind am Abtransport von Stoffen aus dem Gehirn beteiligt. Dazu gehören auch Amyloid und Tau, zwei Eiweiße, die bei der Alzheimer-Krankheit eine wichtige Rolle spielen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Was daraus bislang gerade nicht folgt: dass bei Alzheimer der Abfluss am Hals der entscheidende Engpass ist und dass eine zusätzliche Verbindung zwischen Lymphgefäß und Vene den Krankheitsverlauf wirksam verändert. Das bleibt eine Hypothese.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom Einzelfall zum Social-Media-Hype</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="819" height="1024" src="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/textunterbrecherhalsop-819x1024.png" alt="" class="wp-image-3806" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/textunterbrecherhalsop-819x1024.png 819w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/textunterbrecherhalsop-240x300.png 240w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/textunterbrecherhalsop-768x960.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/textunterbrecherhalsop.png 1122w" sizes="(max-width: 819px) 100vw, 819px" /></figure>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Mikrochirurg Qingping Xie vom Qiushi Hospital in Hangzhou gehörte zu den Pionieren des Verfahrens. Fachveröffentlichungen führen erste Arbeiten im Zusammenhang mit kognitiven Beeinträchtigungen bis 2018 zurück. Als erster dokumentierter dcLVA-Eingriff ausdrücklich zur Behandlung einer Alzheimer-Erkrankung gilt eine Operation im September 2020.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zunächst fand das Verfahren wenig Beachtung. Das änderte sich aber völlig, als Videos mit teilweise spektakulären Verläufen auf Fachkongressen und später in sozialen Medien kursierten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nature beschreibt, wie Testimonials und aggressive Marketingkampagnen insbesondere auf den chinesischen Plattformen Douyin und WeChat die Nachfrage anheizten. Tausende Menschen ließen sich operieren. Viele zahlten mehr als 200.000 Yuan – rund 30.000 US-Dollar – für die Hoffnung auf eine Besserung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bis Ende Juni 2025 sollen nach einer Auswertung der „South China Morning Post“ bereits rund 382 Krankenhäuser in China den Eingriff vorgenommen haben.</p>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit war aus einer experimentellen Operation innerhalb weniger Jahre ein weit verbreitetes Behandlungsangebot geworden – ohne dass zu diesem Zeitpunkt randomisierte kontrollierte Studien einen Nutzen belegt hatten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die größte Studie beweist noch keine Wirksamkeit</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Inzwischen gibt es immerhin größere wissenschaftliche Untersuchungen. Im Februar 2026 erschien eine prospektive Studie mit 139 Menschen mit schwerer Alzheimer-Demenz. Der mediane MMSE-Wert lag zu Beginn bei lediglich 2 Punkten. Der MMSE ist ein kurzer Test verschiedener kognitiver Fähigkeiten und reicht von 0 bis 30 Punkten. Nach sechs Monaten war der MMSE im Mittel um 1,28 Punkte gestiegen. Auch bei Alltagsfähigkeiten und Verhaltenssymptomen wurden Veränderungen beobachtet. Zudem veränderten sich verschiedene Alzheimer-Biomarker in Liquor und Blut.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Problem: Alle Teilnehmer wurden operiert. Es gab weder eine nicht operierte Kontrollgruppe noch eine Scheinoperation. Außerdem waren nach sechs Monaten 44 der ursprünglich 139 Teilnehmer – 31,7 Prozent – nicht mehr im Follow-up. Damit lässt sich nicht feststellen, welcher Teil der beobachteten Veränderungen tatsächlich durch die angelegte Gefäßverbindung verursacht wurde. Auch die beobachteten Biomarkerveränderungen beweisen bislang nicht, dass dadurch der Alzheimerprozess therapeutisch beeinflusst wurde.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und der Eingriff ist keine Kleinigkeit: Die Operation dauerte in dieser Studie durchschnittlich rund dreieinhalb Stunden, die Narkose fast fünf Stunden. 31,7 Prozent der Patienten entwickelten vorübergehend <a href="https://demenz-zeitung.de/2025/04/23/persistentes-delir-weit-verbreitet-und-langanhaltend/">ein postoperatives Delir</a>, knapp 60 Prozent Schlafstörungen. Ein Patient musste wegen einer Blutung beziehungsweise eines Hämatoms erneut operiert werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>China stoppte die Behandlung</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Am 8. Juli 2025 veröffentlichte die chinesische National Health Commission das Verbot, dcLVA zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit klinisch anzuwenden. Die Begründung: das Verfahren befinde sich noch in einer frühen experimentellen Forschungsphase, Indikationen und Kontraindikationen seien nicht ausreichend geklärt und für Sicherheit und Wirksamkeit fehle hochwertige evidenzbasierte Evidenz. Die Behörde erklärte also nicht, die Operation sei nachweislich wirkungslos. Sie stellte vielmehr fest, dass sie als Behandlung eingesetzt wurde, bevor ausreichend belegt war, ob sie überhaupt wirkt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Jetzt soll die Forschung nachholen, was zuvor fehlte</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidenden Untersuchungen beginnen damit erst jetzt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die randomisierte CLEAN-AD-Studie läuft seit März 2026 und soll 376 Menschen einschließen. Verglichen werden dcLVA plus übliche Behandlung mit der üblichen Behandlung allein. Die primäre Auswertung ist für Ende 2028 vorgesehen. Besonders interessant ist CLIVA-AD. Dort werden 50 Teilnehmer randomisiert; die Kontrollgruppe erhält einen Scheineingriff. Der Operationsablauf wird dabei nachgeahmt, aber die entscheidende lymphatisch-venöse Verbindung wird nicht angelegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade angesichts der teilweise bereits wenige Tage nach einer Operation berichteten spektakulären Verbesserungen ist eine solche Kontrolle entscheidend.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Hype war schneller als die Evidenz</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Fall dcLVA zeigt damit auch ein grundsätzliches Problem moderner Medizin: Bilder und persönliche Erfolgsgeschichten verbreiten sich erheblich schneller als kontrollierte Studien. Eine eindrucksvolle Aufnahme eines Patienten vor und nach einer Operation kann emotional überzeugender wirken als der Hinweis, dass eine Kontrollgruppe fehlt. Sie beantwortet aber nicht die entscheidende Frage: Wie hätte sich derselbe Mensch ohne diese Operation entwickelt?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für dcLVA gibt es eine wissenschaftlich interessante Hypothese und erste messbare Veränderungen nach dem Eingriff. Einen belastbaren Nachweis, dass damit eine Alzheimer-Demenz wirksam behandelt oder gar rückgängig gemacht werden kann, gibt es bislang nicht. Dass mehrere tausend Menschen operiert wurden, bevor diese Frage beantwortet war, ist deshalb mindestens ebenso bemerkenswert wie die Operation selbst.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Pionier des Verfahrens, Qingping Xie, befindet sich zudem seit September 2025 in Haft, so weit bekannt. The BMJ berichtet, dass er zunächst wegen des Verdachts auf Versicherungsbetrug festgenommen wurde; öffentlich bekanntgegebene strafrechtliche Anklagen lagen zum Zeitpunkt des BMJ-Berichts im Juli 2026 nicht vor. Dieser Vorgang sagt für sich genommen nichts darüber aus, ob die medizinische Methode wirksam ist – gehört aber zur ungewöhnlichen Geschichte ihrer raschen Verbreitung.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Fu X et al.: „Deep cervical lymphatic–venous anastomosis attenuates cognitive dysfunction and biomarker abnormalities in severe Alzheimer&#8217;s disease: A prospective single-arm study.“ Alzheimer&#8217;s &amp; Dementia. 2026;22:e71150. DOI 10.1002/alz.71150.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Li G et al.: „Deep cervical lymphaticovenous anastomosis for Alzheimer’s disease: theoretical foundations, regulatory suspension, and translational challenges.“ Frontiers in Aging, 2026.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">National Health Commission of the People&#8217;s Republic of China: Mitteilung zum Verbot der Anwendung der tiefen zervikalen lymphatisch-venösen Anastomose zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit, 2025.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dolgin E.: „A controversial Alzheimer’s surgery is said to reverse symptoms — here’s what scientists know.“ Nature, 2026.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">South China Morning Post: „China bans popular Alzheimer’s disease surgery pending clinical studies“, 11. Juli 2025.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nelson F.: „China has banned an unproven Alzheimer’s operation and detained its inventor, but international clinical trials of dcLVA are still going ahead—why?“ The BMJ. 2026;394:e100302.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">ClinicalTrials.gov: CLEAN-AD, NCT07073066.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">ClinicalTrials.gov: CLIVA-AD, NCT07294885.</p>
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		<title>Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 07:07:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen mit Demenz dürfen wählen. Auch eine fortgeschrittene Demenz führt nicht automatisch zum Verlust des Wahlrechts. Gleichzeitig verlangt das Wahlrecht eines eindeutig: Die Entscheidung muss die Entscheidung des wahlberechtigten Menschen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/">Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz dürfen wählen. Auch eine fortgeschrittene Demenz führt nicht automatisch zum Verlust des Wahlrechts. Gleichzeitig verlangt das Wahlrecht eines eindeutig: Die Entscheidung muss die Entscheidung des wahlberechtigten Menschen selbst sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie wichtig diese Grenze ist, zeigt ein aktueller Verdachtsfall aus Sachsen-Anhalt – wenige Tage vor der Landtagswahl am 6. September 2026.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der aktuelle Fall</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://ostdeutscheallgemeine.com/article/exklusiv-wahlbetrug-mit-der-stimme-einer-dementen-95-jaehrigen-bevollmaechtigter-stellt-strafanzeige-10353231">Die „Ostdeutsche Allgemeine“ </a>berichtet über eine 95-jährige Bewohnerin einer Seniorenresidenz in Dessau, die seit mehreren Jahren an Demenz erkrankt sein soll.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach Darstellung ihres Bevollmächtigten wurde ihm zunächst von einer Mitarbeiterin mitgeteilt, Wahlunterlagen von Bewohnerinnen und Bewohnern seien aus Zeitgründen eingesammelt und vernichtet worden. Als er später beim Wahlbüro nachfragte, habe er jedoch erfahren, dass für seine Tante bereits am 10. August Briefwahlunterlagen beantragt worden seien und sie bereits gewählt habe. Der Bevollmächtigte hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Stadt Dessau-Roßlau bestätigte der Zeitung, dass ihr der Vorgang bekannt sei. Die betroffene Einrichtung äußerte sich gegenüber der Zeitung zunächst nicht. Damit handelt es sich derzeit um einen Verdachtsfall – nicht um einen nachgewiesenen Wahlbetrug.<br><strong><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a9ad741dde98c9236181f5c/dessau-rosslau-staatsanwaltschaft-findet-keine-belege-fuer-wahlmanipulation-im-seniorenheim.html?source=puerto-reco-2_ABC-V50.5.B_schlagzeilen">UPDATE v. 04.09.: Laut der Tageszeitung Welt hat sich der Versdcht auf Wahlbetrug im genannten Fall NICHT erhärtet und die Ermittlungen sind eingestellt worden. </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f3f6f8; border-left:6px solid #2f5f78; padding:22px; margin:28px 0; font-size:18px; line-height:1.6;">
<p style="font-size:22px; font-weight:bold; margin:0 0 15px 0;"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f5f3.png" alt="🗳" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Wahlrecht und Demenz – die wichtigsten Punkte</p>

