<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Beschämung Archive - Demenz-Zeitung</title>
	<atom:link href="https://demenz-zeitung.de/tag/beschaemung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://demenz-zeitung.de/tag/beschaemung/</link>
	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
	<lastBuildDate>Wed, 01 Jul 2026 21:56:17 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1</generator>

<image>
	<url>https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2025/01/cropped-LeitbildFremdmeldungen-32x32.jpg</url>
	<title>Beschämung Archive - Demenz-Zeitung</title>
	<link>https://demenz-zeitung.de/tag/beschaemung/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 20:06:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Abwehrverhalten]]></category>
		<category><![CDATA[aggression bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Autonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Beschämung]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungsgestaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Biografiearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzpflege]]></category>
		<category><![CDATA[herausfordernde Situationen]]></category>
		<category><![CDATA[herausforderndes verhalten]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollverlust]]></category>
		<category><![CDATA[Korrigieren bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Personzentrierung]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegefachpersonen]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegekommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Statusbedrohung]]></category>
		<category><![CDATA[Validation]]></category>
		<category><![CDATA[verweigerung]]></category>
		<category><![CDATA[würde]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://demenz-im-krankenhaus.de/?p=3675</guid>

					<description><![CDATA[<p>Pflegefachpersonen erleben es immer wieder: Unterstützung ist fachlich notwendig, wird aber von Menschen mit Demenz abgewehrt. Die Körperpflege eskaliert. Eine Anleitung wird als Bevormundung erlebt. Eine gut gemeinte Erinnerung führt&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/">Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen erleben es immer wieder: Unterstützung ist fachlich notwendig, wird aber von Menschen mit Demenz abgewehrt. Die Körperpflege eskaliert. Eine Anleitung wird als Bevormundung erlebt. Eine gut gemeinte Erinnerung führt zu Gereiztheit. Eine Aktivierung wird verweigert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schnell wird solches Verhalten als „aggressiv“, „uneinsichtig“ oder „unkooperativ“ beschrieben. Das ist nachvollziehbar, erklärt aber oft zu wenig. Eine hilfreiche zusätzliche Perspektive ist das sozialpsychologische Konzept der Statusbedrohung. Statusbedrohung bedeutet: Ein Mensch erlebt, dass sein Rang, seine Würde, seine Kompetenz, seine Selbstbestimmung oder seine Rolle infrage gestellt wird. Er fühlt sich nicht einfach gestört, sondern herabgesetzt. Gerade bei Demenz kann das eine wichtige Rolle spielen, weil viele alltägliche Hilfen ungewollt genau diese Botschaft transportieren können: Du kannst das nicht mehr. Andere bestimmen jetzt. Du bist nicht mehr zuständig. Nicht einmal für Dich selbst. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterstützung kann Abhängigkeit vor Augen führen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aus Sicht der Pflege ist eine Handlung oft sachlich klar: Jemand braucht Unterstützung beim Waschen, Anziehen, Essen, bei der Orientierung oder bei der Sicherheit. Für die betroffene Person kann dieselbe Handlung aber eine andere Bedeutung haben. Hilfe kann als Beweis von Abhängigkeit erlebt werden. Anleitung kann wie Kontrolle wirken. Korrektur kann beschämend sein. Sicherheit kann sich wie Entmündigung anfühlen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist besonders bedeutsam, weil Menschen mit Demenz häufig Fähigkeiten verlieren, aber ihr Gefühl für Würde, Beschämung und Behandlung oft lange erhalten bleibt. Sie können vielleicht nicht mehr genau erklären, warum eine Situation sie verletzt. Aber sie spüren, ob sie ernst genommen werden, ob über sie bestimmt wird oder ob sie ihr Gesicht verlieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Die Reaktion richtet sich dann weniger gegen die konkrete Pflegehandlung.</a> Sie richtet sich gegen die erlebte soziale Botschaft dieser Handlung.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<aside style="border-left: 5px solid #6f8f72; background: #f6f3ec; padding: 1.1em 1.2em; margin: 2em 0; border-radius: 8px; font-family: inherit; line-height: 1.55;">
  <h3 style="margin-top: 0; color: #2f4f34;">Was bedeutet Statusbedrohung?</h3>

  <p>
    <strong>Definition:</strong> Statusbedrohung meint, dass ein Mensch eine Situation als Angriff auf seine Würde, Kompetenz, Rolle, Selbstbestimmung oder soziale Anerkennung erlebt.
