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	<title>pflege Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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	<title>pflege Archive - Demenz-Zeitung</title>
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		<title>Wenn es nie still wird: Wie Geräusche Menschen mit Demenz belasten können &#8211; und was Sie tun können</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2026 11:16:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Agitation]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[Apathie]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
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		<category><![CDATA[musiktherapie]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Reizüberflutung]]></category>
		<category><![CDATA[Sinnesanregungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Fernseher läuft im Wohnzimmer, aus der Küche dringt das Radio, in der Tagespflege unterhalten sich mehrere Menschen gleichzeitig. Solche Geräusche gehören zum Alltag. Für Menschen mit Demenz können sie&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/21/geraeusche-bei-demenz/">Wenn es nie still wird: Wie Geräusche Menschen mit Demenz belasten können &#8211; und was Sie tun können</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Fernseher läuft im Wohnzimmer, aus der Küche dringt das Radio, in der Tagespflege unterhalten sich mehrere Menschen gleichzeitig. Solche Geräusche gehören zum Alltag. Für Menschen mit Demenz können sie jedoch zur Belastung werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Zusammenhänge zwischen Geräuschbelastung, Unruhe und Schlafproblemen. Gleichzeitig können Musik und andere Sinnesanregungen positive Wirkungen entfalten. Wie passt das zusammen? Entscheidend ist nicht allein, wie viele Reize auf einen Menschen einwirken, sondern welche Bedeutung sie für ihn haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie belastend ist die alltägliche Geräuschkulisse?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob zu Hause, in der Tagespflege oder im Pflegeheim: Viele Geräusche entstehen nebenbei. Telefone klingeln, Haushaltsgeräte laufen, Menschen führen Gespräche. Häufig nehmen diejenigen, die diese Geräusche verursachen, sie kaum noch bewusst wahr. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 untersuchte die akustische Umgebung in Pflegeheimen. Die Forschenden werteten 35 Studien aus. Neun davon erfassten die Lautstärke und berichteten tagsüber durchschnittliche Geräuschpegel zwischen 55 und 68 Dezibel. Besonders häufig waren menschliche Stimmen und elektronische Geräte zu hören.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Einige Untersuchungen fanden Zusammenhänge zwischen stärkerer Geräuschbelastung, vermehrter Unruhe und beeinträchtigtem Nachtschlaf. Andere konnten entsprechende Auswirkungen nicht bestätigen. Die Ergebnisse belegen daher nicht, dass Lärm zwangsläufig Unruhe verursacht oder eine Verringerung des Geräuschpegels automatisch zu anderem Verhalten führt. Sie machen aber deutlich, dass die akustische Umgebung bei der Versorgung von Menschen mit Demenz Beachtung verdient.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Untersucht wurden überwiegend stationäre Einrichtungen. Die Frage, welche Geräusche hilfreich oder belastend sind, stellt sich allerdings ebenso in der eigenen Wohnung oder in der Tagespflege.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Es geht um mehr als Lautstärke</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Geräusch kann angenehm, bedeutungslos oder belastend sein. Seine Wirkung hängt unter anderem davon ab, ob es vertraut ist, zur Situation passt und von der betroffenen Person eingeordnet werden kann. Die Stimme eines vertrauten Menschen, das Klappern von Geschirr beim gemeinsamen Kochen oder ein bestimmtes Musikstück können Orientierung vermitteln und positive Gefühle auslösen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dagegen können Gesprächsfetzen aus einem anderen Raum, ein unvermittelt klingelndes Telefon oder Stimmen aus dem Fernseher irritierend wirken. Besonders schwierig kann es werden, wenn mehrere Geräuschquellen gleichzeitig um Aufmerksamkeit konkurrieren. Dabei ist auch die persönliche Kontrolle entscheidend. Wer den Fernseher nicht mehr selbst ausschalten, die Lautstärke nicht verändern oder einen Raum nicht ohne Hilfe verlassen kann, ist auf andere Menschen angewiesen. Und genau das trifft zumeist auf Menschen mit fortgeschrittener Demenz zu. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Oft unterschätzt: Selbst ein zunächst angenehmer Reiz kann durch seine Dauer zur Belastung werden. Musik, die für einige Minuten Freude bereitet, muss nicht über Stunden erwünscht sein. Das dauerdudelnde Radio oder der ewig eingeschaltete Fernseher können zur echten Belastung werden. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Apathie lässt sich nicht einfach mit mehr Reizen bekämpfen</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein verbreiteter Gedanke in der Versorgung von Menschen mit Demenz lautet: Wer wenig Eigeninitiative zeigt, braucht mehr oder andere Beschäftigung und Anregung. Dabei wird leicht übersehen, dass Apathie nicht mit Langeweile gleichzusetzen ist.<br><br>Apathie bezeichnet unter anderem eine verminderte Eigeninitiative, Motivation und Beteiligung. Sie kann im Zusammenhang mit demenzbedingten Veränderungen auftreten. Auch Depressionen, körperliche Beschwerden oder andere behandelbare Einflussfaktoren müssen berücksichtigt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mehr Geräusche oder zusätzliche Beschäftigungsangebote sind deshalb keine automatische Lösung. Ein Mensch, der kaum auf seine Umgebung reagiert, muss nicht zwangsläufig unter einem Mangel an Sinnesreizen leiden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dennoch können gezielte Angebote hilfreich sein.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="723" height="1024" src="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/10/Ein-Reiz-–-drei-Wirkungen-723x1024.png" alt="" class="wp-image-3929" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/10/Ein-Reiz-–-drei-Wirkungen-723x1024.png 723w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/10/Ein-Reiz-–-drei-Wirkungen-212x300.png 212w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/10/Ein-Reiz-–-drei-Wirkungen-768x1087.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/10/Ein-Reiz-–-drei-Wirkungen.png 1054w" sizes="(max-width: 723px) 100vw, 723px" /></figure>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine 2025 veröffentlichte Metaanalyse von 16 Studien mit insgesamt 974 Teilnehmenden fand positive Effekte multisensorischer Interventionen auf verschiedene neuropsychiatrische Symptome, darunter Apathie und Agitation. Allerdings beruhten die Ergebnisse zur Apathie lediglich auf drei Studien mit 151 Teilnehmenden. Zudem unterschieden sich deren Ergebnisse erheblich. Die Untersuchungen liefern somit Hinweise auf einen möglichen Nutzen, erlauben aber keine pauschale Empfehlung, möglichst viele Reize anzubieten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch die Forschung zu musikbasierten Interventionen zeigt ein differenziertes Bild. Ein Cochrane-Review von 2025 mit 30 Studien und 1.720 Menschen mit Demenz fand Hinweise auf eine Verbesserung depressiver Symptome, jedoch keinen gesicherten Nutzen hinsichtlich Agitation und Aggression. Eine weitere Metaanalyse, die 2026 veröffentlicht wurde, berichtete dagegen einen moderaten positiven Effekt auf Agitation. Die Studien untersuchten unterschiedliche Interventionen und sind deshalb nur eingeschränkt miteinander vergleichbar.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Für die Praxis bleibt eine wichtige Unterscheidung:</strong> Eine gezielte Aktivität, bei der sich ein Mensch beteiligt und Interesse entwickelt, ist etwas anderes als zusätzliche Hintergrundbeschallung. Ein eingeschaltetes Radio kann eine individuell sinnvolle Beschäftigung nicht ersetzen. Gerade in der stationären Pflege erlebe ich da manchmal fast schon &#8222;automatisiertes&#8220; Einschalten von <a href="https://demenz-zeitung.de/2020/06/30/musik-die-uns-fehlt/">Musik</a>, Radio, Fernseher. Weil die Leute da sonst &#8222;nichts haben&#8220; im Augenblick. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Darf ein Reiz auch einmal unangenehm sein?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nicht jeder hilfreiche Reiz muss von Anfang an vertraut oder beruhigend sein. Auch Neues kann Neugier, Aufmerksamkeit und Interesse auslösen. Das gilt beispielsweise für Musik. Es wäre zu einfach, Menschen mit Demenz grundsätzlich nur Stücke vorzuspielen, die sie bereits aus ihrer Vergangenheit kennen. Eine kleine Untersuchung aus dem Jahr 1998 mit 20 Menschen mit Demenz verglich die Wirkung bekannter und unbekannter Musik auf verschiedene Aufgaben. Bei autobiografischen Erinnerungsaufgaben zeigte sich unter Musik eine bessere Leistung als ohne Musik. Ob die Stücke vertraut waren, machte dabei keinen erkennbaren Unterschied. Die Ergebnisse sind aufgrund der kleinen Stichprobe begrenzt. Sie zeigen aber, dass eine positive Wirkung nicht zwingend an biografische Vertrautheit gebunden sein muss.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Noch interessanter ist die Frage nach emotional unangenehmen Reaktionen.<br>Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung analysierte 108 Videoaufnahmen von 45 Menschen mit überwiegend schwerer Demenz beim Hören individuell ausgewählter Musik. Die Forschenden unterschieden zehn Reaktionsmuster. Dazu gehörten Freude, konzentriertes Zuhören und das Teilen von Erinnerungen. Es wurden aber auch Traurigkeit, emotionales Angesprochensein und ablehnende Reaktionen beobachtet.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein aufschlussreiches Ergebnis der Untersuchung: Manche Menschen empfanden Musik gleichzeitig als schön und traurig, zeigten Tränen, wollten aber dennoch weiterhören. Traurigkeit ist also nicht automatisch ein Zeichen von Belastung. Anders verhält es sich bei Angst, Abwehr oder erkennbarer Überforderung. Auch ungewohnte Musik kann anregend wirken. <br><strong>Menschen jedoch gezielt unangenehmen Reizen auszusetzen, um Apathie zu überwinden, ist wissenschaftlich nicht ausreichend begründet</strong>. Entscheidend ist nicht die bloße Reaktion, sondern wie die betroffene Person den Reiz erlebt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Sie konkret tun können</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die bisherigen Erkenntnisse lassen sich in allen Versorgungsformen nutzen. Dabei geht es weder um vollständige Stille noch um einen möglichst abwechslungsreichen Geräuschpegel.</p>