<p>• Eine Demenzdiagnose bedeutet nicht, dass ein Mensch sein Wahlrecht verliert.</p>

<p>• Die Wahlentscheidung trifft ausschließlich die wahlberechtigte Person selbst.</p>

<p>• Eine andere Person darf niemals stellvertretend entscheiden, welche Partei oder welcher Kandidat gewählt wird.</p>

<p>• Auch eine rechtliche Betreuung oder eine Vollmacht berechtigt nicht dazu, anstelle des Betroffenen eine politische Wahlentscheidung zu treffen.</p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch eine gut gemeinte Motivation ändert daran nichts. Pflegepersonen sind Unterstützende – keine politischen Stellvertreter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn keine Wahlentscheidung mehr möglich ist</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kann ein Mensch aufgrund seiner kognitiven Einschränkungen keine eigene Wahlentscheidung mehr treffen oder äußern, darf niemand diese Entscheidung für ihn übernehmen. Das bedeutet nicht, dass ihm aufgrund seiner Demenz formal das Wahlrecht abgesprochen wird. Es bedeutet lediglich, dass eine andere Person seine Stimme nicht stellvertretend abgeben darf. Genau diese Grenze schützt sowohl das Wahlrecht des Menschen mit Demenz als auch die Freiheit und Geheimhaltung der Wahl.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mögliche strafrechtliche Folgen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Strafgesetzbuch ist an dieser Stelle ausgesprochen eindeutig. Nach § 107a StGB macht sich wegen Wahlfälschung strafbar, wer unbefugt wählt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Gesetz stellt ausdrücklich klar, dass auch derjenige unbefugt wählt, der bei einer eigentlich zulässigen Assistenz entgegen der Wahlentscheidung eines Wahlberechtigten oder ohne dessen geäußerte Wahlentscheidung eine Stimme abgibt. Darauf stehen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Auch der Versuch ist strafbar.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob im aktuellen Fall in Dessau tatsächlich eine solche Straftat begangen wurde, müssen nun die Ermittlungen klären.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Fall zeigt jedoch bereits jetzt, wie sensibel Wahlunterstützung in Pflegeeinrichtungen ist: Unterstützung darf Teil guter Pflege sein. Die politische Entscheidung eines Bewohners zu ersetzen, darf es niemals sein.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/">Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>KI-Sprachanalyse kann Hinweise geben – ersetzt aber keine Demenzdiagnostik</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/06/17/ki-sprachanalyse-kann-hinweise-geben-ersetzt-aber-keine-demenzdiagnostik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 05:09:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzdiagnostik]]></category>
		<category><![CDATA[Diagnostikstandard]]></category>
		<category><![CDATA[falsch-positive Befunde]]></category>
		<category><![CDATA[früherkennung]]></category>
		<category><![CDATA[hausarztpraxis]]></category>
		<category><![CDATA[JAMA Neurology]]></category>
		<category><![CDATA[ki]]></category>
		<category><![CDATA[kognitive beeinträchtigung]]></category>
		<category><![CDATA[künstliche intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[moca]]></category>
		<category><![CDATA[screening]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachanalyse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine neue Studie in JAMA Neurology untersucht, ob künstliche Intelligenz aus kurzen Mitschnitten normaler Gespräche zwischen Patienten und Hausärzten Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen erkennen kann. Ausgewertet wurden Audioaufnahmen von 966&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/06/17/ki-sprachanalyse-kann-hinweise-geben-ersetzt-aber-keine-demenzdiagnostik/">KI-Sprachanalyse kann Hinweise geben – ersetzt aber keine Demenzdiagnostik</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine neue Studie in JAMA Neurology untersucht, ob künstliche Intelligenz aus kurzen Mitschnitten normaler Gespräche zwischen Patienten und Hausärzten Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen erkennen kann. Ausgewertet wurden Audioaufnahmen von 966 englischsprachigen Menschen ab 55 Jahren, bei denen bislang keine Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigung dokumentiert war. Als Vergleich diente der Montreal Cognitive Assessment, kurz MoCA.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtig: Es geht um Screening, nicht um Diagnose</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Ergebnis klingt zunächst interessant: Das beste Modell erreichte in der externen Validierungsgruppe eine Sensitivität von 68,2 Prozent und eine Spezifität von 63,6 Prozent. Der positive Vorhersagewert lag jedoch nur bei 30,4 Prozent. Praktisch bedeutet das: Viele auffällige KI-Hinweise wären falsch positiv. Anders gesagt: Von den Personen, die das System als auffällig markiert, hätte ein großer Teil nach dem Studienkriterium keine kognitive Beeinträchtigung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Praxis heißt das: Solche Verfahren könnten künftig helfen, in der Hausarztpraxis frühzeitig genauer hinzuschauen. Sie ersetzen aber keinen diagnostischen Standard. Eine Demenzdiagnose bleibt eine fachliche Gesamteinschätzung mit Anamnese, Fremdanamnese, kognitiver Testung, Alltagsbezug, Ausschluss anderer Ursachen und gegebenenfalls weiterführender fachärztlicher Diagnostik. Die Studie zeigt also nicht: „KI erkennt Demenz.“ Sie zeigt: Sprach- und Stimmmerkmale könnten ein zusätzlicher Hinweisgeber sein – mehr nicht.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="Quelle: Joseph T. Colonel, Jacqueline Becker, Lili Chan et al.: Acoustic Analysis of Primary Care Patient–Clinician Conversations to Screen for Cognitive Impairment. JAMA Neurology. Online veröffentlicht am 15. Juni 2026. doi: 10.1001/jamaneurol.2026.1868.">Quelle: Joseph T. Colonel, Jacqueline Becker, Lili Chan et al.: Acoustic Analysis of Primary Care Patient–Clinician Conversations to Screen for Cognitive Impairment. JAMA Neurology. Online veröffentlicht am 15. Juni 2026. doi: 10.1001/jamaneurol.2026.1868.</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/06/17/ki-sprachanalyse-kann-hinweise-geben-ersetzt-aber-keine-demenzdiagnostik/">KI-Sprachanalyse kann Hinweise geben – ersetzt aber keine Demenzdiagnostik</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>Demenzprävention ist mehr als Bewegung und gesunde Ernährung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 11:45:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[American Heart Association]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Demenzprävention und Gehirngesundheit dürfen nicht auf „mehr Bewegung und gesünder essen“ verkürzt werden. Darauf weist ein neues wissenschaftliches Statement der American Heart Association hin. Die Autorinnen und Autoren beschreiben Gehirngesundheit&#8230;</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenzprävention und Gehirngesundheit dürfen nicht auf „mehr Bewegung und gesünder essen“ verkürzt werden. Darauf weist ein neues wissenschaftliches Statement der American Heart Association hin. Die Autorinnen und Autoren beschreiben Gehirngesundheit als Ergebnis vieler Einflüsse über die gesamte Lebensspanne – von frühen Kindheitserfahrungen bis ins hohe Alter.