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	<title>Empathie Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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	<title>Empathie Archive - Demenz-Zeitung</title>
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		<title>Kann man Alter oder Demenz simulieren? Was Altersanzüge und Demenzparcours wirklich vermitteln – und was nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 08:47:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Altersbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch das Thema Demenz folgt &#8222;Modewellen&#8220;. Immer wieder gibt es verschiedene Dinge die man getan haben sollte, anbieten muss oder die einfach &#8222;cool&#8220; sind auf Messen und Ausstellungen. Alterssimulationsanzüge, Demenzparcours&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/10/demenzparcours-alterssimulation/">Kann man Alter oder Demenz simulieren? Was Altersanzüge und Demenzparcours wirklich vermitteln – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch das Thema Demenz folgt &#8222;Modewellen&#8220;. Immer wieder gibt es verschiedene Dinge die man getan haben sollte, anbieten muss oder die einfach &#8222;cool&#8220; sind auf Messen und Ausstellungen. Alterssimulationsanzüge, Demenzparcours und virtuelle Demenzerfahrungen gehören mittlerweile auch zum Repertoire vieler Fortbildungsveranstaltungen. Sie sollen Verständnis fördern, Empathie wecken und einen Perspektivwechsel ermöglichen. Doch was erleben die Teilnehmenden tatsächlich? Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ein widersprüchliches Bild. Manche Simulationen können sensibilisieren, andere möglicherweise sogar negative Altersbilder verstärken. Vor allem aber stellt sich eine grundsätzliche Frage: Kann man durch künstlich erzeugte Einschränkungen tatsächlich erfahren, wie sich das Leben mit Demenz oder das Altsein anfühlt?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Anzug macht noch keinen alten Menschen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Spezialbrille schränkt das Sichtfeld ein, Gewichte erschweren die Bewegungen, Handschuhe beeinträchtigen die Feinmotorik. Wer einen Alterssimulationsanzug trägt, soll erleben, welche Schwierigkeiten ältere Menschen im Alltag haben können. Manchmal gehören Treppensteigen, das Öffnen einer Verpackung oder das Aufheben kleiner Gegenstände zu den Aufgaben.<br>Ähnlich funktionieren viele Demenzparcours. Die Teilnehmenden sollen alltägliche Handlungen ausführen, während ihre Wahrnehmung beeinträchtigt wird, Ablenkungen auftreten oder die Aufgaben künstlich erschwert werden. Missverständnisse, Fehler und Überforderung sind dabei häufig ausdrücklich Teil des Konzepts.<br>Die Erfahrungen können eindrucksvoll sein. Wer plötzlich Schwierigkeiten hat, eine einfache Aufgabe zu bewältigen, reagiert möglicherweise mit Unsicherheit, Ärger oder Hilflosigkeit.<br>Doch genau hier beginnt ein grundlegendes Problem:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jemand, der einen Alterssimulationsanzug trägt, erlebt zunächst einmal <strong>sich selbst</strong> unter veränderten körperlichen Bedingungen. Er erlebt, wie <strong>er</strong> persönlich darauf reagiert, plötzlich schlechter sehen, hören oder greifen zu können. Daraus folgt aber eben nicht, dass er nun weiß, wie ein 85-jähriger Mensch seinen Alltag empfindet. <br>Ebenso erlebt jemand, der einen Demenzparcours absolviert, <strong>seine eigene Reaktion</strong> auf eine künstlich herbeigeführte Situation. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass er nun wüsste, wie ein Mensch mit Demenz seine Umwelt wahrnimmt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In der Bewerbung und Begleitung dieser Dinge fehlt sehr oft diese grundlegende Unterscheidung und auch Begleitung und es ist zweifelhaft, dass gerade jungen Menschen auf Messen dieser Unterschied klar vermittelt wird. Schließlich sinkt dann möglicherweise der &#8222;coolness&#8220;-Faktor der Erfahrung. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Klar ist: eine Simulation verändert die Bedingungen des <strong>eigenen Erlebens</strong>. Sie ermöglicht aber keinen direkten Zugang zum Erleben eines anderen Menschen.<br>Diese Unterscheidung ist keineswegs nur philosophisch. Sie betrifft die wissenschaftliche Grundlage, auf der solche Angebote beworben und pädagogisch eingesetzt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was Alterssimulationsanzüge tatsächlich bewirken</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Forschungsgruppe der Universität Heidelberg veröffentlichte 2022 im <em>European Journal of Ageing</em> eine systematische Übersichtsarbeit über 26 Studien zu Alterssimulationsanzügen. Untersucht wurden körperliche Veränderungen während der Simulation sowie Auswirkungen auf Einstellungen und Empathie gegenüber älteren Menschen. Im Durchschnitt zeigten sich kleine positive Effekte auf die Einstellungen gegenüber älteren Menschen und moderate Effekte auf die gemessene Empathie. Die gewichteten Effektstärken betrugen 0,33 beziehungsweise 0,54.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Anzüge können demnach durchaus etwas bewirken. Gleichzeitig formulierten die Forschenden jedoch eine entscheidende Einschränkung: Es gebe nur wenig Evidenz dafür, dass die Anzüge tatsächliche Alterungsprozesse realistisch abbilden. Sie forderten deshalb weitere Untersuchungen, bei denen die simulierten Einschränkungen systematisch mit den Fähigkeiten älterer Menschen verglichen werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein solcher Vergleich wurde 2022 an der RWTH Aachen durchgeführt. Junge Erwachsene gingen mit und ohne Alterssimulationsanzug auf einem Laufband. Ihre Bewegungsabläufe wurden mit denen gesunder älterer Menschen verglichen. Einige Gangparameter näherten sich durch den Anzug den Werten der älteren Vergleichsgruppe an, andere nicht. Bestimmte körperliche Veränderungen lassen sich also zumindest teilweise nachbilden. Über das subjektive Erleben des Alters sagt dies allerdings wenig aus.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Noch kritischer fiel eine 2024 veröffentlichte Metaanalyse aus der Türkei aus. Die Forschenden werteten sechs Studien mit insgesamt 535 Pflegestudierenden hinsichtlich ihrer Einstellungen gegenüber älteren Menschen aus. Drei Studien mit 207 Studierenden untersuchten die Empathie.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei den Einstellungen zeigte sich insgesamt kein eindeutiger Vorteil der Simulation. Bei der Empathie schnitten die Kontrollgruppen nach der Intervention sogar signifikant besser ab als die Gruppen mit Alterssimulationsanzügen. Zwar bewerteten die Autoren solche Interventionen weiterhin als potenziell nützlich. Die statistischen Ergebnisse stützen jedoch keineswegs die Annahme, ein Alterssimulationsanzug verbessere automatisch die Empathie.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn die Simulation das Altersbild verschlechtert</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine weitere Untersuchung aus Heidelberg, veröffentlicht im Dezember 2023, wirft eine grundsätzliche Frage auf: Können Alterssimulationen unbeabsichtigt negative Vorstellungen vom Altsein verstärken?<br><br>In zwei Studien untersuchten Forschende, wie sich das Tragen eines Alterssimulationsanzugs auf die Wahrnehmung des Alters auswirkte. Eine Untersuchung umfasste 165 Erwachsene, eine zweite weitere 63 jüngere und mittelalte Personen.<br>Die Ergebnisse zeigten teilweise negative Veränderungen sowohl bei allgemeinen Vorstellungen über ältere Menschen als auch bei den Erwartungen an das eigene Älterwerden. Die Effektstärken lagen zwischen 0,30 und 0,44. Die Forschenden warnten deshalb vor möglichen unerwünschten Wirkungen.<br><br>Das erscheint nachvollziehbar: Wer Alter innerhalb weniger Minuten vor allem als Verlust von Beweglichkeit, Sehvermögen, Geschicklichkeit und Selbstständigkeit erlebt, könnte anschließend zu der Überzeugung gelangen, Altsein bedeute in erster Linie Einschränkung.<br></p>