  </p>

 
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Menschen mit Demenz besonders verletzlich sind</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenz bedroht viele Bereiche, an denen Menschen ihren Status und ihr Selbstbild festmachen: Selbstständigkeit, Orientierung, Kontrolle, Sprache, Alltagskompetenz und soziale Rolle.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer früher selbst entschieden, organisiert, versorgt, gearbeitet, geführt oder Verantwortung getragen hat, erlebt Hilfe nicht automatisch als Entlastung. Hilfe kann auch als Bruch mit dem bisherigen Selbstbild empfunden werden. Besonders anfällig sind Situationen, in denen Defizite sichtbar werden. Auch Korrekturen sind heikel, weil sie nicht nur eine sachliche Information enthalten, sondern oft eine beziehungsbezogene Botschaft: Deine Wahrnehmung stimmt nicht. Ich weiß es besser.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einem Menschen, der ohnehin Kontrolle verliert, kann das als massiver Angriff auf Würde und Erwachsensein erlebt werden. Menschen mit Demenz erleben das wiederholt &#8211; auch dann, wenn es &#8222;nicht so gemeint&#8220; ist. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur: Was macht die Person? Sondern auch: Welche Rolle oder welche Selbstständigkeit ist in dieser Situation gerade bedroht bzw. sieht diese Person möglicherweise bedroht?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Pflegefachpersonen praktisch daraus ableiten können</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="819" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-819x1024.png" alt="" class="wp-image-3679" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-819x1024.png 819w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-240x300.png 240w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-768x960.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild.png 1122w" sizes="(max-width: 819px) 100vw, 819px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der wichtigste Perspektivwechsel lautet: Hilfe sollte so angeboten werden, dass möglichst wenig Status verloren geht. Dazu gehört, Defizite nicht unnötig sichtbar zu machen. Unterstützung sollte nicht als Kontrolle erscheinen, sondern als Assistenz. Wahlmöglichkeiten sollten erhalten bleiben, ohne zu überfordern. Körpernahe Pflege braucht besonders viel Schutz von Intimsphäre, Tempo und Selbstbestimmung. Und manchmal gilt für alle Beteiligten, schlicht nicht so viel Aufhebens um das Geschehen zu machen. <br>Hilfreich sind kleine Entscheidungen, klare Orientierung, ruhige Übergänge und eine Sprache, die Komfort, Sicherheit oder Gewohnheit betont, statt Unfähigkeit in den Vordergrund zu stellen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/06/08/demenz-und-trauma-alte-wunden-neue-herausforderungen-fuer-die-pflege/">Auch Biografie ist hier wichtig. </a>Wer weiß, welche Rollen ein Mensch früher hatte, versteht besser, welche Situationen heute beschämend oder entmachtend wirken können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Der fachliche Nutzen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Konzept der Statusbedrohung erklärt Demenzverhalten nicht vollständig. Es sollte auch nicht als neue Universaltheorie verkauft werden. Aber es bietet eine brauchbare Brille für den Pflegealltag.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">aus „<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/27/nach-dem-vorfall-nicht-einfach-weitermachen-warum-sie-in-der-pflege-einen-buddy-check-etablieren-sollten/">aggressiv</a>“ wird dann möglicherweise: Die Situation bedroht Kontrolle oder Intimsphäre. </li>



<li class="has-medium-font-size">aus „uneinsichtig“ wird: Die Person schützt vielleicht ein altes Selbstbild.</li>



