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	<title>altenpflege Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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		<title>Demenz vor der Kamera: Was darf Pflege und Betreuung zeigen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 12:30:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Selfies mit Betroffenen, Videos aus Pflege oder von Betreuungsangeboten und sogar Livestreams: Immer wieder werden pflegebedürftige Menschen auf Social-Media-Plattformen öffentlich gezeigt. Nicht nur, aber besonders bei Menschen mit Demenz stellen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/13/menschen-mit-demenz-auf-social-media-was-ist-erlaubt/">Demenz vor der Kamera: Was darf Pflege und Betreuung zeigen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><em>Selfies mit Betroffenen, Videos aus Pflege oder von Betreuungsangeboten und sogar Livestreams: Immer wieder werden pflegebedürftige Menschen auf Social-Media-Plattformen öffentlich gezeigt. Nicht nur, aber besonders bei Menschen mit Demenz stellen sich dabei erhebliche rechtliche und ethische Fragen. Denn nicht alles, was freundlich aussieht oder gut gemeint ist, darf auch veröffentlicht werden.</em></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Heimbewohnerin singt gemeinsam mit einer Betreuungskraft ein Volkslied. Beide lachen, die Stimmung ist ausgelassen. Eine Kollegin filmt die Szene mit ihrem Smartphone. Wenig später erscheint das Video auf TikTok oder Instagram. Vielleicht mit der Überschrift: „So schön kann Alter sein.“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und sicher, solche Aufnahmen können sympathisch wirken. Sie vermitteln Nähe, Freude und einen positiven Blick auf den Alltag. Doch entscheidend ist nicht allein, ob die abgebildeten Menschen glücklich aussehen. Entscheidend ist auch, ob sie damit einverstanden sind, öffentlich gezeigt zu werden – und ob sie die Folgen dieser Veröffentlichung verstehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Menschen mit Demenz reicht es meiner Meinung nach nicht, einfach nach einer Zustimmung zu fragen. Wer die Bedeutung einer Veröffentlichung nicht versteht, kann darin auch nicht informiert einwilligen. Zudem finden Pflege und Betreuung in einem besonderen Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis statt. Menschen können sich deshalb unter Umständen zu einer Zustimmung gedrängt fühlen, ohne dass ihnen ausdrücklich direkt Druck gemacht wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Aufnahmen aus der Pflege vor Gericht landen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dass diese Problematik keineswegs nur theoretisch ist, zeigen mehrere Fälle aus den vergangenen beiden Jahren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im September 2026 verurteilte das Amtsgericht Traunstein eine Pflegekraft zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro. Die Frau hatte 2024 fünf Bewohner eines Alten- und Pflegeheims in teilweise entblößten und hilflosen Situationen fotografiert. Einige Monate später veröffentlichte sie die Aufnahmen auf YouTube. Nach eigenen Angaben wollte sie damit auf Missstände in der Einrichtung aufmerksam machen. Zwar berücksichtigte das Gericht dieses Motiv, sah aber dennoch den höchstpersönlichen Lebensbereich der betroffenen Menschen verletzt. Bemerkenswert ist, dass die Gesichter der Bewohner auf den Aufnahmen nicht zu erkennen waren. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein weiteres Beispiel ist aus Juni 2025 bekannt. Eine Pflegekraft hatte während ihrer Arbeit in einem Pflegeheim in Unterfranken erotische Aufnahmen angefertigt und live im Internet übertragen. Auf einem der Videos war auch ein kognitiv beeinträchtigter Bewohner zu sehen, der offenbar nicht wusste, dass er gefilmt wurde. Das Amtsgericht Bad Neustadt an der Saale erließ einen Strafbefehl über 2.500 Euro wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Februar 2026 sorgte zudem ein Fall aus Delitzsch für Aufmerksamkeit. Ein Pflegehelfer hatte während seiner Arbeit Bewohner eines Pflegeheims bei alltäglichen Verrichtungen live auf TikTok gezeigt. Seine Beschäftigung wurde beendet, die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Fälle unterscheiden sich erheblich. Gemeinsam ist ihnen aber die Frage, wo die Grenzen zwischen öffentlicher Darstellung und dem Schutz pflegebedürftiger Menschen verlaufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Datenschutzbehörde warnt ausdrücklich</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen beschäftigt sich inzwischen mit solchen Vorfällen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In einer Stellungnahme vom 9. Januar 2026 an den nordrhein-westfälischen Landtag berichtete die Behörde von sechs Vorgängen im Zusammenhang mit Livestreams während pflegerischer Tätigkeiten in den Jahren 2024 und 2025. In zwei Fällen konnte ein für die datenschutzrechtliche Prüfung erforderlicher Personenbezug festgestellt werden. Einer dieser Fälle endete mit einer behördlichen Verwarnung; die betreffende Pflegekraft wurde außerdem von ihrem Arbeitgeber gekündigt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Datenschutzbeauftragte vertritt eine ausgesprochen restriktive Position. Sie spricht sich grundsätzlich gegen private Foto- und Filmaufnahmen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und den privaten Räumen pflegebedürftiger Menschen aus. Insbesondere warnt sie davor, Pflegekräften durch einfache Einwilligungsformulare oder die Unkenntlichmachung von Personen eine vermeintlich rechtssichere Veröffentlichung zu ermöglichen. Gerade Vorgesetzte bzw. Dienstanbieter sollten hier sehr vorsichtig prüfen, was sie &#8211; Formulare hin oder her &#8211; genehmigen. <br>In einer weiteren Mitteilung vom 3. März 2026 machte die Behörde auf Fälle aufmerksam, in denen Pflegekräfte pflegebedürftige Menschen in Reels und Livestreams öffentlich zeigten. Teilweise wurden dabei schwer erkrankte Menschen oder einzelne Körperpartien gefilmt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ist rechtlich erlaubt – und was nicht?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Veröffentlichung erkennbarer Personen sind unter anderem das Recht am eigenen Bild und die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) maßgeblich. Nach § 22 Kunsturhebergesetz dürfen Bildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Zwar kennt § 23 bestimmte Ausnahmen, beispielsweise für zeitgeschichtliche Ereignisse. Daraus ergibt sich aber keine allgemeine Erlaubnis, pflegebedürftige Menschen im Heimalltag zu veröffentlichen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Daneben müssen die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein. Die Veröffentlichung von Fotos oder Videos ist eine Verarbeitung personenbezogener Daten, sofern die betroffenen Menschen identifizierbar sind. Wird durch die Aufnahme auch ihr Gesundheitszustand erkennbar, können besonders geschützte Gesundheitsdaten betroffen sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Datenschutzaufsichtsbehörde Baden-Württemberg empfiehlt Pflegeeinrichtungen ausdrücklich, für unterschiedliche Veröffentlichungsmedien jeweils eigene Einwilligungen einzuholen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wichtig: eine Zustimmung zu einem Foto für die interne Heimzeitung bedeutet also noch lange nicht automatisch, dass dasselbe Foto auch auf Instagram, TikTok oder der öffentlich zugänglichen Internetseite einer Einrichtung erscheinen darf. Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen verschiedenen Aufnahmezwecken.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und: eine Erlaubnis durch die Einrichtungsleitung oder den Dienstanbieter allein ersetzt ebenso wenig die erforderliche rechtliche Grundlage wie die Zustimmung zu irgendeiner Fotoaufnahme. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Können Menschen mit Demenz überhaupt wirksam in TikTok-Videos einwilligen?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Demenzdiagnose bedeutet nicht automatisch, dass ein Mensch keine wirksamen Entscheidungen mehr treffen kann. Entscheidend ist jedoch, ob er die konkrete Entscheidung und ihre Folgen tatsächlich versteht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nehmen wir eine 83-jährige Betroffene mit fortgeschrittener Demenz. Eine Betreuungskraft filmt sie beim Singen und fragt: „Darf ich das schöne Video ins Internet stellen?“. Die Betroffene lächelt und antwortet: „Ja, natürlich.“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber was hat sie damit eigentlich erlaubt? Weiß sie, was das Internet ist? Versteht sie, dass TikTok keine private Fotosammlung ist, sondern eine Plattform, auf der möglicherweise Tausende fremde Menschen ihre Aufnahme ansehen können? Begreift sie, dass andere das Video speichern, kommentieren und weiterverbreiten können? Und dass eine Veröffentlichung unter Umständen nicht mehr vollständig rückgängig gemacht werden kann? Niemand muss die technischen Einzelheiten von TikTok oder Instagram kennen, um wirksam einwilligen zu können. Aber die grundsätzliche Bedeutung und Tragweite einer solchen Veröffentlichung muss verstanden werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kann die Betroffene diese Zusammenhänge aufgrund ihrer fortgeschrittenen Demenz nicht nachvollziehen, ist ihre Zustimmung zur Veröffentlichung keine wirksame informierte Einwilligung. Ein freundliches Nicken, ein Lächeln oder ein einfaches „Ja“ ändern daran nichts. Und, wie werdet Ihr Tiktok- und Instagram-Creators im Zweifel nachweisen, dass die Betroffene die Tragweite ihrer Entscheidung verstanden hatte? </p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer stellt fest, ob eine wirksame Einwilligung möglich ist?</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background:#f3f7fa;
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padding:22px 26px;
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  <p style="font-size:1.15em;
  font-weight:600;
  color:#204d6a;
  margin:0 0 12px;">
    Wer muss die Einwilligung nachweisen?
  </p>

  <p style="font-size:1.1em;
  line-height:1.7;
  margin:0 0 12px;">
    Wer eine Veröffentlichung auf die Einwilligung
    eines Menschen stützen will, muss deren
    Wirksamkeit sicherstellen können.
    Nicht der Mensch mit Demenz muss beweisen,
    dass er die Folgen nicht verstanden hat.
  </p>

  <p style="font-size:0.9em;
  margin:0;
  color:#526575;">
    Rechtliche Grundlage:
    Artikel 7 Absatz 1 DSGVO
  </p>

</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach den Empfehlungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft muss ein Mensch die konkrete Entscheidung verstehen, ihre Folgen einschätzen und selbstbestimmt entscheiden können. Bei einem TikTok-Video bedeutet das: Versteht er, dass Fremde die Aufnahme sehen, speichern und weiterverbreiten können? Weiß er, dass er die Veröffentlichung ablehnen darf? Technische Kenntnisse sind dafür nicht erforderlich.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein einfaches „Ja“ genügt nicht. Bestehen Zweifel an der Einwilligungsfähigkeit, ist eine sorgfältige Prüfung erforderlich. Die NRW-Datenschutzbeauftragte warnt ausdrücklich davor, diese komplexe Aufgabe einzelnen Pflegenden zu überlassen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch Angehörige dürfen nicht allein aufgrund ihrer Verwandtschaft über Bildveröffentlichungen entscheiden. Eine Vertretung ist nur mit entsprechender Vollmacht oder rechtlicher Befugnis möglich. Auch dann müssen der Wille und die Persönlichkeitsrechte des betroffenen Menschen gewahrt bleiben.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Livestreams: Besonders riskant</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Anders als bei aufgezeichneten Videos lässt sich bei Livestreams kaum kontrollieren, was öffentlich wird. Dritte können unerwartet ins Bild geraten, Gespräche oder gesundheitliche Informationen hörbar werden. Auch verpixelte Gesichter bieten keinen sicheren Schutz vor Identifizierung. Hinzu kommt, dass Zuschauer Übertragungen aufzeichnen und weiterverbreiten können. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Pflegeethik endet nicht beim Datenschutz</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nicht alles, was rechtlich zulässig sein könnte, ist auch pflegeethisch vertretbar. Der <a href="https://deutscher-pflegerat.de/wp-content/uploads/2021/11/ICN_Ethikkodex_2021.pdf">ICN-Ethikkodex für Pflegefachpersonen (2021)</a> verpflichtet zum Schutz der Privatsphäre und vertraulicher Informationen, ausdrücklich auch in sozialen Medien. Die <a href="https://www.icn.ch/sites/default/files/inline-files/E10a_Nurses_Social_Media.pdf">ICN-Positionserklärung „Nurses and social media“ (2015)</a> fordert zudem die Trennung beruflicher und privater Social-Media-Aktivitäten. Es geht damit nicht allein um gesetzliche Vorschriften, sondern um professionelle Verantwortung gegenüber Menschen, die sich Pflege und Betreuung anvertrauen (müssen).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Menschenwürde schützen – auch gegen Widerstände</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen tragen eine besondere Verantwortung für den Schutz der Würde, der Privatsphäre und der Persönlichkeitsrechte pflegebedürftiger Menschen. Gerade wenn Menschen mit Demenz ihre Rechte nicht mehr selbst ausreichend wahrnehmen oder verteidigen können, müssen Pflegefachpersonen für sie eintreten. Das erfordert mitunter auch den Mut, Kolleginnen und Kollegen zu widersprechen, Grenzüberschreitungen offen anzusprechen und gegebenenfalls Vorgesetzte einzuschalten. Kollegiale Loyalität darf dort nicht zum Schweigen führen, wo die Würde eines Menschen verletzt wird. Bitte, liebe Kolleginnen und Kollegen, habt Mut, stellvertrend &#8222;Nein.&#8220; zu sagen, wenn es dran ist. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Persönlichkeitsrechte verletzt werden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Niemand, auch Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen nicht, muss einfach hinnehmen, dass intime, entwürdigende oder ohne ausreichende Rechtsgrundlage veröffentlichte Aufnahmen von ihnen im Internet verbreitet werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Neben der Aufforderung zur Entfernung eines Beitrags kommen Beschwerden bei Datenschutzaufsichtsbehörden oder der zuständigen Heimaufsicht in Betracht. Bei möglichen Straftaten kann auch die Polizei eingeschaltet werden (z.b. etwa wegen unbefugter Verbreitung von Bildnissen nach § 33 KunstUrhG, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen nach § 201a StGB oder Verletzung von Privatgeheimnissen nach § 203 StGB).</p>



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color:#253746;">

  <h3 style="margin:0 0 12px;
  color:#204d6a;
  font-size:1.35em;">
    Ohne Ihre Zustimmung im Internet?
    Das können Sie tun!
  </h3>

  <p>
    Sie leben mit Demenz oder begleiten einen
    Menschen mit Demenz? Wenn Fotos oder Videos
    aus einer Pflege- oder Betreuungssituation
    ohne wirksame Einwilligung veröffentlicht
    wurden, müssen Sie das nicht hinnehmen.
    Diese drei Schritte können helfen.
  </p>

  <ol style="padding-left:22px;margin:18px 0;">

    <li style="margin-bottom:17px;">
      <strong>
        Beweise sichern und Löschung verlangen
      </strong>
      <p style="margin:5px 0 0;">
        Notieren Sie die Internetadresse,
        das Datum und den Namen des Profils.
        Sichern Sie gegebenenfalls Screenshots,
        ohne die Aufnahmen selbst weiterzuverbreiten.
        Wenden Sie sich an die Einrichtungsleitung
        beziehungsweise den Pflegedienst und
        verlangen Sie die Prüfung sowie die
        Entfernung unzulässiger Veröffentlichungen.
        Melden Sie den Beitrag zusätzlich bei
        der Plattform, beispielsweise
        TikTok oder Instagram.
      </p>
    </li>

    <li style="margin-bottom:17px;">
      <strong>
        Datenschutzaufsichtsbehörde einschalten
      </strong>
      <p style="margin:5px 0 0;">
        Vermuten Sie einen Datenschutzverstoß,
        können Sie sich an die zuständige
        Datenschutzaufsichtsbehörde wenden.
        Betroffene können dort Beschwerde
        einlegen. Auch Angehörige können
        mögliche Verstöße melden.
        <a href="https://www.datenschutzkonferenz-online.de/datenschutzaufsichtsbehoerden.html"
           target="_blank"
           rel="noopener noreferrer"
           style="color:#175b87;
           text-decoration:underline;">
          Hier finden Sie die Datenschutzbehörden
          der Bundesländer.
        </a>
      </p>
    </li>