<aside style="background-color:#f2f7f3; border-left:5px solid #397454; border-radius:5px; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <h3 style="margin:0 0 18px 0; font-size:21px; color:#24583d;">
    Was wird bei einer Simulation eigentlich erfasst?
  </h3>

  <p style="margin:0 0 15px 0; line-height:1.65;">
    <strong>1. Körperliche Auswirkungen:</strong><br>
    Bestimmte Einschränkungen beim Sehen, Hören, Greifen oder Gehen lassen sich künstlich erzeugen und messen.
  </p>

  <p style="margin:0 0 15px 0; line-height:1.65;">
    <strong>2. Subjektive Reaktionen:</strong><br>
    Teilnehmende können berichten, wie sie persönlich auf diese Bedingungen reagieren, beispielsweise mit Frustration, Unsicherheit oder Anstrengung.
  </p>

  <p style="margin:0; line-height:1.65;">
    <strong>3. Erleben anderer Menschen:</strong><br>
    Ob diese Reaktionen tatsächlich dem Erleben älterer Menschen oder von Menschen mit Demenz entsprechen, ist damit nicht nachgewiesen.
  </p>

</aside>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Demenz ist keine künstlich erzeugte Überforderung</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Demenzsimulationen stellt sich das Problem in noch größerer Schärfe.<br>Demenz ist kein einheitliches Krankheitsbild. Unterschiedliche Erkrankungen, Krankheitsstadien und individuelle Voraussetzungen führen zu sehr unterschiedlichen Veränderungen des Denkens, der Wahrnehmung, der Sprache und des Verhaltens.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Mensch mit Alzheimer-Demenz kann andere Schwierigkeiten erleben als jemand mit Lewy-Körper-Demenz oder frontotemporaler Demenz. Selbst Menschen mit derselben Diagnose unterscheiden sich erheblich in ihren Fähigkeiten, Reaktionen und Bewältigungsstrategien.<br>Ein Demenzparcours kann diese Vielfalt kaum berücksichtigen.<br>Vor allem lässt sich eine chronische neurokognitive Erkrankung nicht einfach dadurch nachbilden, dass einem kognitiv gesunden Menschen für kurze Zeit die Bewältigung alltäglicher Aufgaben erschwert wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein gesunder Teilnehmer weiß, wie die Aufgabe normalerweise funktioniert. Er verfügt über seine gewohnten kognitiven Fähigkeiten und erlebt, dass ihm deren Anwendung durch künstliche Hindernisse erschwert wird. Er bemerkt den Gegensatz zwischen seinem normalen Leistungsvermögen und der vorübergehenden Beeinträchtigung.<br>Dieses Erleben kann Frustration auslösen. Aber darf daraus geschlossen werden, Menschen mit Demenz seien in vergleichbaren Alltagssituationen ebenso frustriert?<br></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz verfügen über erhaltene Fähigkeiten, langjährig eingeübte Handlungsabläufe und individuelle Strategien im Umgang mit Veränderungen. Ihr Erleben wird durch ihre Biografie, ihre Beziehungen, die Umgebung und die Reaktionen anderer Menschen beeinflusst.<br>Manche nehmen ihre Schwierigkeiten deutlich wahr. Andere erleben bestimmte Veränderungen weniger bewusst. Wieder andere reagieren auf Anforderungen, weil die Situation unverständlich oder die Kommunikation unangemessen ist.<br><strong>Die eigene Überforderung während eines Parcours lässt sich nicht ohne Weiteres auf das Erleben eines Menschen mit Demenz übertragen.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was die internationale Forschung über Demenzsimulationen sagt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Weltweit werden unterschiedliche Demenzsimulationen eingesetzt, darunter die <em>Virtual Dementia Tour</em>, VR-Anwendungen und Parcours mit künstlich erzeugten Einschränkungen. Da sich die Verfahren erheblich unterscheiden, ist ihre Wirksamkeit nur eingeschränkt vergleichbar.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Drei internationale Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2021, 2024 und 2026 mit jeweils 19, sieben und 17 Studien zeigen ein ähnliches Bild: Simulationen können das Demenzwissen, das Verständnis für Schwierigkeiten Betroffener und teilweise auch die Empathie verbessern. Die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich. Methodische Schwächen, unterschiedliche Messinstrumente und fehlende Langzeituntersuchungen begrenzen ihre Aussagekraft. Entscheidend ist zudem, was überhaupt gemessen wird. Wenn Teilnehmende anschließend angeben, mehr Verständnis für Menschen mit Demenz zu haben, belegt dies noch keine Veränderung ihres tatsächlichen Verhaltens.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob sie im Pflegealltag besser kommunizieren, Selbstständigkeit gezielter fördern oder in schwierigen Situationen angemessener handeln, bleibt bislang unzureichend untersucht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Braucht gute Wissensvermittlung über Demenz überhaupt eine Simulation?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessante Hinweise liefert eine 2026 veröffentlichte randomisierte Studie aus Japan.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Darin wurden fünf Formen der Online-Demenzbildung miteinander verglichen. Die Teilnehmenden erhielten entweder ein Informationsvideo, sahen ein kurzes Drama, erlebten ein Drama mit zusätzlicher VR-Simulation, absolvierten interaktive Simulationsspiele oder betrachteten Dokumentarfilme über Menschen mit Demenz. Alle fünf Formate verbesserten die gemessenen Einstellungen und die Bereitschaft, Menschen mit Demenz zu helfen. Zwischen den Gruppen zeigten sich jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Veränderung dieser Werte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die aufwendigeren Simulationsangebote waren somit in dieser Untersuchung nicht nachweisbar wirksamer als ein vergleichsweise einfaches Informationsvideo. Langfristige Veränderungen des tatsächlichen Pflegehandelns wurden allerdings nicht untersucht. Ein weiterer Befund stammt aus einer systematischen Übersichtsarbeit von 2022 zur praktischen Demenzbildung bei Pflegestudierenden. Darin wurden 17 Studien berücksichtigt. Persönliche Lernerfahrungen im unmittelbaren Kontakt mit Menschen mit Demenz und dem betreuenden Fachpersonal zeigten insgesamt stärkere Auswirkungen auf Fähigkeiten und Einstellungen als die untersuchten virtuellen und simulierten Lernformen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das spricht nicht gegen jede Simulation. Es erinnert aber daran, dass das unmittelbare Lernen von und mit Menschen mit Demenz eine besondere Bedeutung besitzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Internationale Angebote: Zwischen Perspektivwechsel und Wirklichkeitsanspruch</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Internationale Angebote zeigen unterschiedliche Ansätze. Die britische VR-Anwendung <em>A Walk Through Dementia</em> wurde unter Beteiligung von Menschen mit Demenz entwickelt, deren Erfahrungen in die Simulation einflossen. Das australische Programm <em>Enabling EDIE</em> verbindet virtuelle Erfahrungen mit angeleiteter Reflexion und der Vermittlung personenzentrierter Unterstützungsstrategien.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Solche Konzepte gehen über das bloße Erzeugen von Überforderung hinaus. Dennoch bleibt offen, inwieweit die Simulationen das tatsächliche Erleben von Menschen mit Demenz abbilden und nachhaltige Veränderungen im Pflegehandeln bewirken. Bereits 2018 kritisierte die italienische Wissenschaftlerin Alessandra Merizzi die unzureichende wissenschaftliche Grundlage der <em>Virtual Dementia Tour</em> und verwies auf Berichte über erhebliche Belastungen einzelner Teilnehmender. Diese belegen keinen allgemeinen Schaden, verdeutlichen aber einen entscheidenden Punkt: <strong>Emotionale Intensität allein ist kein Qualitätsmerkmal einer Fortbildung.</strong><br>Das ist übrigens ein Punkt, den Pflegende wie Betreuende viel stärker bei der Bewertung und der Auswahl von Schulungen und Fortbildungen berücksichtigen sollten. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mehr Betroffenheit bedeutet nicht automatisch bessere Pflege</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine häufige Begründung für Demenzparcours lautet, die Teilnehmenden sollten erleben, wie schlimm bestimmte Einschränkungen seien, damit sie anschließend einfühlsamer handeln. Doch ist die erzeugte Betroffenheit tatsächlich ein geeigneter Maßstab?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn ein Teilnehmer nach einem Parcours erklärt, er habe sich hilflos und ausgeliefert gefühlt, kann dies ein wertvoller Ausgangspunkt für eine Diskussion sein. Es kann aber auch eine problematische Vorstellung verfestigen: Menschen mit Demenz seien grundsätzlich hilflos, überfordert und von ihrer Umwelt abhängig.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit besteht zumindest das Risiko, dass ausgerechnet eine Veranstaltung, die Verständnis fördern soll, vor allem ein defizitorientiertes Bild der Erkrankung vermittelt. Dass solche unerwünschten Effekte bei Alterssimulationen auftreten können, ist inzwischen empirisch belegt. Für Demenzparcours lässt sich eine entsprechende allgemeine Wirkung bislang nicht hinreichend nachweisen. Das Risiko sollte dennoch berücksichtigt werden und daher brauchen diese Dinge eine offene und differenzierte Begleitung. Nur dann kann ein sinnvoller pädagogischer Nutzen von Demenzparcours entstehen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der eigentliche Lerneffekt müsste dann aber aus der anschließenden Auseinandersetzung folgen: Weshalb ist die Aufgabe misslungen? Welche Rahmenbedingungen haben dazu beigetragen? Wie hätte eine andere Anleitung geholfen? Welche Hindernisse hätten entfernt werden können? Und vor allem: Inwiefern lassen sich daraus tatsächlich Erkenntnisse für den Umgang mit Menschen mit Demenz gewinnen, ohne deren individuelles Erleben zu vereinnahmen?</p>



