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	<title>Autonomie Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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	<title>Autonomie Archive - Demenz-Zeitung</title>
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		<title>Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 20:06:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Pflegefachpersonen erleben es immer wieder: Unterstützung ist fachlich notwendig, wird aber von Menschen mit Demenz abgewehrt. Die Körperpflege eskaliert. Eine Anleitung wird als Bevormundung erlebt. Eine gut gemeinte Erinnerung führt&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/">Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen erleben es immer wieder: Unterstützung ist fachlich notwendig, wird aber von Menschen mit Demenz abgewehrt. Die Körperpflege eskaliert. Eine Anleitung wird als Bevormundung erlebt. Eine gut gemeinte Erinnerung führt zu Gereiztheit. Eine Aktivierung wird verweigert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schnell wird solches Verhalten als „aggressiv“, „uneinsichtig“ oder „unkooperativ“ beschrieben. Das ist nachvollziehbar, erklärt aber oft zu wenig. Eine hilfreiche zusätzliche Perspektive ist das sozialpsychologische Konzept der Statusbedrohung. Statusbedrohung bedeutet: Ein Mensch erlebt, dass sein Rang, seine Würde, seine Kompetenz, seine Selbstbestimmung oder seine Rolle infrage gestellt wird. Er fühlt sich nicht einfach gestört, sondern herabgesetzt. Gerade bei Demenz kann das eine wichtige Rolle spielen, weil viele alltägliche Hilfen ungewollt genau diese Botschaft transportieren können: Du kannst das nicht mehr. Andere bestimmen jetzt. Du bist nicht mehr zuständig. Nicht einmal für Dich selbst. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterstützung kann Abhängigkeit vor Augen führen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aus Sicht der Pflege ist eine Handlung oft sachlich klar: Jemand braucht Unterstützung beim Waschen, Anziehen, Essen, bei der Orientierung oder bei der Sicherheit. Für die betroffene Person kann dieselbe Handlung aber eine andere Bedeutung haben. Hilfe kann als Beweis von Abhängigkeit erlebt werden. Anleitung kann wie Kontrolle wirken. Korrektur kann beschämend sein. Sicherheit kann sich wie Entmündigung anfühlen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist besonders bedeutsam, weil Menschen mit Demenz häufig Fähigkeiten verlieren, aber ihr Gefühl für Würde, Beschämung und Behandlung oft lange erhalten bleibt. Sie können vielleicht nicht mehr genau erklären, warum eine Situation sie verletzt. Aber sie spüren, ob sie ernst genommen werden, ob über sie bestimmt wird oder ob sie ihr Gesicht verlieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Die Reaktion richtet sich dann weniger gegen die konkrete Pflegehandlung.</a> Sie richtet sich gegen die erlebte soziale Botschaft dieser Handlung.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<aside style="border-left: 5px solid #6f8f72; background: #f6f3ec; padding: 1.1em 1.2em; margin: 2em 0; border-radius: 8px; font-family: inherit; line-height: 1.55;">
  <h3 style="margin-top: 0; color: #2f4f34;">Was bedeutet Statusbedrohung?</h3>

  <p>
    <strong>Definition:</strong> Statusbedrohung meint, dass ein Mensch eine Situation als Angriff auf seine Würde, Kompetenz, Rolle, Selbstbestimmung oder soziale Anerkennung erlebt.