<li class="has-medium-font-size">aus „unkooperativ“ wird: Die Person versucht, Selbstbestimmung zurückzugewinnen.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Sicht entschuldigt nicht jedes Verhalten und ersetzt keine Gefährdungseinschätzung. Aber sie verhindert, dass Menschen mit Demenz vorschnell moralisch bewertet werden. Und sie eröffnet Handlungsmöglichkeiten: weniger Druck, weniger Bloßstellung, weniger Korrektur, mehr Würde, mehr Wahl, mehr Beziehung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Statusbedrohung mitdenkt, fragt deshalb nicht nur, was erledigt werden muss. Er fragt auch, wie die Situation für den Menschen mit Demenz wirkt. Der entscheidende Gedanke für die Praxis lautet:</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz wehren sich nicht immer gegen die Hilfe selbst. Manchmal wehren sie sich gegen den Verlust von Würde, Rolle und Selbstbestimmung, den diese Hilfe für sie bedeutet. Und wir sind gefordert Wege zu finden, diese Hilfe anders anzubieten. <br><br>Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/">Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum wir den Schein wahren sollten</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2023/12/18/warum-wir-den-schein-wahren-sollten/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2023/12/18/warum-wir-den-schein-wahren-sollten/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Dec 2023 14:23:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[aggressivität]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[angehörige]]></category>
		<category><![CDATA[Apathie]]></category>
		<category><![CDATA[Autonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Beschämung]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[fassade]]></category>
		<category><![CDATA[fassadenbildung]]></category>
		<category><![CDATA[ftd]]></category>
		<category><![CDATA[gründe]]></category>
		<category><![CDATA[lüge]]></category>
		<category><![CDATA[lügen]]></category>
		<category><![CDATA[multiinfarkt demenz]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[pflegegrad]]></category>
		<category><![CDATA[pflegerische versorgung]]></category>
		<category><![CDATA[rückzug]]></category>
		<category><![CDATA[scham]]></category>
		<category><![CDATA[selbstwert]]></category>
		<category><![CDATA[selbstwertgefühl]]></category>
		<category><![CDATA[vaskuläre demenz]]></category>
		<category><![CDATA[wahrheit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://demenz-im-krankenhaus.de/?p=2173</guid>

					<description><![CDATA[<p>Alle Menschen haben kontextabhängig ein Bild, das Sie von sich Dritten gegenüber gewahrt wissen wollen. Menschen mit Demenz genauso wie ohne. Wir alle tragen in gewisser Weise Masken, spielen Rollen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/12/18/warum-wir-den-schein-wahren-sollten/">Warum wir den Schein wahren sollten</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Alle Menschen haben kontextabhängig ein Bild, das Sie von sich Dritten gegenüber gewahrt wissen wollen. Menschen mit Demenz genauso wie ohne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir alle tragen in gewisser Weise Masken, spielen Rollen und sorgen so dafür, dass wir unser Selbstbild aufrechterhalten und Dritte uns möglichst so wahrnehmen, wie wir es wünschen. Das hat verschiedene Gründe, die stark von der Persönlichkeit und vom jeweiligen Kontext abhängen, in dem wir uns befinden. Es ist natürlich und keineswegs ein „Demenz-Phänomen“, eine Fassade nach Außen aufzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mal ehrlich: der entfernte Bekannte oder Nachbar, zu dem Sie kaum Kontakt haben, fragt Sie: „Wie geht´s Ihnen?“. Was antworten Sie da? „Danke, gut.“ – auch wenn es nicht stimmt? Lassen Sie sich anmerken, wie unsicher Sie vielleicht sind, wenn Sie den ersten Tag in der neuen Firma verbringen? Haben Sie vielleicht schon mal um des lieben Frieden willens ihre eigenen Gefühle vor jemandem verborgen? Und wie haben Sie sich gefühlt, als jemand etwas an Ihnen entdeckte, was Sie sorgfältig zu verstecken versuchten?