<aside style="background-color:#f2f7f3; border-left:5px solid #397454; border-radius:5px; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <h3 style="margin:0 0 18px 0; font-size:21px; color:#24583d;">
    Fünf Fragen zur Qualität eines Demenzparcours
  </h3>

  <ol style="margin:0; padding-left:23px; line-height:1.65;">

    <li style="margin-bottom:13px;">
      Welche konkreten Lernziele verfolgt die Simulation?
    </li>

    <li style="margin-bottom:13px;">
      Welche Aspekte der Erkrankung werden tatsächlich nachgebildet, und wie wurde das überprüft?
    </li>

    <li style="margin-bottom:13px;">
      Waren Menschen mit Demenz an der Entwicklung oder Bewertung des Angebots beteiligt?
    </li>

    <li style="margin-bottom:13px;">
      Gibt es eine fachlich angeleitete Nachbesprechung, die auch erhaltene Fähigkeiten und mögliche Fehlinterpretationen berücksichtigt?
    </li>

    <li style="margin-bottom:0;">
      Wird überprüft, ob das Angebot langfristig zu Veränderungen im tatsächlichen Pflegehandeln führt?
    </li>

  </ol>

</aside>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Menschen mit Demenz können selbst Auskunft geben</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Kritik an Demenzsimulationen bedeutet nicht, dass Menschen ohne Demenz niemals verstehen könnten, welche Schwierigkeiten eine neurokognitive Erkrankung mit sich bringt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Fachwissen, Beobachtung, Gespräche und praktische Erfahrungen können das Verständnis selbstverständlich verbessern. Aber das subjektive Erleben eines Menschen lässt sich nicht einfach durch technische Hilfsmittel übertragen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer wissen möchte, wie ein Mensch mit Demenz seinen Alltag erlebt, sollte deshalb vor allem auch Menschen mit Demenz selbst zuhören. Ihre Berichte über Schwierigkeiten, erhaltene Fähigkeiten, Wünsche, Ängste und gelingende Alltagssituationen vermitteln Perspektiven, die ein künstlich herbeigeführtes Scheitern an einer Aufgabe allein nicht bieten kann. Dies gilt auch für die Pflegeausbildung und Fortbildung. Menschen mit Demenz können selbst aktiv an Bildungsangeboten mitwirken, statt lediglich als Vorbilder für technische Simulationen zu dienen. Das setzt voraus, dass ihre Aussagen ernst genommen werden, auch wenn sie nicht zu den Erwartungen der Veranstalter passen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wilde Idee also: Mit Menschen mit Demenz sprechen, sie einbeziehen, statt ein &#8222;als ob&#8220; aufgrund der eigenen Vorstellung zu simulieren, wo das möglich ist. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: Ein Perspektivwechsel ist noch kein Perspektiventausch</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Alterssimulationsanzüge und Demenzparcours sind nicht grundsätzlich ungeeignet, Lernprozesse anzustoßen. Einzelne Programme zeigen positive Wirkungen auf Wissen, Einstellungen oder Empathie. Andere Untersuchungen liefern uneinheitliche Ergebnisse oder weisen sogar auf unerwünschte Effekte hin.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidende Kritik betrifft jedoch einen Anspruch, der über diese Befunde hinausgeht: die Behauptung, eine Simulation ermögliche es, selbst zu erfahren, wie Menschen das Altsein oder das Leben mit Demenz erleben. Dafür fehlt eine hinreichende wissenschaftliche Grundlage.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bildungsträger und Veranstalter sollten deshalb sorgfältig unterscheiden, was solche Angebote tatsächlich vermitteln können und welche Schlussfolgerungen wissenschaftlich nicht gedeckt sind. <strong>Denn zwischen der Erfahrung, wie ich mich unter bestimmten Bedingungen fühle, und dem Wissen, wie ein anderer Mensch sein Leben erlebt, liegt ein erheblicher Unterschied.</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Grenze sollten wir gerade dann respektieren, wenn wir Verständnis und Empathie fördern wollen.</p>