  </p>

 
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Menschen mit Demenz besonders verletzlich sind</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenz bedroht viele Bereiche, an denen Menschen ihren Status und ihr Selbstbild festmachen: Selbstständigkeit, Orientierung, Kontrolle, Sprache, Alltagskompetenz und soziale Rolle.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer früher selbst entschieden, organisiert, versorgt, gearbeitet, geführt oder Verantwortung getragen hat, erlebt Hilfe nicht automatisch als Entlastung. Hilfe kann auch als Bruch mit dem bisherigen Selbstbild empfunden werden. Besonders anfällig sind Situationen, in denen Defizite sichtbar werden. Auch Korrekturen sind heikel, weil sie nicht nur eine sachliche Information enthalten, sondern oft eine beziehungsbezogene Botschaft: Deine Wahrnehmung stimmt nicht. Ich weiß es besser.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einem Menschen, der ohnehin Kontrolle verliert, kann das als massiver Angriff auf Würde und Erwachsensein erlebt werden. Menschen mit Demenz erleben das wiederholt &#8211; auch dann, wenn es &#8222;nicht so gemeint&#8220; ist. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur: Was macht die Person? Sondern auch: Welche Rolle oder welche Selbstständigkeit ist in dieser Situation gerade bedroht bzw. sieht diese Person möglicherweise bedroht?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Pflegefachpersonen praktisch daraus ableiten können</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="819" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-819x1024.png" alt="" class="wp-image-3679" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-819x1024.png 819w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-240x300.png 240w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-768x960.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild.png 1122w" sizes="(max-width: 819px) 100vw, 819px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der wichtigste Perspektivwechsel lautet: Hilfe sollte so angeboten werden, dass möglichst wenig Status verloren geht. Dazu gehört, Defizite nicht unnötig sichtbar zu machen. Unterstützung sollte nicht als Kontrolle erscheinen, sondern als Assistenz. Wahlmöglichkeiten sollten erhalten bleiben, ohne zu überfordern. Körpernahe Pflege braucht besonders viel Schutz von Intimsphäre, Tempo und Selbstbestimmung. Und manchmal gilt für alle Beteiligten, schlicht nicht so viel Aufhebens um das Geschehen zu machen. <br>Hilfreich sind kleine Entscheidungen, klare Orientierung, ruhige Übergänge und eine Sprache, die Komfort, Sicherheit oder Gewohnheit betont, statt Unfähigkeit in den Vordergrund zu stellen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/06/08/demenz-und-trauma-alte-wunden-neue-herausforderungen-fuer-die-pflege/">Auch Biografie ist hier wichtig. </a>Wer weiß, welche Rollen ein Mensch früher hatte, versteht besser, welche Situationen heute beschämend oder entmachtend wirken können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Der fachliche Nutzen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Konzept der Statusbedrohung erklärt Demenzverhalten nicht vollständig. Es sollte auch nicht als neue Universaltheorie verkauft werden. Aber es bietet eine brauchbare Brille für den Pflegealltag.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">aus „<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/27/nach-dem-vorfall-nicht-einfach-weitermachen-warum-sie-in-der-pflege-einen-buddy-check-etablieren-sollten/">aggressiv</a>“ wird dann möglicherweise: Die Situation bedroht Kontrolle oder Intimsphäre. </li>



<li class="has-medium-font-size">aus „uneinsichtig“ wird: Die Person schützt vielleicht ein altes Selbstbild.</li>



<li class="has-medium-font-size">aus „unkooperativ“ wird: Die Person versucht, Selbstbestimmung zurückzugewinnen.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Sicht entschuldigt nicht jedes Verhalten und ersetzt keine Gefährdungseinschätzung. Aber sie verhindert, dass Menschen mit Demenz vorschnell moralisch bewertet werden. Und sie eröffnet Handlungsmöglichkeiten: weniger Druck, weniger Bloßstellung, weniger Korrektur, mehr Würde, mehr Wahl, mehr Beziehung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Statusbedrohung mitdenkt, fragt deshalb nicht nur, was erledigt werden muss. Er fragt auch, wie die Situation für den Menschen mit Demenz wirkt. Der entscheidende Gedanke für die Praxis lautet:</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz wehren sich nicht immer gegen die Hilfe selbst. Manchmal