    <li style="margin-bottom:5px;">
      <strong>
        Heimaufsicht oder Polizei informieren
      </strong>
      <p style="margin:5px 0 0;">
        Betrifft der Vorfall eine Pflegeeinrichtung,
        können Sie sich an die zuständige
        Heimaufsicht wenden. Bei Aufnahmen,
        die beispielsweise die Hilflosigkeit
        oder den Intimbereich eines Menschen
        zeigen, kann auch eine Strafanzeige
        bei der Polizei in Betracht kommen.
        <a href="https://portal.onlinewache.polizei.de/de/"
           target="_blank"
           rel="noopener noreferrer"
           style="color:#175b87;
           text-decoration:underline;">
          Hier erreichen Sie die Onlinewache
          der Polizei.
        </a>
      </p>
    </li>

  </ol>

  <p style="border-top:1px solid #cbd9e2;
  padding-top:13px;
  margin:15px 0 0;
  font-size:0.92em;">
    <strong>Wichtig:</strong>
    Sie müssen nicht erst sicher wissen,
    ob ein Gesetz verletzt wurde, um einen
    Vorfall zu melden. Angehörige können
    auch ohne Vollmacht auf mögliche
    Rechtsverletzungen hinweisen.
    Wer jedoch Rechte einer anderen Person
    in deren Namen geltend machen möchte,
    benötigt grundsätzlich eine entsprechende
    Vollmacht oder rechtliche Vertretungsbefugnis.
  </p>

</div>



<h2 class="wp-block-heading">Der Mensch ist kein Content</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Soziale Medien können einen wichtigen Beitrag leisten, um gute Pflege und Betreuung sichtbar zu machen, über Demenz aufzuklären oder Vorurteile abzubauen. Auch Menschen mit Demenz haben selbstverständlich das Recht, sich öffentlich zu zeigen, über sich zu sprechen und digitale Medien selbstbestimmt zu nutzen. Problematisch wird es, wenn andere über ihre öffentliche Darstellung entscheiden – oder ihre Beteiligung an der Veröffentlichung hauptsächlich dazu dient, Aufmerksamkeit (Klicks / Follower / Views) für Pflegende, Betreuende, Einrichtungen, Dienste oder auch persönliche Social-Media-Profile zu erzeugen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade die vermeintlich harmlosen Videos verdienen deshalb einen kritischen Blick. Nicht erst die entblößende oder offensichtlich entwürdigende Aufnahme kann eine Grenze überschreiten. Der Umstand, dass ein Mensch mit Demenz in einer Situation Freude zeigt, bedeutet nicht, dass er damit einverstanden ist, diese Situation einem unbegrenzten Publikum zugänglich zu machen. Ist bei Ihnen doch auch nicht so, oder?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Professionelle Pflege muss die Würde eines Menschen auch dort schützen, wo eine Kamera eingeschaltet wird. Und manchmal ist der beste Schutz schlicht, das Smartphone in der Tasche zu lassen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen und weiterführende Informationen</h2>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW (2026): <a href="https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST18-3332.pdf">„Pflege live – Würde offline: Likes dürfen nie wichtiger als die Menschenwürde sein“. Stellungnahme vom 9. Januar 2026, Landtag NRW, 18/3332 (PDF)</a>.</li>



<li class="has-medium-font-size">Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW (3. März 2026): <a href="https://www.ldi.nrw.de/Patientendaten_Soziale_Medien">„Patient*innendaten gehören nicht in die Sozialen Medien“</a>.</li>



<li class="has-medium-font-size">Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg: <a href="https://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/faq-datenschutz-in-der-pflege/">FAQ Datenschutz in der Pflege</a>, insbesondere zur Einwilligung und zur Veröffentlichung von Fotografien.</li>



<li>Deutsche Alzheimer Gesellschaft (2024): <a href="https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/empfehlungen/empfehlungen_einwilligungsfaehigkeit.pdf">Empfehlungen zur Einwilligungsfähigkeit von Menschen mit Demenz (PDF)</a>. Stand November 2024.</li>



<li class="has-medium-font-size">International Council of Nurses (2021): <a href="https://deutscher-pflegerat.de/wp-content/uploads/2021/11/ICN_Ethikkodex_2021.pdf">ICN-Ethikkodex für Pflegefachpersonen, deutsche Fassung (PDF)</a>, insbesondere Ziffern 1.4, 1.5 und 2.7.</li>



<li>International Council of Nurses (2015): <a href="https://www.icn.ch/sites/default/files/inline-files/E10a_Nurses_Social_Media.pdf">Position Statement „Nurses and social media“ (PDF, englisch)</a>.</li>



<li class="has-medium-font-size">Chiemgau24 (22. September 2026): <a href="https://www.chiemgau24.de/chiemgau/traunstein/traunstein-ort29586/nackte-heimbewohner-fotografiert-und-ins-netz-gestellt-urteil-gegen-pflegerin-in-traunstein-94503641.html">Nackte Heimbewohner fotografiert und ins Netz gestellt: Urteil gegen Pflegerin in Traunstein</a>.</li>



<li class="has-medium-font-size">Deutsche Presse-Agentur, veröffentlicht bei n-tv (12. Juni 2025): <a href="https://www.n-tv.de/regionales/bayern/Strafbefehl-fuer-Pflegekraft-nach-Erotikvideo-rechtskraeftig-article25829088.html">Strafbefehl für Pflegekraft nach Erotikvideo rechtskräftig</a>.</li>



<li class="has-medium-font-size">Leipziger Volkszeitung (13. Februar 2026): <a href="https://www.lvz.de/lokales/nordsachsen/skandaloeses-pfleger-video-aus-delitzsch-buergerentscheid-zum-industriegebiet-freiwillige-CFS44FTGLBC7TKU2DFBAATKLI4.html">Berichterstattung über TikTok-Livestreams aus einem Pflegeheim in Delitzsch</a>.</li>



<li>Gesetzliche Grundlagen: <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/">§§ 22–23 Kunsturhebergesetz – Recht am eigenen Bild</a>, <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/__33.html">§ 33 Kunsturhebergesetz – Strafvorschrift</a>, <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__201a.html">§ 201a StGB – Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen</a>, <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html">§ 203 StGB – Verletzung von Privatgeheimnissen</a> sowie <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016R0679">Datenschutz-Grundverordnung, insbesondere Artikel 7</a>.</li>
</ol>



<p class="has-cyan-bluish-gray-background-color has-background has-medium-font-size wp-block-paragraph"><em>Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag erläutert allgemeine rechtliche und pflegeethische Grundlagen. Er stellt keine rechtliche Einzelfallberatung dar. Ob eine konkrete Aufnahme oder Veröffentlichung zulässig ist, hängt von den jeweiligen Umständen ab.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/13/menschen-mit-demenz-auf-social-media-was-ist-erlaubt/">Demenz vor der Kamera: Was darf Pflege und Betreuung zeigen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 23:18:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzprävalenz]]></category>
		<category><![CDATA[ost und west]]></category>
		<category><![CDATA[Ost-West-Unterschiede]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[pflegegeld]]></category>
		<category><![CDATA[wiedervereinigung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost und West längst nicht in allen Lebensbereichen verschwunden. Auch bei Pflege und Demenz zeigen aktuelle Daten regionale Muster. Manche Unterschiede&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/">36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost und West längst nicht in allen Lebensbereichen verschwunden. Auch bei Pflege und Demenz zeigen aktuelle Daten regionale Muster. Manche Unterschiede sind deutlich, andere erstaunlich klein – und nicht für jede naheliegende Frage gibt es überhaupt belastbare Daten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Blick auf die Häufigkeit von Demenzerkrankungen, häusliche Pflege und die Bezahlung von Altenpflegeprofis zeigt vor allem eines: ein einfaches „Ost gegen West“ wird der Wirklichkeit selten gerecht.  </p>



<h2 class="wp-block-heading">Bei Demenz zeigt sich weiterhin ein Ost-West-Muster</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders interessant sind aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts. Auf Grundlage von Krankenkassen-Routinedaten wurde untersucht, wie häufig diagnostizierte Demenzerkrankungen regional auftreten. Für das Jahr 2022 ergibt sich eine administrative Demenzprävalenz von 2,8 Prozent bei Menschen ab 40 Jahren. Bei den über 65-Jährigen waren es 6,9 Prozent.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="border-left: 4px solid #2f5f8f; background: #f3f7fa; padding: 16px 18px; margin: 20px 0;">
  <strong>Wichtig zur Einordnung:</strong><br><br>
  Die Formulierung „höhere Demenzprävalenz im Osten“ ist erklärungsbedürftig. Gemessen wurde eine <em>administrative Prävalenz</em>: Grundlage sind ärztlich dokumentierte Diagnosen in Krankenkassendaten. Menschen mit einer nicht erkannten oder nicht dokumentierten Demenz tauchen darin nicht auf.
</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei fällt die regionale Verteilung auf: Das RKI beschreibt ein klares Muster mit höheren Prävalenzen in Ostdeutschland und im Osten Bayerns. Höhere Werte finden sich allerdings auch in Teilen des Ruhrgebiets und des Saarlands. Es gibt also keine scharfe Grenze, an der die Demenzhäufigkeit plötzlich von „West“ zu „Ost“ wechselt. Entscheidend ist ein weiterer Punkt: Bei der Analyse wurden regionale Unterschiede der Altersstruktur berücksichtigt. Das Ost-West-Muster lässt sich daher nicht einfach damit erklären, dass in ostdeutschen Regionen mehr ältere Menschen leben. Die Prävalenz wurde auf Grundlage von Routinedaten geschätzt und unter anderem hinsichtlich Alter, Geschlecht und Morbidität adjustiert.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ist Demenz im Osten häufiger?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Darauf geben die Daten keine einfache Antwort. Aus der Untersuchung lässt sich insbesondere <strong>nicht</strong> ableiten, dass das Leben in Ostdeutschland selbst ein Demenzrisiko darstellt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als Einflussfaktoren kommen grundsätzlich unterschiedliche gesundheitliche, soziale und versorgungsbezogene Bedingungen infrage – etwa die Verteilung kardiovaskulärer Risikofaktoren, Sozialstruktur, Gesundheitsverhalten oder Unterschiede bei Diagnostik und Versorgung. Welchen Anteil einzelne Faktoren am beobachteten regionalen Muster haben, lässt sich aus den Daten jedoch nicht bestimmen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist zugleich die Entwicklung über die Zeit: Zwischen 2017 und 2022 ging die altersstandardisierte Prävalenz von Demenzerkrankungen leicht zurück. Wegen der Alterung der Bevölkerung ist dennoch mit einer steigenden absoluten Zahl von Menschen mit Demenz zu rechnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was wir über Demenz in Ost und West nicht wissen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Naheliegend wäre nun die Frage, ob sich auch die Versorgung von Menschen mit Demenz systematisch unterscheidet. Werden sie im Osten häufiger zu Hause versorgt? Leben sie häufiger im Pflegeheim? Gibt es Unterschiede beim Schweregrad der Erkrankung oder bei der Verteilung verschiedener Demenzformen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für solche direkten Ost-West-Vergleiche liegen mir derzeit keine entsprechend belastbaren aktuellen Daten vor, die sich für eine einfache Gegenüberstellung eignen. Auch Pflegegrade als &#8222;Messgröße&#8220; können diese Lücke nicht schließen. Ein Pflegegrad beschreibt schließlich den Grad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und nicht etwa den Schweregrad einer Demenzerkrankung oder deren Vorhandensein an sich.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für einen Vergleich lohnt deshalb ein Blick auf die Pflege insgesamt. Diese Daten sind nicht demenzspezifisch, beschreiben aber den Versorgungsrahmen, in dem auch viele Menschen mit Demenz leben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Häusliche Pflege: Im Osten häufiger ausschließlich Pflegegeld</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Wissenschaftliche Institut der AOK befragte im Herbst 2025 bundesweit 1.490 Menschen, die als Hauptpflegepersonen einen Angehörigen mit anerkanntem Pflegegrad zu Hause versorgen. Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In Ostdeutschland gaben 65,5 Prozent der Befragten an, ausschließlich Pflegegeld zu beziehen. In Westdeutschland waren es 52,2 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine reine Pflegegeldversorgung bedeutet in der Regel, dass die Pflege überwiegend privat organisiert wird und keine regulären ambulanten Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen in Anspruch genommen werden. Die Zahlen dürfen jedoch nicht unmittelbar auf Menschen mit Demenz übertragen werden. Die Untersuchung umfasst häusliche Pflege insgesamt. Bei 15,7 Prozent der in der Befragung gepflegten Personen wurde eine Demenz angegeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verhinderungspflege wird im Westen häufiger genutzt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Verhinderungspflege zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Unter den Befragten mit einer ausschließlichen Pflegegeldversorgung nahmen in Westdeutschland 41,0 Prozent Verhinderungspflege in Anspruch. In Ostdeutschland waren es 26,9 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Verhinderungspflege soll Angehörige zeitweise entlasten, wenn sie die Pflege etwa wegen Krankheit, Urlaub oder aus anderen Gründen vorübergehend nicht übernehmen können. Warum das Angebot im Osten in dieser Gruppe deutlich seltener genutzt wurde, lässt sich aus der Untersuchung nicht beantworten. Unterschiedliche Versorgungsstrukturen, sozioökonomische Bedingungen oder historisch gewachsene Pflegearrangements können eine Rolle spielen, ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang ist damit jedoch nicht belegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessant ist außerdem: Bei der Intensität der Pflege zeigt sich kaum ein Unterschied. 64,1 Prozent der ostdeutschen und 63,1 Prozent der westdeutschen Befragten waren täglich in die Versorgung eingebunden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Altenpflegeprofis: Die Lohnlücke besteht noch</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Bezahlung gibt es noch einen Ost-West-Unterschied. Vollzeitbeschäftigte Altenpflegefachkräfte verdienten 2024 im Median 4.189 Euro brutto im Westen und 4.024 Euro im Osten – eine Differenz von 165 Euro beziehungsweise knapp vier Prozent. Bei Altenpflegehilfskräften betrug der Abstand 141 Euro. Die Lohnlücke besteht damit weiter, fällt in der Altenpflege aber vergleichsweise gering aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine zwei &#8222;Pflegewelten&#8220; – aber messbare Unterschiede</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">36 Jahre nach der Wiedervereinigung lassen sich in Pflege und Demenz also noch regionale Unterschiede erkennen. Für die Demenz ist vor allem der Befund bemerkenswert, dass sich auch nach Berücksichtigung der Altersstruktur ein höheres regionales Prävalenzniveau in Ostdeutschland zeigt. Warum dieses Muster besteht, lässt sich bislang nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der häuslichen Pflege zeigen aktuelle Befragungsdaten ebenfalls Unterschiede: Im Osten berichten Angehörige häufiger von Pflegearrangements mit ausschließlichem Pflegegeld, während Verhinderungspflege in dieser Gruppe deutlich seltener genutzt wird. Diese Zahlen betreffen allerdings die Pflege insgesamt und dürfen nicht als demenzspezifische Befunde verstanden werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Bezahlung von Altenpflegekräften ist die frühere Grenze noch messbar – allerdings deutlich schwächer als in vielen anderen Bereichen des Arbeitsmarktes. Die Daten zeigen damit keine zwei völlig unterschiedlichen Pflegesysteme. Sie zeigen aber, dass regionale Unterschiede auch dreieinhalb Jahrzehnte nach der deutschen Einheit noch vorhanden sind – und dass genaueres Hinsehen häufig mehr erklärt als ein einfacher Vergleich von Ost und West.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Robert Koch-Institut (2025): „Demenzerkrankungen – Prävalenz, Trends und regionale Verteilung in Deutschland. Eine Auswertung auf Basis von GKV-Routinedaten.“ Journal of Health Monitoring 2025. DOI: 10.25646/13078.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaftliches Institut der AOK – WIdO (2026): „Zur Lage pflegender Angehöriger – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede.“ WIdOmonitor 1/2026.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – IAB (2025): „Entgelte von Pflegekräften 2024.“ Auswertung der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit.</p>
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			</item>
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		<title>Zu viel des Guten? Wenn gut gemeinte Sprache bei Demenz zur Falle wird</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/10/02/zu-viel-des-guten-wenn-gut-gemeinte-sprache-bei-demenz-zur-falle-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 16:41:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[autonomie,]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[elderspeak,]]></category>
		<category><![CDATA[gewohnheit,]]></category>
		<category><![CDATA[herausforderndes verhalten]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[selbstbestimmung,]]></category>
		<category><![CDATA[sprechen mit menschen mit demenz,]]></category>
		<category><![CDATA[überanpassung,]]></category>
		<category><![CDATA[verniedlichung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„So, Frau Müller, das machen Sie ganz prima.“ Der Satz klingt freundlich. Vielleicht sogar besonders zugewandt. Niemand will Frau Müller herabsetzen. Im Gegenteil: Die Pflegeperson möchte Sicherheit vermitteln, Nähe herstellen&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„So, Frau Müller, das machen Sie ganz prima.“</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Satz klingt freundlich. Vielleicht sogar besonders zugewandt. Niemand will Frau Müller herabsetzen. Im Gegenteil: Die Pflegeperson möchte Sicherheit vermitteln, Nähe herstellen und die Situation möglichst angenehm gestalten. Und trotzdem kann genau darin eine Falle liegen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auf mich wirkt Kommunikation mit Menschen mit Demenz häufig &#8222;verkünstelt&#8220;. Es wird häufig besonders langsam, besonders fürsorglich, besonders einfach oder besonders bestätigend mit Betroffenen gesprochen. Natürlich nicht aus Geringschätzung, sondern aus dem Wunsch, es gut zu machen.Broschüren, Bücher, Webseiten, Schulungen sind voll von entsprechenden Tipps. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In der Forschung werden solche Kommunikationsformen unter dem Begriff „Elderspeak“ untersucht: gemeint ist eine Sprache gegenüber älteren Menschen, die häufig besonders langsam, vereinfachend, fürsorglich oder beschwichtigend klingt – dabei aber zugleich Kompetenz, Selbstständigkeit oder Erwachsensein des Gegenübers infrage stellen kann.<br>Das Bemerkenswerte daran: Elderspeak muss keineswegs Ausdruck schlechter oder respektloser Pflege sein. Sie kann gerade dort entstehen, wo Menschen sich besonders bemühen, ihre Kommunikation an einen Menschen mit Demenz anzupassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn Anpassung zur Überanpassung wird</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Natürlich muss Kommunikation bei einer Demenz manchmal verändert werden. Lange verschachtelte Sätze können überfordern. Mehrere Informationen gleichzeitig können schwer zu verarbeiten sein. Pausen, klare Aussagen, konkrete Begriffe und jeweils eine Information nach der anderen können das Verstehen erleichtern.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist nicht das Problem. Problematisch wird es, wenn aus notwendiger Anpassung eine Überanpassung wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dazu können unter anderem gehören:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">ungefragte Kosenamen oder Verniedlichungen,</li>