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt stehen ausdrücklich nicht nur klassische vaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen. Das Papier rückt weitere Faktoren in den Blick: psychische Gesundheit, chronischer Stress, Schlafqualität, Umweltbelastungen, chronische Entzündung, das Darmmikrobiom, soziale Benachteiligung, Bildung, belastende Kindheitserfahrungen, chronische Erkrankungen und Infektionen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gehirngesundheit unter Bedingungen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit wird deutlich: Wer über Demenzprävention spricht, darf die Verantwortung nicht allein beim einzelnen Menschen abladen. Natürlich bleiben Bewegung, ausgewogene Ernährung, guter Schlaf, Rauchverzicht und ein maßvoller Umgang mit Alkohol wichtig. Aber sie sind nur ein Teil des Bildes. Gehirngesundheit hängt auch davon ab, unter welchen Bedingungen Menschen aufwachsen, arbeiten, wohnen, altern und medizinisch versorgt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Botschaft des AHA-Statements ist deshalb weniger eine einfache Verhaltensregel als ein Perspektivwechsel: Gehirngesundheit entsteht im Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren. Wer Demenzprävention ernst nimmt, muss dieses Zusammenspiel berücksichtigen – im Alltag, in der Versorgung und in politischen Entscheidungen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quelle: <a href="https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/STR.0000000000000518">Marsh EB et al.: Brain Health Across the Life Span: A Framework for Future Studies. Scientific Statement der American Heart Association, veröffentlicht in Stroke, 2026. DOI: 10.1161/STR.0000000000000518.</a></p>
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		<title>Pflegereform: Was sich ändern könnte</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/05/11/pflegereform-was-sich-aendern-koennte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 14:44:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat erste Eckpunkte ihrer geplanten Pflegereform vorgestellt. Die Pflegegrade sollen nicht abgeschafft werden. Bei den Pflegegraden 1 bis 3 sollen die Anspruchsvoraussetzungen aber offenbar wieder stärker an&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/05/11/pflegereform-was-sich-aendern-koennte/">Pflegereform: Was sich ändern könnte</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat erste Eckpunkte ihrer geplanten Pflegereform vorgestellt. Die Pflegegrade sollen nicht abgeschafft werden. </p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/finanzentwicklung-1024x768.png" alt="" class="wp-image-3591" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/finanzentwicklung-1024x768.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/finanzentwicklung-300x225.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/finanzentwicklung-768x576.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/finanzentwicklung-1320x990.png 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/finanzentwicklung.png 1448w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei den Pflegegraden 1 bis 3 sollen die Anspruchsvoraussetzungen aber offenbar wieder stärker an die ursprünglichen wissenschaftlichen Empfehlungen angelehnt werden. Der Hintergrund ist die angespannte Finanzlage der Pflegeversicherung. Die Zahl der Leistungsberechtigten ist seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs stark gestiegen. Warken verweist auf ein erwartetes Defizit von mehr als 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2027 und mehr als 15 Milliarden Euro im Jahr 2028. Damit steht die Pflegeversicherung vor der Frage, wie Leistungen künftig zielgenauer eingesetzt werden können.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Was 2017 anders umgesetzt wurde</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde 2017 ein wichtiger Schritt vollzogen. Pflegebedürftigkeit wurde nicht mehr fast nur über körperliche Hilfe bei einzelnen Verrichtungen verstanden. Auch kognitive und psychische Einschränkungen, Orientierung, Kommunikation und Alltagsbewältigung wurden stärker berücksichtigt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das war besonders für Menschen mit Demenz ein Fortschritt. Ihr Unterstützungsbedarf entsteht oft nicht nur durch körperliche Einschränkungen, sondern durch Orientierungslosigkeit, fehlende Tagesstruktur, Anleitungsbedarf, Verhaltensveränderungen oder fehlende Krankheitseinsicht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gleichzeitig wurde der Zugang zu Leistungen großzügiger geregelt als ursprünglich empfohlen. Der Expertenbeirat hatte für den neuen Pflegegrad 1 einen Einstieg ab 15 Punkten vorgeschlagen. Gesetzlich umgesetzt wurde aber: Pflegebedürftigkeit beginnt bereits ab 12,5 Punkten. Pflegegrad 1 reicht seitdem von 12,5 bis unter 27 Punkten. Dadurch kamen Menschen mit geringeren Einschränkungen früher in den Leistungsbezug.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum das heute überprüft wird</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es geht wohl nicht darum, den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff grundsätzlich zurückzudrehen. Es geht vielmehr um die Frage, ob die unteren Pflegegrade noch so abgegrenzt sind, dass Leistungen vor allem dort ankommen, wo ein erheblicher und dauerhafter Unterstützungsbedarf besteht. Gerade Pflegegrad 1 war ursprünglich eher als niedrigschwelliger, präventiver Unterstützungsgrad gedacht: mit Beratung, Pflegehilfsmitteln, Wohnumfeldmaßnahmen und begrenzter Kostenerstattung. Tatsächlich entstand ein breiterer Leistungszugang, unter anderem mit Entlastungsbetrag und weiteren Ansprüchen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="border-left: 6px solid #2f6f73; background: #eef7f7; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 8px; font-family: Arial, sans-serif; color: #1f2933; line-height: 1.55;">
  <h3 style="margin-top: 0; margin-bottom: 10px; color: #1f4f53; font-size: 1.15em;">
    Warum die Zahl der Leistungsbeziehenden so stark gestiegen ist
  </h3>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Das aktuelle IGES-Gutachten für den GKV-Spitzenverband zeigt: Seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 nehmen deutlich mehr Menschen Leistungen der sozialen Pflegeversicherung in Anspruch, als damals prognostiziert wurde. Der Anteil der Pflegebedürftigen an den gesetzlich Versicherten stieg von 4,6 Prozent im Jahr 2017 auf 7,6 Prozent im Jahr 2024.
  </p>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Als Hauptursache nennt das Gutachten nicht allein die demografische Entwicklung. Entscheidend sei vielmehr, dass seit 2017 mehr Pflegeleistungen beantragt werden – häufiger auch von im Durchschnitt jüngeren und weniger stark beeinträchtigten Personen.
  </p>