wehren sie sich gegen den Verlust von Würde, Rolle und Selbstbestimmung, den diese Hilfe für sie bedeutet. Und wir sind gefordert Wege zu finden, diese Hilfe anders anzubieten. <br><br>Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/">Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>Warum wir den Schein wahren sollten</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2023/12/18/warum-wir-den-schein-wahren-sollten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Dec 2023 14:23:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Alle Menschen haben kontextabhängig ein Bild, das Sie von sich Dritten gegenüber gewahrt wissen wollen. Menschen mit Demenz genauso wie ohne. Wir alle tragen in gewisser Weise Masken, spielen Rollen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/12/18/warum-wir-den-schein-wahren-sollten/">Warum wir den Schein wahren sollten</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Alle Menschen haben kontextabhängig ein Bild, das Sie von sich Dritten gegenüber gewahrt wissen wollen. Menschen mit Demenz genauso wie ohne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir alle tragen in gewisser Weise Masken, spielen Rollen und sorgen so dafür, dass wir unser Selbstbild aufrechterhalten und Dritte uns möglichst so wahrnehmen, wie wir es wünschen. Das hat verschiedene Gründe, die stark von der Persönlichkeit und vom jeweiligen Kontext abhängen, in dem wir uns befinden. Es ist natürlich und keineswegs ein „Demenz-Phänomen“, eine Fassade nach Außen aufzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mal ehrlich: der entfernte Bekannte oder Nachbar, zu dem Sie kaum Kontakt haben, fragt Sie: „Wie geht´s Ihnen?“. Was antworten Sie da? „Danke, gut.“ – auch wenn es nicht stimmt? Lassen Sie sich anmerken, wie unsicher Sie vielleicht sind, wenn Sie den ersten Tag in der neuen Firma verbringen? Haben Sie vielleicht schon mal um des lieben Frieden willens ihre eigenen Gefühle vor jemandem verborgen? Und wie haben Sie sich gefühlt, als jemand etwas an Ihnen entdeckte, was Sie sorgfältig zu verstecken versuchten?</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-3">Sie haben ein Recht auf Ihre Fassade – Menschen mit Demenz auch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig wird die Fassade die wir Dritten gegenüber aufrechterhalten wollen, (unbewußt) als ein Vorgang des Lügens betrachtet &#8211; zumindest bei Dritten. Eine Fassade zu haben sei falsch, führt zu falschen Annahmen, Angaben und Konsequenzen. Das kann im Einzelfall stimmen – z.B. wenn es um die Einschätzung des Grades der Hilfebedürftigkeit (Pflegegrad) geht oder auch darum, ob jemand noch Autofahren sollte oder er eine Gefahr für sich und andere darstellt. Es gibt Situationen und Gründe, eine Fassade beim Gegenüber zu durchbrechen. Aber auch dann stellt sich immer wieder die Frage, wie man das tun kann – und zwar ohne sein Gegenüber <a href="https://www.youtube.com/watch?v=vltb_tT3Low">unnötig zu beschämen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist eine Fassade, die der Konfliktvermeidung dient, dem <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/02/08/unterstuetzen-statt-uebernehmen/">Erhalt des Selbstwertgefühls</a>, der Abwehr von Beschämung und der Herstellung von sozialer Akzeptanz verwerflich? Eine Fassade kann auch dazu dienen, die Privatsphäre zu schützen. Das verdecken, was mich verletzlich zeigt und macht. Sie hat darum eine wichtige Funktion – und es steht mir zu, selbst zu entscheiden. Immer wieder erlebe ich Szenen, in denen das Recht auf Selbstschutz und Privatsphäre von Menschen mit Demenz ausgehebelt, geradezu darüber hinweggerollt wird. Völlig außer Acht lassend, dass damit die Beziehung – und damit im Zweifel auch die pflegerische Versorgung der Betroffenen, massiv erschwert werden kann.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-2174" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild-300x169.jpg 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild-768x432.jpg 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Pflege- und Betreuungsprofis in der Versorgung von Menschen mit Demenz müssen behutsam mit dem Thema umgehen. Tagtäglich versuchen auch Patienten und Pflegebedürftige, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Die beste Seite darf nicht mit „der nettesten Seite“ verwechselt werden. Auch jemand der sich massiv darüber beschwert <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/13/und-dann-schlug-sie-ploetzlich-zu/">oder gar körperlich wird</a>, kann dies möglicherweise deshalb tun, weil seine Grenzen überschritten wurden. Solchermaßen als Eindringling aufgetreten, führt zur Abwehr und kann auch in einem dauerhaften Rückzug und verfrühter, höherer Hilfebedürftigkeit münden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-4">Wahrheit oder Pflicht?