<li class="has-medium-font-size">eine auffällig hohe, singende oder übertrieben fürsorgliche Stimmlage,</li>



<li class="has-medium-font-size">übermäßiges Lob für gewöhnliche erwachsene Handlungen,</li>



<li class="has-medium-font-size">stark vereinfachte oder kindlich wirkende Begriffe,</li>



<li class="has-medium-font-size">suggestive Fragen wie „Das wollen Sie doch bestimmt nicht, oder?“,</li>



<li class="has-medium-font-size">das Vorwegnehmen von Entscheidungen,</li>



<li class="has-medium-font-size">das Sprechen über oder für einen Menschen, obwohl er selbst beteiligt werden könnte.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine große Konzeptanalyse wertete 83 theoretische und empirische Arbeiten zu Elderspeak aus. Ein wichtiges Ergebnis: Nicht jede Vereinfachung ist problematisch. Hilfreiche Anpassungen müssen von solchen Merkmalen unterschieden werden, die keinen Verständlichkeitsgewinn bringen und als bevormundend erlebt werden können. Besonders eine übertriebene Prosodie – also ein unnatürlich betonter, häufig kindlich wirkender Tonfall – kann das Verstehen sogar erschweren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Passe ich meine Sprache an?“, sondern:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Passe ich meine Kommunikation an eine konkrete Beeinträchtigung dieses Menschen an – oder an mein Bild davon, wie Menschen mit Demenz sind?“.<br></p>



<div style="border-left: 5px solid #2f6fa3; background: #f4f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0;"> <strong>Ein Satz zur Selbstprüfung</strong><br><br> Für Angehörige:<br> „Spreche ich noch mit meiner Mutter, meinem Vater, meinem Partner – oder inzwischen mit der Erkrankung?“<br><br> Für professionell Pflegende und Betreuende:<br> „Spreche ich noch mit Frau Müller – oder mit meinem Bild von einer Bewohnerin mit Demenz?“ </div>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Fürsorge zur Kommunikationsfalle wird</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Elderspeak zeigt sich nicht nur in Verniedlichungen. Oft ist er subtiler: besonders langsames Sprechen, starke Betonung, häufige Wiederholungen, übermäßiges Lob oder Fragen wie „Das ist Ihnen doch zu anstrengend, nicht wahr?“. Solche Formen wirken freundlich und unterstützend, können aber zugleich vermitteln: Ich traue Ihnen weniger zu. Entscheidend ist deshalb, ob eine sprachliche Anpassung tatsächlich einer konkreten Einschränkung dient – oder nur der Vorstellung folgt, Menschen mit Demenz müssten besonders einfach und besonders fürsorglich angesprochen werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade darin liegt die Falle: Elderspeak klingt häufig nicht respektlos. Er klingt fürsorglich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Sprache Abwehr beeinflusst</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dass es dabei um mehr als Höflichkeit geht, zeigen Untersuchungen aus Pflegeheimen. In einer Studie mit 20 Menschen mit Demenz und 80 aufgezeichneten Pflegesituationen lag die geschätzte Wahrscheinlichkeit für Pflegeabwehr nach normaler Erwachsenensprache bei 26 Prozent, nach Elderspeak bei 55 Prozent. Erfasst wurden unter anderem Nein-Sagen, Wegdrehen, Wegziehen, Schreien, Weinen oder körperliche Gegenwehr.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Beobachtungsstudien allein beweisen noch keine Ursache. Hinweise auf einen tatsächlichen Einfluss liefert jedoch das Trainingsprogramm „Changing Talk“: In einer cluster-randomisierten Studie mit 13 Pflegeheimen sank nach einer Schulung sowohl der Anteil von Elderspeak als auch die beobachtete Pflegeabwehr deutlich. Die Veränderungen hingen statistisch miteinander zusammen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit wird Kommunikation selbst zu einem möglichen Bestandteil jener Situationen, die später als „herausforderndes Verhalten“ beschrieben werden. Bei einer Dokumentation wie „Bewohner aggressiv bei Körperpflege“ lohnen sich deshalb weitere Fragen: „Was geschah unmittelbar davor?“. Wie wurde der Mensch angesprochen? Wurde eine Entscheidung bereits vorweggenommen? War eine Frage tatsächlich offen? Wurde ein Nein gehört? Vielleicht beschreibt die Reaktion des Menschen sonst nur die Hälfte der Situation.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auch deutsche Untersuchungen finden Elderspeak</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Elderspeak ist kein Phänomen amerikanischer Pflegeheime. Eine deutsche Untersuchung analysierte reale Interaktionen zwischen 34 Pflegefachpersonen und 105 älteren Patientinnen und Patienten in Akut- und geriatrischen Krankenhausbereichen. In 97 Prozent der Begegnungen fand sich mindestens eine suggestive oder bestätigungserwartende Rückfrage, unpassende Kollektivpronomen in 70 Prozent, baby-talk-artige Formulierungen in 57 Prozent und intime Anreden in 16 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bemerkenswert war: Für bestimmte Formen des Elderspeak spielte die funktionelle Beeinträchtigung eine größere Rolle als die kognitive. Menschen wurden also offenbar nicht nur deshalb anders angesprochen, weil sie schlechter verstanden, sondern auch, weil sie hilfsbedürftiger wirkten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht weniger anpassen – sondern genauer</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Elderspeak kann Menschen als weniger kompetent oder weniger selbstbestimmt ansprechen und damit Autonomie und Beteiligung beeinträchtigen. Gerade bei Demenz ist zudem denkbar, dass Unbehagen nicht immer sprachlich erklärt, sondern über Rückzug, Ablehnung oder Pflegeabwehr ausgedrückt wird. Die Antwort darauf ist nicht, jede sprachliche Anpassung zu vermeiden. Kurze klare Aussagen, eine Information nach der anderen, ausreichend Zeit zum Antworten, konkrete Begriffe sowie Zeigen oder Vormachen können das Verstehen erleichtern.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Entscheidend ist, ob diese Unterstützung zum konkreten Menschen passt. Nicht jeder braucht dieselbe Vereinfachung, nicht jeder dieselbe Nähe – und auch ein Kosename ist nicht automatisch problematisch, wenn er ausdrücklich erwünscht ist.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Frage lautet deshalb weniger: „Welche Wörter sind erlaubt?“, sondern: „Was traue ich diesem Menschen sprachlich noch zu – und worauf stütze ich diese Einschätzung?“. Erfahrung und Routine ist hilfreich. Ganz allmählich und unbemerkt können Sie gerade erfahrene Pflegeprofis aber zu Kommunikationsmuster verführen, die nicht adäquat sind. </p>



<div style="border-left: 5px solid #2f6fa3; background: #f4f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0;">
<strong>Hören Sie sich selbst einmal einen Tag lang zu</strong><br><br>
• Verändere ich bei Menschen mit Demenz automatisch Stimme oder Tonfall?<br>
• Lobe ich Alltägliches stärker als bei anderen Erwachsenen?<br>
• Sind meine Fragen wirklich offen?<br>
• Nehme ich Fähigkeiten vorweg, statt sie zunächst zu prüfen?<br>
• Würde ich denselben Satz in demselben Ton zu einem gleichaltrigen Menschen ohne Demenz sagen?<br><br>
Elderspeak entsteht oft nicht durch einzelne falsche Sätze, sondern durch schleichende Kommunikationsgewohnheiten. Deshalb braucht gute Demenzbegleitung auch Selbstbeobachtung und Selbstkorrektur.
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gute Absicht schützt nicht vor Überanpassung</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Vielleicht ist genau das die unbequemste Erkenntnis der Elderspeak-Forschung. Bevormundende Kommunikation entsteht nicht zwingend dort, wo Menschen desinteressiert oder lieblos arbeiten. Sie kann auch aus Fürsorge entstehen: aus dem Wunsch, Verständnis zu erleichtern, Sicherheit zu geben, Widerstand zu vermeiden oder besonders einfühlsam mit einem Menschen mit Demenz umzugehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Deshalb hilft eine einfache Verbotsliste wenig. Wichtiger ist eine Haltung, die regelmäßig überprüft:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Welche Unterstützung braucht dieser konkrete Mensch wirklich? Und wo spreche ich ihm unbemerkt mehr Kompetenz ab, als die Erkrankung tatsächlich genommen hat? Für Angehörige ebenso wie für professionell Pflegende und Betreuungskräfte gilt deshalb immer wieder eine einfache Frage:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Spreche ich gerade mit diesem Menschen – oder mit meiner Vorstellung von Demenz?</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen und Weiterführendes</p>



<p class="wp-block-paragraph">Williams KN, Herman R, Gajewski B, Wilson K. Elderspeak Communication: Impact on Dementia Care. American Journal of Alzheimer’s Disease &amp; Other Dementias. 2009;24(1):11–20. DOI: 10.1177/1533317508318472. PMID: 18591210.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herman RE, Williams KN. Elderspeak’s Influence on Resistiveness to Care: Focus on Behavioral Events. American Journal of Alzheimer’s Disease &amp; Other Dementias. 2009;24(5):417–423. DOI: 10.1177/1533317509341949. PMID: 19692706.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Williams KN, Perkhounkova Y, Herman R, Bossen A. A Communication Intervention to Reduce Resistiveness in Dementia Care: A Cluster Randomized Controlled Trial. The Gerontologist. 2017;57(4):707–718. DOI: 10.1093/geront/gnw047. PMID: 27048705.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shaw CA, Gordon JK. Understanding Elderspeak: An Evolutionary Concept Analysis. Innovation in Aging. 2021;5(3). DOI: 10.1093/geroni/igab023. PMID: 34476301.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnabel EL, Wahl HW, Streib C, Schmidt T. Elderspeak in Acute Hospitals? The Role of Context, Cognitive and Functional Impairment. Research on Aging. 2021;43(9–10):416–427. DOI: 10.1177/0164027520949090. PMID: 32909924.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lillekroken D et al. Elderspeak in Healthcare Settings: How Care, Control and Personhood Intersect in Care Communication – A Qualitative Meta-Synthesis. Journal of Advanced Nursing. 2026. PMID: 42383511.</p>
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		<title>„Nehmen Sie es nicht persönlich“ – was ist das eigentlich für ein Rat?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 11:01:34 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Umgang mit Demenz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Nehmen Sie es nicht persönlich.“ &#8211; haben Sie das schon mal zu einem Kollegin oder Kollegen in der Pflege nach einem Vorfall mit einem Menschen mit Demenz gesagt? Oder einem&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/22/nehmen-sie-es-nicht-persoenlich-was-ist-das-eigentlich-fuer-ein-rat/">„Nehmen Sie es nicht persönlich“ – was ist das eigentlich für ein Rat?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Nehmen Sie es nicht persönlich.“ &#8211; haben Sie das schon mal zu einem Kollegin oder Kollegen in der Pflege nach einem Vorfall mit einem Menschen mit Demenz gesagt? Oder einem Angehörigen? Oder haben Sie diesen Rat selbst schon mal bekommen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Ratgeber zur Demenz liest, Angehörigenschulungen besucht oder sich über den Umgang mit verändertem Verhalten informiert, begegnet diesem Rat immer wieder. Wahrscheinlich habe ich das selbst schon mal irgendwo geschrieben für irgendwen. Der Rat klingt ja auch so schön vernünftig. Schließlich können Beschimpfungen, Anschuldigungen, Zurückweisungen oder körperliche Aggression mit der Demenz zusammenhängen. Sie müssen natürlich nicht das ausdrücken, was ein Mensch tatsächlich über seine Tochter, seinen Ehemann oder seine Partnerin denkt. Und schon gar nicht über mich als Pflegefachperson, denn &#8222;der kennt mich doch gar nicht.&#8220;. Oder?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten kommen bei einem Teil der Menschen mit Demenz vor. Das zu wissen, kann helfen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber kann man solche Verhaltensweisen deshalb einfach nicht persönlich nehmen? Was ist mit der Ehefrau, die von ihrem Mann geohrfeigt wird? Mit dem Sohn, den seine Mutter plötzlich einen Dieb nennt, nach der Polizei ruft oder schlecht bei den Nachbarn über ihn spricht, während er sich um die Post und Finanzen kümmert? Was ist mit der Tochter, die sich täglich kümmert und eines Tages zu hören bekommt:„Verschwinde, ich will Dich nie wieder sehen“? </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Vielleicht liegt das Problem schon in der Formulierung. Denn „Nehmen Sie es nicht persönlich“ kann etwas Sinnvolles bedeuten. Es kann aber auch wie die Aufforderung klingen, nicht verletzt, wütend, erschrocken, bestürzt oder traurig zu sein. Und das ist was völlig anderes. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Menschen nehmen Dinge persönlich</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir sind nunmal keine neutralen Beobachter unserer eigenen Beziehungen. Wenn uns ein Fremder beschimpft, kann uns das treffen. Damit es uns schlimmer trifft, muss mir die Person aber nicht zwingend sehr nahestehen. Oder kann sich jemand vielleicht an seine Schulzeit erinnern, wie er von einem Lehrer wegen seiner &#8222;Dummheit&#8220; vor der ganzen Klasse vorgeführt wurde? Und wie sehr ihn das verletzt hat? Kommen verletzende Worte oder sogar Handgreiflichkeiten von einem Menschen den wir lieben, mit dem wir Jahrzehnte verbracht haben, oder für den wir einen großen Teil unseres Alltags verändert haben und Verzicht üben, besitzen sie doch noch eine ganz andere Bedeutung und Schwere.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade weil uns ein Mensch nahesteht, sind wir für das empfänglich, was von ihm kommt.Das ist zunächst nichts Krankhaftes und auch kein Zeichen dafür, mit einer Demenz nicht angemessen umgehen zu können. Nähe bedeutet immer auch Verletzlichkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die psychologische Forschung zur Emotionsregulation geht zudem nicht davon aus, dass Menschen ihre emotionale Reaktion beliebig abschalten können. Sie unterscheidet vielmehr unterschiedliche Möglichkeiten, mit einer entstandenen oder entstehenden Emotion umzugehen. Eine davon ist die Neubewertung: Wir verändern unsere Interpretation einer Situation. Davon zu unterscheiden ist das bloße Unterdrücken einer emotionalen Reaktion. Die Forschung von James Gross zeigt, dass Neubewertung Gefühle abschwächen kann, während das Unterdrücken ihres Ausdrucks die innere Reaktion nicht einfach verschwinden lässt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Genau deshalb ist „Nehmen Sie es nicht persönlich“ als pauschaler Rat problematisch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht verletzt sein – oder anders einordnen?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Beschimpfung kann verletzen. Eine Zurückweisung kann traurig machen. Ein Schlag kann erschrecken oder wütend machen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Wissen um die Demenz hebt diese Reaktionen nicht auf. Es kann aber helfen, das Geschehene später anders einzuordnen: Eine Tochter kann verletzt sein und trotzdem wissen, dass die Beschimpfung nicht zwingend ausdrückt, was ihre Mutter tatsächlich über sie denkt. Ein Ehemann kann unter dem „Geh weg!“ seiner Frau leiden, ohne daraus schließen zu müssen, dass ihre gemeinsame Beziehung bedeutungslos geworden ist. Nicht das Gefühl muss verschwinden. Entscheidend ist, welche Bedeutung wir dem Geschehen anschließend geben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bei Angehörigen trifft ein Satz auf eine ganze Beziehung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f3f6f4; border-left:5px solid #708c79; padding:20px 22px; margin:30px 0;">
  <h3 style="margin-top:0;">Aggression gegenüber Angehörigen ist kein Randphänomen</h3>