</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-3">Sie haben ein Recht auf Ihre Fassade – Menschen mit Demenz auch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig wird die Fassade die wir Dritten gegenüber aufrechterhalten wollen, (unbewußt) als ein Vorgang des Lügens betrachtet &#8211; zumindest bei Dritten. Eine Fassade zu haben sei falsch, führt zu falschen Annahmen, Angaben und Konsequenzen. Das kann im Einzelfall stimmen – z.B. wenn es um die Einschätzung des Grades der Hilfebedürftigkeit (Pflegegrad) geht oder auch darum, ob jemand noch Autofahren sollte oder er eine Gefahr für sich und andere darstellt. Es gibt Situationen und Gründe, eine Fassade beim Gegenüber zu durchbrechen. Aber auch dann stellt sich immer wieder die Frage, wie man das tun kann – und zwar ohne sein Gegenüber <a href="https://www.youtube.com/watch?v=vltb_tT3Low">unnötig zu beschämen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist eine Fassade, die der Konfliktvermeidung dient, dem <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/02/08/unterstuetzen-statt-uebernehmen/">Erhalt des Selbstwertgefühls</a>, der Abwehr von Beschämung und der Herstellung von sozialer Akzeptanz verwerflich? Eine Fassade kann auch dazu dienen, die Privatsphäre zu schützen. Das verdecken, was mich verletzlich zeigt und macht. Sie hat darum eine wichtige Funktion – und es steht mir zu, selbst zu entscheiden. Immer wieder erlebe ich Szenen, in denen das Recht auf Selbstschutz und Privatsphäre von Menschen mit Demenz ausgehebelt, geradezu darüber hinweggerollt wird. Völlig außer Acht lassend, dass damit die Beziehung – und damit im Zweifel auch die pflegerische Versorgung der Betroffenen, massiv erschwert werden kann.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-2174" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild-300x169.jpg 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild-768x432.jpg 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/12/FassadeBild.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Pflege- und Betreuungsprofis in der Versorgung von Menschen mit Demenz müssen behutsam mit dem Thema umgehen. Tagtäglich versuchen auch Patienten und Pflegebedürftige, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Die beste Seite darf nicht mit „der nettesten Seite“ verwechselt werden. Auch jemand der sich massiv darüber beschwert <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/13/und-dann-schlug-sie-ploetzlich-zu/">oder gar körperlich wird</a>, kann dies möglicherweise deshalb tun, weil seine Grenzen überschritten wurden. Solchermaßen als Eindringling aufgetreten, führt zur Abwehr und kann auch in einem dauerhaften Rückzug und verfrühter, höherer Hilfebedürftigkeit münden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-4">Wahrheit oder Pflicht?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Meines Wissens gibt es keine Verpflichtung, Menschen wahrheitsgemäß auf ihre Fehler hinzuweisen und die Fassade zu durchbrechen, die sie sich zu halten bemühen. Nicht umsonst finden Arztgespräche, Fallbesprechungen und Übergaben ohne die Pflegebedürftigen statt – weil wir eben dort sagen müssen und sollten, was ist. Immer wieder wird angenommen, dass Menschen mit Demenz ihre eigenen Defizite nicht mehr wahrnehmen. Das mag ab einem bestimmten Krankheitsfortschritt so sein. Meiner Beobachtung nach ist es jedoch häufig so, dass auch Menschen mit Demenz lange bemüht sind, eine Fassade aufrecht zu erhalten. Ihr Handeln oder Verweigern kann nicht selten durchaus damit erklärt werden, wenigstens zum Teil. Im Alltag gilt es Wege zu finden, anderen Menschen so gegenüber zu treten, dass sie sich angenommen, willkommen und respektiert fühlen – ohne Angst vor „Entdeckung“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Verhalten wir uns so, dass wir ihre Erlaubnis bekommen, uns wirklich zu nähern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.institut-asta.ch/wp-content/uploads/2021/03/Ich_will_Geschichte_zum_Nachdenken.pdf">Ich will – Quiero</a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/ueber-mich/">Jochen Gust</a></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelfoto: Polina Kovaleva on pexels</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/12/18/warum-wir-den-schein-wahren-sollten/">Warum wir den Schein wahren sollten</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://demenz-zeitung.de/2023/12/18/warum-wir-den-schein-wahren-sollten/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Na Oma, willst` was vor die Büx haben?“</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2023/09/04/na-oma-willst-was-vor-die-buex-haben/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2023/09/04/na-oma-willst-was-vor-die-buex-haben/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Sep 2023 07:24:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[belehrung]]></category>