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Meines Wissens gibt es keine Verpflichtung, Menschen wahrheitsgemäß auf ihre Fehler hinzuweisen und die Fassade zu durchbrechen, die sie sich zu halten bemühen. Nicht umsonst finden Arztgespräche, Fallbesprechungen und Übergaben ohne die Pflegebedürftigen statt – weil wir eben dort sagen müssen und sollten, was ist. Immer wieder wird angenommen, dass Menschen mit Demenz ihre eigenen Defizite nicht mehr wahrnehmen. Das mag ab einem bestimmten Krankheitsfortschritt so sein. Meiner Beobachtung nach ist es jedoch häufig so, dass auch Menschen mit Demenz lange bemüht sind, eine Fassade aufrecht zu erhalten. Ihr Handeln oder Verweigern kann nicht selten durchaus damit erklärt werden, wenigstens zum Teil. Im Alltag gilt es Wege zu finden, anderen Menschen so gegenüber zu treten, dass sie sich angenommen, willkommen und respektiert fühlen – ohne Angst vor „Entdeckung“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Verhalten wir uns so, dass wir ihre Erlaubnis bekommen, uns wirklich zu nähern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.institut-asta.ch/wp-content/uploads/2021/03/Ich_will_Geschichte_zum_Nachdenken.pdf">Ich will – Quiero</a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/ueber-mich/">Jochen Gust</a></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelfoto: Polina Kovaleva on pexels</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/12/18/warum-wir-den-schein-wahren-sollten/">Warum wir den Schein wahren sollten</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Unterstützen, statt übernehmen</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2023/02/08/unterstuetzen-statt-uebernehmen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Feb 2023 17:01:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Passiv den Rest Ihres Lebens ablaufen zu lassen – können Sie sich das vorstellen? Und zwar nicht deshalb, weil sie zu nichts mehr in der Lage sind, sondern weil Ihre&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/02/08/unterstuetzen-statt-uebernehmen/">Unterstützen, statt übernehmen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Passiv den Rest Ihres Lebens ablaufen zu lassen – können Sie sich das vorstellen? Und zwar nicht deshalb, weil sie zu nichts mehr in der Lage sind, sondern weil Ihre Umgebung es wahlweise gut mit Ihnen meint – oder auf höchste Effizienz getrimmt ist? Nein? Wird vermutlich auch nicht eintreten, so lange Sie noch nicht dement sind. Aber dann wird es kritisch.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Gutes tun – oder Gutes bewirken?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Kunst in der Versorgung von Menschen mit Demenz besteht darin, immer wieder auszutarieren, wie viel Unterstützung angemessen ist. Das gelingt in meinen Augen nicht immer besonders gut. Aus ganz verschiedenen Ursachen. Z.B. kann dahinterstehen, dass diejenigen die um den Menschen mit Demenz sind nicht sehr gut unterscheiden können zwischen „jemandem etwas Gutes tun“ oder etwas Gutes bewirken. Verständlich bei nahestehenden Angehörigen, problematisch bei Pflegefachleuten und Betreuungskräften. Auch Personalknappheit – vermeintliche Effizienz – kann ein Grund sein. Oder die Systematik der Finanzierung – also monetäre Anreize, dass jemand mehr Hilfe bedarf.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Fortgeschrittene Demenz: wir tun alles!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen mit fortgeschrittener Demenz lerne ich meistens in Gesundheitseinrichtungen kennen – also meist Pflegeheimen oder Kliniken. Vielfach wird buchstäblich „alles“ für sie getan. Und mit „alles“ meine ich: ohne die Betroffenen zu fragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Menschen mit Demenz ringen um ihre Autonomie und ihre Selbstwirksamkeit. Sie möchten Vertrauen haben können in ihre eigene Kompetenz, ihre Möglichkeiten Einfluss auf das zu nehmen, was um sie herum und mit ihnen geschieht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/02/Autonomieefaktoren.png"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/02/Autonomieefaktoren-1024x576.png" alt="" class="wp-image-1463" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/Autonomieefaktoren-1024x576.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/Autonomieefaktoren-300x169.