  <p>In der britischen CARD-Studie wurden 220 Angehörige von Menschen mit Demenz befragt.</p>

  <p style="font-size:1.35em; margin-bottom:4px;">37,3 %</p>
  <p style="margin-top:0;">berichteten, innerhalb der vorausgegangenen drei Monate zumindest gelegentlich psychisch oder körperlich übergriffiges Verhalten durch den Menschen mit Demenz erlebt zu haben.</p>

  <p style="font-size:1.35em; margin-bottom:4px;">36,4 %</p>
  <p style="margin-top:0;">berichteten psychisch übergriffiges Verhalten.</p>

  <p style="font-size:1.35em; margin-bottom:4px;">5,9 %</p>
  <p style="margin-top:0;">berichteten körperlich übergriffiges Verhalten.</p>

  <p style="margin-bottom:0;">Angehörige, die häufiger solche Situationen erlebten, beschrieben auch eine stärkere Verschlechterung der Beziehung zum Menschen mit Demenz.</p>
</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine systematische Übersichtsarbeit mit 25 hochwertigen Studien untersuchte, warum verändertes Verhalten bei Demenz von Angehörigen als besonders belastend erlebt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei ging es gerade nicht nur darum, wie häufig bestimmte Verhaltensweisen auftreten. Eine zentrale Rolle spielten Veränderungen von Kommunikation und Beziehung. Angehörige beschrieben ein Gefühl des Verlustes und eine sich verändernde Beziehung zum erkrankten Menschen. Die Forschenden kommen deshalb zu dem Schluss, dass Unterstützung auch die psychischen Bedürfnisse der Angehörigen berücksichtigen muss.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist wichtig.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Denn eine Beschimpfung findet nicht im luftleeren Raum statt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Vielleicht kommt sie von der Mutter, deren Anerkennung für die Tochter immer wichtig war. Vom Ehemann, von dem solche Worte früher undenkbar gewesen wären. Oder von einem Vater, für dessen Versorgung der Sohn inzwischen sein halbes Leben organisiert.</p>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und manchmal enthält eine Beschimpfung sogar Worte, die an alte Konflikte oder empfindliche Stellen einer Beziehung rühren. Da hilft die Information „Das ist die Demenz!“ möglicherweise bei der Einordnung. Aber sie löscht die Beziehungsgeschichte nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„Das ist die Krankheit“ – und trotzdem kann es wehtun</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zu verstehen, warum sich ein Mensch mit Demenz verändert, kann entlasten. Angst, Desorientierung, Schmerzen oder Überforderung können Verhalten beeinflussen und helfen, eine Situation anders einzuordnen. Doch zwischen „Ich verstehe, woher das kommen könnte oder was die Ursache ist“ und „Es macht mir nichts aus.“ liegt ein großer Unterschied.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Vielleicht ist deshalb ein anderer Gedanke realistischer: Es trifft mich. Aber ich kann lernen, mit diesem Getroffensein umzugehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Übrigens: auch Pflegefachpersonen sind nicht unberührbar. Fachwissen und professionelle Erfahrung helfen, Verhalten einzuordnen. Sie machen aber nicht immun gegen Beschimpfung oder Gewalt. Studien zeigen bei Pflegepersonen nach aggressiven oder gewalttätigen Situationen unter anderem Stress, Ärger, psychische Belastung sowie erhöhte Risiken für Burnout und traumatische Belastungsreaktionen. Professionalität bedeutet also nicht, dass eine Ohrfeige, eine massive Beschimpfung oder angespuckt zu werden emotional bedeutungslos bleiben muss.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In diesem Zusammenhang kann man Kolleginnen und Kollegen nur davor warnen, sich auch Stellenazeigen zu bewerben, die irgendwas mit &#8222;Engel&#8220; beinhalten. Gesucht werden dort offenbar Übermenschen, direkt gottgesandt &#8211; die natürlich weder Fehler machen noch durch irgendwas irdisches belastet sein können, oder? </p>



<h2 class="wp-block-heading">Trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen Angehörigen und Profis</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es wäre falsch, beide Versorgungssituationen einfach gleichzusetzen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Pflegefachperson begegnet dem Menschen in einer beruflichen Rolle. Im Idealfall stehen Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung. Eine Situation kann übergeben, besprochen und analysiert werden. Es gibt eine professionelle Organisation und irgendwann ein Dienstende. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch das schützt keineswegs vollständig. Aber es schafft einen anderen Rahmen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Angehörigen findet die Situation häufig mitten in der eigenen Beziehung und im eigenen Zuhause statt. Da hat nicht „ein Patient“ zugeschlagen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es war der eigene Mann. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nicht „eine Bewohnerin“ hat gesagt: „Ich hasse Dich.“. Es war die eigene Mutter. Und eine halbe Stunde später müssen vielleicht trotzdem das Abendessen vorbereitet, Medikamente gerichtet oder der Toilettengang begleitet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f6f4f1; border-left:5px solid #92765e; padding:20px 22px; margin:30px 0;">
  <h3 style="margin-top:0;">Angehörige und Profis: unterschiedliche Belastung</h3>

  <p>Eine deutsche Studie verglich jeweils 25 Angehörige und 25 professionell Pflegende von Menschen mit Demenz.</p>

  <p>Auf der Skala zur Belastung durch aggressives und desorientiertes Verhalten lagen die Mittelwerte bei:</p>

  <p style="font-size:1.35em; margin-bottom:4px;">Angehörige: 8,84 Punkte</p>
  <p style="font-size:1.35em; margin-top:4px;">Professionell Pflegende: 4,12 Punkte</p>

  <p>Die Skala reicht von 0 bis 20 Punkten. Auch durch kognitive Beeinträchtigungen fühlten sich die Angehörigen stärker belastet.</p>

  <p style="margin-bottom:0;"><em>Einordnung:</em> Mit jeweils nur 25 Personen war die Studie klein. Aus den Zahlen lässt sich daher nicht ableiten, dass Angehörige grundsätzlich „doppelt so stark“ belastet sind. Der Unterschied zeigt aber, warum familiäre und berufliche Pflege nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden sollten.</p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine kleine deutsche Untersuchung, in der Angehörige und professionell Pflegende unmittelbar nach einem Krankenhausaufenthalt des Menschen mit Demenz verglichen wurden, zeigt zumindest, dass diese unterschiedlichen Rollen für das Belastungserleben relevant sein können. Die Unterschiede bei der Belastung durch aggressives und desorientiertes Verhalten waren in dieser Untersuchung statistisch signifikant. Bei der Belastung durch die eigentlichen Pflegeaufgaben zeigte sich dagegen kein entsprechender Unterschied.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das macht den Befund besonders interessant: Nicht unbedingt die Tätigkeit selbst unterschied die Gruppen, sondern insbesondere das Erleben bestimmter Veränderungen des Menschen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„Nicht persönlich nehmen“ ist emotionale Arbeit</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine kanadische Studie beschreibt „Nicht-persönlich-Nehmen“ bei Beschäftigten im Gesundheitswesen ausdrücklich als emotionale Arbeit. <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/04/27/nach-dem-vorfall-nicht-einfach-weitermachen-warum-sie-in-der-pflege-einen-buddy-check-etablieren-sollten/">Aggression musste erklärt, relativiert und innerlich verarbeitet werden.</a> Problematisch wird es, wenn dadurch Gewalt normalisiert oder ihre Wirkung unterschätzt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn selbst professionell Pflegende dafür emotionale Arbeit leisten müssen, ist &#8211; nehmen Sie es nicht persönlich &#8211; kaum zu erwarten, dass Angehörige einfach unberührt bleiben. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Entscheidend ist die Reaktion danach</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die wichtigere Frage lautet deshalb nicht: „Wie schaffe ich es, dass mich das nicht mehr verletzt?“. Und es ist keinesfalls ein Versagen, durch Aussagen oder Handlungen eines Menschen mit Demenz verletzt zu werden. Nach dem Motto: ist er zu stark bist Du zu schwach.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Sondern: „Wie gehe ich damit um, wenn es mich verletzt hat?“. Wut, Kränkung oder Angst sind zunächst Gefühle. Entscheidend ist, was daraus folgt: Abstand herstellen, nicht zurückschlagen, eine Situation beenden, später nach Ursachen suchen oder Unterstützung holen. Nicht Gefühle abzutrainieren sollte das Ziel sein, sondern Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verstehen heißt nicht aushalten</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Demenz kann erklären helfen, warum ein Mensch schlägt, tritt, kratzt, beißt oder spuckt. Sie verpflichtet aber niemanden, Gewalt auszuhalten. Wer bedroht oder angegriffen wird, darf Abstand herstellen und Hilfe holen. Bei wiederholter oder neuer Aggression sollte nach möglichen Auslösern wie Schmerzen, Delir, Angst oder Überforderung gesucht werden. Empathie und Selbstschutz schließen einander nicht aus. Ich darf jemanden &#8211; in aller (Nächsten-)Liebe &#8211; von seinem Tun abhalten. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Brauchen wir einen anderen Satz?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Nehmen Sie es nicht persönlich“ muss nicht automatisch völlig falsch sein. Wenn damit gemeint ist: „Versuchen Sie, das Verhalten nicht als verlässliche Aussage darüber zu verstehen, was dieser Mensch von Ihnen hält“, kann darin eine ausgesprochen hilfreiche Neubewertung liegen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als Aufforderung, nach einer Beschimpfung, einer Zurückweisung, einem Schlag oder dem Angespucktwerden nicht verletzt, wütend, traurig oder erschrocken zu sein, ist der Satz dagegen fragwürdig – bei Angehörigen ebenso wie bei professionell Pflegenden. Frei nach dem Motto: &#8222;Who cares?&#8220; &#8211; darf unsere Antwort lauten: &#8222;Me!&#8220;. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In Pflege und Beratung müssen wir uns und andere ernst nehmen. Und das bedeutet, anzuerkennen, dass Menschen keine professionell programmierbaren Beobachter ihrer Beziehungen sind. Wir nehmen Dinge persönlich. Das ist normal. &#8222;Seid Menschen!&#8220; &#8211; auch in Pflege und Betreuung. </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir müssen jedoch die Arbeit leisten, mit unserem Getroffensein, mit unseren Gefühlen umzugehen und unsere Reaktionen zu steuern. Das ist wesentlich für die Versorgung von Menschen mit Demenz. <br><br>Jochen Gust<br></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen und weiterführende Informationen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Cooper C, Selwood A, Blanchard M, Livingston G. (2010): „Abusive behaviour experienced by family carers from people with dementia: the CARD study.“ Journal of Neurology, Neurosurgery &amp; Psychiatry 81(6), 592–596. DOI: 10.1136/jnnp.2009.190934. Die Studie mit 220 Angehörigen enthält die im Artikel genannten Häufigkeiten zu psychisch und körperlich übergriffigem Verhalten. <a target="_blank" rel="noopener" href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19955110/?utm_source=chatgpt.com">PubMed-Eintrag zur CARD-Studie</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Feast A, Orrell M, Charlesworth G, Melunsky N, Poland F, Moniz-Cook E. (2016): „Behavioural and psychological symptoms in dementia and the challenges for family carers: systematic review.“ British Journal of Psychiatry 208(5), 429–434. DOI: 10.1192/bjp.bp.114.153684. Die systematische Übersicht analysiert insbesondere die Bedeutung von Beziehungs- und Kommunikationsveränderungen für Angehörige. <a target="_blank" rel="noopener" href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4853642/?utm_source=chatgpt.com">Volltext der systematischen Übersichtsarbeit</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seidel D, Thyrian JR. (2019): „Burden of caring for people with dementia – comparing family caregivers and professional caregivers. A descriptive study.“ Journal of Multidisciplinary Healthcare 12, 655–663. DOI: 10.2147/JMDH.S209106. Untersucht wurde das unterschiedliche Belastungserleben von 25 Angehörigen und 25 professionell Pflegenden. <a target="_blank" rel="noopener" href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31616154/?utm_source=chatgpt.com">PubMed-Eintrag zur Vergleichsstudie</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gross JJ. (2002): „Emotion regulation: affective, cognitive, and social consequences.“ Psychophysiology 39(3), 281–291. DOI: 10.1017/S0048577201393198. Grundlagenarbeit zur Unterscheidung von Neubewertung und Unterdrückung emotionaler Reaktionen. <a target="_blank" rel="noopener" href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12212647/?utm_source=chatgpt.com">PubMed-Eintrag zur Emotionsregulation</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Funk L, Spencer D, Herron R. (2021): „Making sense of violence and victimization in health care work: The emotional labour of ‘not taking it personally’.“ International Review of Victimology 27(1), 94–110. DOI: 10.1177/0269758020953760. Die qualitative Studie beschäftigt sich unmittelbar mit dem „Nicht-persönlich-Nehmen“ als emotionaler Arbeit im Gesundheitswesen. <a target="_blank" rel="noopener" href="https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0269758020953760?utm_source=chatgpt.com">Studie bei SAGE Journals</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Holst A, Skär L. (2017): „Formal caregivers’ experiences of aggressive behaviour in older people living with dementia in nursing homes: A systematic review.“ International Journal of Older People Nursing 12(4), e12158. DOI: 10.1111/opn.12158. Die Übersicht untersucht die Auswirkungen aggressiver Reaktionen auf professionell Pflegende in der Demenzversorgung. <a target="_blank" rel="noopener" href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/opn.12158?utm_source=chatgpt.com">Systematische Übersichtsarbeit bei Wiley</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wang J et al. (2022): „Workplace violence and the risk of post-traumatic stress disorder and burnout among nurses: A systematic review and meta-analysis.“ Journal of Nursing Management 30(7), 2854–2868. DOI: 10.1111/jonm.13809. Die Metaanalyse untersucht psychische Folgen von Gewalterfahrungen bei Pflegepersonen. <a target="_blank" rel="noopener" href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36122417/?utm_source=chatgpt.com">PubMed-Eintrag zur Metaanalyse</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als deutschsprachige praktische Weiterinformation bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Hinweise zum Umgang mit verändertem Verhalten und Aggressivität. <a target="_blank" rel="noopener" href="https://www.deutsche-alzheimer.de/mit-demenz-leben/umgang-und-kommunikation?utm_source=chatgpt.com">Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Umgang und Kommunikation</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/22/nehmen-sie-es-nicht-persoenlich-was-ist-das-eigentlich-fuer-ein-rat/">„Nehmen Sie es nicht persönlich“ – was ist das eigentlich für ein Rat?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>Stille Aspiration bei Demenz: Wenn niemand hustet</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/08/stille-aspiration-bei-demenz-wenn-niemand-hustet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2026 18:13:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[Aspirationspneumonie]]></category>
		<category><![CDATA[Aspirationsrisiko]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Dysphagie]]></category>
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		<category><![CDATA[Essen und Trinken]]></category>
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		<category><![CDATA[pflegedienst]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[pflegende angehörige]]></category>
		<category><![CDATA[Schluckstörung]]></category>
		<category><![CDATA[Stille Aspiration]]></category>
		<category><![CDATA[stille Aspiration erkennen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie Pflege Auffälligkeiten beim Essen und Trinken erkennen, zusammenführen und rechtzeitig weitergeben kann. Ein Mensch mit Demenz hustet beim Mittagessen mehrfach nach dem Trinken. Das fällt auf. Eine Pflegende wird&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/08/stille-aspiration-bei-demenz-wenn-niemand-hustet/">Stille Aspiration bei Demenz: Wenn niemand hustet</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie Pflege Auffälligkeiten beim Essen und Trinken erkennen, zusammenführen und rechtzeitig weitergeben kann. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Mensch mit Demenz hustet beim Mittagessen mehrfach nach dem Trinken. Das fällt auf. Eine Pflegende wird genauer hinsehen und möglicherweise eine Schluckstörung vermuten. Schwieriger wird es allerdings, wenn niemand hustet. Wenn das Offensichtliche ausbleibt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einer stillen Aspiration gelangt Speichel, Flüssigkeit oder Nahrung in die Atemwege, ohne dass die betroffene Person mit einem erkennbaren Husten- oder Räusperreflex darauf reagiert. Gerade darin liegt das Problem: Das Ausbleiben von Husten ist deshalb kein Beweis dafür, dass sicher geschluckt wird.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Menschen mit Demenz ist diese Problematik relevant. Schluckstörungen treten insbesondere in fortgeschrittenen Stadien gehäuft auf. Die deutsche S3-Leitlinie Demenzen weist ausdrücklich darauf hin, dass Dysphagien die Nahrungsaufnahme erschweren und Aspirationen mit entsprechenden medizinischen Risiken, beispielsweise einer Pneumonie, begünstigen können. Bei einem Verdacht soll eine Dysphagiediagnostik erfolgen. Eine ältere deutsche Leitlinie zur neurogenen Dysphagie nennt für Menschen mit Demenz einen Anteil von etwa 20 bis 30 Prozent mit schwerer Dysphagie und stiller, von den Betroffenen selbst nicht bemerkter Aspiration. Diese Zahl sollte nicht so verstanden werden, dass jeder vierte Mensch mit einer Demenz still aspiriert. Erkrankungsstadium, Begleiterkrankungen und untersuchte Population spielen eine erhebliche Rolle. Sie zeigt aber zumindest, dass stille Aspiration kein exotisches Phänomen ist.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.15em; font-weight: 700; margin-bottom: 12px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f441.png" alt="👁" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stille Aspiration kurz erklärt
  </div>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    <strong>Aspiration</strong> bedeutet, dass Material unterhalb der Stimmlippen in die Atemwege gelangt.
  </p>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    Bei einer <strong>stillen Aspiration</strong> fehlt eine erkennbare Schutzreaktion wie Husten oder Räuspern.
  </p>