<div style="max-width:850px;margin:24px auto;padding:20px;background:#f3f7f8;border:1px solid #d8e4e7;border-radius:14px;font-family:Arial,Helvetica,sans-serif;color:#24343d;font-size:19px !important;line-height:1.6 !important;">

  <p style="font-size:19px !important;line-height:1.6 !important;margin:0 0 22px;">
    Ob zu Hause, in der Tagespflege oder im Pflegeheim:
    Entscheidend ist nicht möglichst viel oder möglichst
    wenig Anregung, sondern der passende Reiz zur
    richtigen Zeit.
  </p>

  <!-- 1. GERÄUSCHE -->
  <section style="background:#fff;border-left:5px solid #387887;border-radius:9px;padding:20px;margin-bottom:16px;">
    <h3 style="font-size:23px !important;line-height:1.35 !important;color:#235e6a;margin:0 0 15px;">
      1. Unnötige Dauergeräusche erkennen
    </h3>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;margin-bottom:14px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#387887;">
      <span>Prüfen, ob Fernseher und Radio tatsächlich gewünscht oder bewusst genutzt werden.</span>
    </label>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;margin-bottom:14px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#387887;">
      <span>Auf gleichzeitig auftretende Geräusche achten: Gespräche, Haushaltsgeräte, Telefone oder Gruppenaktivitäten.</span>
    </label>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#387887;">
      <span>Überflüssige Geräuschquellen abschalten oder zeitlich und räumlich voneinander trennen.</span>
    </label>
  </section>

  <!-- 2. ANREGUNG -->
  <section style="background:#fff;border-left:5px solid #bf933f;border-radius:9px;padding:20px;margin-bottom:16px;">
    <h3 style="font-size:23px !important;line-height:1.35 !important;color:#866322;margin:0 0 15px;">
      2. Anregung bewusst gestalten
    </h3>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;margin-bottom:14px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#bf933f;">
      <span>Musik, Gespräche oder Alltagstätigkeiten passend zu Interessen und Bedürfnissen anbieten.</span>
    </label>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;margin-bottom:14px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#bf933f;">
      <span>Bei Apathie mit persönlicher Ansprache und kleinen Angeboten beginnen, statt einfach mehr Reize einzusetzen.</span>
    </label>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#bf933f;">
      <span>Auch Neues ausprobieren. Dabei auf Interesse, Freude und Beteiligung achten, nicht bloß auf irgendeine Reaktion.</span>
    </label>
  </section>

  <!-- 3. RUHE -->
  <section style="background:#fff;border-left:5px solid #648e74;border-radius:9px;padding:20px;margin-bottom:16px;">
    <h3 style="font-size:23px !important;line-height:1.35 !important;color:#426b51;margin:0 0 15px;">
      3. Ruhe und Wahlmöglichkeiten ermöglichen
    </h3>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;margin-bottom:14px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#648e74;">
      <span>Menschen möglichst selbst entscheiden lassen, ob und wie lange sie Musik oder anderen Geräuschen zuhören möchten.</span>
    </label>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;margin-bottom:14px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#648e74;">
      <span>Bei eingeschränkter Selbstständigkeit aktiv Pausen, Abschalten oder einen ruhigeren Platz anbieten.</span>
    </label>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#648e74;">
      <span>Ruhe nicht mit Isolation verwechseln: Ein leises Gespräch oder gemeinsames Anschauen von Fotos kann ebenfalls anregen.</span>
    </label>
  </section>

  <!-- 4. BEOBACHTEN -->
  <section style="background:#fff;border-left:5px solid #ac665b;border-radius:9px;padding:20px;margin-bottom:16px;">
    <h3 style="font-size:23px !important;line-height:1.35 !important;color:#914b42;margin:0 0 15px;">
      4. Reaktionen und Veränderungen beobachten
    </h3>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;margin-bottom:14px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#ac665b;">
      <span>Prüfen, ob Unruhe zu bestimmten Zeiten oder bei bestimmten Geräuschsituationen auftritt.</span>
    </label>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;margin-bottom:14px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#ac665b;">
      <span>Beobachten, ob sich das Verhalten nach Abschalten oder Verändern einer Geräuschquelle verändert.</span>
    </label>

    <label style="display:flex;align-items:flex-start;gap:12px;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;cursor:pointer;">
      <input type="checkbox" style="width:22px;height:22px;min-width:22px;margin-top:5px;accent-color:#ac665b;">
      <span>Angst, Abwehr und Anspannung ernst nehmen. Andere mögliche Ursachen wie Schmerzen, Schlafmangel oder ein Delir fachlich abklären.</span>
    </label>
  </section>

  <!-- MERKSATZ -->
  <div style="background:#dcebee;border-radius:9px;padding:18px 20px;color:#204e5a;font-size:19px !important;line-height:1.55 !important;">
    <strong>Merksatz:</strong> Nicht jeder Reiz hilft.
    Nicht jede Stille schadet. Entscheidend ist,
    wie der Mensch die Situation erlebt.
  </div>

</div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Nicht mehr Reize, sondern die richtigen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz brauchen weder permanente Beschäftigung noch eine möglichst geräuscharme Umgebung um jeden Preis. Die Forschung spricht dafür, belastende Geräuschkulissen kritisch zu hinterfragen und gezielte Sinnesanregungen individuell zu gestalten. Dabei können auch neue, ungewohnte oder emotional berührende Erfahrungen sinnvoll sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Apathie wäre es jedoch falsch, fehlende Beteiligung einfach durch eine Steigerung der Reizmenge beantworten zu wollen. Entscheidend ist nicht, dass ein Mensch auf einen Reiz reagiert. Entscheidend ist, was dieser Reiz für ihn bedeutet und wie er ihn erlebt.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen und weitere Infos:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Janus, S. I. M. et al. (2021): <em>Sounds in nursing homes and their effect on health in dementia: a systematic review.</em> International Psychogeriatrics, 33(6), 627–644. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32594932/">PubMed</a></li>



<li>Octary, T. et al. (2025): <em>Multisensory stimulation reduces neuropsychiatric symptoms and enhances cognitive function in older adults with dementia.</em> The Journal of Prevention of Alzheimer&#8217;s Disease, 12(5), 100091. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39986906/">PubMed</a></li>



<li>van der Steen, J. T. et al. (2025): <em>Music-based therapeutic interventions for people with dementia.</em> Cochrane Database of Systematic Reviews. <a href="https://www.cochrane.org/de/evidence/CD003477_does-music-based-therapy-help-people-dementia">Cochrane</a></li>



<li>Hu, J. &amp; Xu, L. (2026): <em>The impact of music therapy on agitation in elderly patients with dementia.</em> Archives of Gerontology and Geriatrics, 140, 106048. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41046571/">PubMed</a></li>



<li>Foster, N. A. &amp; Valentine, E. R. (1998): <em>The Effect of Concurrent Music on Autobiographical Recall in Dementia Clients.</em> Musicae Scientiae, 2(2), 143–155. <a href="https://doi.org/10.1177/102986499800200203">DOI</a></li>