  <p style="margin: 0; font-size: 0.88em; color: #4b5563;">
    Quelle: IGES Institut im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes: 
    <a href="https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/modellprojekte/pflege_abgeschlossene_projekte_8/pflegepraevalenzen.jsp" target="_blank" rel="noopener noreferrer" style="color: #1f4f53; text-decoration: underline;">
      Erklärungsfaktoren für die Entwicklung der Pflegeprävalenzen seit 2017
    </a>, veröffentlicht 2026.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Neben strengeren Zugangsvoraussetzungen bei den Pflegegraden 1 bis 3 sind weitere Änderungen im Gespräch. Dazu gehören weniger Einzelleistungen und transparentere Budgets, ein Budget für Akut- und Notfälle sowie ein Anspruch auf professionelle Pflegebegleitung, vor allem zur Unterstützung Angehöriger.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zugleich soll stärker betont werden, dass die Pflegeversicherung eine Teilleistungsversicherung bleibt und keine Vollabsicherung bietet. Außerdem werden spätere oder gestreckte Zuschüsse bei längeren Heimaufenthalten, eine Begrenzung der Heimkosten, höhere Belastungen höherer Einkommen, eine bessere Anlage des Pflegevorsorgefonds sowie mehr Prävention, geriatrische Rehabilitation und Erhalt der Selbstständigkeit genannt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Richtung ist damit erkennbar: Die Pflegeversicherung soll übersichtlicher, finanziell tragfähiger und stärker auf tatsächliche Pflegebedürftigkeit ausgerichtet werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum die Reform notwendig ist</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ohne Reform droht die Pflegeversicherung immer tiefer in eine Finanzierungskrise zu geraten. Das betrifft nicht nur Beitragszahlende, sondern am Ende auch Pflegebedürftige, Angehörige, ambulante Dienste und Einrichtungen. Wenn Ausgaben dauerhaft schneller steigen als Einnahmen, entsteht politischer Druck: Beiträge steigen, Leistungen werden gekürzt oder der Bund muss stärker einspringen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Reform ist deshalb nicht nur eine Sparmaßnahme. Sie ist auch der Versuch, die Pflegeversicherung langfristig handlungsfähig zu halten. Denn ein System, das finanziell aus dem Gleichgewicht gerät, verliert Verlässlichkeit – gerade für diejenigen, die später auf Pflege angewiesen sind.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders wichtig wird dabei sein, zwischen leichter Unterstützung und echter Pflegebedürftigkeit sauber zu unterscheiden. Frühe Hilfen können sinnvoll sein, etwa um Angehörige zu entlasten oder eine Wohnraumanpassung zu ermöglichen. Gleichzeitig muss die Pflegeversicherung ihre begrenzten Mittel so einsetzen, dass Menschen mit erheblichem Unterstützungsbedarf nicht schlechter gestellt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die offene Streitfrage</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kritik gibt es dennoch. Patientenschützer, Linke und Caritas warnen davor, die Reform zu stark bei Pflegebedürftigen und Angehörigen anzusetzen. Sie fordern unter anderem, versicherungsfremde Leistungen stärker aus Steuermitteln zu finanzieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei steht auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in der Kritik. Er weigere sich weiterhin, versicherungsfremde Leistungen aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Der Bundesrat hatte zuvor auf Initiative Baden-Württembergs gefordert, dass der Bund solche gesamtgesellschaftlichen Aufgaben aus Steuermitteln bezahlt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Kritik ändert aber nichts an der Grundfrage: Die Pflegeversicherung braucht eine tragfähige Neuordnung. Entscheidend wird sein, ob die Reform nur Leistungen begrenzt – oder ob sie zugleich mehr Klarheit, bessere Steuerung und verlässliche Unterstützung für wirklich pflegebedürftige Menschen schafft.</p>