		<category><![CDATA[Beschämung]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[betreuungskraft]]></category>
		<category><![CDATA[cafeteria]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[geriatrie]]></category>
		<category><![CDATA[haltung]]></category>
		<category><![CDATA[krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[notsituation]]></category>
		<category><![CDATA[peinlich]]></category>
		<category><![CDATA[peinliche situation]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[pflegedienst]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[referent]]></category>
		<category><![CDATA[scham]]></category>
		<category><![CDATA[Schulung]]></category>
		<category><![CDATA[unangenehm]]></category>
		<category><![CDATA[verständnis]]></category>
		<category><![CDATA[vortrag]]></category>
		<category><![CDATA[würde]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://demenz-im-krankenhaus.de/?p=1857</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anfang der 2000er Jahre saß ich in einem Cafe zusammen mit einem älteren Herrn mit Alzheimerkrankheit. Wir saßen draußen, es war sehr voll. Eine Frau um die 40 stieg von&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/09/04/na-oma-willst-was-vor-die-buex-haben/">„Na Oma, willst` was vor die Büx haben?“</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Anfang der 2000er Jahre saß ich in einem Cafe zusammen mit einem älteren Herrn mit Alzheimerkrankheit. Wir saßen draußen, es war sehr voll. Eine Frau um die 40 stieg von ihrem Fahrrad und lehnte es an den Zaun in unserer Nähe, der den Außenbereich des Cafes abgrenzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der demente alte Herr mit dem ich da war sah sie und rief laut: „Na Oma, willst` was vor die Büx haben?“. Wie hätten Sie reagiert in der Situation? Wie hätten Sie sich gefühlt?</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-9">Demenz ist nicht peinlich – Situationen können es sein</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Keinem Betroffenen muss es peinlich sein, eine Demenz zu haben. Ebensowenig wie es peinlich ist Arthritis, Migräne oder eine Herzschwäche zu haben. Die Auswirkungen verschiedener Erkrankungen sind aber nun einmal höchst unterschiedlich. Manche bemerkt man auch als unbeteiligter Dritter, manche nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demenz als Stigma – weil Menschen nichts darüber wissen oder Demenz mit Vergesslichkeit gleichsetzen: das ging und geht meiner Beobachtung nach in den vergangenen 20 Jahren zurück. Die Kampagnen, die Lobbyarbeit von Verbänden und Einzelpersonen haben sich gelohnt. Das heißt nicht, dass es nicht einen Teil von Menschen gibt die nicht erreicht wurden und werden – aber der größere Teil der Bevölkerung kann zumindest mit dem Begriff Demenz etwas (mehr) anfangen, als früher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Artikel kann und soll es selbstverständlich nicht darum gehen, wie sich ein Mensch mit Demenz fühlen „darf“ mit seiner Demenz, zumal niemand stets das gleiche fühlt. Für viele Situationen ist aber entscheidend, was wir als Dritte daraus machen. MitarbeiterInnen von Krankenhäusern, Pflege- und Betreuungsdiensten und Pflegeeinrichtungen haben manchmal durchaus die Neigung, unangenehme Situationen noch schlimmer zu machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-10">„Sie haben doch Alzheimer“ – zwischen Belehrung und Beschämung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Szenenwechsel ins Krankenhaus: der alte Herr sitzt in der gut gefüllten Cafeteria des Klinikums. Eine Mitarbeiterin der Pflege kommt angefegt. Offenbar ist er dement und die Kollegin erklärt ihm, dass er seine Station nicht verlassen dürfe und fordert ihn auf, mit ihm zu kommen. Er schaut sie verständnislos an, sagt etwas wie: „Ich möchte hier einen Kaffee trinken.“. Die Mitarbeiterin beugt isch leicht zu ihm herab und wird dann sehr laut, so dass die Umsitzenden inklusive mir die Szene gut mitverfolgen können: „Sie dürfen hier nicht sitzen! SIE HABEN ALZHEIMER ODER SO! Deshalb vergessen Sie das immer wieder! KOMMEN SIE JETZT MIT MIR!“.