  <p style="margin: 14px 0 6px 0;">
    <strong>Deshalb gilt:</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0 0 6px 0;">
    ➜ Kein Husten bedeutet nicht keine Aspiration.
  </p>

  <p style="margin: 0;">
    ➜ Eine stille Aspiration lässt sich durch reine Beobachtung nicht sicher ausschließen.
  </p>

</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Pflege kann eine stille Aspiration nicht „sehen“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit stellt sich für die Pflege ein scheinbares Dilemma. Wenn das entscheidende Symptom gerade darin besteht, dass die typische Reaktion ausbleibt: Worauf soll man dann achten? Die Antwort liegt früher im Prozess: Pflege kann Veränderungen erkennen, einzelne Beobachtungen miteinander verbinden und daraus einen begründeten Verdacht auf eine Schluckstörung ableiten. Das ist ein wichtiger Unterschied dazu, auf ein plötzlich auftretendes Symptom zu reagieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Menschen mit Demenz besitzt Pflege hierfür eine besondere Ausgangsposition. Pflegepersonen erleben die Betroffenen nicht nur in einer kurzen Untersuchungssituation, sondern während zahlreicher Mahlzeiten, beim Trinken zwischendurch, bei der Medikamenteneinnahme, bei der Mundpflege und zu unterschiedlichen Tageszeiten. <br>Das Problem ist allerdings offensichtlich: Selten erlebt eine einzelne Pflegeperson alle diese Situationen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das eigentliche Problem heißt Schichtwechsel</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Pflegefachperson bemerkt beim Frühstück, dass Herr Müller ungewöhnlich lange braucht. <br>Mittags stellt eine Kollegin fest, dass Nahrung in einer Wangentasche verbleibt. <br>Im Spätdienst fällt auf, dass er nach dem Trinken zeitweise anders klingt.<br>In der Nacht wird eine stärkere Verschleimung dokumentiert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jede Beobachtung für sich muss noch keine Dysphagie bedeuten. Zusammen entsteht jedoch ein Muster, das eine Abklärung notwendig macht. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob professionelle Beobachtung funktioniert: Die Informationen müssen zusammenkommen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hier könnte auch KI unterstützen: Sie könnte dokumentierte Beobachtungen aus verschiedenen Schichten zusammenführen und auf wiederkehrende Veränderungen oder auffällige Kombinationen hinweisen. Die klinische Bewertung bliebe dabei Aufgabe der Fachpersonen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Beobachtungen überhaupt konkret und strukturiert dokumentiert werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein allgemeiner Hinweis wie „beim Essen beobachten“ reicht dafür kaum aus. Erst recht nicht im Alltag unter Zeitdruck. Pflege benötigt deshalb eine definierte Logik dafür,</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">was als relevante Veränderung gilt,wann gezielt beobachtet wird,</li>



<li class="has-medium-font-size">welche Beobachtungen über Schichten weitergegeben werden,</li>



<li class="has-medium-font-size">wer die Informationen zusammenführt</li>



<li class="has-medium-font-size">und ab welchem Punkt weitere Diagnostik erforderlich wird.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht jeder Mensch muss bei jeder Mahlzeit überwacht werden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein System, bei dem Pflegende jede Mahlzeit ausführlich auf mögliche Schluckstörungen beobachten, wäre unrealistisch. Sinnvoller ist ein Trigger-System.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die S1-Leitlinie „Geriatrisches Assessment der Stufe 2“ nennt unter anderem häufiges Verschlucken, Husten nach Essen oder Trinken, veränderte Stimme, geringere Ess- und Trinkmengen, Gewichtsverlust, veränderte Kopfhaltung sowie wiederholt ungeklärte Fieberschübe und Pneumonien als mögliche Hinweise. Das RCSLT-Kompetenzmodell bezieht zusätzlich Faktoren wie Wachheit, Atmung, Körperhaltung, Mundhygiene, Ernährungs- und Flüssigkeitszustand sowie Ermüdung ein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Praxis entscheidend ist deshalb nicht nur ein einzelnes Symptom, sondern vor allem die Frage:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Was ist neu oder anders als bisher?“. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Veränderung gegenüber gestern kann wichtiger sein als die Norm</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit fortgeschrittener Demenz essen häufig ohnehin langsam. Manche benötigen seit Monaten Unterstützung, andere kauen sehr lange oder müssen immer wieder zum nächsten Handlungsschritt aufgefordert werden. Eine reine Checkliste kann deshalb schnell zu Fehlinterpretationen führen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.15em; font-weight: 700; margin-bottom: 12px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f50e.png" alt="🔎" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Die vielleicht wichtigste Frage
  </div>

  <p style="margin: 0 0 10px 0; font-size: 1.08em;">
    <strong>Was ist anders als sonst?</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    Bei Menschen mit Demenz sollte eine Schluckbeobachtung immer den individuellen Ausgangszustand berücksichtigen.
  </p>

  <p style="margin: 0;">
    Neu auftretende oder zunehmende Veränderungen sind häufig wichtiger als ein einzelnes isoliertes Merkmal.
  </p>

</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Frau Schmidt seit einem Jahr 45 Minuten für ihr Mittagessen benötigt, ist dies zunächst ihr bekannter Zustand.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn dieselbe Frau innerhalb weniger Tage plötzlich 70 Minuten benötigt, zunehmend ermüdet, wiederholt Nahrung im Mund behält und weniger trinkt, ist die Veränderung wesentlich aussagekräftiger.<br>Pflege sollte deshalb nicht nur fragen:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Ist dieses Verhalten auffällig?“, sondern zusätzlich: „Ist dieses Verhalten neu und / oder deutlich stärker als bisher?“</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Vier Bereiche für die pflegerische Beobachtung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die gezielte Beobachtung lassen sich vier Bereiche unterscheiden:</p>



<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">1. Orale Phase und Schluckvorgang</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hinweise können neu auftretende orale Residuen oder Pocketing, verlängerte Kauphasen, mehrfaches Nachschlucken, Probleme beim Speichelmanagement oder eine veränderte Kopfhaltung beim Schlucken sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">2. Stimme, Husten und Respiration</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Relevant sind Husten oder Räuspern während bzw. nach der Nahrungsaufnahme, eine veränderte Stimmqualität sowie neue respiratorische Auffälligkeiten oder Probleme mit dem Sekretmanagement. Fehlender Husten schließt eine Aspiration nicht aus.</p>



<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">3. Mahlzeitenverlauf und Vigilanz</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zu beachten sind eine deutlich verlängerte Essdauer, zunehmende Ermüdung, Mahlzeitenabbrüche, reduzierte orale Aufnahme sowie Veränderungen von Vigilanz und Aufmerksamkeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">4. Klinischer Verlauf</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch unbeabsichtigter Gewichtsverlust, rezidivierende ungeklärte Fieberschübe, Pneumonien oder eine allgemeine klinische Verschlechterung können Anlass sein, eine bislang unerkannte Dysphagie in die Ursachenklärung einzubeziehen.</p>



<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.15em; font-weight: 700; margin-bottom: 12px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f3e0.png" alt="🏠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Für pflegende Angehörige
  </div>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    Achten Sie vor allem auf <strong>Veränderungen</strong>: Verschluckt sich die Person häufiger? Bleibt Nahrung im Mund? Dauert Essen oder Trinken plötzlich länger? Klingt die Stimme danach feucht oder „gurgelnd“? Wird weniger gegessen oder getrunken, tritt ungeklärtes Fieber auf oder kommt es wiederholt zu Atemwegsinfekten?
  </p>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    Solche Beobachtungen sollten Sie der Pflegefachperson des Pflegedienstes und/oder dem behandelnden Arzt mitteilen – <strong>auch dann, wenn kein Husten auftritt.</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Hilfreich ist eine konkrete Beschreibung: <strong>Was ist neu, seit wann und wie häufig tritt es auf?</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0 0 6px 0;">
    <strong>Bei akuter Atemnot oder schwerem Verschlucken mit Atemproblemen: Notruf 112.</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0;">
    Bei dringenden gesundheitlichen Beschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten, die nicht lebensbedrohlich sind, hilft der <strong>ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117</strong> weiter.
  </p>

</div>



<h2 class="wp-block-heading">Pflege: eine Beobachtung muss mindestens die nächste Schicht erreichen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der entscheidende Schritt erfolgt anschließend in Dokumentation und Übergabe.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Hat schlecht gegessen.“ hilft wenig. Auch „weiter beobachten“ reicht als Information kaum aus. Wichtig ist, möglichst konkret festzuhalten und weiterzugeben, was sich verändert hat, seit wann die Auffälligkeit besteht und worauf die folgenden Kolleginnen und Kollegen gezielt achten sollen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das RCSLT-Kompetenzmodell macht diesen Punkt ausdrücklich zum Bestandteil professioneller Dysphagieversorgung: Informationen sollen zeitnah und klar an das Team weitergegeben und Beobachtungen nachvollziehbar dokumentiert werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wann reicht Beobachten nicht mehr?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine gezielte Beobachtungsphase darf nicht dazu führen, eine notwendige Abklärung aufzuschieben. Wenn sich Auffälligkeiten wiederholen, mehrere Hinweise zusammenkommen oder der klinische Eindruck eindeutig für eine Schluckstörung spricht, muss aus der Beobachtung ein Dysphagieverdacht werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die S3-Leitlinie Demenzen formuliert dazu knapp und eindeutig: Bei Verdacht auf eine Dysphagie sollte eine Dysphagiediagnostik durchgeführt werden. Damit schließt sich der Kreis. Pflege kann sehr viel erkennen – aber gerade stille Aspiration zeigt die Grenze der klinischen Beobachtung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Person kann aspirieren, ohne zu husten. Wenn trotz klinisch wenig spektakulärer Mahlzeiten ein begründeter Dysphagieverdacht besteht, sind weiterführende Untersuchungen erforderlich.</p>



<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 20px; margin: 28px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.2em; font-weight: 700; margin-bottom: 18px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9ed.png" alt="🧭" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Eine mögliche pflegerische Praxis-Matrix
  </div>

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f440.png" alt="👀" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 1 – Allgemeine Aufmerksamkeit
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Keine neue Veränderung. Essen und Trinken entsprechen dem bekannten individuellen Zustand.
    </p>
    <p style="margin: 0;">
      ➜ Normale pflegerische Alltagsbeobachtung.
    </p>
  </div>

  <hr style="border: 0; border-top: 1px solid #c9d8df; margin: 18px 0;">

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f50e.png" alt="🔎" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 2 – Beobachtungstrigger
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Eine neue oder zunehmende Auffälligkeit wird festgestellt.
    </p>

    <ul style="margin: 8px 0 10px 20px; padding: 0;">
      <li>Mundreste / Pocketing</li>
      <li>auffällig längere Kau- oder Essdauer</li>
      <li>Husten oder Räuspern</li>
      <li>veränderte Stimme</li>
      <li>geringere Ess- oder Trinkmenge</li>
      <li>neue Ermüdung</li>
      <li>veränderte Atmung</li>
      <li>veränderte Kopfhaltung</li>
      <li>deutlich veränderte Vigilanz</li>
    </ul>

    <p style="margin: 0;">
      ➜ Gezielte Beobachtung aktivieren und für die Folgeschicht sichtbar dokumentieren und übergeben.
    </p>
  </div>