<p class="has-pale-cyan-blue-background-color has-background has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Menschen mit Demenz bleibt wichtig: Ihr Unterstützungsbedarf darf nicht wieder unterschätzt werden. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff war hier ein fachlicher Fortschritt. Eine Reform sollte deshalb nicht die Anerkennung kognitiver und psychischer Einschränkungen zurücknehmen, sondern die Leistungen zielgenauer, transparenter und langfristig finanzierbar machen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.aerzteblatt.de/news/warken-gibt-erste-details-zur-pflegereform-bekannt-19b2589d-a2ef-4f1b-bee7-0fe2fa6a22a2?utm_source=chatgpt.com">Ärzteblatt: Warken gibt erste Details zur Pflegereform bekannt</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/pflegeversicherung/forschung/projekte_unterseiten/IGES_Entwicklung_Pflegepraevalenz_Abschlussbericht_final-2026-04-22.pdf?utm_source=chatgpt.com">GKV-Spitzenverband / IGES: Entwicklung der Pflegeprävalenzen und weiterer Kennzahlen seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="GKV-Spitzenverband: Starker Anstieg Pflegebedürftigkeit – Zugang zur Pflege in unteren Pflegegraden prüfen">GKV-Spitzenverband: Starker Anstieg Pflegebedürftigkeit – Zugang zur Pflege in unteren Pflegegraden prüfen</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/bundesrat-versicherungsfremde-leistungen-aus-bundessteuermitteln-finanzieren?utm_source=chatgpt.com">Baden-Württemberg: Bundesrat fordert Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Bundessteuermitteln</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/05/11/pflegereform-was-sich-aendern-koennte/">Pflegereform: Was sich ändern könnte</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Swen Staack über Demenzpolitik, Pflege und falsche Hoffnungen</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/04/14/3539/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 18:23:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[Alzheimer-Medikamente]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Swen Staack ist Geschäftsführer der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. und seit November 2024 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.. Dazu noch einer der Sprecher der AG Landesfachstellen Demenz der&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/04/14/3539/">Swen Staack über Demenzpolitik, Pflege und falsche Hoffnungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Swen Staack ist Geschäftsführer der <a href="https://www.alzheimer-sh.de/">Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V.</a> und seit November 2024 1. <a href="https://www.deutsche-alzheimer.de/">Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.</a>. Dazu noch einer der Sprecher der AG Landesfachstellen Demenz der Länder.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ich habe ihn nach seiner persönlichen Meinung zu gerade aktuellen Themen rund um Demenz gefragt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Herr Staack, Sie sagen selbst, Sie regen sich gerade über vieles auf. Was ist im Moment der Punkt, an dem Sie beim Thema Demenzpolitik in Deutschland am meisten fassungslos macht?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Das stimmt. Da gibt es leider gerade einige Themen: von der Diskussion um die neuen Medikamente über den Zukunftspakt Pflege bis hin zur Neuausrichtung der Nationalen Demenzstrategie. Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen, aber auch viele Menschen, die sich beruflich oder ehrenamtlich um das Thema Demenz kümmern, sind verunsichert. Zu Recht.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-5" style="color:#2f0a52">Neue Alzheimer-Medikamente: Hoffnung, Evidenz und Verunsicherung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Warum ärgert Sie die aktuelle Diskussion um <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/15/eu-kommission-gibt-neuen-wirkstoff-frei-lecanemab-erhaelt-zulassung/">Lecanemab </a>und <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/09/29/eu-kommission-genehmigt-alzheimer-medikament-mit-donanemab/">Donanemab</a>? Eigentlich ist es doch ein Schritt nach vorne. Geht es Ihnen vor allem darum, dass zu einseitig Hoffnung verkauft wird – oder darum, dass Betroffene nun wieder zwischen Euphorie und Enttäuschung hängenbleiben?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Für mich fühlt es sich tatsächlich so an, als würden mit Hoffnungen und Ängsten von Menschen Politik gemacht und Profite gesucht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Von Anfang an wurde – sicher auch unterstützt durch die Pharmafirmen – über Medien die Aussicht auf einen bahnbrechenden Durchbruch bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit erzeugt. Das ist angesichts der vorliegenden Studien aber völlig überzogen, egal wie man die Daten interpretiert. Nicht umsonst haben IQWiG und G-BA auf Grundlage der vom Hersteller vorgelegten Studiendaten keinen Zusatznutzen gegenüber dem bisherigen Therapiestandard erkannt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Forschung mögen diese Medikamente mit Hoffnung verbunden sein, weil sie vielleicht einen Weg in die richtige Richtung weisen. Aber man darf Hoffnung nicht mit Evidenz verwechseln. Die klinische Wirksamkeit wurde momentan als nicht bedeutsam eingestuft und wird für die Betroffenen im Alltag wenig bis gar nicht spürbar sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zur Verunsicherung haben auch kritische Stimmen von Fachverbänden beigetragen, die das IQWiG heftig kritisiert haben, etwa mit dem Argument, man könne hier kausal statt nur symptomatisch behandeln. Das stimmt zwar. Aber das Ergebnis der Behandlung macht eben keinen großen Unterschied. Da frage ich mich manchmal schon nach möglichen Interessenkonflikten. Für Laien sind diese Zulassungsdiskussionen kaum noch nachvollziehbar. Und bei jährlichen Gesamtbehandlungskosten von über 34.000 Euro stellt sich auch die Frage der Verhältnismäßigkeit. Die Erkenntnisse des G-BA bedeuten ja nicht automatisch, dass die Medikamente nicht verfügbar sind. Ziel ist nun, mit dem GKV-Spitzenverband eine Preisgestaltung durchzusetzen, die sich an der nachgewiesenen Wirksamkeit orientiert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dazu kommt noch etwas anderes: In der öffentlichen Diskussion geht es gefühlt nur noch um die Alzheimer-Krankheit, um frühe Krankheitsstadien und um medikamentöse Behandlungsansätze. Alle Menschen, die für diese Medikamente gar nicht infrage kommen – weil die Erkrankung zu weit fortgeschritten ist, weil sie eine andere Demenzform haben oder weil einer der vielen Ausschlussgründe greift –, geraten aus dem Fokus. Und das sind bei weitem die meisten Betroffenen. Und ganz wichtig: Es gibt eine ganze Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten, deren positive Effekte auf den Verlauf seit langem bekannt und nachgewiesen sind. Dazu gehören neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Ergotherapie, Musiktherapie, Hirnleistungstraining und körperliches Training. Die dürfen keinesfalls vergessen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-6" style="color:#2f0a52">Pflegeversicherung: gute Ansätze, aber viel Flickschusterei</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Stichwort Pflegeversicherung. Wie sehen Sie die Vorschläge der<a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/F/FinanzKommission_Gesundheit/FinanzKommissionGesundheit_Erster_Bericht_20260330.pdf"> Bund-Länder-Arbeitsgruppe?</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Grundsätzlich ist es erst einmal positiv, dass sich überhaupt etwas tut. Nach Jahren der Flickschusterei wäre das ja auch dringend nötig. Aber ein großer Wurf ist der neue Vorschlag bei weitem nicht. Es bleibt eben genau dabei: Flickschusterei.