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/Autonomieefaktoren-768x432.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/Autonomieefaktoren.png 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Richtig, eine fortgeschrittene Demenz schränkt die Möglichkeiten, auch die Urteilsfähigkeit ein. Nach und nach, immer stärker. Betroffene werden abhängiger im Verlauf. Das bedeutet aber nicht, dass ab einem bestimmten Stadium, einer bestimmten Höhe der Fehlleistungen oder falschen Aussagen das eigene Erleben von Selbstwirksamkeit und Autonomie keine Rolle mehr spielt.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Fragt mehr!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Fragt mehr!“, fordere ich manchmal in Schulungen auf. Dann wird mir entgegengehalten, dass die Verwirrten ja gar nichts mehr entscheiden könnten, sie sich ja in Gefahr brächten. Und es ist richtig, dass die Entscheidungsspielräume an der ein oder anderen Stelle enger – oder auch nicht gegeben – sein können. Jemand brachte mal das Beispiel, ob ich mit meiner Haltung einem dementen Herrn der sich das jetzt wünsche, ein Flugzeug landen lassen würde. Sicher nicht. Nur – auch mich würde niemand, obwohl noch ohne Diagnose, ein Flugzeug landen lassen. Sprich: die wichtigen Dinge sind kleiner, stecken im Alltag – nicht notwendigerweise in den großen, irrwitzigen Überzeugungen und Wünschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber geht es im Alltag wirklich um solche Dinge, wenn wir vermeiden wollen Menschen mit Demenz frühzeitig passiv, zurückgezogen, „in sich selbst ruhend“ oder gar teilnahmslos zu sehen? Der Teufel steckt da häufig im Detail, in Abläufen. Und es ist gar nicht so einfach, sie zu beeinflussen, weil sie häufig lange Jahre eingefahren sind. Die Pflegeprofis – mal ehrlich: legt der Spätdienst die Kleidung für den Bewohner für den nächsten Morgen raus – mit oder ohne gefragt zu haben, was er anziehen möchte? Kommt die große Pumpkanne mit dem Kaffee auf Station – schon mit Milch drin? Gibt’s außer Früchtetee auch noch eine andere Sorte zur Auswahl? Und wie lange schon erhält Frau X. das fertig geschmierte Brötchen mit Marmelade jeden Morgen? Und kann ich Entscheidungen selbst dann akzeptieren, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=e8cmR3XHqd4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wenn sie mich unter Druck bringen</a> &#8211; z.B. zeitlich?</p>



<figure class="wp-block-image size-post-thumbnail"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/02/AlternativenBild-1.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="480" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/02/AlternativenBild-1-900x480.png" alt="" class="wp-image-1465"/></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen die das Gefühl haben, entscheiden zu dürfen, Einfluss nehmen zu können fühlen sich in der Regel eher nicht entmündigt und unterdrückt. Auch wenn Betroffene vielleicht nicht mehr selbst darüber entscheiden können, wo sie wohnen. Es gibt jeden Tag dutzende Dinge, die auch Menschen mit fortgeschrittener Demenz entscheiden können. Im Rahmen einer Schulung entgegnete mir eine Kollegin, sie kenne „ihre Bewohner“ gut genug, sie wisse, was diese mögen und was nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Grund zu fragen also? Doch, meiner Meinung nach schon. Selbstwirksamkeit empfindet man, oder? Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – Einfluss nehmen zu können &#8211; es geht um Gefühle, welche wir mit unseren Fragen, mit den Wahlmöglichkeiten die wir bieten, vermitteln können. Das hat Folgen. Und mal ganz abgesehen davon: Geschmack oder Vorlieben können sich auch ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerne genommen auch das Argument: Auswahlparadox. Zu viel Auswahl für Menschen mit fortgeschrittener Demenz überfordert diese. Stimmt. „Zu viel“. Aber das vernünftig zu steuern und anzupassen &#8211; gehört das nicht zum Job? &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Betreuer zu haben bedeutet keineswegs, entscheidungsunfähig zu sein. Die Entmündigung ist rechtlich doch längst abgeschafft. Schaffen wir das auch in der täglichen Versorgung?</p>



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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



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<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">

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<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelfoto v. pexels: susanne-jutzeler</p>
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