<li>Töpfer, N. F. et al. (2024): <em>Sounds of Difference: A Typology of Reactions of People With Dementia to Individualized Music in the Presence of a Monitoring Person.</em> The Gerontologist, 64(6). <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38127309/">PubMed</a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/21/geraeusche-bei-demenz/">Wenn es nie still wird: Wie Geräusche Menschen mit Demenz belasten können &#8211; und was Sie tun können</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kann man Alter oder Demenz simulieren? Was Altersanzüge und Demenzparcours wirklich vermitteln – und was nicht</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/10/10/demenzparcours-alterssimulation/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2026/10/10/demenzparcours-alterssimulation/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 08:47:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Altersbilder]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Demenzparcours]]></category>
		<category><![CDATA[Demenzschulung]]></category>
		<category><![CDATA[Demenzsimulation]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Personenzentrierte Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegefortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[pflegewissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch das Thema Demenz folgt &#8222;Modewellen&#8220;. Immer wieder gibt es verschiedene Dinge die man getan haben sollte, anbieten muss oder die einfach &#8222;cool&#8220; sind auf Messen und Ausstellungen. Alterssimulationsanzüge, Demenzparcours&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/10/demenzparcours-alterssimulation/">Kann man Alter oder Demenz simulieren? Was Altersanzüge und Demenzparcours wirklich vermitteln – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch das Thema Demenz folgt &#8222;Modewellen&#8220;. Immer wieder gibt es verschiedene Dinge die man getan haben sollte, anbieten muss oder die einfach &#8222;cool&#8220; sind auf Messen und Ausstellungen. Alterssimulationsanzüge, Demenzparcours und virtuelle Demenzerfahrungen gehören mittlerweile auch zum Repertoire vieler Fortbildungsveranstaltungen. Sie sollen Verständnis fördern, Empathie wecken und einen Perspektivwechsel ermöglichen. Doch was erleben die Teilnehmenden tatsächlich? Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ein widersprüchliches Bild. Manche Simulationen können sensibilisieren, andere möglicherweise sogar negative Altersbilder verstärken. Vor allem aber stellt sich eine grundsätzliche Frage: Kann man durch künstlich erzeugte Einschränkungen tatsächlich erfahren, wie sich das Leben mit Demenz oder das Altsein anfühlt?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Anzug macht noch keinen alten Menschen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Spezialbrille schränkt das Sichtfeld ein, Gewichte erschweren die Bewegungen, Handschuhe beeinträchtigen die Feinmotorik. Wer einen Alterssimulationsanzug trägt, soll erleben, welche Schwierigkeiten ältere Menschen im Alltag haben können. Manchmal gehören Treppensteigen, das Öffnen einer Verpackung oder das Aufheben kleiner Gegenstände zu den Aufgaben.<br>Ähnlich funktionieren viele Demenzparcours. Die Teilnehmenden sollen alltägliche Handlungen ausführen, während ihre Wahrnehmung beeinträchtigt wird, Ablenkungen auftreten oder die Aufgaben künstlich erschwert werden. Missverständnisse, Fehler und Überforderung sind dabei häufig ausdrücklich Teil des Konzepts.<br>Die Erfahrungen können eindrucksvoll sein. Wer plötzlich Schwierigkeiten hat, eine einfache Aufgabe zu bewältigen, reagiert möglicherweise mit Unsicherheit, Ärger oder Hilflosigkeit.<br>Doch genau hier beginnt ein grundlegendes Problem:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jemand, der einen Alterssimulationsanzug trägt, erlebt zunächst einmal <strong>sich selbst</strong> unter veränderten körperlichen Bedingungen. Er erlebt, wie <strong>er</strong> persönlich darauf reagiert, plötzlich schlechter sehen, hören oder greifen zu können. Daraus folgt aber eben nicht, dass er nun weiß, wie ein 85-jähriger Mensch seinen Alltag empfindet. <br>Ebenso erlebt jemand, der einen Demenzparcours absolviert, <strong>seine eigene Reaktion</strong> auf eine künstlich herbeigeführte Situation. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass er nun wüsste, wie ein Mensch mit Demenz seine Umwelt wahrnimmt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In der Bewerbung und Begleitung dieser Dinge fehlt sehr oft diese grundlegende Unterscheidung und auch Begleitung und es ist zweifelhaft, dass gerade jungen Menschen auf Messen dieser Unterschied klar vermittelt wird. Schließlich sinkt dann möglicherweise der &#8222;coolness&#8220;-Faktor der Erfahrung. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Klar ist: eine Simulation verändert die Bedingungen des <strong>eigenen Erlebens</strong>. Sie ermöglicht aber keinen direkten Zugang zum Erleben eines anderen Menschen.<br>Diese Unterscheidung ist keineswegs nur philosophisch. Sie betrifft die wissenschaftliche Grundlage, auf der solche Angebote beworben und pädagogisch eingesetzt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was Alterssimulationsanzüge tatsächlich bewirken</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Forschungsgruppe der Universität Heidelberg veröffentlichte 2022 im <em>European Journal of Ageing</em> eine systematische Übersichtsarbeit über 26 Studien zu Alterssimulationsanzügen. Untersucht wurden körperliche Veränderungen während der Simulation sowie Auswirkungen auf Einstellungen und Empathie gegenüber älteren Menschen. Im Durchschnitt zeigten sich kleine positive Effekte auf die Einstellungen gegenüber älteren Menschen und moderate Effekte auf die gemessene Empathie. Die gewichteten Effektstärken betrugen 0,33 beziehungsweise 0,54.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Anzüge können demnach durchaus etwas bewirken. Gleichzeitig formulierten die Forschenden jedoch eine entscheidende Einschränkung: Es gebe nur wenig Evidenz dafür, dass die Anzüge tatsächliche Alterungsprozesse realistisch abbilden. Sie forderten deshalb weitere Untersuchungen, bei denen die simulierten Einschränkungen systematisch mit den Fähigkeiten älterer Menschen verglichen werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein solcher Vergleich wurde 2022 an der RWTH Aachen durchgeführt. Junge Erwachsene gingen mit und ohne Alterssimulationsanzug auf einem Laufband. Ihre Bewegungsabläufe wurden mit denen gesunder älterer Menschen verglichen. Einige Gangparameter näherten sich durch den Anzug den Werten der älteren Vergleichsgruppe an, andere nicht. Bestimmte körperliche Veränderungen lassen sich also zumindest teilweise nachbilden. Über das subjektive Erleben des Alters sagt dies allerdings wenig aus.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Noch kritischer fiel eine 2024 veröffentlichte Metaanalyse aus der Türkei aus. Die Forschenden werteten sechs Studien mit insgesamt 535 Pflegestudierenden hinsichtlich ihrer Einstellungen gegenüber älteren Menschen aus. Drei Studien mit 207 Studierenden untersuchten die Empathie.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei den Einstellungen zeigte sich insgesamt kein eindeutiger Vorteil der Simulation. Bei der Empathie schnitten die Kontrollgruppen nach der Intervention sogar signifikant besser ab als die Gruppen mit Alterssimulationsanzügen. Zwar bewerteten die Autoren solche Interventionen weiterhin als potenziell nützlich. Die statistischen Ergebnisse stützen jedoch keineswegs die Annahme, ein Alterssimulationsanzug verbessere automatisch die Empathie.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn die Simulation das Altersbild verschlechtert</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine weitere Untersuchung aus Heidelberg, veröffentlicht im Dezember 2023, wirft eine grundsätzliche Frage auf: Können Alterssimulationen unbeabsichtigt negative Vorstellungen vom Altsein verstärken?<br><br>In zwei Studien untersuchten Forschende, wie sich das Tragen eines Alterssimulationsanzugs auf die Wahrnehmung des Alters auswirkte. Eine Untersuchung umfasste 165 Erwachsene, eine zweite weitere 63 jüngere und mittelalte Personen.<br>Die Ergebnisse zeigten teilweise negative Veränderungen sowohl bei allgemeinen Vorstellungen über ältere Menschen als auch bei den Erwartungen an das eigene Älterwerden. Die Effektstärken lagen zwischen 0,30 und 0,44. Die Forschenden warnten deshalb vor möglichen unerwünschten Wirkungen.<br><br>Das erscheint nachvollziehbar: Wer Alter innerhalb weniger Minuten vor allem als Verlust von Beweglichkeit, Sehvermögen, Geschicklichkeit und Selbstständigkeit erlebt, könnte anschließend zu der Überzeugung gelangen, Altsein bedeute in erster Linie Einschränkung.<br></p>



<aside style="background-color:#f2f7f3; border-left:5px solid #397454; border-radius:5px; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <h3 style="margin:0 0 18px 0; font-size:21px; color:#24583d;">
    Was wird bei einer Simulation eigentlich erfasst?
  </h3>

  <p style="margin:0 0 15px 0; line-height:1.65;">
    <strong>1. Körperliche Auswirkungen:</strong><br>
    Bestimmte Einschränkungen beim Sehen, Hören, Greifen oder Gehen lassen sich künstlich erzeugen und messen.
  </p>

  <p style="margin:0 0 15px 0; line-height:1.65;">
    <strong>2. Subjektive Reaktionen:</strong><br>
    Teilnehmende können berichten, wie sie persönlich auf diese Bedingungen reagieren, beispielsweise mit Frustration, Unsicherheit oder Anstrengung.
  </p>