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Maßnahmenpapier heißt es gleich am Anfang, dass die Vorschläge nicht zu Mehrausgaben führen sollen. Das gibt die Richtung vor – und in meinen Augen ist das die völlig falsche Richtung. Vielleicht saßen deshalb eher ministerielle Verwaltungsexperten in der Arbeitsgruppe und keine Fachleute aus Pflege und anderen Professionen. Diese wurden am Ende nur noch angehört. Auch die DAlzG konnte sich äußern – allerdings wie viele andere Verbände nur kurz und in meiner Wahrnehmung wenig wertschätzend.<br>Es gibt durchaus positive Punkte: die Stärkung von Prävention und Beratung, die Neugestaltung der Verhinderungspflege und eine flexiblere Budgetlösung für Sach- und Entlastungsleistungen im ambulanten Bereich. Auch im stationären Bereich wären die vollständige Übernahme der medizinischen Behandlungspflege durch die gesetzliche Krankenversicherung oder ein Sockel-Spitze-Tausch sinnvoll, also eine Begrenzung der Eigenanteile. Wenn das denn tatsächlich kommt. Denn das kostet Geld.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Sinnvoll ist auch, Verhinderungspflege für Tages- und Nachtpflege nutzbar zu machen oder die Kurzzeitpflege zu stärken. Das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Kurzzeitpflegeplätze haben riesige Wartezeiten oder sind in manchen Regionen gar nicht verfügbar. Gleiches gilt oft für die Tagespflege. Und über Nachtpflege brauchen wir gar nicht erst reden – da gibt es deutschlandweit kaum Plätze. Was nützt Menschen ein Recht auf Leistungen, die de facto vielerorts gar nicht verfügbar sind? Das ist Augenwischerei. Besonders kritisch sehe ich die mögliche Streichung des Entlastungsbetrags in Pflegegrad 1. Gerade Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen brauchen alltagsunterstützende Angebote, die Selbstständigkeit fördern und entlasten. Der Wegfall würde die ambulante Versorgung weiter schwächen, obwohl diese Hilfen oft schon lange vor einer formalen Einstufung dringend gebraucht werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ebenso problematisch ist die geplante hälftige Zahlung des Pflegegeldes in Pflegegrad 2 und 3 über mehrere Monate bei erstmaliger Einstufung. Das würde den Einstieg in das Unterstützungssystem erheblich erschweren. Die Idee einer fachlichen Begleitung ist auf dem Papier erstmal gut. Aber angesichts des Fachkräftemangels völlig unrealistisch – besonders dann, wenn das nur Pflegefachkräfte leisten sollen. Wo sollen die denn herkommen? Auch die Pflegestützpunkte könnten das bei der Vielzahl der Fälle kaum leisten. Im Entwurf heißt es dann wieder: Das Angebot könne auch durch Kommunen und weitere Akteure erbracht werden. Dieses „kann, sollte, würde, blabla“ kennen wir doch. Jeder, der sich mit dem Thema auskennt, weiß, dass dann oft nichts passiert. Kritisch ist auch die geplante Veränderung der Schwellenwerte für die Anerkennung von Pflegegraden nach Maßgaben von 2013. Das hätte gravierende Folgen für Menschen mit Demenz, weil Unterstützungsangebote im Alltag erst deutlich später greifen würden. Ein erschwerter früher Zugang zum Hilfesystem erhöht aber das Risiko, schneller pflegebedürftig zu werden und früher aus dem häuslichen Umfeld herauszufallen. Ein bekanntes Muster: kurzfristig wird gespart, langfristig wieder mehr ausgegeben. Aber dann ist vielleicht längst ein anderer Minister zuständig.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mein Fazit: In der Bund-Länder-Arbeitsgruppe gibt es einige gute Ansätze. Aber sie müssen konkretisiert werden – und ohne ausreichende Finanzierung wird das nicht funktionieren. Das muss man den Bürgern auch ehrlich sagen, statt immer zuerst auf die nächste Wahl zu schauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-7" style="color:#2f0a52">Nationale Demenzstrategie: viel begonnen, zu wenig verbindlich</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Zur Nationalen Demenzstrategie: Sie läuft Ende 2026 aus und soll weitergeführt werden. Ist sie ein Erfolg gewesen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Die Erarbeitung und Verabschiedung der Nationalen Demenzstrategie im Jahr 2020 war aus meiner Sicht zunächst ein starkes politisches Signal: Demenz wurde als gesamtgesellschaftliche Herausforderung anerkannt. Dass die Fortführung nun auch im Koalitionsvertrag steht, unterstreicht das.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Leider hat sich in den vergangenen Jahren aber gezeigt, dass die NDS nicht die nötige Durchschlagskraft hatte, um die Lebensrealität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen spürbar und nachhaltig zu verbessern. Es gab erhebliche Schwächen: den weitgehend fehlenden direkten Einbezug von Menschen mit Demenz und Angehörigen, die schlechte bis gar nicht vorhandene finanzielle Ausstattung vieler Maßnahmen und die fehlende Verbindlichkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Natürlich gab es positive Effekte. Dazu gehören etwa die Landesfachstellen Demenz, deren Arbeitsgemeinschaft inzwischen fachlich unverzichtbar und gut vernetzt ist, die vielen Lokalen Allianzen, die Etablierung der Woche der Demenz oder die Entwicklung eines Versorgungspfades Demenz. Es gibt noch viele weitere gute Maßnahmen. Das Problem ist nur: Vieles wurde nur modellhaft als Projekt umgesetzt. Oft erfolgreich und gewinnbringend – aber ohne Übergang in die Regelversorgung. Mobile Beratung im ländlichen Raum oder Dementia Care Management sind dafür gute Beispiele. Beides funktioniert nachweislich gut, wird aber nicht verstetigt, weil es Geld kostet.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und manche Maßnahmen, die im Monitoring als „erfüllt“ geführt werden, verärgern mich massiv, weil die Menschen dort schlicht veräppelt werden. Wenn etwa die Maßnahme „Parkerleichterung für Menschen mit Demenz“ als erfüllt gilt, nur weil der Bund im <a href="https://www.wegweiser-demenz.de/">Wegweiser Demenz</a> Informationen zur Beantragung eingestellt hat, dann erleichtert das in der Realität gar nichts.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Oder die angeblich erfüllte Maßnahme zur „Verbesserung des Zugangs zu aufsuchender psychologischer Beratung von Angehörigen“. Im Monitoring heißt es sinngemäß: Hausbesuche von Psychotherapeuten seien in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits vorgesehen, man sehe keinen Handlungsbedarf. Ich kenne nur keinen einzigen Angehörigen, der jemals einen solchen Therapeuten zum Hausbesuch gesehen hätte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und noch ein Beispiel: Die „Umsetzung des Expertenstandards Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz in der pflegerischen Praxis im Krankenhaus“ gilt als voll erfüllt, weil die Deutsche Krankenhausgesellschaft in ihren Gremien zum Expertenstandard Entlassmanagement informiert hat. Da fällt mir dann wirklich nichts mehr ein.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-8" style="color:#2f0a52">Ab 2027: Fortsetzung mit offenen Fragen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Nun steht ein neues Konzept der NDS ab 2027 im Raum. Wie stehen Sie dazu?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Zunächst einmal ist für mich wichtig und positiv, dass die NDS fortgesetzt wird. Ein Teil der Kritik wurde offenbar aufgegriffen. So sollen künftig – und das ist ganz wichtig – Menschen mit Demenz stärker und verlässlich eingebunden werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Geplant ist außerdem, jeweils für drei Jahre Arbeitsgruppen einzurichten, die sich an prioritären strategischen Zielen orientieren und diese entlang der WHO-Vorgaben bearbeiten. Im ersten Jahr sollen konkrete Maßnahmen formuliert werden, in den beiden folgenden Jahren geht es um die Umsetzung. Danach zieht man Bilanz, veröffentlicht Ergebnisse und erarbeitet Empfehlungen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das klingt erstmal innovativ. Aber es wirft viele offene Fragen auf: Arbeiten diese Gruppen rein ehrenamtlich? Gibt es überhaupt ein Budget für Maßnahmen? Wer priorisiert was – und nach welchen Kriterien? Die dringend notwendige Geschäftsstelle soll fortgeführt werden. Hoffentlich dann mit mehr fachlichem Input und nicht überwiegend mit Verwaltungsaufgaben. Die bisherige Steuerungsgruppe soll offenbar in einen fachlichen Beirat überführt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Man muss jetzt abwarten, was die Diskussionen in den nächsten Wochen tatsächlich ergeben. Ich bin gespannt. Und eine Anmerkung noch: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hatte in den vergangenen Jahren den Co-Vorsitz der NDS inne. Im neuen Konzept der Ministerien war dieser Co-Vorsitz – trotz wirklich guter Zusammenarbeit – einfach verschwunden. Mittlerweile konnten wir das aber in einem konstruktiven Gespräch klären. Es wird dabei bleiben.