<div style="height:53px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:65px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen &amp; Weiterführendes<br><br>Gerhardy, T. H., Schlomann, A., Wahl, H.-W. &amp; Schmidt, L. I. (2022). <a href="https://doi.org/10.1007/s10433-022-00722-1">Effects of age simulation suits on psychological and physical outcomes: a systematic review</a>. <em>European Journal of Ageing</em>, 19, 953–976. Systematische Übersichtsarbeit mit 26 Studien.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Söylemez, B. A., Özgül, E., Akyol, M. A. &amp; Küçükgüçlü, Ö. (2024). <a href="https://doi.org/10.1016/j.nepr.2024.103990">Effectiveness of the aged simulation suit on undergraduate nursing students&#8216; attitudes and empathy toward older adults: A systematic review and meta-analysis</a>. <em>Nurse Education in Practice</em>, 77, 103990.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schmidt, L. I. et al. (2023). <a href="https://doi.org/10.1007/s10433-023-00793-8">“If this is what it means to be old…”: a mixed methods study on the effects of age simulation on views on aging and perceptions of age-related impairments</a>. <em>European Journal of Ageing</em>, 20, Artikel 47.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Laurentius, T. et al. (2022). <a href="https://doi.org/10.1186/s11556-022-00298-w">Spatiotemporal gait parameters in young individuals wearing an age simulation suit compared to healthy older individuals</a>. <em>European Review of Aging and Physical Activity</em>, 19, Artikel 29.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jones, C., Jones, D. &amp; Moro, C. (2021). <a href="https://doi.org/10.1136/bmjopen-2021-053616">Use of virtual and augmented reality-based interventions in health education to improve dementia knowledge and attitudes: an integrative review</a>. <em>BMJ Open</em>, 11, e053616.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Huang, Y. et al. (2024). <a href="https://doi.org/10.1111/inm.13240">Virtual reality-based simulation intervention for enhancing the empathy of informal caregivers of people with dementia: A mixed-methods systematic review</a>. <em>International Journal of Mental Health Nursing</em>, 33, 241–258.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Li, X., Li, Q., Sun, K. &amp; Conklin, R. (2026). <a href="https://doi.org/10.1093/her/cyag003">Mapping the evidence on virtual reality for dementia caregivers: a scoping review</a>. <em>Health Education Research</em>, 41(2). Übersichtsarbeit mit 17 Studien.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Matsumoto, H., Igarashi, A., Takaoka, M. &amp; Yoshioka-Maeda, K. (2026). <a href="https://doi.org/10.1080/02701960.2026.2623601">Comparing the efficacy of content and media for online dementia education: A five-arm randomized controlled trial</a>. <em>Gerontology &amp; Geriatrics Education</em>.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Adewuyi, M., Morales, K. &amp; Lindsey, A. (2022). <a href="https://doi.org/10.1016/j.nepr.2022.103351">Impact of experiential dementia care learning on knowledge, skills and attitudes of nursing students: A systematic literature review</a>. <em>Nurse Education in Practice</em>, 62, 103351.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Merizzi, A. (2018). <a href="https://doi.org/10.1108/QAOA-11-2017-0042">Virtual Dementia Tour®: limitations and ethics</a>. <em>Quality in Ageing and Older Adults</em>, 19(2), 146–155.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Internationale Praxisbeispiele</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dementia Australia: <a href="https://www.dementia.org.au/professionals/professional-development-and-training/enabling-edie-virtual-reality-dementia">Enabling EDIE – Virtual Reality Dementia Experience</a>. VR-gestütztes Fortbildungsangebot mit angeleiteter Reflexion und personenzentrierten Unterstützungsstrategien.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Alzheimer’s Research UK: <a href="https://www.alzheimersresearchuk.org/campaigns/awtd/">A Walk Through Dementia</a>. Virtual-Reality-Angebot, das unter Beteiligung von Menschen mit unterschiedlichen Demenzformen entwickelt wurde.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/10/demenzparcours-alterssimulation/">Kann man Alter oder Demenz simulieren? Was Altersanzüge und Demenzparcours wirklich vermitteln – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Empathisch leiden lassen: Warum Menschen mit Demenz mehr brauchen als Verständnis</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/03/11/empathisch-leiden-lassen-warum-menschen-mit-demenz-mehr-brauchen-als-verstaendnis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 07:30:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wer mit Menschen mit Demenz arbeitet oder lebt, hört heute oft Sätze wie diese: Man müsse mehr mitfühlen. Man müsse verstehen, dass Verhalten Ausdruck von Not ist. Man brauche die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/03/11/empathisch-leiden-lassen-warum-menschen-mit-demenz-mehr-brauchen-als-verstaendnis/">Empathisch leiden lassen: Warum Menschen mit Demenz mehr brauchen als Verständnis</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer mit Menschen mit Demenz arbeitet oder lebt, hört heute oft Sätze wie diese: Man müsse mehr mitfühlen. Man müsse verstehen, dass Verhalten Ausdruck von Not ist. Man brauche die richtige Haltung. Das alles stimmt. Und doch beginnt genau hier auch ein Problem, das mir immer wieder begegnet: Empathie allein lindert noch kein Leid.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Mensch mit Demenz hat nicht weniger Schmerzen, nur weil wir ihm freundlich begegnen. Er ist nicht weniger verängstigt, nur weil wir verständnisvoll nicken. Er schläft nicht besser, weil wir sein nächtliches Rufen „einordnen“ können. Und eine Verstopfung, ein Harnwegsinfekt, Hunger, Durst, Reizüberflutung oder ein beginnendes Delir verschwinden nicht durch Zuwendung allein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das klingt härter, als es gemeint ist. Aber genau dieser Punkt wird im Alltag oft zu weich formuliert. Haltung ist wichtig. Sehr wichtig sogar. Nur: Haltung ohne Analyse bleibt oft unzureichend. Und Unzulänglichkeit bedeutet für Betroffene nicht Neutralität, sondern häufig anhaltendes Leid.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verstehen ist nicht dasselbe wie helfen ist nicht dasselbe wie pflegerisches Handeln</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es ist zweifellos ein Fortschritt, dass in Schulungen heute weniger über „schwierige Bewohner“ und mehr über Bedürfnisse, Biografie, Würde und Beziehung gesprochen wird. Das war notwendig. Pflege hat lange genug unter einem Denken gelitten, das Verhalten vor allem kontrollieren wollte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nur ist die &#8222;Gegenbewegung&#8220; manchmal genauso verkürzt. Dann klingt es so, als genüge es schon, Verhalten anders zu bewerten: nicht als Störung, sondern als Ausdruck. Nicht als Angriff, sondern als Botschaft. Nicht als Widerstand, sondern als Not.