  <p style="margin:0; line-height:1.65;">
    <strong>3. Erleben anderer Menschen:</strong><br>
    Ob diese Reaktionen tatsächlich dem Erleben älterer Menschen oder von Menschen mit Demenz entsprechen, ist damit nicht nachgewiesen.
  </p>

</aside>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Demenz ist keine künstlich erzeugte Überforderung</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Demenzsimulationen stellt sich das Problem in noch größerer Schärfe.<br>Demenz ist kein einheitliches Krankheitsbild. Unterschiedliche Erkrankungen, Krankheitsstadien und individuelle Voraussetzungen führen zu sehr unterschiedlichen Veränderungen des Denkens, der Wahrnehmung, der Sprache und des Verhaltens.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Mensch mit Alzheimer-Demenz kann andere Schwierigkeiten erleben als jemand mit Lewy-Körper-Demenz oder frontotemporaler Demenz. Selbst Menschen mit derselben Diagnose unterscheiden sich erheblich in ihren Fähigkeiten, Reaktionen und Bewältigungsstrategien.<br>Ein Demenzparcours kann diese Vielfalt kaum berücksichtigen.<br>Vor allem lässt sich eine chronische neurokognitive Erkrankung nicht einfach dadurch nachbilden, dass einem kognitiv gesunden Menschen für kurze Zeit die Bewältigung alltäglicher Aufgaben erschwert wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein gesunder Teilnehmer weiß, wie die Aufgabe normalerweise funktioniert. Er verfügt über seine gewohnten kognitiven Fähigkeiten und erlebt, dass ihm deren Anwendung durch künstliche Hindernisse erschwert wird. Er bemerkt den Gegensatz zwischen seinem normalen Leistungsvermögen und der vorübergehenden Beeinträchtigung.<br>Dieses Erleben kann Frustration auslösen. Aber darf daraus geschlossen werden, Menschen mit Demenz seien in vergleichbaren Alltagssituationen ebenso frustriert?<br></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz verfügen über erhaltene Fähigkeiten, langjährig eingeübte Handlungsabläufe und individuelle Strategien im Umgang mit Veränderungen. Ihr Erleben wird durch ihre Biografie, ihre Beziehungen, die Umgebung und die Reaktionen anderer Menschen beeinflusst.<br>Manche nehmen ihre Schwierigkeiten deutlich wahr. Andere erleben bestimmte Veränderungen weniger bewusst. Wieder andere reagieren auf Anforderungen, weil die Situation unverständlich oder die Kommunikation unangemessen ist.<br><strong>Die eigene Überforderung während eines Parcours lässt sich nicht ohne Weiteres auf das Erleben eines Menschen mit Demenz übertragen.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was die internationale Forschung über Demenzsimulationen sagt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Weltweit werden unterschiedliche Demenzsimulationen eingesetzt, darunter die <em>Virtual Dementia Tour</em>, VR-Anwendungen und Parcours mit künstlich erzeugten Einschränkungen. Da sich die Verfahren erheblich unterscheiden, ist ihre Wirksamkeit nur eingeschränkt vergleichbar.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Drei internationale Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2021, 2024 und 2026 mit jeweils 19, sieben und 17 Studien zeigen ein ähnliches Bild: Simulationen können das Demenzwissen, das Verständnis für Schwierigkeiten Betroffener und teilweise auch die Empathie verbessern. Die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich. Methodische Schwächen, unterschiedliche Messinstrumente und fehlende Langzeituntersuchungen begrenzen ihre Aussagekraft. Entscheidend ist zudem, was überhaupt gemessen wird. Wenn Teilnehmende anschließend angeben, mehr Verständnis für Menschen mit Demenz zu haben, belegt dies noch keine Veränderung ihres tatsächlichen Verhaltens.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob sie im Pflegealltag besser kommunizieren, Selbstständigkeit gezielter fördern oder in schwierigen Situationen angemessener handeln, bleibt bislang unzureichend untersucht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Braucht gute Wissensvermittlung über Demenz überhaupt eine Simulation?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessante Hinweise liefert eine 2026 veröffentlichte randomisierte Studie aus Japan.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Darin wurden fünf Formen der Online-Demenzbildung miteinander verglichen. Die Teilnehmenden erhielten entweder ein Informationsvideo, sahen ein kurzes Drama, erlebten ein Drama mit zusätzlicher VR-Simulation, absolvierten interaktive Simulationsspiele oder betrachteten Dokumentarfilme über Menschen mit Demenz. Alle fünf Formate verbesserten die gemessenen Einstellungen und die Bereitschaft, Menschen mit Demenz zu helfen. Zwischen den Gruppen zeigten sich jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Veränderung dieser Werte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die aufwendigeren Simulationsangebote waren somit in dieser Untersuchung nicht nachweisbar wirksamer als ein vergleichsweise einfaches Informationsvideo. Langfristige Veränderungen des tatsächlichen Pflegehandelns wurden allerdings nicht untersucht. Ein weiterer Befund stammt aus einer systematischen Übersichtsarbeit von 2022 zur praktischen Demenzbildung bei Pflegestudierenden. Darin wurden 17 Studien berücksichtigt. Persönliche Lernerfahrungen im unmittelbaren Kontakt mit Menschen mit Demenz und dem betreuenden Fachpersonal zeigten insgesamt stärkere Auswirkungen auf Fähigkeiten und Einstellungen als die untersuchten virtuellen und simulierten Lernformen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das spricht nicht gegen jede Simulation. Es erinnert aber daran, dass das unmittelbare Lernen von und mit Menschen mit Demenz eine besondere Bedeutung besitzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Internationale Angebote: Zwischen Perspektivwechsel und Wirklichkeitsanspruch</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Internationale Angebote zeigen unterschiedliche Ansätze. Die britische VR-Anwendung <em>A Walk Through Dementia</em> wurde unter Beteiligung von Menschen mit Demenz entwickelt, deren Erfahrungen in die Simulation einflossen. Das australische Programm <em>Enabling EDIE</em> verbindet virtuelle Erfahrungen mit angeleiteter Reflexion und der Vermittlung personenzentrierter Unterstützungsstrategien.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Solche Konzepte gehen über das bloße Erzeugen von Überforderung hinaus. Dennoch bleibt offen, inwieweit die Simulationen das tatsächliche Erleben von Menschen mit Demenz abbilden und nachhaltige Veränderungen im Pflegehandeln bewirken. Bereits 2018 kritisierte die italienische Wissenschaftlerin Alessandra Merizzi die unzureichende wissenschaftliche Grundlage der <em>Virtual Dementia Tour</em> und verwies auf Berichte über erhebliche Belastungen einzelner Teilnehmender. Diese belegen keinen allgemeinen Schaden, verdeutlichen aber einen entscheidenden Punkt: <strong>Emotionale Intensität allein ist kein Qualitätsmerkmal einer Fortbildung.</strong><br>Das ist übrigens ein Punkt, den Pflegende wie Betreuende viel stärker bei der Bewertung und der Auswahl von Schulungen und Fortbildungen berücksichtigen sollten. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mehr Betroffenheit bedeutet nicht automatisch bessere Pflege</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine häufige Begründung für Demenzparcours lautet, die Teilnehmenden sollten erleben, wie schlimm bestimmte Einschränkungen seien, damit sie anschließend einfühlsamer handeln. Doch ist die erzeugte Betroffenheit tatsächlich ein geeigneter Maßstab?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn ein Teilnehmer nach einem Parcours erklärt, er habe sich hilflos und ausgeliefert gefühlt, kann dies ein wertvoller Ausgangspunkt für eine Diskussion sein. Es kann aber auch eine problematische Vorstellung verfestigen: Menschen mit Demenz seien grundsätzlich hilflos, überfordert und von ihrer Umwelt abhängig.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit besteht zumindest das Risiko, dass ausgerechnet eine Veranstaltung, die Verständnis fördern soll, vor allem ein defizitorientiertes Bild der Erkrankung vermittelt. Dass solche unerwünschten Effekte bei Alterssimulationen auftreten können, ist inzwischen empirisch belegt. Für Demenzparcours lässt sich eine entsprechende allgemeine Wirkung bislang nicht hinreichend nachweisen. Das Risiko sollte dennoch berücksichtigt werden und daher brauchen diese Dinge eine offene und differenzierte Begleitung. Nur dann kann ein sinnvoller pädagogischer Nutzen von Demenzparcours entstehen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der eigentliche Lerneffekt müsste dann aber aus der anschließenden Auseinandersetzung folgen: Weshalb ist die Aufgabe misslungen? Welche Rahmenbedingungen haben dazu beigetragen? Wie hätte eine andere Anleitung geholfen? Welche Hindernisse hätten entfernt werden können? Und vor allem: Inwiefern lassen sich daraus tatsächlich Erkenntnisse für den Umgang mit Menschen mit Demenz gewinnen, ohne deren individuelles Erleben zu vereinnahmen?</p>