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Muss die nächste Phase der NDS stärker an messbaren Verpflichtungen hängen – also an Zuständigkeiten, Finanzierung, regionaler Umsetzung und überprüfbaren Standards?</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Darauf mal eine ganz kurze Antwort: Ja.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/04/14/3539/">Swen Staack über Demenzpolitik, Pflege und falsche Hoffnungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<item>
		<title>Pflegeversicherung: Gerechtigkeit hängt stärker vom Wohnort der Betroffenen ab als vom Pflegegrad</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/02/11/gerechtigkeit-in-der-pflegeversicherung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2026 07:30:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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		<category><![CDATA[stationäre pflege]]></category>
		<category><![CDATA[versorgungslücken im gesundheitswesen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Arbeitspapier der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB stellt der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) ein ungemütliches Zeugnis aus: Gerechtigkeitsfragen entstehen weniger nur durch „zu hohe Heimkosten“, sondern vor allem durch die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/02/11/gerechtigkeit-in-der-pflegeversicherung/">Pflegeversicherung: Gerechtigkeit hängt stärker vom Wohnort der Betroffenen ab als vom Pflegegrad</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Arbeitspapier der Fakultät für <a href="https://www.sowi.ruhr-uni-bochum.de/index.html.de">Sozialwissenschaft der RUB</a> stellt der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) ein ungemütliches Zeugnis aus: Gerechtigkeitsfragen entstehen weniger nur durch „zu hohe Heimkosten“, sondern vor allem durch die unterschiedliche Systemlogik zwischen häuslicher und stationärer Pflege.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Punkte stechen heraus</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Erstens: Die SPV ist zwar als Teilversicherung gedacht, aber es ist nicht klar definiert, welcher „Teil“ eigentlich abgesichert werden soll. Dadurch entsteht ein System, das je nach Versorgungssetting anders wirkt – mit schwer vermittelbaren Verteilungseffekten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zweitens: Pflegegrade bilden Hilfebedürftigkeit ab, aber nicht automatisch den konkreten Hilfebedarf und die entstehenden Kosten. Gleicher Pflegegrad kann in der Praxis sehr unterschiedliche Unterstützungsumfänge bedeuten – und damit auch sehr unterschiedliche finanzielle Belastungen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Drittens: Das Papier macht „unsichtbare Eigenanteile“ <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/28/bedingt-pflegebereit-weniger-als-die-haelfte-kann-sich-die-versorgung-angehoeriger-vorstellen/">in der Häuslichkeit sichtbar</a>, indem es informelle Pflegezeit monetarisiert. Ergebnis: Der geschätzte Eigenanteil zu Hause liegt im Median bei rund 2.085 Euro pro Monat; in höheren Belastungslagen deutlich darüber. Zum Vergleich werden für die stationäre Pflege (ohne Unterkunft und Verpflegung) durchschnittliche pflegebedingte Eigenanteile in einer Größenordnung von grob 910 bis 1.916 Euro pro Monat genannt – je nach Verweildauer. Daraus folgt: Für viele Haushalte kann <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/09/16/angehoerige-bleiben-groesster-pflegedienst-in-deutschland-politik-muss-strukturen-anpassen/">häusliche Pflege finanziell</a> (und organisatorisch) belastender sein als häufig angenommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Papier ist keine amtliche Reformvorlage, sondern eine Gerechtigkeitsanalyse</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade für die Häuslichkeit weist die Autorin ausdrücklich auf Datenlücken hin und arbeitet deshalb mit transparenten, eher konservativen Schätzannahmen. Trotzdem ist die Botschaft politisch relevant: Wer über „Fairness“ in der Pflegeversicherung spricht, sollte ambulante Belastungen und die Rolle von An- und Zugehörigen systematisch mitdenken – und nicht ausschließlich auf den Eigenanteil im Heim schauen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Weitere Infos:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://www.aerzteblatt.de/news/pflegeversicherung-benachteiligt-hausliche-gegenuber-stationarer-pflege-7a575a1a-0cde-4c4a-b6c4-0bb3ddd722c8">Artikel beim Ärzteblatt</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://www.sowi.ruhr-uni-bochum.de/mam/fak/lehre/sozpol/wie_gerecht_ist_die_spv.pdf">Direkt zum Arbeitspapier (pdf)</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/02/11/gerechtigkeit-in-der-pflegeversicherung/">Pflegeversicherung: Gerechtigkeit hängt stärker vom Wohnort der Betroffenen ab als vom Pflegegrad</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>Unsichtbarer Mehraufwand: Demenz ist im Krankenhaus (auch) ein Steuerungsproblem</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/01/17/unsichtbarer-mehraufwand-demenz-ist-im-krankenhaus-auch-ein-steuerungsproblem/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 10:45:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[1:1-Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Aspirationsrisiko]]></category>
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		<category><![CDATA[Stationsleitung]]></category>
		<category><![CDATA[sturzrisiko]]></category>
		<category><![CDATA[Übergabe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p> Patienten mit Demenz bringen im Krankenhaus nicht automatisch „mehr Pflege“, sondern ein anderes Profil von Pflegearbeit: mehr Präsenz, mehr Kommunikation, mehr Prävention, mehr Koordination. Genau dieses Profil verschwindet im Alltag&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/01/17/unsichtbarer-mehraufwand-demenz-ist-im-krankenhaus-auch-ein-steuerungsproblem/">Unsichtbarer Mehraufwand: Demenz ist im Krankenhaus (auch) ein Steuerungsproblem</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"> Patienten mit Demenz bringen im Krankenhaus nicht automatisch „mehr Pflege“, sondern ein anderes Profil von Pflegearbeit: mehr Präsenz, mehr Kommunikation, mehr Prävention, mehr Koordination. Genau dieses Profil verschwindet im Alltag leicht hinter Routinewerten, ADL-Logiken und knappen Übergaben. Das Ergebnis ist eine paradoxe Lage: Die Station arbeitet sichtbar am Limit, aber in der Organisationslogik wirkt es wie Normalbetrieb.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Führung und Pflegeleitung ist das kein „Pflegeproblem“, sondern ein Steuerungsproblem. Denn solange Zusatzaufwand und Risikodynamik nicht strukturiert abgebildet sind, werden sie weder planbar noch argumentierbar. Und was nicht planbar ist, wird im Akutbetrieb zwangsläufig reaktiv gelöst: mit Feuerwehrmodus, 1:1-Bindungen ohne Vorwarnung, fixierungsnahen Situationen, eskalierenden Angehörigengesprächen und vermeidbaren Komplikationen. Hinzu kommt, dass eine fehlende Abbildung den tatsächlichen Aufwand unsichtbar macht. Damit sind Ergebnisse schlecht steuerbar &#8211; und auch nicht nutzbar zum Beispiel für die Öffentlichkeitsarbeit. </p>