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Genau an diesem Punkt wird es heikel. Denn mitunter entsteht der Eindruck, als könne Haltung fachliche Kompetenz ersetzen. Als reiche es aus, empathisch zu sein, um dem Menschen gerecht zu werden. Das tut es nicht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer zwar anerkennt, dass ein Verhalten einen Grund hat, diesen Grund aber nicht systematisch prüft, ändert für den betroffenen Menschen oft zu wenig. Dann wird aus einem an sich richtigen Gedanken schnell eine beruhigende Erzählung für Helfende: „Wir haben verstanden, warum er so ist.“ Für die betroffene Person kann das trotzdem heißen: Der Schmerz bleibt. Die Überforderung bleibt. Die Angst bleibt. Die Auslöser bleiben. Und mit ihnen das Leid.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Haltung und Empathie gehören fachlich dazu – aber sie sind nicht alles</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Empathie kann verhindern, dass wir Menschen moralisch abwerten. Sie ersetzt aber keine pflegerische Kompetenz. Jeder Laie kann mitfühlen. Das ist menschlich und wertvoll. Pflegefachpersonen müssen jedoch mehr leisten. Sie müssen beobachten, ohne sich vom ersten Eindruck täuschen zu lassen. Sie müssen Veränderungen wahrnehmen, Hypothesen bilden, Ursachen prüfen und gezielt handeln.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade dort, wo Demenz vermittelt, geschult oder konzeptionell begleitet wird, reicht es nicht, nur Haltung zu predigen. Wer professionell Verantwortung trägt, muss mehr vermitteln als Zugewandtheit. Es geht auch um Schmerzerkennung, Delir, Überforderung, Kommunikation, Umgebung, Auslöser, Verlauf und ganz konkrete Maßnahmen. Es ist teilweise erstaunlich, wer heute alles glaubt Pflegefachpersonen schulen zu können. Führungskräfte scheinen auch immer wieder vor lauter „Haltung“ zu vergessen, dass &#8222;Nettsein&#8220; nicht Aufgabe der Pflege ist. Vor diesem Hintergrund sind die &#8222;Pflege mit Herz&#8220;-Stelleanzeigen und ein &#8222;Wir-haben-alte-Menschen-doch-so-lieb&#8220;-Bild auf SocialMedia durchaus manchmal vielsagend. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Herausforderndes Verhalten ist ein Hinweis. Manchmal ein leiser, manchmal ein massiver</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Unruhe kann auf Schmerzen hinweisen. Aggression kann Ausdruck von Angst sein. Abwehr bei der Körperpflege kann bedeuten, dass jemand friert, sich schämt, die Handlung nicht versteht oder eine Bewegung weh tut. Rückzug kann Überforderung sein – oder Depression. Nächtliches Rufen kann Einsamkeit bedeuten, aber auch Desorientierung, Durst, Schmerzen oder einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus. Ständiges Aufstehen kann Bewegungsdrang sein, aber ebenso Harndrang, innere Unruhe oder das Bedürfnis, „nach Hause“ zu müssen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background:#ffffff; border-left:6px solid #7a5aa6; padding:28px 32px; margin:32px 0; border-radius:10px; box-shadow:0 2px 8px rgba(0,0,0,0.04);">
  <p style="margin:0; font-size:1.65rem; line-height:1.7; color:#222222; font-weight:500;">
    Wer hier nur mitfühlt, aber nicht prüft, bleibt an der Oberfläche. Das kann freundlich aussehen und kurzfristig sogar beruhigend wirken – und dennoch unzureichend sein.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade darin liegt die fachliche Herausforderung: Das sichtbare Verhalten sagt noch nicht, was die Ursache ist. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Wer Verhaltenssymptome nur als „demenztypisch“ hinnimmt oder nur beziehungsorientiert beantwortet, riskiert, behandelbare Ursachen zu übersehen. Das ist nicht nur ein fachliches Defizit. Es ist für den betroffenen Menschen eine reale Belastung. Wichtige und in der Praxis tragfähige und umsetzbare Strategien und Vorgehensweisen zu etablieren hat daher die größere Bedeutung, als &#8222;Freundlichkeit&#8220; zu trainieren. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Empathie ist unverzichtbar. Aber sie ist kein Ersatz für Analyse</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Menschen mit Demenz wirklich helfen will, darf sich nicht damit zufriedengeben, Verhalten freundlich zu betrachten. Er muss nach Ursachen suchen, Auslöser erkennen, körperliche Belastungen mitdenken, Situationen verändern und die Wirkung seines Handelns prüfen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mitgefühl ohne Fachlichkeit kann gut gemeint sein. Für Betroffene bleibt es trotzdem oft unzureichend. Oder zugespitzt gesagt: Nett sein nimmt keinem Menschen mit Demenz den Schmerz durch Harnverhalt. Fachlich gutes Handeln am Ende schon. Denken Sie immer daran: Haltung darf nicht gegen Analyse ausgespielt werden &#8211; und sie auch nicht überstimmen oder gar dazu führen, dass sie für Pflegeprofis obsolet wird. </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Suizidrisko und Demenz</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2024/10/24/suizidrisko-und-demenz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Oct 2024 17:02:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Demenz ist eine der schwerwiegendsten Erkrankungen, die das Leben eines Menschen nachhaltig verändern. Die psychischen und emotionalen Belastungen, die mit einer Demenzdiagnose einhergehen, können enorm sein – und in den&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2024/10/24/suizidrisko-und-demenz/">Suizidrisko und Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Demenz ist eine der schwerwiegendsten Erkrankungen, die das Leben eines Menschen nachhaltig verändern. Die psychischen und emotionalen Belastungen, die mit einer Demenzdiagnose einhergehen, können enorm sein – und in den frühen Stadien der Krankheit ist das Risiko eines Suizids erhöht.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-6"><strong>Die psychologische Last der frühen Diagnose</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders in der Anfangsphase einer Demenz sind sich die Betroffenen häufig darüber im Klaren, dass große Veränderungen auf sie zukommen werden: ein fortschreitender Verlust kognitiver Fähigkeiten und die zunehmende Abhängigkeit von Dritten. Diese Erkenntnis nach Diagnosestellung kann starke Gefühle der Verzweiflung und Hilflosigkeit auslösen. Deshalb ist gerade dann eine einfühlsame, zuverlässige Begleitung unerlässlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Studien zeigen, dass das Suizidrisiko in den ersten Monaten nach einer Demenzdiagnose signifikant höher ist als bei der Allgemeinbevölkerung. Eine groß angelegte dänische Kohortenstudie von Erlangsen et al. (2018) mit über 17.000 Personen belegt, dass besonders die ersten 12 Monate nach der Diagnose eine kritische Phase darstellen. In dieser Zeit zeigt sich, dass besonders jüngere Betroffene unter 65 Jahren ein höheres Risiko für einen Suizid aufweisen.