<aside style="background-color:#f2f7f3; border-left:5px solid #397454; border-radius:5px; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <h3 style="margin:0 0 18px 0; font-size:21px; color:#24583d;">
    Fünf Fragen zur Qualität eines Demenzparcours
  </h3>

  <ol style="margin:0; padding-left:23px; line-height:1.65;">

    <li style="margin-bottom:13px;">
      Welche konkreten Lernziele verfolgt die Simulation?
    </li>

    <li style="margin-bottom:13px;">
      Welche Aspekte der Erkrankung werden tatsächlich nachgebildet, und wie wurde das überprüft?
    </li>

    <li style="margin-bottom:13px;">
      Waren Menschen mit Demenz an der Entwicklung oder Bewertung des Angebots beteiligt?
    </li>

    <li style="margin-bottom:13px;">
      Gibt es eine fachlich angeleitete Nachbesprechung, die auch erhaltene Fähigkeiten und mögliche Fehlinterpretationen berücksichtigt?
    </li>

    <li style="margin-bottom:0;">
      Wird überprüft, ob das Angebot langfristig zu Veränderungen im tatsächlichen Pflegehandeln führt?
    </li>

  </ol>

</aside>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Menschen mit Demenz können selbst Auskunft geben</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Kritik an Demenzsimulationen bedeutet nicht, dass Menschen ohne Demenz niemals verstehen könnten, welche Schwierigkeiten eine neurokognitive Erkrankung mit sich bringt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Fachwissen, Beobachtung, Gespräche und praktische Erfahrungen können das Verständnis selbstverständlich verbessern. Aber das subjektive Erleben eines Menschen lässt sich nicht einfach durch technische Hilfsmittel übertragen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer wissen möchte, wie ein Mensch mit Demenz seinen Alltag erlebt, sollte deshalb vor allem auch Menschen mit Demenz selbst zuhören. Ihre Berichte über Schwierigkeiten, erhaltene Fähigkeiten, Wünsche, Ängste und gelingende Alltagssituationen vermitteln Perspektiven, die ein künstlich herbeigeführtes Scheitern an einer Aufgabe allein nicht bieten kann. Dies gilt auch für die Pflegeausbildung und Fortbildung. Menschen mit Demenz können selbst aktiv an Bildungsangeboten mitwirken, statt lediglich als Vorbilder für technische Simulationen zu dienen. Das setzt voraus, dass ihre Aussagen ernst genommen werden, auch wenn sie nicht zu den Erwartungen der Veranstalter passen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wilde Idee also: Mit Menschen mit Demenz sprechen, sie einbeziehen, statt ein &#8222;als ob&#8220; aufgrund der eigenen Vorstellung zu simulieren, wo das möglich ist. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: Ein Perspektivwechsel ist noch kein Perspektiventausch</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Alterssimulationsanzüge und Demenzparcours sind nicht grundsätzlich ungeeignet, Lernprozesse anzustoßen. Einzelne Programme zeigen positive Wirkungen auf Wissen, Einstellungen oder Empathie. Andere Untersuchungen liefern uneinheitliche Ergebnisse oder weisen sogar auf unerwünschte Effekte hin.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidende Kritik betrifft jedoch einen Anspruch, der über diese Befunde hinausgeht: die Behauptung, eine Simulation ermögliche es, selbst zu erfahren, wie Menschen das Altsein oder das Leben mit Demenz erleben. Dafür fehlt eine hinreichende wissenschaftliche Grundlage.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bildungsträger und Veranstalter sollten deshalb sorgfältig unterscheiden, was solche Angebote tatsächlich vermitteln können und welche Schlussfolgerungen wissenschaftlich nicht gedeckt sind. <strong>Denn zwischen der Erfahrung, wie ich mich unter bestimmten Bedingungen fühle, und dem Wissen, wie ein anderer Mensch sein Leben erlebt, liegt ein erheblicher Unterschied.</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Grenze sollten wir gerade dann respektieren, wenn wir Verständnis und Empathie fördern wollen.</p>



<div style="height:53px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:65px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen &amp; Weiterführendes<br><br>Gerhardy, T. H., Schlomann, A., Wahl, H.-W. &amp; Schmidt, L. I. (2022). <a href="https://doi.org/10.1007/s10433-022-00722-1">Effects of age simulation suits on psychological and physical outcomes: a systematic review</a>. <em>European Journal of Ageing</em>, 19, 953–976. Systematische Übersichtsarbeit mit 26 Studien.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Söylemez, B. A., Özgül, E., Akyol, M. A. &amp; Küçükgüçlü, Ö. (2024). <a href="https://doi.org/10.1016/j.nepr.2024.103990">Effectiveness of the aged simulation suit on undergraduate nursing students&#8216; attitudes and empathy toward older adults: A systematic review and meta-analysis</a>. <em>Nurse Education in Practice</em>, 77, 103990.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schmidt, L. I. et al. (2023). <a href="https://doi.org/10.1007/s10433-023-00793-8">“If this is what it means to be old…”: a mixed methods study on the effects of age simulation on views on aging and perceptions of age-related impairments</a>. <em>European Journal of Ageing</em>, 20, Artikel 47.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Laurentius, T. et al. (2022). <a href="https://doi.org/10.1186/s11556-022-00298-w">Spatiotemporal gait parameters in young individuals wearing an age simulation suit compared to healthy older individuals</a>. <em>European Review of Aging and Physical Activity</em>, 19, Artikel 29.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jones, C., Jones, D. &amp; Moro, C. (2021). <a href="https://doi.org/10.1136/bmjopen-2021-053616">Use of virtual and augmented reality-based interventions in health education to improve dementia knowledge and attitudes: an integrative review</a>. <em>BMJ Open</em>, 11, e053616.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Huang, Y. et al. (2024). <a href="https://doi.org/10.1111/inm.13240">Virtual reality-based simulation intervention for enhancing the empathy of informal caregivers of people with dementia: A mixed-methods systematic review</a>. <em>International Journal of Mental Health Nursing</em>, 33, 241–258.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Li, X., Li, Q., Sun, K. &amp; Conklin, R. (2026). <a href="https://doi.org/10.1093/her/cyag003">Mapping the evidence on virtual reality for dementia caregivers: a scoping review</a>. <em>Health Education Research</em>, 41(2). Übersichtsarbeit mit 17 Studien.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Matsumoto, H., Igarashi, A., Takaoka, M. &amp; Yoshioka-Maeda, K. (2026). <a href="https://doi.org/10.1080/02701960.2026.2623601">Comparing the efficacy of content and media for online dementia education: A five-arm randomized controlled trial</a>. <em>Gerontology &amp; Geriatrics Education</em>.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Adewuyi, M., Morales, K. &amp; Lindsey, A. (2022). <a href="https://doi.org/10.1016/j.nepr.2022.103351">Impact of experiential dementia care learning on knowledge, skills and attitudes of nursing students: A systematic literature review</a>. <em>Nurse Education in Practice</em>, 62, 103351.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Merizzi, A. (2018). <a href="https://doi.org/10.1108/QAOA-11-2017-0042">Virtual Dementia Tour®: limitations and ethics</a>. <em>Quality in Ageing and Older Adults</em>, 19(2), 146–155.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Internationale Praxisbeispiele</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dementia Australia: <a href="https://www.dementia.org.au/professionals/professional-development-and-training/enabling-edie-virtual-reality-dementia">Enabling EDIE – Virtual Reality Dementia Experience</a>. VR-gestütztes Fortbildungsangebot mit angeleiteter Reflexion und personenzentrierten Unterstützungsstrategien.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Alzheimer’s Research UK: <a href="https://www.alzheimersresearchuk.org/campaigns/awtd/">A Walk Through Dementia</a>. Virtual-Reality-Angebot, das unter Beteiligung von Menschen mit unterschiedlichen Demenzformen entwickelt wurde.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/10/demenzparcours-alterssimulation/">Kann man Alter oder Demenz simulieren? Was Altersanzüge und Demenzparcours wirklich vermitteln – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<item>
		<title>36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 23:18:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost und West längst nicht in allen Lebensbereichen verschwunden. Auch bei Pflege und Demenz zeigen aktuelle Daten regionale Muster. Manche Unterschiede&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/">36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost und West längst nicht in allen Lebensbereichen verschwunden. Auch bei Pflege und Demenz zeigen aktuelle Daten regionale Muster. Manche Unterschiede sind deutlich, andere erstaunlich klein – und nicht für jede naheliegende Frage gibt es überhaupt belastbare Daten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Blick auf die Häufigkeit von Demenzerkrankungen, häusliche Pflege und die Bezahlung von Altenpflegeprofis zeigt vor allem eines: ein einfaches „Ost gegen West“ wird der Wirklichkeit selten gerecht.  </p>