  <hr style="border: 0; border-top: 1px solid #c9d8df; margin: 18px 0;">

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9e9.png" alt="🧩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 3 – Muster erkennen
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Die Auffälligkeit tritt wiederholt auf oder mehrere Hinweise kommen zusammen.
    </p>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      ➜ Beobachtungen schichtübergreifend zusammenführen.
    </p>
    <p style="margin: 0;">
      <strong>Leitfrage:</strong> Ein einzelnes Ereignis – oder eine konsistente Veränderung?
    </p>
  </div>

  <hr style="border: 0; border-top: 1px solid #c9d8df; margin: 18px 0;">

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 4 – Dysphagieverdacht
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Das Muster spricht für eine mögliche Schluckstörung.
    </p>
    <p style="margin: 0;">
      ➜ Standardisiertes Screening durch entsprechend geschulte Personen bzw. direkte fachliche Abklärung nach einrichtungsinternem Verfahren.
    </p>
  </div>

  <hr style="border: 0; border-top: 1px solid #c9d8df; margin: 18px 0;">

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1fa7a.png" alt="🩺" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 5 – Weitere Diagnostik
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Das Screening ist auffällig oder der klinische Verdacht besteht trotz unauffälligem Screening weiter.
    </p>
    <p style="margin: 0;">
      ➜ Dysphagiediagnostik sowie logopädische und ärztliche Abklärung, ggf. FEES oder VFSS.
    </p>
  </div>

  <div style="margin-top: 20px; padding-top: 14px; border-top: 1px solid #c9d8df; font-size: 0.92em;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2139.png" alt="ℹ" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> <strong>Hinweis:</strong> Diese Matrix ist eine redaktionell abgeleitete Praxishilfe und kein validiertes Screening- oder Diagnoseinstrument.
  </div>

</div>



<h2 class="wp-block-heading">Dienste und Einrichtungen sind gefordert</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es reicht ganz klar nicht, einzelnen Pflegenden zu sagen, sie müssten „besser beobachten“. Damit strukturierte Beobachtung funktioniert, braucht es klare Abläufe.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Wer darf ein Dysphagiescreening durchführen?</li>



<li class="has-medium-font-size">Wo wird ein Beobachtungstrigger dokumentiert?</li>



<li class="has-medium-font-size">Wie erkennt die nächste Schicht, dass gezielt beobachtet werden soll?</li>



<li class="has-medium-font-size">Wer führt die Beobachtungen zusammen?</li>



<li class="has-medium-font-size">Wann werden Logopädie und ärztlicher Dienst einbezogen?</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der DNQP-Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ ist zwar kein eigener Dysphagiestandard. Er unterstreicht aber die Verantwortung der Pflege für die frühzeitige Erfassung ernährungsrelevanter Probleme und deren Ursachen sowie die Notwendigkeit geeigneter Strukturen und Dokumentation. Auch die internationale ESPEN-Leitlinie zur Ernährung und Flüssigkeitsversorgung bei Demenz betont die systematische Einschätzung von Ernährungsproblemen und empfiehlt eine erneute Bewertung insbesondere dann, wenn sich Gesundheitszustand, Ess- und Trinkfähigkeit oder Ess- und Trinkverhalten verändern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht jeder Husten ist eine Aspiration – und nicht jede Aspiration führt zur Pneumonie</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei aller notwendigen Aufmerksamkeit darf aus dem Thema keine permanente Alarmdiagnostik werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Husten beim Trinken beweist keine Aspiration. Eine veränderte Stimme beweist keine Aspiration. Eine Pneumonie beweist keine Aspiration. Und auch eine nachgewiesene Aspiration führt nicht zwangsläufig zu einer Aspirationspneumonie. Die einzelnen Beobachtungen müssen immer im Zusammenhang betrachtet werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Professionelle Beobachtung heißt, aus Einzelheiten ein Muster zu machen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Stille Aspiration macht deutlich, wo die Stärke professioneller Pflege liegt. Nicht darin, beim Essen neben jedem Menschen zu sitzen und auf Husten zu warten. Sondern darin, kleine Veränderungen wahrzunehmen, sie mit dem bisherigen Zustand einer Person zu vergleichen, Beobachtungen anderer Mitarbeitender einzubeziehen und rechtzeitig zu erkennen, wann aus einer Auffälligkeit ein abklärungsbedürftiger Verdacht geworden ist.</p>



<div style="height:61px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.15em; font-weight: 700; margin-bottom: 12px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2139.png" alt="ℹ" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Hinweis zur Veröffentlichung
  </div>

  <p style="margin: 0;">
    Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und pflegerischen Sensibilisierung. Die vorgeschlagene Beobachtungsmatrix ist <strong>kein validiertes medizinisches Screening-Instrument</strong> und ersetzt weder ein standardisiertes Dysphagiescreening noch die fachärztliche oder therapeutische Diagnostik.
  </p>

</div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen und weiterführende Literatur</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) &amp; Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) (Hrsg.): S3-Leitlinie Demenzen – Living Guideline, Version 6.0 vom 24.02.2026. AWMF-Registernummer 038-013.</li>



<li>Dziewas R, Allescher HD, Aroyo I et al.: Diagnosis and treatment of neurogenic dysphagia – S1 guideline of the German Society of Neurology. Neurological Research and Practice 3, 23 (2021). DOI: 10.1186/s42466-021-00122-3.</li>



<li>Krupp S für die AG Assessment der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG): S1-Leitlinie „Geriatrisches Assessment der Stufe 2 – Living Guideline“. AWMF-Registernummer 084-002LG, aktuelle Fassung 2026.</li>



<li>Royal College of Speech and Language Therapists (RCSLT): Eating, Drinking and Swallowing Competency Framework (EDSCF) for non-SLTs. Kompetenzrahmen für Pflegende, Betreuungspersonen und andere Berufsgruppen im Umgang mit Ess-, Trink- und Schluckstörungen.</li>



<li>Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“, 1. Aktualisierung 2017.</li>



<li>Volkert D, Beck AM, Faxén-Irving G et al.: ESPEN guideline on nutrition and hydration in dementia – Update 2024. Clinical Nutrition 43 (2024), 1599–1626. DOI: 10.1016/j.clnu.2024.04.039.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/08/stille-aspiration-bei-demenz-wenn-niemand-hustet/">Stille Aspiration bei Demenz: Wenn niemand hustet</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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					<wfw:commentRss>https://demenz-zeitung.de/2026/09/08/stille-aspiration-bei-demenz-wenn-niemand-hustet/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/08/16/schmerzen-bei-demenz-warum-beobachten-im-sitzen-nicht-reicht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 18:24:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
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		<category><![CDATA[schmerzen erkennen bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Schmerzerkennung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schmerzen bei Menschen mit Demenz zu erkennen, ist häufig schwierig. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer kann es Betroffenen fallen, Schmerzen zuverlässig zu benennen, ihre Stärke einzuschätzen oder zu&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/08/16/schmerzen-bei-demenz-warum-beobachten-im-sitzen-nicht-reicht/">Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schmerzen bei Menschen mit Demenz zu erkennen, ist häufig schwierig. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer kann es Betroffenen fallen, Schmerzen zuverlässig zu benennen, ihre Stärke einzuschätzen oder zu erklären, wo genau etwas wehtut.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dann gewinnt die Beobachtung an Bedeutung: Verzieht der Mensch das Gesicht? Stöhnt er? Schützt er einen Körperteil? Verändert sich seine Haltung oder sein Verhalten? Für die Schmerzbeurteilung sind in der Pflege verschiedene Skalen etabliert. Doch dabei gibt es ein Problem: oftmals werden Schmerzskalen in relativer Ruhe benutzt. Konkret: die Pflegefachperson setzt sich neben den sitzenden oder liegenden Pflegebedürftigen und füllt das Formular aus.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber: es reicht möglicherweise nicht, sich neben einen ruhig sitzenden oder liegenden Menschen zu setzen und ihn einige Minuten zu beobachten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In Ruhe unauffällig – bei Bewegung Schmerzen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie groß der Unterschied sein kann, zeigte eine britische Untersuchung mit 230 älteren Menschen mit Demenz, die ungeplant in ein Akutkrankenhaus aufgenommen worden waren. Während ihres Krankenhausaufenthaltes wurde wiederholt auf Schmerzverhalten geachtet – sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Ergebnis ist bemerkenswert:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Bei 19 Prozent wurde mindestens einmal Schmerzverhalten in Ruhe beobachtet. Bei Bewegung waren es 57 Prozent.</strong> Das bedeutet nicht, dass alle diese Menschen dauerhaft Schmerzen hatten. Es zeigt aber sehr deutlich, wie stark die Situation beeinflussen kann, ob Schmerz überhaupt erkennbar wird. Eine spätere wissenschaftliche Auswertung derselben Patientengruppe kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die beobachteten Schmerzwerte waren während Aktivität deutlich höher als in Ruhe. Die Forschenden sprechen dabei von einem möglichen Floor-Effekt: In Ruhe sammeln sich die Werte am unteren Ende einer Beobachtungsskala. Der Mensch erscheint unauffällig – obwohl sich bei Bewegung durchaus Schmerzzeichen zeigen können.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Schmerz entsteht nicht erst beim Aufstehen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Man kann sich das an einer alltäglichen Situation vorstellen. Eine Person sitzt ruhig in ihrem Sessel. Sie stöhnt nicht, ihr Gesicht wirkt entspannt, die Körperhaltung erscheint unauffällig. Dann soll sie aufstehen. Beim Vorbeugen verzieht sie plötzlich das Gesicht. Beim Hochkommen hält sie das rechte Bein steif. Sie klammert sich an der Armlehne fest und stöhnt. Der naheliegende Gedanke wäre: Jetzt hat sie Schmerzen. Genauer wäre jedoch:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jetzt werden die Schmerzen sichtbar.</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Bewegung muss den Schmerz nicht verursacht haben. Möglicherweise bestand beispielsweise bereits eine schmerzhafte Arthrose, eine Verletzung, eine Druckstelle oder ein muskuloskelettales Problem. Solange der betroffene Körperbereich nicht belastet oder bewegt wurde, war davon im Verhalten kaum etwas zu erkennen. Gerade bei Menschen, die ihre Beschwerden nicht mehr zuverlässig mitteilen können, kann dieser Unterschied entscheidend sein. Also auch bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1024x768.png" alt="" class="wp-image-3723" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1024x768.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-300x225.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-768x576.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1320x990.png 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher.png 1448w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch andere Studien zeigen höhere Schmerzwerte bei Bewegung. Bereits 2010 untersuchten Forschende 60 Pflegeheimbewohner mit Demenz und bekannten Schmerzproblemen. Die Bewohner wurden sowohl in Ruhe als auch während standardisierter Bewegungen beobachtet. Bei unterschiedlichen Verfahren zur Schmerzbeobachtung zeigten sich während der Bewegung signifikant mehr Schmerzzeichen als in Ruhe.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch andere Forschungsgruppen haben deshalb gezielt Bewegungen in die Schmerzerfassung einbezogen. Dahinter steht ein einfacher Gedanke: Wer wissen möchte, ob beispielsweise Hüfte, Knie, Schulter oder Rücken Schmerzen verursachen, erhält möglicherweise mehr Informationen, wenn diese Körperbereiche bei einer ohnehin notwendigen Alltagshandlung bewegt oder belastet werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Beobachtung in Ruhe ist trotzdem nicht falsch</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aus den Forschungsergebnissen sollte allerdings nicht der umgekehrte Schluss gezogen werden, Menschen müssten ausschließlich bei Bewegung beobachtet werden. Auch Schmerzen in Ruhe sind wichtig. Manche Erkrankungen verursachen gerade dann Beschwerden, wenn ein Mensch liegt oder längere Zeit dieselbe Position einnimmt.Sinnvoller ist deshalb die Kombination:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie verhält sich der Mensch in Ruhe – und was verändert sich bei Bewegung? </p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f4f8fb; border-left:5px solid #3b82a0; padding:18px 20px; margin:24px 0; border-radius:6px; line-height:1.6;">
  
  <div style="font-size:1.15em; font-weight:700; margin-bottom:8px;">
    <span style="margin-right:7px;" aria-hidden="true"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></span>
    Bewegung beobachten heißt nicht, Schmerzen zu provozieren
  </div>

  <p style="margin:0 0 8px 0;">
    Ein wichtiger Punkt darf dabei nicht missverstanden werden:
    Niemand sollte einen Menschen absichtlich in eine schmerzhafte Bewegung zwingen, nur um herauszufinden, ob etwas wehtut.
  </p>

  <p style="margin:0;">
    Es geht vielmehr darum, <strong>notwendige und ohnehin stattfindende Bewegungen bewusster zu beobachten</strong>.
  </p>

</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch internationale Empfehlungen zur Schmerzerfassung bei Demenz weisen darauf hin, dass Beobachtungen sowohl in Ruhe als auch während Transfers und Aktivitäten des täglichen Lebens erfolgen sollten. Der Vergleich kann zusätzliche Informationen liefern, die eine einzelne Momentaufnahme nicht bietet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unauffälliges Verhalten in Ruhe beweist keine Schmerzfreiheit.</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wo eine verständliche Selbstauskunft noch möglich ist, sollte sie weiterhin genutzt werden. Fremdbeobachtung ergänzt diese Einschätzung insbesondere dann, wenn Kommunikation zunehmend schwierig wird. Vielleicht müssen wir nicht nur anders beobachten – sondern im richtigen Moment. In der Pflege wird viel darüber gesprochen, welches Instrument zur Schmerzerfassung verwendet werden sollte. Diese Frage ist wichtig. Aber möglicherweise beginnt das Problem noch früher.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn eine Pflegefachperson einen Menschen nur ruhig im Bett oder im Sessel erlebt, fehlen unter Umständen genau die Situationen, in denen sich Schmerzen bemerkbar machen. Die Forschung zeigt inzwischen recht deutlich, dass Schmerzverhalten bei Menschen mit Demenz während Bewegung wesentlich häufiger sichtbar werden kann als in Ruhe.</p>



<p class="has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-paragraph">Deshalb lohnt sich im Pflegealltag eine zusätzliche Frage. Nicht nur: <strong>„Welche Schmerzzeichen sehe ich?“, s</strong>ondern auch: <strong>„Wann schaue ich eigentlich hin?“</strong>.<br> Denn manchmal reicht Beobachten im Sitzen schlicht nicht aus.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph"><br><br>Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen und zum Weiterlesen:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Sampson EL, White N, Lord K et al. (2015):</strong> Pain, agitation, and behavioural problems in people with dementia admitted to general hospital wards: a longitudinal cohort study. <em>Pain</em>.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25790457/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25790457/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Dunford E et al.</strong> <strong>(2022):</strong> Psychometric evaluation of the Pain Assessment in Advanced Dementia scale in an acute general hospital setting.<br><a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9828226/">https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9828226/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Ersek M et al. (2010):</strong> Comparing the psychometric properties of the Checklist of Nonverbal Pain Behaviors and the Pain Assessment in Advanced Dementia scale in persons with dementia.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20088854/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20088854/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Husebø BS et al.</strong> <strong>(2007):</strong> Mobilization-Observation-Behavior-Intensity-Dementia Pain Scale (MOBID): development and validation of a nurse-administered pain assessment tool for use in dementia.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17509814/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17509814/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>International Association for the Study of Pain (IASP):</strong> Pain Assessment in Dementia.<br><a href="https://www.iasp-pain.org/resources/fact-sheets/pain-assessment-in-dementia/">https://www.iasp-pain.org/resources/fact-sheets/pain-assessment-in-dementia/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Lautenbacher S, Schreiber V, Grupp C et al.</strong> <strong>(2026):</strong> Pain differences in cognitive impairment appear only during active motor tasks. <em>Frontiers in Pain Research</em>.<br><a href="https://www.frontiersin.org/journals/pain-research/articles/10.3389/fpain.2026.1849507/full">https://www.frontiersin.org/journals/pain-research/articles/10.3389/fpain.2026.1849507/full</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/08/16/schmerzen-bei-demenz-warum-beobachten-im-sitzen-nicht-reicht/">Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Aug 2026 08:48:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Akutkrankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[barmer krankenhausreport]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[delir]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzsensibles krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[geriatrie]]></category>
		<category><![CDATA[kognitive beeinträchtigung]]></category>
		<category><![CDATA[krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenhausaufnahme]]></category>
		<category><![CDATA[Nationale Demenzstrategie]]></category>
		<category><![CDATA[patientensicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege im Krankenhaus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen mit Demenz gehören längst zum Alltag deutscher Krankenhäuser. Das ist keine neue Entwicklung. Schon vor vielen Jahren zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der älteren Krankenhauspatientinnen und -patienten kognitiv&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/">Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz gehören längst zum Alltag deutscher Krankenhäuser. Das ist keine neue Entwicklung. Schon vor vielen Jahren zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der älteren Krankenhauspatientinnen und -patienten kognitiv beeinträchtigt ist. Verändert hat sich vor allem etwas anderes: Wir verstehen heute wesentlich besser, welche Folgen eine Demenz für nahezu den gesamten Krankenhausaufenthalt haben kann.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidende Frage lautet deshalb vielleicht nicht mehr: Was müssen Mitarbeitende in  Krankenhäusern über Demenz lernen? Sondern: Warum gelingt es noch immer nicht überall, vorhandenes Wissen zuverlässig in Strukturen und Abläufe zu übersetzen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Demenz gehört schon lange dazu</h2>