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-7"><strong>Risikofaktoren für Suizid bei Menschen mit Demenz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt mehrere Faktoren, die das Suizidrisiko bei Menschen mit Demenz erhöhen können. Einer der wichtigsten ist Depression, die häufig mit der Diagnose einhergeht. Oft werden depressive Symptome jedoch nicht ausreichend erkannt, da sie als Teil der Demenzerkrankung missverstanden oder als natürliche Reaktion auf den Verlust von Fähigkeiten abgetan werden. Doch Depression ist ein eigenständiger Risikofaktor, der das Suizidrisiko erheblich erhöht und gezielte Behandlungsmaßnahmen erfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Studie von Kiosses et al. (2019) unterstreicht, dass Depression bei älteren Erwachsenen mit Demenz oft unterschätzt wird und somit die Gefahr besteht, dass suizidale Gedanken unbemerkt bleiben. Diese Studie zeigt außerdem, dass depressive Symptome, gepaart mit dem Gefühl, eine Last für die Familie zu sein, zu einem deutlich erhöhten Suizidrisiko führen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere zentrale Belastungsfaktoren sind Gefühle der Isolation und Einsamkeit. Besonders gefährdet sind Menschen, die wenig familiäre Unterstützung oder ein schwaches soziales Netzwerk haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine landesweite Studie aus Schweden von Sundbøll et al. (2020), die fast 280.000 Demenzpatienten untersuchte, zeigte, dass soziale Isolation und der Mangel an Unterstützungssystemen entscheidend zur Erhöhung des Suizidrisikos beitragen. Besonders bei alleinlebenden Patienten waren die Risiken deutlich erhöht.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-8"><strong>Demenz bedeutet weitreichende Veränderung des bisherigen Lebens</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die im Verlauf zunehmenden Schwierigkeiten im Alltag können Gefühle der Machtlosigkeit und des Kontrollverlusts auslösen, die wiederum zu suizidalen Impulsen führen können. Die Aussicht, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, besonders in einem frühen Stadium, kann sehr schwer zu ertragen sein. Almeida et al. (2019) zeigten in einer systematischen Literaturübersicht, dass diese Autonomieverluste besonders bei jüngeren Betroffenen zu einer erhöhten Suizidgefahr führen. Die sorgende Umgebung ist dabei auch besonders gefordert, Betroffene nicht zu früh oder weitergehend als absolut notwendig durch Fürsorge einzuschränken. Siehe hierzu auch die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates 2012: <a href="https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/stellungnahme-demenz-und-selbstbestimmung.pdf">Demenz und Selbstbestimmung</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-9"><strong>Die besondere Rolle von Pflegefachpersonen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen können eine entscheidende Rolle bei der Erkennung von suizidalen Tendenzen bei Menschen mit Demenz spielen. Da sie oft eng mit den Betroffenen zusammenarbeiten, sind sie in einer besonderen Position, um Warnzeichen frühzeitig zu erkennen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Pflegefachleute wie auch Betreuer und pflegende Angehörige für das Thema Demenz und Suizidalität sensibilisiert werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-10"><strong>Präventionsmöglichkeiten: Was tun, wenn der Verdacht im Raum steht?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Suizidprävention bei Demenz erfordert einen vielschichtigen Ansatz, der sowohl die psychische Gesundheit als auch das soziale Wohlbefinden der Betroffenen berücksichtigt. Hier sind einige der wichtigsten Ansätze zur Suizidprävention bei Menschen mit Demenz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zwei Fragen an Christian Petzold, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention &#8211; Hilfe in Lebenskrisen e.V.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Menschen mit Demenz wird schon frühzeitig häufig viel zu wenig zugetraut – und so möglicherweise besonders bei jüngeren Betroffenen das Suizidrisko unterschätzt. Worauf sollten Angehörige, aber auch Pflegefachpersonen z.B. von ambulanten Pflegediensten achten?</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="794" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/10/CPetzold-794x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2528" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/CPetzold-794x1024.jpg 794w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/CPetzold-233x300.jpg 233w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/CPetzold-768x990.jpg 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/CPetzold-1191x1536.jpg 1191w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/CPetzold-1320x1702.jpg 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/CPetzold.jpg 1531w" sizes="(max-width: 794px) 100vw, 794px" /><figcaption class="wp-element-caption">Christian Petzold, Dipl.-Pflegewirt und Vorstandsmitglied der <strong>Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention</strong></figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Christian Petzold: </strong>Hier geht es in erster Linie um Achtsamkeit sowie hinhörende und einfühlende Aufmerksamkeit. Mitverantwortung“ (Hannah Arendt) stellt den Zusammenhang zwischen Selbstsorge und Fürsorge her. Emotionale Schmerzen können durch viele Veränderungen entstehen (u.a. Körperfunktionseinschränkungen, geistige Beeinträchtigungen, Beeinträchtigungen in der verbalen Kommunikation), durch die der Betroffene das Gefühl bekommt, belastend für andere zu sein oder gar immer und immer wieder missverstanden zu werden. So, wie wir es bei Menschen mit Demenz besonders mit </p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">fortschreitender Erkrankung erleben. Der Betroffene empfindet seine Identität als in Frage gestellt. Er erlebt seine Angst und/oder seine Schmerzen oftmals diffus und ist aufgrund der Abnahme kognitiver und verbal-kommunikativer Fähigkeiten nicht in der Lage, sie genau benennen zu können. Somit bedarf es für Pflegefachpersonen der nötigen und verfügbaren Professionalität in der Kommunikation und fachlichen Begleitung, verbunden mit einer praktischen Kultur der Sorge, aus der es gelingen kann, bestärkend und begleitend für Menschen mit Demenz da zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Ab wann muss man auf die Anzeichen reagieren? Bei der ersten Auffälligkeit? Und darf man gegen den Willen der Betroffenen Dritte informieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Christian Petzold: </strong>Wir sprechen uns immer dafür aus, bei sogenannten ersten Auffälligkeiten genau das nicht zu tun. Das macht ganz wesentlich gewachsenes Vertrauen kaputt. Mit guter Gesprächsführung bekommt man in der Regel das Einverständnis des Betroffenen. Selbst bei Gefahr in Verzug würde ich den Betroffenen in der nötigen Transparenz darüber informieren, dass ich jetzt z.B. den Notarzt oder die Polizei rufe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstbestimmte Entscheidungen und/oder partizipative Entscheidungsfindungen werden aufgrund der vermeintlichen und tatsächlichen Hürden häufig nicht in Betracht gezogen. Demenz ist eine progressiv verlaufende Krankheit. In einem frühen Stadium sind Menschen in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen, und hier ist ihre Selbstbestimmung in derselben Weise zu achten wie bei gesunden Menschen. In einem fortgeschritteneren Stadium aber sind Menschen mit Demenz vielfach überfordert, wenn sie eigene Entscheidungen treffen sollen. Hier bedarf es ganz wesentlich einer Fürsorge, die zugleich die Autonomie der betreffenden Person wahrnimmt. Was also bleibt ist die Tatsache, dass auch diese Menschen Personen mit einer eigenen Individualität sind, die es zu achten gilt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Vielen Dank für Ihre Antworten.</p>