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="741" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/09/pexels-andrea-piacquadio-3858019-1024x741.jpg" alt="" class="wp-image-1858" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/09/pexels-andrea-piacquadio-3858019-1024x741.jpg 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/09/pexels-andrea-piacquadio-3858019-300x217.jpg 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/09/pexels-andrea-piacquadio-3858019-768x556.jpg 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/09/pexels-andrea-piacquadio-3858019-1536x1112.jpg 1536w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/09/pexels-andrea-piacquadio-3858019-2048x1482.jpg 2048w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/09/pexels-andrea-piacquadio-3858019-1320x955.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Es half nichts – der Herr schien mir jetzt ernsthaft verärgert und er weigerte sich aufzustehen. Schließlich wusste sich die Kollegin nicht anders zu helfen, als per Telefon um Hilfe zu rufen. Als Verstärkung da war, packten sie gemeinsam den alten Mann unter den Armen und zogen ihn auf die Füße. Unter lautem Geschrei schafften Sie es, ihn aus der Cafeteria wegzubringen.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich als Referent oder Berater irgendwo bin, bin ich oft früher oder zu anderen Zeitpunkten da, als eigentlich bestellt. Genau für solche Szenen. Solche Erlebnisse sagen mir eine Menge darüber, was hier zu tun ist. Vielfach haben hervorragende Leute ihr ganz revolutionäres neues Demenzkonzept im Gepäck, dass sie vorstellen wollen und können. Das ist prima, liefert neue Aspekte und Ansätze. Entscheidend ist aber, egal wo man mit Menschen mit Demenz zu tun hat und völlig unabhängig von der beruflichen Funktion: können Sie Alltag mit Menschen mit Demenz? Leider wird „Alltag“ weniger trainiert (und es braucht Training!), als immer wieder neue Dinge in Sachen Demenz vorzustellen. Etwas soll aufgesetzt werden, obwohl die Basis, einfache Reflexe und Mechanismen im Alltag (noch) gar nicht richtig funktionieren. Schlimmstenfalls wissen die Teilnehmer einer Schulung anschließend, was sie bisher alles falsch gemacht haben – und sind für ihren Arbeitsalltag keinen Schritt weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-11">Wie Sie mit peinlichen Situationen mit Menschen mit Demenz umgehen können</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ausführlich habe ich das Thema peinliche Situationen und wie wir sie meistern können, kürzlich in der <a href="https://www.demenz-pflegen.de/ratgeber/?widget%5b391%5d%5bcampaignId%5d=33490">Ausgabe 09/2023 von Demenz Pflege und Betreuung</a> behandelt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Prinzipiell bleiben im Pflege- und Betreuungsalltag mit Menschen mit fortgeschrittener Demenz 3 Auswege:</p>



<p class="wp-block-paragraph">1. Weitermachen, die Situation überspielen – empfiehlt sich insbesondere dann, wenn nicht zwingend ein Zugriff nötig ist, wenn also weder <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/09/17/demenz-und-socialmedia-tausche-wuerde-gegen-aufmerksamkeit/">die Würde von jemandem geschützt</a>, noch er anderweitig vor Schaden bewahrt werden muss.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">2. Ablenken: notwendig, wenn der Betroffene die unangenehme / peinliche Situation sozusagen fortsetzt, zu verschlimmern droht. Ist auch die beste Methode für und bei Menschen, die sich nicht leicht von „Autoritäten“ etwas sagen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">3. Humor. Manchmal besteht die Möglichkeit, eine peinliche Situation in eine – gerade für die Betroffenen – humorvolle, lustige Situation zu verwandeln. Mit dem richtigen (nicht ironischem oder herablassenden) Spruch oder einer Handlung, wird die Szene schlagartig entschärft. Pflege- und Betreuungskräfte können Fehlhandlungen von Menschen mit Demenz z.B. mit eigenen „Slapstick-Einlagen“ in völlig neue Situationen verwandeln, die für alle einen leichten Ausweg bieten.