<div style="background:#f4f7f9; border-left:5px solid #4f7896; padding:20px 22px; margin:28px 0; border-radius:4px;">

  <div style="font-size:1.25em; font-weight:700; margin-bottom:16px;">
    Demenz im Krankenhaus – vier Zahlen
  </div>

  <div style="display:grid; grid-template-columns:repeat(auto-fit,minmax(180px,1fr)); gap:20px;">

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        18,4 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der untersuchten Krankenhauspatientinnen und -patienten ab 65 Jahren hatten eine Demenz.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        nur 36,7 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der in der Studie festgestellten Demenzerkrankungen waren auch in der Krankenakte dokumentiert.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        +33 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        mehr Krankenhauseinweisungen gab es bei Menschen mit Demenz im Vergleich zu Menschen ohne Demenz.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        10,6 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der Krankenhausfälle mit Demenz hatten 2023 ein dokumentiertes Delir – gegenüber 3,4 % aller Krankenhausfälle ab 65 Jahren.
      </div>
    </div>

  </div>

  <div style="font-size:0.82em; color:#666; margin-top:18px; border-top:1px solid #d7dee3; padding-top:10px;">
    Quellen: GHoSt; Motzek et al.; BARMER Krankenhausreport 2025
  </div>

</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><br>Die General Hospital Study (GHoSt) untersuchte 2014 und 2015 ältere Patientinnen und Patienten in deutschen Allgemeinkrankenhäusern. Bei 18,4 Prozent der über 65-Jährigen wurde eine Demenz festgestellt, weitere 19,8 Prozent hatten eine leichte kognitive Beeinträchtigung. Insgesamt waren damit rund 40 Prozent kognitiv beeinträchtigt. Bemerkenswert ist ein anderer Befund: Nicht einmal bei vier von zehn der tatsächlich betroffenen Patientinnen und Patienten war die Demenz in der Krankenakte dokumentiert. Bei fast zwei Dritteln fehlte ein entsprechender Hinweis.<br><br>Das bedeutet wohl nicht, dass Krankenhäuser zwei Drittel aller Demenzerkrankungen schlicht „übersehen“ hätten. Manche Erkrankungen waren vermutlich zuvor nicht diagnostiziert, zudem kann die Abgrenzung zwischen Demenz, Delir und akuter kognitiver Verschlechterung schwierig sein. Für die Versorgung bleibt der Befund dennoch relevant: Ein Krankenhaus kann nicht darauf vertrauen, dass eine bestehende Demenz bei der Aufnahme bereits bekannt und dokumentiert ist. Und darf die Wirkung dieser Diagnose auf Behandlung und Verlauf des Krankenhausaufenthalts nicht unterschätzen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schon einige Jahre zuvor hatte eine Untersuchung im Auftrag der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ein ähnliches Strukturproblem sichtbar gemacht. 2009 berichteten 81,9 Prozent der befragten Pflegekräfte, immer häufiger Menschen mit Demenz zu versorgen. Gleichzeitig fühlten sich nur rund 30 Prozent dafür ausreichend qualifiziert. Lediglich 27,7 Prozent der befragten Krankenhausleitungen konnten überhaupt ein demenzsensibles Versorgungskonzept benennen. Erfolgreiche Modellprojekte wurden damals noch als „Insellösungen“ beschrieben.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Menschen mit Demenz kommen häufiger ins Krankenhaus</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob Menschen mit Demenz allerdings <strong>heute häufiger als früher</strong> ins Krankenhaus kommen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Zwar stiegen die dokumentierten Krankenhausfälle mit Demenz bis 2019, nach der Corona-Pandemie liegen sie aber unter diesem Höchststand. Zudem beeinflussen Demografie, Diagnostik und Kodierung die Zahlen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="
  background-color: #eef5f8;
  border-left: 5px solid #28708a;
  padding: 16px 18px;
  margin: 24px 0;
  border-radius: 4px;
  font-size: 1.05em;
  line-height: 1.5;
">
  <span style="font-size: 1.3em; margin-right: 8px;">&#128269;</span>
  <strong>Belegt ist das höhere Hospitalisierungsrisiko – nicht ein kontinuierlicher Anstieg über die Jahre.</strong>
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Menschen mit Demenz im Krankenhaus behandelt werden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessanter als die reine Zahl der Krankenhausaufenthalte ist möglicherweise der Blick auf ihre Ursachen. Menschen mit Demenz werden häufig aufgrund akuter Erkrankungen und Krisen aufgenommen – beispielsweise nach Frakturen und Verletzungen, bei Flüssigkeitsmangel oder Erkrankungen des Harnsystems.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung.png"><img decoding="async" width="1024" height="725" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1024x725.png" alt="" class="wp-image-3714" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1024x725.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-300x212.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-768x543.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1320x934.png 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung.png 1491w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade hier zeigt sich, dass Demenz weit mehr ist als eine zusätzliche Diagnose in der Patientenakte. Ein Mensch mit Demenz kann möglicherweise nicht zuverlässig daran denken, ausreichend zu trinken. Er kann die Aufforderung, nach einem Sturz nicht allein aufzustehen, wenige Minuten später vergessen haben. Eine Infektion äußert sich womöglich zunächst durch Unruhe, Rückzug oder Nahrungsverweigerung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Krankenhaus behandelt dann vielleicht eine Fraktur, eine Herzinsuffizienz oder einen Flüssigkeitsmangel – die Demenz beeinflusst jedoch maßgeblich, wie diese Erkrankung überhaupt behandelt werden kann bzw. das Outcome der Maßnahmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Krankenhausaufenthalt bringt zusätzliche Risiken</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders deutlich wird das beim Delir. 2023 wurde bei 10,6 Prozent der Krankenhausfälle von Menschen mit Demenz ein Delir dokumentiert. Bei allen Krankenhausfällen ab 65 Jahren waren es 3,4 Prozent. Bei Demenz in Verbindung mit einer Femurfraktur lag der Anteil sogar bei 18,6 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hinzu kommen erhebliche Anforderungen an die Pflege. In der GHoSt-Studie berichteten Pflegefachleute bei 87,5 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Demenz und/oder Delir mindestens eine herausfordernde Pflegesituation. Bei 57 Prozent wurde mehr Pflegezeit als üblich benötigt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist kein Hinweis darauf, dass Menschen mit Demenz „schwierige Patienten“ wären. Es zeigt vielmehr einen Konflikt zwischen kognitiven Einschränkungen und einem Versorgungssystem, das stark auf Orientierung, Gedächtnis, Kooperation und Selbstständigkeit angewiesen ist. Im ambulanten Bereich wird das Thema Delir häufig ebenfalls stark unterschätzt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Viel hat sich verändert – aber nicht überall</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Inzwischen ist demenzsensible Krankenhausversorgung auch gesundheitspolitisch längst kein Randthema mehr. Sie ist Bestandteil der Nationalen Demenzstrategie. Kognitive Screenings, Angehörigenintegration, Delirprävention, kürzere Wartezeiten, Orientierungshilfen und angepasste Behandlungsabläufe werden seit Jahren diskutiert und erprobt. Wissen ist jedoch das eine, die Umsetzung eine andere. Es erstaunt mich immer wieder: in Schulungen in Krankenhäusern sind Teilnehmer manchmal regelrecht erstaunt zu hören, dass es im eigenen Haus einen speziellen Qualitätszirkel Demenz oder Delir gibt. Nie von gehört&#8230;. .</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts zeigte 2021/22 beispielsweise, dass zwar 52 Prozent der befragten Allgemeinkrankenhäuser in der Notaufnahme regelhaft ein kognitives Kurzscreening älterer Patienten durchführten. Eine Delirgefährdung war jedoch nur in 42 Prozent Bestandteil der Triage. Nur 28 Prozent gaben an, dass alle Beschäftigten in Notaufnahme beziehungsweise Rettungsdienst im Umgang mit Menschen mit Demenz geschult seien. Einen akustisch und visuell abgeschirmten Wartebereich hatten lediglich sieben Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit hat sich gegenüber den „Insellösungen“ von vor 15 Jahren zweifellos viel verändert. Von einer flächendeckend demenzsensiblen Krankenhausversorgung kann dennoch kaum gesprochen werden, betrachtet man diese Zahlen. Mein eigenes Erleben als Referent bestätigt das auch in der Hinsicht, dass Demenz immernoch &#8222;stiefmütterlich&#8220; behandelt wird und im Schulungsbereich häufig ein &#8222;nice to have&#8220; ist, aber nicht mehr. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Kein Erkenntnisproblem mehr?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für viele Menschen mit Demenz ist ein Krankenhausaufenthalt zudem eine kritische Phase ihres weiteren Krankheits- und Pflegeverlaufs. Nach BARMER-Daten benötigten rund 19 Prozent der zuvor ambulant oder teilstationär versorgten Menschen mit Demenz nach dem Krankenhausaufenthalt Kurzzeitpflege oder eine vollstationäre Versorgung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Daraus darf nicht geschlossen werden, dass der Krankenhausaufenthalt diese Verschlechterung verursacht hat.</strong> Menschen kommen schließlich gerade deshalb ins Krankenhaus, weil sie akut erkrankt oder verletzt sind. Die Zahlen zeigen aber, wie vulnerabel diese Patientengruppe ist.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Was Menschen mit Demenz im Krankenhaus benötigen, ist heute in vielen Bereichen bekannt. Die spannendere – und unbequemere – Frage lautet daher:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn wir so viel darüber wissen, warum hängt eine gute Versorgung noch immer so stark davon ab, in welchem Krankenhaus und auf welcher Station ein Mensch mit Demenz landet?</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/">Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Demenz: Wer hat hier eigentlich das Problem?</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/06/05/demenz-wer-hat-hier-eigentlich-das-problem/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 12:39:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Angehörige Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Biografiearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenz verstehen]]></category>
		<category><![CDATA[demenzimkrankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[demenzpflege]]></category>
		<category><![CDATA[demenzzeitung]]></category>
		<category><![CDATA[herausforderndes verhalten]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte vermeiden]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[personzentrierte Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegealltag]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegefachpersonen]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeimpuls]]></category>
		<category><![CDATA[pflegepraxis]]></category>
		<category><![CDATA[stationäre pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Stress in der Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Validation]]></category>
		<category><![CDATA[Verhalten bei Demenz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://demenz-im-krankenhaus.de/?p=3641</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine einfache Frage kann im Umgang mit Menschen mit Demenz viel Stress herausnehmen. Sie lautet: Wer hat hier eigentlich das Problem? Diese Frage wirkt zunächst fast zu schlicht. Im Pflegealltag&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/06/05/demenz-wer-hat-hier-eigentlich-das-problem/">Demenz: Wer hat hier eigentlich das Problem?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine einfache Frage kann im Umgang mit Menschen mit Demenz viel Stress herausnehmen. Sie lautet: Wer hat hier eigentlich das Problem?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Frage wirkt zunächst fast zu schlicht. Im Pflegealltag kann sie aber verhindern, dass Verhalten vorschnell als Störung bewertet wird. Denn nicht alles, was von unserer Routine abweicht, ist für den Menschen mit Demenz ein Problem. Manchmal ist es vor allem ein Problem für unsere Ordnungsvorstellungen, unseren Zeitplan oder unser Bedürfnis, eine Situation sofort zu korrigieren. Wenn ich mit Teams arbeite, ist das daher für mich eine Leitfrage. Denn häufig eröffnet sie die Möglichkeit, Druck und Stress im Alltag zu verringern – und davon haben Pflegeprofis meist mehr als genug.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Pflegefachpersonen wegsehen sollen. Es bedeutet: Erst prüfen, dann eingreifen. Und letztlich: öfter einfach machen lassen, statt im eigenen Arbeitsalltag Menschen mit Demenz ständig korrigierend hinterherzuhechten.<br></p>



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</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Wann müssen Sie wirklich handeln?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eingreifen müssen wir immer dann, wenn Gefahr besteht, ein Mensch leidet, Gesundheit gefährdet ist oder andere Menschen beeinträchtigt werden. Grenzen und Rechte anderer Menschen dürfen und müssen geschützt werden. Das steht nicht in Frage – eher manchmal, wie wir das machen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Anders sieht es aus, wenn ein Verhalten vor allem ungewohnt, unordentlich oder störend wirkt, aber niemandem schadet. Dann lohnt sich ein kurzer innerer Stopp: Muss ich jetzt wirklich handeln? Oder halte ich gerade nur schwer aus, dass etwas nicht so ist, wie ich es gewohnt bin? Diese Unterscheidung ist besonders wichtig bei Menschen mit Demenz. Viele Handlungen haben für Außenstehende keinen erkennbaren Sinn, können für die betroffene Person aber beruhigend, vertraut oder orientierend sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Kleiderschrank wird immer wieder ausgeräumt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein typisches Beispiel aus einer Pflegeeinrichtung: eine Bewohnerin räumt ihren Kleiderschrank aus. Eine Pflegefachperson kommt ins Zimmer, sieht die Unordnung und räumt alles wieder ein. Beim nächsten Rundgang ist der Schrank erneut ausgeräumt. Wieder wird aufgeräumt. Nach dem dritten oder vierten Mal entsteht Ärger, Zeitdruck und die Einschätzung: Die Bewohnerin ist unruhig, schwierig oder kaum zu bremsen, agitiert – obwohl bei ihr kein erkennbarer Leidensdruck vorhanden ist. Im Gegenteil: wechselt man die Perspektive, ist sie beschäftigt, schafft ihre eigene Ordnung, kümmert sich um ihre eigenen Sachen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hier hilft die Frage: Wer hat das Problem? Und für Kolleginnen und Kollegen die Unordnung besonders schlecht aushalten können: natürlich heißt das nicht, alles so lassen zu müssen. Aber statt den Schrank viermal pro Schicht aufzuräumen, kann das Team festlegen: der Schrank wird einmal täglich zu einem geeigneten Zeitpunkt überprüft und geordnet. Alles andere darf (vorübergehend) unordentlich sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das spart Zeit, reduziert Konflikte und verhindert, dass aus einem harmlosen Verhalten ein Dauerthema wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Selbstverursachter Stress entsteht oft durch Korrekturreflexe</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele belastende Situationen entstehen nicht nur durch das Verhalten des Menschen mit Demenz. Sie entstehen auch dadurch, dass Pflegefachpersonen immer wieder korrigieren, zurückräumen, erklären oder umlenken, obwohl die Situation objektiv nicht gefährlich ist. Das kostet Zeit, schafft Stress – und es entstehen neue Risiken: z.B. der unangemessene Einsatz von Bedarfsmedikation gegen „Unruhe“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die praktische Leitfrage lautet deshalb: Entsteht gerade Schaden, Gefahr oder Leidensdruck? Oder stört es vor allem mich? Wenn es vor allem mich stört, ist Innehalten oft die bessere Intervention.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ad9c3f46a959&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ad9c3f46a959" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img decoding="async" width="1024" height="576" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/06/teamfragen-1024x576.png" alt="" class="wp-image-3644" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/06/teamfragen-1024x576.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/06/teamfragen-300x169.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/06/teamfragen-768x432.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/06/teamfragen-1536x864.png 1536w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/06/teamfragen-1320x743.png 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/06/teamfragen.png 1672w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Frage „Wer hat hier eigentlich das Problem?“ eignet sich gut für Fallbesprechungen, Übergaben und kurze Teamreflexionen. Sie hilft, eingefahrene Reaktionsmuster zu erkennen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wichtig ist: Nicht-Eingreifen bedeutet nicht Nichtstun. Es kann eine bewusste fachliche Entscheidung sein. Dazu gehört, Risiken einzuschätzen, Grenzen zu setzen, Alternativen anzubieten und die Situation weiter zu beobachten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angehörige brauchen Erklärung, nicht perfekte Ordnung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein häufiges Gegenargument lautet: Die Angehörigen beschweren sich, wenn das Zimmer unordentlich ist oder Dinge herumliegen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
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</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das kann passieren. Oft entsteht die Beschwerde aber nicht wegen der Unordnung. Angehörige haben häufig Angst, dass niemand hinsieht, dass zu wenig Personal da ist oder dass es den Pflegefachpersonen egal ist. Wenn sie nur die Unordnung sehen, aber die fachliche Entscheidung dahinter nicht kennen, wirkt die Situation schnell wie eine Art Vernachlässigung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Deshalb ist Erklärung entscheidend. Pflege wird auch deshalb häufig unterschätzt, weil Sie nicht gut kommuniziert, was sie macht. Oder eben bewusst nicht macht. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen können Angehörigen ruhig und klar vermitteln:</p>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>Wir sehen die Situation.</li>