<div style="height:66px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Thema Suizid bestehen viele Mythen und Irrtümer. <a href="https://www.suizidprophylaxe.de/">Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention stellt umfangreich Informationen zur Verfügung</a>. Einer der Aspekte der das Risiko speziell bei Menschen mit Demenz möglicherweise erhöht ist, dass Betroffene in Aussagen die eine Selbsttötung andeuten nicht ernst genommen werden. Als Pflegefachperson dürfen Sie die Situation nicht unterschätzen und sollten intern ein Vorgehen für den Fall des Falles abstimmen, und insgesamt Ihr Team für die Thematik sensibilisieren.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Suizidgedanken hat, dreht sich gedanklich meist im Kreis. Dadurch wirkt die Situation ausweglos. Sie können den Teufelskreis aber durchbrechen. Anonyme und kostenlose Hilfe finden Betroffene <strong><a href="https://www.telefonseelsorge.de/">zum Beispiel bei der Telefonseelsorge</a></strong> unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2024/10/24/suizidrisko-und-demenz/">Suizidrisko und Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
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		<title>&#8222;Nurses know it early.&#8220; – Intuition auf Station</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2023/04/23/nurses-know-it-early-intuition-auf-station/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Apr 2023 08:56:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Altenhilfe]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[übergabe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor einer Weile schon hatte ich eine sehr anregende, längere Unterhaltung zu diesem Satz „Nurses know it early“ mit einem Mediziner. Er hat länger in den USA gearbeitet. Er sagte&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/04/23/nurses-know-it-early-intuition-auf-station/">&#8222;Nurses know it early.&#8220; – Intuition auf Station</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Vor einer Weile schon hatte ich eine sehr anregende, längere Unterhaltung zu diesem Satz „Nurses know it early“ mit einem Mediziner. Er hat länger in den USA gearbeitet. Er sagte es halb lächelnd, halb ernsthaft. Schnell ging es dann in der Diskussion um Intuition. Was das ist, was sie triggern kann, ob und wann man ihr nachgibt bzw. auf den Grund geht und wie gefährlich es sein kann für Patienten und Pflegebedürftige, wenn man sie ignoriert. Wir gerieten durchaus etwas in Konflikt. Vielleicht weil es sehr schwer ist bei diesem Thema, andere Fähigkeiten oder den Anschein dieser, außen vor zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Text schreibe ich aus eigenem Erleben heraus, ohne wissenschaftliche Fakten aufzählen zu wollen aber angeregt durch eine Twitterdiskussion rund ums Thema Deprofessionalisierung / Empathie (follow @publicenema2).<br></p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Pflegeberufler haben Eindrücke die sie nicht erklären können</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Pflegeprofis kennen das: alles ist gemacht, alles scheint in Ordnung. Und doch. Man ist bei der Patientin / dem Pflegebedürftigen und hat das Gefühl: etwas stimmt nicht. Keine Schmerzäußerung, keine besondere Unruhe. Noch nicht einmal einen Hinweis, dass ich vielleicht besser noch mal die Vitalzeichen kontrollieren sollte. Nichts. Alles wie immer. Zeit habe ich in der Pflege ohnehin nicht. Und doch….etwas stimmt nicht. Man hält die Sekunden inne, bevor man den Raum verlässt. Man fasst den Patienten / Pflegebedürftigen wie zufällig, bewusst oder unbewusst nochmal an, während man sich verabschiedet. Man schaut ihm einen Tick länger und intensiver in die Augen. Ist er wach, klar…?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist Intuition eigentlich? Eine Definition können wir <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition" target="_blank" rel="noreferrer noopener">unter Wikipedia</a> aufrufen. Im Duden wird Intuition u.a. als <a href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Intuition" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„das unmittelbare, nicht diskursive, nicht auf Reflexion beruhende Erkennen, Erfassen eines Sachverhalts oder eines komplizierten Vorgangs.“</a> definiert. Und – natürlich, gibt es auch einiges an Arbeiten und Artikel in Sachen Intuition &amp; Pflege zu finden. <a href="https://www.researchgate.net/publication/240482933_Intuition_als_implizites_Wissen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Intuition als implizites Wissen</a> oder <a href="https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2001-15728" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ahnung, Intuition und implizites Wissen als konstitutive Bestandteile pflegerischen Erkennens und Handelns</a> oder <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4461986/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auch da (engl.</a>). </p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Frühwarnsystem pflegerische Intuition</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die zunehmende Arbeitsverdichtung und den Personalmangel sehe ich das Risiko, dass Patienten und Pflegebedürftige auch dadurch zu Schaden kommen können, dass Kolleginnen und Kollegen ihrer Intuition nicht mehr folgen. Sie aus Zeitgründen unterdrücken. Und so vielleicht Bedarfe nicht mehr feststellen, die Pflegebedürftige und Patienten haben können – außerhalb dessen, was sich mal eben messen lässt oder als medizinisch-pflegerisches Problem definiert werden kann. Aber nicht nur der Zeitdruck ist ein Faktor. Auch jene in und außerhalb der Pflege, die glauben die Versorgung vom Schreibtisch aus Besserwissen zu können, spielen dabei eine Rolle. &nbsp;Da werden Skills und Fähigkeiten von Pflegeprofis schnell mal mit Schlagworten belegt. Empathisch agieren und reagieren zu können gleichgesetzt mit einer Art dümmlichen Nettigkeit. Freundlichkeit gerät zum Makel, ein – ja, Achtung: Kümmern, das sich im ein oder anderen unbezahlten zusätzlichen Handgriff tagtäglich äußert, wird zur unprofessionellen Peinlichkeit gedeutelt und so Pflegeprofis wie Betreuungskräfte in die Defensive gedrängt. Und in der sollen sie dann auch bittschön den Mund halten.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Intuition, Empathie, Emotionalität – unprofessionell?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Sache, Pflege mit Wissen und hoher Fachlichkeit verbessern und aufwerten zu wollen. Das müssen wir in Deutschland völlig unzweifelhaft, andere Länder sind da weiter. Und es geht nicht, dass Arbeitgeber versuchen, offen oder im Subtext von Jobanzeigen bei miesen Arbeitsbedingungen lediglich emotionale Appelle formulieren. Wobei – die Zeiten sind wohl weitestgehend schon vorbei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es ist dennoch eine andere Sache, wenn den Kolleginnen und Kollegen die jeden Tag im Dienst sind, Fähigkeiten abgesprochen werden oder mangelnde Professionalität vorgeworfen wird, weil sie eben mehr können und tun als Expertenstandards abzuarbeiten und Skalen, Listen und Messwerte irgendwo einzutragen. Pflege ist voller Zwischentöne, voller feiner und feinster Handlungen. Reich an Wahrnehmung, Begegnung, Nähe, Distanz und Haltungen. Auch das macht sie besonders. Als Beruf. Als Profession, die man nie vollständig wird in Standards gießen können und in der nicht alles immer messbar sein wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Wahrnehmung und Selbstvertrauen: better safe than sorry</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade Menschen mit Demenz, die sich im Verlauf nicht mehr (adäquat) äußern können, denen es häufig auch altersbedingt an „Dolmetschern“ fehlt, die brauchen diejenigen Nurses, die es early knowen. Ich versichere Ihnen: Ihre Intuition ist etwas wert. Trotz Arbeitsdruck: spüren Sie ihr nach. Für ihren Patienten / Pflegebedürftigen. Und im Übrigen: auch für sich selbst. Wer sich für das Thema interessiert und sich näher damit befassen möchte, dem sei der Bestseller <a href="https://amzn.to/3L4Njka" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Schnelles Denken, langsames Denken&#8220; von Daniel Kahnemann</a> empfohlen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich jedenfalls gehöre zu den Pflegenden, die sich sehr präsent an einige Fälle erinnern können bei denen es besser gewesen wäre, auf meine Intuition zu hören. Dieser zu vertrauen, sie ernst zu nehmen – das hätte vermutlich Schaden abgewendet. Und, werte Kollegin, lieber Kollege – es ist und bleibt völlig okay, auch ohne echten Anhalt die Kollegen der Folgeschicht in der Übergabe zu bitten: „Habt mal ein besonderes Auge auf Frau / Herrn X. Irgendwas stimmt da nicht.“. Ohne das näher begründen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn in der Pflege sollten wir nicht nur der eigenen Intuition vertrauen, sondern auch der unserer Kolleginnen und Kollegen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Foto: Tima Miroshnichenko on pexels</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/04/23/nurses-know-it-early-intuition-auf-station/">&#8222;Nurses know it early.&#8220; – Intuition auf Station</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>Empathie und Demenz: „Ja, Empathie lässt sich trainieren.“</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2022/09/05/empathie-und-demenz-ja-empathie-laesst-sich-trainieren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2022 10:43:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ob Webseiten, Broschüren, Vorträge oder Schulungen: immer wieder werden pflegende Angehörige, Pflegefachleute und Betreuungskräfte dazu aufgefordert, „empathisch“ mit Menschen mit Demenz zu sein. Zumeist bleibt es bei der mehr oder&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2022/09/05/empathie-und-demenz-ja-empathie-laesst-sich-trainieren/">Empathie und Demenz: „Ja, Empathie lässt sich trainieren.“</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ob Webseiten, Broschüren, Vorträge oder Schulungen: immer wieder werden pflegende Angehörige, Pflegefachleute und Betreuungskräfte dazu aufgefordert, „empathisch“ mit Menschen mit Demenz zu sein. Zumeist bleibt es bei der mehr oder minder diffusen Aufforderung. Denn dann sollte alles klappen in der Versorgung von Menschen mit Demenz – oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur &#8211; wie geht das eigentlich, dieses empathisch sein? Sind wir das als Menschen nicht automatisch von Geburt an? Auch in Drucksituationen? Ist Empathie dasselbe wie Mitgefühl? Oder kann sie sogar schädlich sein, diese Empathie?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://olgaklimecki.com/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dr. Olga Klimecki ist ein Profi auf dem Gebiet der Neuroplastizität und eine erfahrene Forscherin und Psychologin. </a>Sie schult und trainiert Menschen in vielfacher Weise was den sozialen Umgang miteinander angeht, bietet Burnout- und Resilienztrainings sowie individuelle Beratung an.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe ihr Fragen zum Thema Empathie gestellt:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">