<h2 class="wp-block-heading">Bei Demenz zeigt sich weiterhin ein Ost-West-Muster</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders interessant sind aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts. Auf Grundlage von Krankenkassen-Routinedaten wurde untersucht, wie häufig diagnostizierte Demenzerkrankungen regional auftreten. Für das Jahr 2022 ergibt sich eine administrative Demenzprävalenz von 2,8 Prozent bei Menschen ab 40 Jahren. Bei den über 65-Jährigen waren es 6,9 Prozent.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="border-left: 4px solid #2f5f8f; background: #f3f7fa; padding: 16px 18px; margin: 20px 0;">
  <strong>Wichtig zur Einordnung:</strong><br><br>
  Die Formulierung „höhere Demenzprävalenz im Osten“ ist erklärungsbedürftig. Gemessen wurde eine <em>administrative Prävalenz</em>: Grundlage sind ärztlich dokumentierte Diagnosen in Krankenkassendaten. Menschen mit einer nicht erkannten oder nicht dokumentierten Demenz tauchen darin nicht auf.
</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei fällt die regionale Verteilung auf: Das RKI beschreibt ein klares Muster mit höheren Prävalenzen in Ostdeutschland und im Osten Bayerns. Höhere Werte finden sich allerdings auch in Teilen des Ruhrgebiets und des Saarlands. Es gibt also keine scharfe Grenze, an der die Demenzhäufigkeit plötzlich von „West“ zu „Ost“ wechselt. Entscheidend ist ein weiterer Punkt: Bei der Analyse wurden regionale Unterschiede der Altersstruktur berücksichtigt. Das Ost-West-Muster lässt sich daher nicht einfach damit erklären, dass in ostdeutschen Regionen mehr ältere Menschen leben. Die Prävalenz wurde auf Grundlage von Routinedaten geschätzt und unter anderem hinsichtlich Alter, Geschlecht und Morbidität adjustiert.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ist Demenz im Osten häufiger?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Darauf geben die Daten keine einfache Antwort. Aus der Untersuchung lässt sich insbesondere <strong>nicht</strong> ableiten, dass das Leben in Ostdeutschland selbst ein Demenzrisiko darstellt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als Einflussfaktoren kommen grundsätzlich unterschiedliche gesundheitliche, soziale und versorgungsbezogene Bedingungen infrage – etwa die Verteilung kardiovaskulärer Risikofaktoren, Sozialstruktur, Gesundheitsverhalten oder Unterschiede bei Diagnostik und Versorgung. Welchen Anteil einzelne Faktoren am beobachteten regionalen Muster haben, lässt sich aus den Daten jedoch nicht bestimmen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist zugleich die Entwicklung über die Zeit: Zwischen 2017 und 2022 ging die altersstandardisierte Prävalenz von Demenzerkrankungen leicht zurück. Wegen der Alterung der Bevölkerung ist dennoch mit einer steigenden absoluten Zahl von Menschen mit Demenz zu rechnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was wir über Demenz in Ost und West nicht wissen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Naheliegend wäre nun die Frage, ob sich auch die Versorgung von Menschen mit Demenz systematisch unterscheidet. Werden sie im Osten häufiger zu Hause versorgt? Leben sie häufiger im Pflegeheim? Gibt es Unterschiede beim Schweregrad der Erkrankung oder bei der Verteilung verschiedener Demenzformen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für solche direkten Ost-West-Vergleiche liegen mir derzeit keine entsprechend belastbaren aktuellen Daten vor, die sich für eine einfache Gegenüberstellung eignen. Auch Pflegegrade als &#8222;Messgröße&#8220; können diese Lücke nicht schließen. Ein Pflegegrad beschreibt schließlich den Grad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und nicht etwa den Schweregrad einer Demenzerkrankung oder deren Vorhandensein an sich.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für einen Vergleich lohnt deshalb ein Blick auf die Pflege insgesamt. Diese Daten sind nicht demenzspezifisch, beschreiben aber den Versorgungsrahmen, in dem auch viele Menschen mit Demenz leben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Häusliche Pflege: Im Osten häufiger ausschließlich Pflegegeld</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Wissenschaftliche Institut der AOK befragte im Herbst 2025 bundesweit 1.490 Menschen, die als Hauptpflegepersonen einen Angehörigen mit anerkanntem Pflegegrad zu Hause versorgen. Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In Ostdeutschland gaben 65,5 Prozent der Befragten an, ausschließlich Pflegegeld zu beziehen. In Westdeutschland waren es 52,2 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine reine Pflegegeldversorgung bedeutet in der Regel, dass die Pflege überwiegend privat organisiert wird und keine regulären ambulanten Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen in Anspruch genommen werden. Die Zahlen dürfen jedoch nicht unmittelbar auf Menschen mit Demenz übertragen werden. Die Untersuchung umfasst häusliche Pflege insgesamt. Bei 15,7 Prozent der in der Befragung gepflegten Personen wurde eine Demenz angegeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verhinderungspflege wird im Westen häufiger genutzt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Verhinderungspflege zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Unter den Befragten mit einer ausschließlichen Pflegegeldversorgung nahmen in Westdeutschland 41,0 Prozent Verhinderungspflege in Anspruch. In Ostdeutschland waren es 26,9 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Verhinderungspflege soll Angehörige zeitweise entlasten, wenn sie die Pflege etwa wegen Krankheit, Urlaub oder aus anderen Gründen vorübergehend nicht übernehmen können. Warum das Angebot im Osten in dieser Gruppe deutlich seltener genutzt wurde, lässt sich aus der Untersuchung nicht beantworten. Unterschiedliche Versorgungsstrukturen, sozioökonomische Bedingungen oder historisch gewachsene Pflegearrangements können eine Rolle spielen, ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang ist damit jedoch nicht belegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessant ist außerdem: Bei der Intensität der Pflege zeigt sich kaum ein Unterschied. 64,1 Prozent der ostdeutschen und 63,1 Prozent der westdeutschen Befragten waren täglich in die Versorgung eingebunden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Altenpflegeprofis: Die Lohnlücke besteht noch</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Bezahlung gibt es noch einen Ost-West-Unterschied. Vollzeitbeschäftigte Altenpflegefachkräfte verdienten 2024 im Median 4.189 Euro brutto im Westen und 4.024 Euro im Osten – eine Differenz von 165 Euro beziehungsweise knapp vier Prozent. Bei Altenpflegehilfskräften betrug der Abstand 141 Euro. Die Lohnlücke besteht damit weiter, fällt in der Altenpflege aber vergleichsweise gering aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine zwei &#8222;Pflegewelten&#8220; – aber messbare Unterschiede</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">36 Jahre nach der Wiedervereinigung lassen sich in Pflege und Demenz also noch regionale Unterschiede erkennen. Für die Demenz ist vor allem der Befund bemerkenswert, dass sich auch nach Berücksichtigung der Altersstruktur ein höheres regionales Prävalenzniveau in Ostdeutschland zeigt. Warum dieses Muster besteht, lässt sich bislang nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der häuslichen Pflege zeigen aktuelle Befragungsdaten ebenfalls Unterschiede: Im Osten berichten Angehörige häufiger von Pflegearrangements mit ausschließlichem Pflegegeld, während Verhinderungspflege in dieser Gruppe deutlich seltener genutzt wird. Diese Zahlen betreffen allerdings die Pflege insgesamt und dürfen nicht als demenzspezifische Befunde verstanden werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Bezahlung von Altenpflegekräften ist die frühere Grenze noch messbar – allerdings deutlich schwächer als in vielen anderen Bereichen des Arbeitsmarktes. Die Daten zeigen damit keine zwei völlig unterschiedlichen Pflegesysteme. Sie zeigen aber, dass regionale Unterschiede auch dreieinhalb Jahrzehnte nach der deutschen Einheit noch vorhanden sind – und dass genaueres Hinsehen häufig mehr erklärt als ein einfacher Vergleich von Ost und West.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Robert Koch-Institut (2025): „Demenzerkrankungen – Prävalenz, Trends und regionale Verteilung in Deutschland. Eine Auswertung auf Basis von GKV-Routinedaten.“ Journal of Health Monitoring 2025. DOI: 10.25646/13078.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaftliches Institut der AOK – WIdO (2026): „Zur Lage pflegender Angehöriger – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede.“ WIdOmonitor 1/2026.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – IAB (2025): „Entgelte von Pflegekräften 2024.“ Auswertung der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/">36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Nach dem Krankenhaus: Was Pflegefachpersonen prüfen und dokumentieren müssen</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/21/nach-dem-krankenhaus-was-pflegefachpersonen-pruefen-und-dokumentieren-muessen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Sep 2026 20:13:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[ambulante pflege]]></category>
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		<category><![CDATA[demenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Qualitätsprüfungs-Richtlinien]]></category>
		<category><![CDATA[stationäre pflege]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Krankenhausaufenthalt endet pflegefachlich nicht mit der Rückkehr ins Pflegeheim oder nach Hause. Gerade bei Menschen mit Demenz können sich innerhalb weniger Tage Mobilität, Selbstversorgung, Aufmerksamkeit, Nahrungsaufnahme, Medikation oder die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/21/nach-dem-krankenhaus-was-pflegefachpersonen-pruefen-und-dokumentieren-muessen/">Nach dem Krankenhaus: Was Pflegefachpersonen prüfen und dokumentieren müssen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Krankenhausaufenthalt endet pflegefachlich nicht mit der Rückkehr ins Pflegeheim oder nach Hause. Gerade bei Menschen mit Demenz können sich innerhalb weniger Tage Mobilität, Selbstversorgung, Aufmerksamkeit, Nahrungsaufnahme, Medikation oder die individuelle Risikosituation verändern.<br></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="819" height="1024" src="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/Grafik1ZahlenKHDemenz-819x1024.png" alt="" class="wp-image-3821" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/Grafik1ZahlenKHDemenz-819x1024.png 819w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/Grafik1ZahlenKHDemenz-240x300.png 240w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/Grafik1ZahlenKHDemenz-768x960.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/Grafik1ZahlenKHDemenz.png 1122w" sizes="(max-width: 819px) 100vw, 819px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Deshalb reicht es nicht, Entlassungsbrief und Medikamentenplan entgegenzunehmen und anschließend die bisherige Versorgung fortzusetzen. Nach der Rückkehr muss geklärt werden: Was ist noch wie vorher – und was hat sich verändert? Aus aktuellem Anlass der mit reichlich Ärger und auch womöglich vermeidbarem Leid verbunden war ein Artikel zum Thema Rückkehr nach dem Krankenhausaufenthalt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Denn auch die Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR) nehmen diese Schnittstelle ausdrücklich in den Blick. Krankenhausaufenthalte gehören für viele Menschen mit Demenz zur Versorgungsrealität. Rechnerisch kommen auf 100 Menschen mit Demenz rund 90 Krankenhausaufenthalte pro Jahr. Das bedeutet natürlich nicht, dass 90 von 100 Betroffenen jedes Jahr ins Krankenhaus kommen: Manche Menschen werden mehrfach aufgenommen, andere gar nicht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bis 2040 könnte die Zahl der Krankenhausfälle mit Demenz nach der Projektion des BARMER Krankenhausreports von 1,04 Millionen auf rund 1,36 Millionen steigen.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigste Frage nach der Rückkehr: Was ist jetzt anders?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Herr M. hat im Krankenhaus stark abgebaut.“ &#8211; ehrlich, liebe Kolleginnen und Kollegen: welche Information bietet das? Auch schon gefunden: &#8222;Kam völlig verändert aus dem KH zurück.&#8220;.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Klar, ein solcher Satz fällt im Pflegealltag schnell. Ganz kurz die nächste Schicht auf eine veränderte Lage hinweisen &#8211; okay. Aber das hilft für die weitere Versorgung wirklich nur sehr begrenzt, oder? Pflegefachlich entscheidend ist der konkrete Vergleich mit dem Zustand vor dem Krankenhausaufenthalt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bsp.: vor der Einweisung ging Herr M. mit seinem Rollator selbstständig vom Zimmer in den Speiseraum. Nach der Rückkehr benötigt er Unterstützung beim Aufstehen und Begleitung über die gesamte Gehstrecke.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Erst ein solcher Vergleich macht sichtbar, wo neuer Unterstützungs-, Beobachtungs- oder Abklärungsbedarf entstanden ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">In der stationären Pflege verlangt die QPR eine erneute Einschätzung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für vollstationäre Pflegeeinrichtungen ist die Überleitung bei Krankenhausaufenthalten ein eigener Qualitätsaspekt der QPR. Bei Bewohnerinnen und Bewohnern, die innerhalb der vergangenen sechs Monate im Krankenhaus behandelt wurden, wird unter anderem geprüft, ob nach der Rückkehr die Bedarfseinschätzung aktualisiert und die Maßnahmenplanung bei Bedarf angepasst wurde.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Unmittelbar nach der Rückkehr soll beurteilt werden,</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">ob sich der Pflegebedarf verändert hat,</li>