<li>Wir lassen Ihre Mutter oder Ihren Vater nicht allein damit.</li>



<li>Wir unterscheiden zwischen Menschen und Dingen.</li>



<li>Zuerst achten wir darauf, ob es dem Menschen gut geht.</li>



<li>Wenn keine Gefahr besteht, greifen wir nicht jedes Mal sofort ein.</li>



<li>Wir kümmern uns zu einem geeigneten Zeitpunkt um Ordnung, Wäsche und Sicherheit.</li>
</ul>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">So wird aus „Die kümmern sich gar nicht!“ eine andere Wahrnehmung: Das Team handelt bewusst. Es setzt Prioritäten. Es schützt den Menschen vor unnötigen Konflikten und kümmert sich trotzdem. Gerade diese Erklärung schafft Vertrauen. Angehörige erleben dann nicht Gleichgültigkeit, sondern fachliches Vorgehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Frage „Wer hat hier eigentlich das Problem?“ ist keine Ausrede fürs Wegsehen. Sie ist ein Werkzeug für bewusstes Handeln. Sie hilft Pflegefachpersonen, zwischen echter Gefahr und eigener Irritation zu unterscheiden. Sie verhindert unnötige Konflikte. Und sie gibt Menschen mit Demenz mehr Raum, sich in ihrer Umgebung auf ihre Weise zu beschäftigen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nicht alles, was uns stört, ist auch ein Problem für den Menschen mit Demenz. Manchmal beginnt gute Pflege genau dort, wo wir „nichts“ machen.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/06/05/demenz-wer-hat-hier-eigentlich-das-problem/">Demenz: Wer hat hier eigentlich das Problem?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/04/05/schreien-und-rufen-bei-demenz-beruhigen-allein-reicht-nicht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 08:59:15 +0000</pubDate>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Menschen mit Demenz anhaltend schreien oder rufen, ist das für alle Beteiligten eine Belastungsprobe. Angehörige geraten an ihre Grenzen, Pflegefachpersonen erleben Hilflosigkeit, und auch in Kliniken oder Pflegeheimen wird das Phänomen schnell als massive Störung erlebt. Gerade darin liegt ein Teil des Problems: Das Verhalten erzeugt Druck. Möglichst schnell soll wieder Ruhe einkehren. Doch wer Schreien und Rufen nur als Lärm oder gar als bloßes Fehlverhalten versteht, übersieht oft, worum es eigentlich geht und schränkt die eigenen Handlungsoptionen ein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Denn anhaltendes Schreien ist ein hochbelastendes Dauersignal. Es kann Ausdruck von Not, Überforderung, Schmerz, Angst, Stress, innerer Unruhe oder misslingender Kommunikation sein. In der Fachliteratur wird dieses Verhalten meist unter Begriffen wie „persistent vocalizations“ oder „disruptive vocalizations“ beschrieben. Zugleich zeigt die Forschung: Die Studienlage ist begrenzt und uneinheitlich, gerade deshalb ist im Alltag ein systematisches pflegefachliches Vorgehen so wichtig.</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="720" style="aspect-ratio: 1280 / 720;" width="1280" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/SchreienKurzSketchFinal.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.youtube.com/channel/UCBkAPMP0XeRVcd9TA2WlY-w">Weitere kurze, informative Filme zum Thema Demenz finden Sie auf dem Youtubekanal: Demenz: Aufmerksam gemacht. </a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht nur Lärm, sondern ein Signal</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schreien und Rufen ist bei Demenz nicht automatisch absichtsvoll, aggressiv oder „charakterbedingt“. Es kann zwar auch mit der Hirndegeneration selbst zusammenhängen, etwa als Teil neuropsychiatrischer Symptome. Fachlich wäre es aber zu kurz gegriffen, das Verhalten allein darauf zu reduzieren. Häufig ist es sinnvoller, von einem Zusammenspiel aus Hirnveränderungen, körperlichen Belastungen, Umweltreizen, Interaktion und unbefriedigten Bedürfnissen auszugehen. Genau deshalb lohnt es sich, hinter das Verhalten zu schauen, statt nur gegen das Symptom anzukämpfen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hilfreich ist ein Perspektivwechsel: Nicht sofort fragen „Wie kriegen wir das weg?“, sondern zuerst „Was könnte hier gerade dahinterstecken?“ Diese Frage löst nicht alles. Aber sie schützt davor, vorschnell nur das Symptom zum Schweigen zu bringen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background:#dff1fb; padding:18px 20px; border-radius:8px; font-size:18px; line-height:1.6; color:#1f2d3d;">
  Schreien und Rufen lässt sich nicht immer vollständig beenden. Aber oft lässt sich die Situation besser verstehen, eingrenzen oder abschwächen. Dafür braucht es ein gemeinsames Vorgehen. Angehörige sollten nicht mit dem Eindruck alleinbleiben, sie hätten einfach „nicht genug beruhigt“. Pflegefachpersonen wiederum brauchen Rückhalt dafür, dass systematische Beobachtung und kleinschrittiges Ausprobieren keine Nebensache, sondern Kern der Versorgung sind.
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Anhaltendes Schreien und Rufen bei Demenz ist so belastend, weil es fast nie nur Lärm ist. Es ist meist ein Signal für Not, Überforderung oder misslingende Kommunikation und trifft zugleich auf ein Versorgungssystem, in dem genau die nötige intensive Ursachenarbeit oft schwer umzusetzen ist. Gerade deshalb braucht es mehr als Beruhigen. Es braucht Beobachtung, Geduld, Dokumentation und den Mut, auch kleine Hinweise ernst zu nehmen. Weitere Informationen finden Sie in anderen Artikeln zum <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/27/schreien-und-rufen-als-extremphaenomen/">Thema Schreien und Rufen</a> auf dieser Webseite. Ein <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/06/06/verhalten-im-grenzbereich-schreien-und-rufen-bei-demenz/">Interview mit einem Experten </a>finden Sie hier. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">(Amazon Affiliate-Link): <a href="https://amzn.to/4meL4Np">Eine etwas umfangreichere Beschreibung des Phänomens und mögliche Lösungsschritte für die Pflege finden Sie in dieser Praxishilfe</a> (Amazon-Affiliate-Link). </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/04/05/schreien-und-rufen-bei-demenz-beruhigen-allein-reicht-nicht/">Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 08:14:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Pflegefachpersonen kennen solche Situationen: Ein Mensch mit Demenz zieht bei der Körperpflege die Decke hoch, dreht den Kopf weg oder sagt entschieden: „Lassen Sie mich in Ruhe.“ Beim Essen wird&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen kennen solche Situationen: Ein Mensch mit Demenz zieht bei der Körperpflege die Decke hoch, dreht den Kopf weg oder sagt entschieden: „Lassen Sie mich in Ruhe.“ Beim Essen wird der Löffel abgewehrt, beim Aufstehen die Hand zurückgezogen, beim Wechseln von Inkontinenzmaterial steigt plötzlich die Spannung. Schnell entsteht dann der Eindruck, jemand „mache nicht mit“ oder sei „schwierig“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Oft steckt dahinter Reaktanz: ein verständlicher innerer Widerstand gegen erlebten Druck, Fremdbestimmung oder Überrumpelung. Gerade bei Menschen mit Demenz ist dieses Thema im Pflegealltag zentral. Denn gute Pflege muss nicht nur fachlich richtig sein. Sie muss auch so gestaltet werden, dass ein Mensch sich nicht ausgeliefert fühlt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine kompakte Information bietet dieser Film:</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="720" style="aspect-ratio: 1280 / 720;" width="1280" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/ReaktanzFinal.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=J7IMldNCI08">Diesen und weitere Info-Filme zum Thema Demenz können Sie auch über Youtube anschauen.</a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Was Reaktanz bedeutet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Reaktanz ist Widerstand, der entsteht, wenn Menschen sich gedrängt oder in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt fühlen. Einfach gesagt: Wenn jemand den Eindruck hat, „ich soll hier zu etwas gebracht werden“, kommt oft eine Gegenreaktion. Man will dann gerade nicht tun, was verlangt, empfohlen oder durchgesetzt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Psychologisch ist das gut nachvollziehbar. Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Selbstbestimmung, Kontrolle und eigener Entscheidung. Sobald dieses Gefühl bedroht ist, entsteht innerer Widerstand. Dieser richtet sich oft nicht einmal gegen die Sache selbst, sondern gegen die Art, wie sie vermittelt oder durchgesetzt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Je stärker der Druck, desto größer oft die Reaktanz.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Reaktanz bei Menschen mit Demenz besonders wichtig ist</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz erleben den Alltag häufig als unsicher, verwirrend oder schwer durchschaubar. Vieles ist unklar, manches fremd, manches beängstigend. Umso wichtiger wird das Gefühl, wenigstens über den eigenen Körper, den eigenen Abstand oder den aktuellen Moment <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/02/08/unterstuetzen-statt-uebernehmen/">noch mitentscheiden zu können.</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn dann jemand schnell, bestimmt, korrigierend oder ohne ausreichende Anbahnung auftritt, kann das leicht als Übergriff erlebt werden. Die betroffene Person kann ihr Unbehagen oft nicht mehr differenziert erklären. Stattdessen zeigt sich der Widerstand über Verhalten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Reaktanz zeigt sich im pflegerischen Alltag besonders häufig in Situationen, die körpernah, schambesetzt oder mit Zeitdruck verbunden sind. Dazu gehören vor allem die Körperpflege, das Anreichen von Essen und Trinken, das Aufstehen oder Umsetzen, die Medikamentengabe, das Wechseln von Inkontinenzmaterial oder Maßnahmen, die gegen den erkennbaren Willen der Person „durchgesetzt“ werden sollen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade dort, wo Nähe, Tempo und Fremdbestimmung zusammenkommen, steigt das Risiko für Widerstand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht jede Ablehnung ist Reaktanz</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">So wichtig das Konzept ist: Nicht jede Ablehnung bei Demenz ist automatisch Reaktanz. Hinter Abwehr können auch Schmerzen, Angst, Scham, Kälte, Überforderung, Missverständnisse, Hörprobleme, eine ungünstige Tagesform oder eine depressive Stimmung stehen. Auch Hunger, Durst, Müdigkeit, eine ungewohnte Pflegeperson oder eine zu laute Umgebung können eine Rolle spielen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#dff3ff; border-left:6px solid #5aa9d6; padding:18px 20px; margin:20px 0; border-radius:8px; font-size:18px; line-height:1.6; color:#1f2d3d;">
  <p style="margin:0 0 12px 0;">
    Reaktanz ist deshalb nicht vorschnell eine Erklärung, sondern eher ein Hinweis: Die Person erlebt gerade etwas als zu viel, zu nah, zu schnell oder zu fremdbestimmt.
  </p>
  <p style="margin:0;">
    Für Pflegefachpersonen ist genau das entscheidend. Sie sollten Widerstand nicht vorschnell als „schwieriges Verhalten“ bewerten, sondern als Signal verstehen, dass die Situation anders gestaltet werden muss.
  </p>
</div>
</div>
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<h2 class="wp-block-heading">Was Pflegefachpersonen besser nicht tun sollten</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Reaktanz sichtbar wird, verschärft sich die Lage häufig durch gut gemeinte, aber ungünstige Reaktionen. Dazu gehören vor allem Drängen, Diskutieren, Korrigieren, mehrfaches Auffordern in kurzer Folge oder das Weitermachen gegen erkennbaren Widerstand.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch Sätze wie „Sie müssen jetzt“, „Stellen Sie sich nicht so an“ oder „Das haben wir doch eben erklärt“ erhöhen meist den Druck. Gleiches gilt, wenn Zeitnot sichtbar gemacht wird oder die betroffene Person vor anderen korrigiert wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Je deutlicher die Person das Gefühl bekommt, dass über sie hinweg entschieden wird, desto größer wird oft die Gegenreaktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was stattdessen sofort hilfreich sein kann</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In akuten Situationen ist nicht die perfekte Erklärung entscheidend, sondern ein ruhiger, klarer und entlastender Umgang.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hilfreich ist zunächst, kurz innezuhalten. Nicht sofort weiterarbeiten. Abstand und Tempo prüfen. Blickkontakt suchen, ohne zu bedrängen. Die Situation mit einem einfachen Satz entschärfen. Und, wenn möglich, eine kleine Wahlmöglichkeit anbieten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zum Beispiel:<br>„Ich mache langsam.“<br>„Sie entscheiden mit.“<br>„Wir können kurz warten.“<br>„Möchten Sie erst das Gesicht oder erst die Hände waschen?“<br>„Ich sehe, dass Ihnen das gerade unangenehm ist.“</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Solche Sätze wirken nicht deshalb, weil sie besonders raffiniert sind. Sie wirken, weil sie (das Gefühl von) Kontrolle zurückgeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erst Beziehung, dann Handlung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine der wichtigsten pflegerischen Regeln im Umgang mit Reaktanz lautet: Erst Beziehung, dann Handlung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das heißt konkret: nicht einfach anfangen, sondern erst ankommen. Mit Namen ansprechen. Sich bemerkbar machen. Die Situation knapp erklären. Nur einen Schritt auf einmal ankündigen. Den Menschen nicht sofort anfassen. Und auf Mimik, Körperspannung und Unruhe früh achten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele eskalierende Situationen entstehen nicht, weil eine Maßnahme grundsätzlich unmöglich wäre, sondern weil der Einstieg misslingt. Pflege gelingt häufig besser, wenn sie angebahnt statt befohlen wird. Wie viele andere Dinge übrigens auch &#8211; nicht nur bei Menschen mit Demenz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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