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-12">Wertschätzung und Haltung für den Alltag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich erfordert all dies eine Haltung auch gegenüber Menschen mit Demenz, die von Wertschätzung geprägt ist. Es gehört aber noch mehr dazu – z.B. ein Bewusstsein dafür, welch enormen Einfluss ich als Pflegeperson darauf haben, wie die Situation schließlich ausgeht. Wie unglaublich mächtig ich so gesehen bin. Und, hier gilt eben auch Spiderman: aus großer Kraft (Macht), folgt große Verantwortung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Einrichtungen und Diensten des Gesundheitswesens sollten wir viel Wert darauf legen, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/10/06/mit-dem-latein-am-ende-eine-kleine-hilfe-den-blick-zu-lenken-bei-herausforderndem-verhalten-von-menschen-mit-demenz/">Alltagssituationen zu trainieren</a>. Immer wieder. Denn da entscheidet sich eine gute, angemessene Versorgung und da zeigt sich, ob Bewusstsein und Handlungskompetenz in Sachen Demenz wirklich gelebt und umgesetzt sind, oder lediglich auf Powerpointfolien an der Wand gelandet.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph">PS: Sogenannte <a href="https://www.alzheimer-bw.de/infoservice/infomaterial-bestellen/detailansicht/kategorie/infomaterialien-fuer-angehoerige/produkt/verstaendniskaertchen-fuer-betreuendepflegende-angehoerige/">Verständniskärtchen, wie sie z.B. bei der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.</a> erhältlich sind, können ebenfalls in schwierigen Situationen weiterhelfen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Fotos:<br>Titelbild: imustbedead on pexels; Foto der Frau im Text: Andrea Piacquadio on pexels</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/09/04/na-oma-willst-was-vor-die-buex-haben/">„Na Oma, willst` was vor die Büx haben?“</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://demenz-zeitung.de/2023/09/04/na-oma-willst-was-vor-die-buex-haben/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Beschämten: Demenz und die tägliche Demütigung</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2022/08/22/die-beschaemten-demenz-und-die-taegliche-demuetigung/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2022/08/22/die-beschaemten-demenz-und-die-taegliche-demuetigung/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Aug 2022 06:39:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[Beschämung]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Demütigung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommuniaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Lätzchen]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Youtube]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://demenz-im-krankenhaus.de/?p=1136</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anlass ist diesmal eine EMail. Eine langjährige Mitstreiterin in Sachen Demenz schilderte mir wie sie mitbekam, wie ein älterer Herr mit Demenz in einem Krankenhaus gemaßregelt wurde, weil er keine&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2022/08/22/die-beschaemten-demenz-und-die-taegliche-demuetigung/">Die Beschämten: Demenz und die tägliche Demütigung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Anlass ist diesmal eine EMail. Eine langjährige Mitstreiterin in Sachen Demenz schilderte mir wie sie mitbekam, wie ein älterer Herr mit Demenz in einem Krankenhaus gemaßregelt wurde, weil er keine &#8222;ordentlichen Antworten&#8220; gab. <br>Zeit über die Beschämungen zu schreiben, die Menschen mit Demenz immer wieder erfahren. </p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Beschämung ist aktiv</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vermutlich macht jeder Mensch im Leben einmal die Erfahrung, von einem anderen bloßgestellt zu werden. Vielleicht schon als Kleinkind. Eigentlich zu &#8222;den Großen&#8220; gehörend weil &#8222;schon trocken&#8220;, ist doch ein Malheur passiert. Und dann ein Erwachsener, der lautstark in großer Runde auf die nasse Hose aufmerksam gemacht hat. <br>Später dann vielleicht im Beruf, wenn der Vorgesetzte vor versammelter Manschaft den Angestellten für einen Fehler abgekanzelt und vorgeführt hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><em>Szenenwechsel ins Alter:</em> <br>&#8222;Sie haben sich schon wieder bekleckert. Eigentlich braucht man Ihnen morgens gar nichts mehr Sauberes anziehen!