<li class="has-medium-font-size">ob sich die Risikosituation verändert hat,</li>



<li class="has-medium-font-size">ob die individuelle Maßnahmenplanung angepasst werden muss und</li>



<li class="has-medium-font-size">ob notwendige Folgetermine beziehungsweise die Information behandelnder Ärztinnen oder Ärzte organisiert wurden.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine feste Frist von beispielsweise 24 Stunden nennen die QPR hierfür nicht. Die Formulierung „unmittelbar nach Rückkehr“ macht jedoch deutlich, dass erkennbare Veränderungen zeitnah aufgegriffen werden müssen, nicht irgendwann wenn die Pflegeplanung gerade turnusgemäß überarbeitet werden soll.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zum neuen Assessment gehört auch körperliches Hinschauen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die QPR schreiben nach einer Krankenhausrückkehr keine standardisierte Ganzkörperuntersuchung vor. Die geforderte erneute Einschätzung des Pflegebedarfs und der Risiken kann jedoch eine gezielte körperliche Einschätzung notwendig machen. Das gilt beispielsweise bei neuer Immobilität, Schmerzen, Wunden oder Hämatomen, Ödemen, Atemproblemen oder neu hinzugekommenen Kathetern, Verbänden und anderen Versorgungen. Auch Mobilität und Transfers lassen sich nicht allein aus dem Entlassungsbrief beurteilen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Menschen mit Demenz reicht zudem eine reine Befragung häufig nicht aus. Beschwerden können möglicherweise nicht zuverlässig benannt oder Veränderungen nicht selbst eingeordnet werden. Beobachtung und – soweit erforderlich und von der Person akzeptiert – gezielte körperliche Inspektion gehören dann zur pflegefachlichen Einschätzung. Eine besondere „Ganzkörperkontrolle nach Krankenhausaufenthalt“ schreiben die QPR also nicht vor. Die Erhebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarfs gehört nach § 4 Pflegeberufegesetz jedoch ausdrücklich zu den vorbehaltenen Aufgaben von Pflegefachpersonen. Wie umfassend dabei körperlich eingeschätzt werden muss, richtet sich nach dem aktuellen Zustand und den erkennbaren Risiken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Anpassungen ausbleiben, wird es zum Qualitätsproblem</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die QPR unterscheiden zwischen verspäteter Dokumentation und einer tatsächlich fehlenden Reaktion auf veränderten Pflegebedarf. Wird eine notwendige Anpassung zwar umgesetzt, aber erst später dokumentiert, kann dies als Auffälligkeit ohne erwartbare negative Folgen bewertet werden. Bleibt die Maßnahmenplanung trotz verändertem Bedarf unverändert, liegt dagegen ein Defizit mit Risiko negativer Folgen vor. Wird auch die tatsächliche Versorgung nicht angepasst, können bereits negative Folgen eingetreten sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Entscheidend ist also nicht die Menge der Dokumentation, sondern dass Veränderungen erkannt und in die Versorgung übernommen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auch ambulant ist die Krankenhausrückkehr Prüfthema</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die seit 30. Juli 2026 geltenden QPR für ambulante Pflegedienste erfassen die Rückkehr aus dem Krankenhaus im Qualitätsaspekt „Aufnahmemanagement“. Bei einer Wiederaufnahme müssen die wesentlichen Informationen zur aktuellen Pflegesituation erhoben und für die weitere Versorgung berücksichtigt werden. Dazu gehören insbesondere aktuelle Einschränkungen, Ressourcen und Fähigkeiten, die Sicht der betroffenen Person beziehungsweise ihrer An- und Zugehörigen sowie relevante Angaben zu Diagnosen, Medikation, Folgen der Krankenhausbehandlung und anderen beteiligten Versorgern.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade ambulant muss zusätzlich geprüft werden, ob die bisherige Versorgung zu Hause unter den veränderten Bedingungen noch ausreicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht alles neu schreiben – aber Veränderungen nachvollziehbar erfassen</h2>



<div style="
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  margin: 28px 0;
  padding: 26px 28px;
  background: #f5f8f9;
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  <div style="
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    margin-bottom: 6px;
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  ">
    Nach der Rückkehr konkret prüfen
  </div>

  <div style="
    margin-bottom: 22px;
    color: #5d686b;
    line-height: 1.5;
  ">
    Die wichtigsten Punkte für die pflegefachliche Einschätzung nach einem Krankenhausaufenthalt:
  </div>


  <div style="display: grid; gap: 12px;">

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Unterlagen</strong><br>
        Sind Entlassungsbrief, Befunde, Verordnungen und Nachsorgetermine vorhanden?
      </div>
    </div>

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Medikation</strong><br>
        Was wurde neu angesetzt, abgesetzt, anders dosiert oder nur vorübergehend verordnet?
      </div>
    </div>

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Kognition und Aufmerksamkeit</strong><br>
        Bestehen neue Verwirrtheit, Unaufmerksamkeit, Schläfrigkeit, Unruhe oder deutliche Schwankungen?
      </div>
    </div>