</div><figcaption class="wp-element-caption">Dr. Olga Klimecki zum Thema Empathie. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">So weit die Expertin, die sich freundlicherweise die Zeit genommen hat. Am 20.09.2022 findet übrigens eine passende Veranstaltung statt: <a href="https://pflegenetzwerk-deutschland.de/das-netzwerk/veranstaltungen/gesunde-empathie-in-der-pflege">Ludwig Thiry vom Bildungszentrum der Uniklinik Köln verantwortet das Projekt empCare und wird im Rahmen des Praxisdialogs ab 16:00 Uhr b</a><a href="https://pflegenetzwerk-deutschland.de/das-netzwerk/veranstaltungen/gesunde-empathie-in-der-pflege" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erichten (WebEx). Am besten gleich an</a><a href="https://pflegenetzwerk-deutschland.de/das-netzwerk/veranstaltungen/gesunde-empathie-in-der-pflege">melden.</a></p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Fähigkeiten pflegen ohne Aufopferung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gefühlslage des Gegenübers wahrzunehmen – und zwar ohne an ihr zu leiden oder sie gar zu übernehmen – ist sicher ein Kernelement jener Fähigkeiten, die zu einer guten Versorgung von Menschen mit Demenz beitragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es lohnt sich also, sich damit eingehender zu befassen. Insbesondere wenn Sie sich selbst für sehr empathisch halten, dient es auch ihrem Selbstschutz mehr zum Thema zu wissen und Wege zu finden, mit den eigenen Fähigkeiten hauszuhalten. Empathie ist ein Skill, den es zu pflegen gilt. Ich bin sicher, dass der Rat „seien Sie empathisch“ gegenüber Menschen mit Demenz für Gesundheitsberufler meistens völlig überflüssig ist. Wichtiger wäre Empathie als Instrument, gerade in der Versorgung von Pflegebedürftigen, zu verstehen und damit dazu beizutragen daraus langfristigen beruflichen Nutzen ohne Selbstverbrennung zu erzielen. Also nicht &#8222;ob&#8220;, sondern &#8222;wie&#8220;. Das ist für mich der Punkt. </p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Nähe und Distanz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielfach wird die Versorgung von Pflegebedürftigen als eine besondere Haltung der Nähe, der liebevollen Fürsorge verstanden. Das mag auch innerhalb einer Liebesbeziehung oder der Familie Gültigkeit haben. In der beruflichen Pflege und Betreuung ist die professionelle Versorgung jedoch eine Kunst der richtigen Distanz. Es ist leicht sich vom Leid anstecken zu lassen und schwer, einmal angesteckt, angemessene Entscheidungen zwischen Lassen und Tun zu treffen. </p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Empathie kann Missverstanden werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Umgang (nicht nur) mit Menschen mit Demenz kommt der Empathie bzw. den Handlungen die darauf folgen nochmals eine weitere Bedeutung hinzu: wir gehen davon aus, dass unser Einfühlungsvermögen und unser Mitgefühl unserem Gegenüber stets willkommen ist. Oft wird das auch unseren Erfahrungen entsprechen. Nicht selten gehen spontane Berührungen oder andere Reaktionen damit einher – die Menschen mit Demenz missinterpretieren können. Das ist ein weiterer guter Grund, sich ausführlicher mit dem Thema zu beschäftigen. Damit empathisches Handeln frei von Übergriffen bleibt, ist ein sehr bewusste Umgang damit erforderlich. Das bedeutet auch anzuerkennen, dass nicht jede Handlung die ich mir von meinem empathischen Gegenüber für mich wünsche eine ist, die ich anderen zu Teil werden lassen sollte. Denn eines ist sicher: um einem anderen Menschen wirklich zu begegnen zu können müssen wir vor allem eines sein: ganz bei uns.</p>



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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Beiträge zum Thema Demenz auf Youtube <a href="https://www.youtube.com/channel/UCBkAPMP0XeRVcd9TA2WlY-w" target="_blank" rel="noreferrer noopener">finden Sie hier</a>. Haben Sie eigene Tipps &#8211; z.B. empfehlenswerte Bücher zum Thema? Schreiben Sie gerne einen Kommentar. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2022/09/05/empathie-und-demenz-ja-empathie-laesst-sich-trainieren/">Empathie und Demenz: „Ja, Empathie lässt sich trainieren.“</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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