&#8220; &#8211; der verärgerte Ruf einer Mitarbeitern am Frühstückstisch des Altenheims. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Supermarkt: &#8222;Das kapierst Du doch sowieso nicht mehr. Du hast doch Alzheimer!&#8220; ruft die wütende Tochter, als es ihr nicht gelingt ihrem Vater den Kauf einer Tageszeitung auszureden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Beschämt <em>wird</em> man. Es ist eine Demütigung durch einen anderen Menschen. Es ist etwas anderes, als Scham zu empfinden. Sich zu schämen, die Scham, kommt von innen &#8211; also (auch) ohne aktives Zutun eines Dritten der uns verletzen möchte. </p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Beschämung hat Folgen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz werden häufig beschämt. Mal, weil es an Wissen fehlt. Mal, weil zwar Kontakt- und Umgangsstrategien theoretisch bekannt sind und sogar einmal beschult wurden &#8211; aber nicht so eingeübt und eingeprägt wurden, dass sie auch unter Druck und Stress noch abgerufen werden können. Eine Verschlagwortung via &#8222;Wertschätzung&#8220; und Co. hilft da wenig weiter, bleibt häufig im Ungefähren und abstrakt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Beschämte bleibt das Geschehen nicht folgenlos. Es entstehen Konflikte &#8211; Betroffene wehren sich gegen die Demütigung. Auch wird Teilhabe gemindert &#8211; wer geht schon gerne mit Einkaufen, zum Vereinstreffen, zur Familienfeier oder in die Tagespflege wenn ihn dort Demütigung erwartet? Auch die Selbständigkeit wird beeinträchtigt &#8211; kann man es Menschen verdenken, wenn Sie das selbständige Essen und Trinken einstellen, wo doch jedes Mal wenn Sie es tun jemand lautstark verkündet, dass Sie &#8222;zum Glück ein Lätzchen&#8220; tragen? Oder einen Kleiderschutz. Wann und wo waren Sie das letzte Mal Essen, und der Mitarbeitende des Service reichte ihnen einen &#8222;Kleiderschutz&#8220;? </p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Beschämung vermeiden ist einfach</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Richtig, es wird nicht immer gelingen: wir stellen manchmal einen anderen Menschen bloß, obwohl es keinesfalls unsere Absicht war, ihn zu demütigen. Dann können wir um Verzeihung bitten. Und darauf achten, es das nächste Mal besser zu machen. In einem professionellen Berufsverständnigs von Pflege- und Betreuungskräften sollte es allerdings selbstverständlich sein, Menschen mit Pflegebedarf nicht zu beschämen &#8211; und sie nötigenfalls auch davor zu schützen, von anderen gedemütigt zu werden. Hier meine 5 Tipps aus dem Youtubekanal Demenz: Aufmerksam gemacht. </p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">

</div><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.youtube.com/channel/UCBkAPMP0XeRVcd9TA2WlY-w" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mehr Videos auf Youtube im Kanal Demenz: Aufmerksam gemacht. </a></figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Nur 5 Tipps in unter einer Minute? Ja. Wenn nur diese beherzigt, gelehrt und für Gesundheitsberufler so trainiert würden, dass sie tatsächlich verinnerlicht würden, wäre viel gewonnen. Der erfahrene Leser wird sogleich bemerken: hier wird kein &#8222;Sonderspezialverhalten&#8220; präsentiert. Kein bis dato völlig unbekanntes, neues und innovatives &#8222;Demenzkonzept&#8220;. Im Wesentlichen wird für Dinge geworben, die Menschen für sich selbst als selbstverständlich ansehen. Das Menschen derartige Selbstverständlichkeiten &#8211; nicht bloßgestellt zu werden &#8211; häufig nicht wirksam einfordern können, ist eine entscheidende, grausame Schwäche die Demenzerkrankungen mit sich bringen. Ihre Art sich gegen Demütigungen zu wehren, ihren Selbstwert zu schützen, darf in der professionellen Versorgung nicht zu Maßnahmen führen die hauptsächlich darauf ausgerichtet sind, den Widerstand Betroffener zu brechen. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2022/08/22/die-beschaemten-demenz-und-die-taegliche-demuetigung/">Die Beschämten: Demenz und die tägliche Demütigung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://demenz-zeitung.de/2022/08/22/die-beschaemten-demenz-und-die-taegliche-demuetigung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