<h2 class="wp-block-heading">„Nicht dokumentiert“ ist meist auch „nicht geplant“ </h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Krankenhäuser steuern über Daten, Routinen und Standards: Dienstbesetzung, Skill-Mix, Prozessdesign, Risiko- und Qualitätsmanagement, Schnittstellen zum Entlassmanagement. Wenn das abweichende Pflegeprofil bei Demenzpatienten in diesen Logiken nicht auftaucht, entsteht eine systematische Verzerrung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Der Aufwand wird als „Normalfall“ missverstanden. Personalplanung und Erwartungsmanagement passen nicht zur Realität.</li>



<li class="has-medium-font-size">Risiken werden zu Einzelfällen erklärt, statt als wiederkehrende Prozessrisiken behandelt.</li>



<li class="has-medium-font-size">Ökonomische Argumente bleiben weich: Ohne strukturierte Abbildung wirkt der Hinweis auf Mehrarbeit wie subjektive Belastung, nicht wie nachvollziehbarer Leistungs- und Risikofaktor.</li>



<li class="has-medium-font-size">Lernen wird verhindert: Häufungen (z. B. „Nächte kippen“, „Diagnostik triggert Abwehr“, „Essen und Trinken eskaliert“) bleiben unsichtbar, weil es keine vergleichbare Sprache und keine Marker gibt.</li>



<li class="has-medium-font-size">Verbesserungen und ergebnisse die das Krankenhaus hinsichtlich des handlings und Verhaltens der Betroffenen erzielen, bleiben ungesehen und ungenutzt. </li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Konsequenz: Nicht nur Mitarbeitende leiden unter &#8222;unerwarteter&#8220; Mehrbelastung. Auch die Organisation verliert Steuerungsfähigkeit. Sie sieht zu spät, wo Risiken entstehen, welche Maßnahmen wirken und wo Prozesse angepasst werden müssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Patientensicherheit als Prozessfrage: Delir, Sturz, Aspiration, Eskalationen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Krankenhaus sind die zentralen Gefährdungen bei Menschen mit Demenz selten „die Demenz“. An sich ist eine Demenz ohnehin nicht krankenhauspflichtig. Es sind akute Entgleisungen und Folgekaskaden:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Delir und delirnahe Verläufe: wechselnde Aufmerksamkeit, Tag-Nacht-Umkehr, plötzliche Verwirrtheit, Halluzinationen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Stürze und Verletzungen: häufig als Folge von Unruhe, impulsivem Aufstehen, Überforderung in ungewohnter Umgebung.</li>



<li class="has-medium-font-size">Aspiration, Pneumonie, Mangelernährung/Exsikkose: wenn Schluckauffälligkeiten und Ess- und Trinkunterstützung nicht früh genug sichtbar werden.</li>



<li class="has-medium-font-size">Eskalationen in körpernahen Situationen oder bei Diagnostik/Transport: Abwehr, Angst, Aggression, Fixierungs- oder Sedierungsdruck.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Leitlinien betonen seit Jahren: Delir ist häufig, hat schwere Folgen (u. a. längere Verweildauer, höhere Mortalität, Funktionsverlust) und erfordert systematische Prävention, Erkennung und Behandlung.  Wichtig für die Führungslogik: Das sind keine „Patiententhemen“, sondern Prozessereignisse. Sie binden Personal, stören Abläufe, erzeugen Zusatzdiagnostik, Beschwerden, Dokumentationsaufwand und erschweren Entlassentscheidungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Typische Aufwandtreiber im Alltag: wo Zeit wirklich gebunden wird</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn ich in Krankenhaus-Teams frage, wo Zeit „verschwindet“, kommen selten große Einzelaufgaben. Stattdessen sind es wiederkehrende Mikrointerventionen, die sich pro Schicht addieren. Das ist die reale Pflegearbeit. Sie wird nur häufig nicht als steuerungsrelevante Leistung codiert. Genau hier entsteht der Bruch zwischen „gefühlt viel mehr“ und „organisatorisch nicht sichtbar“.</p>



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    Führungslogik in einem Satz
  </div>
  <div style="font-size:18px; margin:0;">
    Nicht zusätzliche Dokumentation ist das Ziel, sondern ein kurzer, standardisierter Datensatz, der Risiken früh sichtbar macht und Entscheidungen steuerbar macht.
  </div>
</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">Handlungsfähigkeit, ohne in Eurobeträge ausweichen zu müssen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Prozessanpassungen (Diagnostikabläufe, Transportlogik, Schlafschutz, Reizreduktion), ein passender Personal- und Skill-Mix (definierte Sicherheitszeiten, gezielte 1:1-Optionen, priorisierte Spitzenzeiten), gezielte Qualifizierung (Delirmanagement, Kommunikation, Ess- und Trinkunterstützung inklusive Schluckwarnzeichen) sowie klare Pfade und Standards (Delirpfad, Schluckauffälligkeits-Standard, Transferregeln, Eskalationsregeln) machen Versorgung planbar und sicherer. Gleichzeitig wird Rechtssicherheit greifbarer: Bei Stürzen, fixierungsnahen Situationen oder Beschwerden zählt häufig die nachvollziehbare Kette „erkannt – begründet – gehandelt“. Leitlinien betonen, dass strukturierte Erkennung und Management dokumentierbar und nachvollziehbar sein müssen, weil Delir und vergleichbare Risiken erhebliche Folgen haben.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Brücke zur Praxis: wie eine kurze Verlaufsdokumentation den Alltag stabilisiert</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine kurze, verlaufsorientierte Dokumentation wirkt in der Praxis meist schneller als große Programme, weil sie genau an den neuralgischen Punkten ansetzt: Übergabequalität, Frühbesprechung, Eskalationsregeln, Entlassplanung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="675" height="367" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/01/Steuerung1.jpg" alt="" class="wp-image-3390" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/01/Steuerung1.jpg 675w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/01/Steuerung1-300x163.jpg 300w" sizes="(max-width: 675px) 100vw, 675px" /></figure>
</div>


<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aktuell passt dazu auch die Entwicklung der Leitlinienlandschaft: In Deutschland gibt es inzwischen eine S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“ (AWMF-Register), die Prävention, Diagnostik und Therapie sektorenübergreifend adressiert. Das unterstreicht, dass Delir- und Risikomanagement im Krankenhaus kein Randthema ist, sondern Standard werden soll.</p>



<p class="has-light-green-cyan-background-color has-background wp-block-paragraph">Mein Tipp für die Umsetzung (für Pflegeleitung und PDL)<br>Starten Sie nicht mit einem perfekten Konzept, sondern mit einem testbaren Minimal-Set auf einer Pilotstation: 8 Marker, 1 Zeitband, 1 Ereignisschema. Nach vier Wochen sehen Sie schon Muster (Schicht, Diagnostik, Aufnahmephase). Danach entscheiden Sie datenbasiert, was wirklich ergänzt werden muss.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Unsichtbarer Mehraufwand ist kein individuelles Belastungsthema, sondern ein Systemfehler in der Steuerung. Menschen mit Demenz bringen im Krankenhaus ein anderes Pflegeprofil mit: Präsenz, Kommunikation, Prävention und Koordination. Wenn dieses Profil nicht strukturiert abgebildet wird, bleiben Risiken, Aufwand und wirksame Maßnahmen unsichtbar. Ein  standardisiertes Minimal-Set reicht häufig aus, um Patientensicherheit, Planbarkeit, Rechtssicherheit und Entlassqualität spürbar zu verbessern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/01/17/unsichtbarer-mehraufwand-demenz-ist-im-krankenhaus-auch-ein-steuerungsproblem/">Unsichtbarer Mehraufwand: Demenz ist im Krankenhaus (auch) ein Steuerungsproblem</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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