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Mobilität</strong><br>
        Haben sich Aufstehen, Transfer oder Gehen verändert?
      </div>
    </div>

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Essen und Trinken</strong><br>
        Haben sich Selbstständigkeit, Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme, Kauen oder Schlucken verändert?
      </div>
    </div>

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Schmerzen und Beschwerden</strong><br>
        Gibt es neue oder verstärkte Schmerzen, Fieber, Atemnot oder andere Auffälligkeiten?
      </div>
    </div>

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Ausscheidung</strong><br>
        Bestehen Veränderungen bei Kontinenz, Miktion oder Stuhlgang?
      </div>
    </div>

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Selbstversorgung</strong><br>
        Wird mehr Unterstützung bei Körperpflege, Ankleiden oder Toilettengang benötigt?
      </div>
    </div>

    <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; padding:12px 14px; background:#ffffff; border-radius:5px;">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Neue Versorgungserfordernisse</strong><br>
        Gibt es neue Wunden, Katheter, ein Stoma, Hilfsmittel oder andere medizinisch-pflegerische Anforderungen?
      </div>
    </div>

    <div style="
      display:flex;
      gap:12px;
      align-items:flex-start;
      padding:14px;
      background:#e8f1f3;
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    ">
      <div style="font-size:1.25em; color:#3f7f8d;">☐</div>
      <div>
        <strong>Konsequenzen</strong><br>
        Was muss abgeklärt, weitergegeben oder in der Maßnahmenplanung verändert werden?
      </div>
    </div>

  </div>

</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dokumentiert werden sollten vor allem konkrete Veränderungen gegenüber dem Zustand vor dem Krankenhausaufenthalt. Pauschale Formulierungen wie „deutlich abgebaut“, „verwirrter“ oder „Mobilität schlechter“ helfen dabei wenig. Aussagekräftiger ist eine Beschreibung dessen, was aktuell nicht mehr, anders oder nur mit zusätzlicher Unterstützung möglich ist.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei gilt nicht: Jede fehlende Einzelangabe ist automatisch ein Pflegefehler. Die QPR bewerten auch, ob relevante Informationen vorlagen und angemessen auf den tatsächlichen Bedarf reagiert wurde. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn wesentliche Veränderungen nicht erfasst werden und deshalb keinen Eingang in Planung und Versorgung finden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auch das Krankenhaus trägt Verantwortung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Krankenhäuser sind nach § 39 Abs. 1a SGB V zu einem Entlassmanagement verpflichtet. Ziel ist ein möglichst nahtloser Übergang in die medizinische, rehabilitative oder pflegerische Anschlussversorgung. Fehlen nach der Rückkehr dennoch Informationen, die für eine sichere Versorgung notwendig sind, müssen Pflegefachpersonen diese Lücke erkennen und eine Klärung anstoßen. Die Verantwortung für ein unvollständiges Entlassmanagement liegt damit nicht allein bei Pflegeheim oder Pflegedienst – die sichere Weiterführung der Pflege darf daran aber ebenfalls nicht scheitern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nach dem Krankenhaus beginnt nicht einfach wieder die alte Pflege</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Rückkehr ist ein pflegefachlicher Übergang. Neu beurteilt werden müssen Pflegebedarf, Risiken, erhaltene Fähigkeiten und möglicher weiterer Abklärungsbedarf. Ebenso muss geprüft werden, ob die bisherige Maßnahmenplanung die aktuelle Situation noch abbildet. Gerade bei Menschen mit Demenz sollte deshalb nicht bei der Feststellung stehen geblieben werden, jemand habe „im Krankenhaus abgebaut“. Die entscheidende Frage lautet:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Was konnte dieser Mensch vor dem Krankenhausaufenthalt – und was braucht er jetzt? Aus diesem Vergleich ergeben sich die nächsten pflegerischen Schritte.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen &amp; weitere Infos</p>



<p class="wp-block-paragraph">BARMER: Krankenhausreport 2025 – Demenzerkrankungen in Deutschland.<br><a href="https://www.barmer.de/resource/blob/1402256/0c434f16f2c20c0f2204e4d7d58566c9/dl-krankenhausreport-2025-data.pdf">https://www.barmer.de/resource/blob/1402256/0c434f16f2c20c0f2204e4d7d58566c9/dl-krankenhausreport-2025-data.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Medizinischer Dienst Bund: Qualitätsprüfungs-Richtlinien für die vollstationäre Pflege, insbesondere Qualitätsaspekt 4.2 „Überleitung bei Krankenhausaufenthalten“.<br><a href="https://md-bund.de/richtlinien-publikationen/richtlinien/grundlagen-fuer-begutachtungen-und-qualitaetspruefungen/qualitaetspruefungen.html">https://md-bund.de/richtlinien-publikationen/richtlinien/grundlagen-fuer-begutachtungen-und-qualitaetspruefungen/qualitaetspruefungen.html</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Medizinischer Dienst Bund: Qualitätsprüfungs-Richtlinien ambulante Pflege Teil 1a – Ambulante Pflegedienste, gültig ab 30. Juli 2026, insbesondere Qualitätsaspekt 1.1 „Aufnahmemanagement“.<br><a href="https://md-bund.de/richtlinien-publikationen/pflegequalitaet/qualitaetspruefungen-rechtliche-grundlagen-ambulante-pflegedienste.html">https://md-bund.de/richtlinien-publikationen/pflegequalitaet/qualitaetspruefungen-rechtliche-grundlagen-ambulante-pflegedienste.html</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Pflegeberufegesetz, § 4: Vorbehaltene Aufgaben.<br><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/pflbg/__4.html">https://www.gesetze-im-internet.de/pflbg/__4.html</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bundesministerium für Gesundheit: Entlassmanagement nach § 39 Abs. 1a SGB V.<br><a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/entlassmanagement">https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/entlassmanagement</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/21/nach-dem-krankenhaus-was-pflegefachpersonen-pruefen-und-dokumentieren-muessen/">Nach dem Krankenhaus: Was Pflegefachpersonen prüfen und dokumentieren müssen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Mythos Gedächtnistraining: Was lässt sich bei Demenz wirklich trainieren?</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/13/mythos-gedaechtnistraining-was-laesst-sich-bei-demenz-wirklich-trainieren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 18:27:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivierung bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagskompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzpflege]]></category>
		<category><![CDATA[demenzprävention]]></category>
		<category><![CDATA[demenztherapie]]></category>
		<category><![CDATA[fehlerfreies Lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Gedächtnisleistung]]></category>
		<category><![CDATA[Gedächtnistraining]]></category>
		<category><![CDATA[kognitive Fähigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[kognitive Rehabilitation]]></category>
		<category><![CDATA[kognitive Stimulation]]></category>
		<category><![CDATA[kognitives Training]]></category>
		<category><![CDATA[Lernen bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[neurodegenerative Erkrankungen]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Spaced Retrieval]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rätsel lösen, Wortlisten merken, Sprichwörter ergänzen, Bilder zuordnen oder sich Namen einprägen: Angebote zum „Gedächtnistraining“ für Menschen mit Demenz gibt es in großer Zahl. Daneben gibt es Kurse, Arbeitsmaterialien, Apps,&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/13/mythos-gedaechtnistraining-was-laesst-sich-bei-demenz-wirklich-trainieren/">Mythos Gedächtnistraining: Was lässt sich bei Demenz wirklich trainieren?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Rätsel lösen, Wortlisten merken, Sprichwörter ergänzen, Bilder zuordnen oder sich Namen einprägen: Angebote zum „Gedächtnistraining“ für Menschen mit Demenz gibt es in großer Zahl. Daneben gibt es Kurse, Arbeitsmaterialien, Apps, spezielle Trainingsprogramme und natürlich unzählige Bücher und Webseiten. Viele kommerzielle Anbieter schüren mit falschen Heilsversprechen dabei falsche Hoffnungen bei Betroffenen und Angehörigen, obwohl die wissenschaftliche Faktenlage sehr viel nüchterner ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was kann ein solches Training tatsächlich bewirken?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Antwort ist komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein zum Thema. Denn Menschen mit Demenz können durchaus von kognitivem Training und kognitiver Stimulation profitieren. Sie können sogar neue Informationen und Handlungen lernen. Problematisch wird es dort, wo daraus wesentlich weitergehende Versprechen abgeleitet werden und unwahre Behauptungen aufgestellt werden: Das Gedächtnis werde durch regelmäßiges Üben allgemein wieder leistungsfähiger, Rätseln übertrage sich automatisch auf die Merkfähigkeit im Alltag oder eine bestehende Demenzerkrankung könne durch „Gehirntraining“ aufgehalten werden.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background:#f4f7f1; border-left:5px solid #6f8f63; padding:18px 20px; margin:24px 0; border-radius:6px;">
  <p style="margin:0 0 8px 0; font-weight:700; font-size:1.1em;">
    Der entscheidende Punkt
  </p>

  <p style="margin:0;">
    Menschen mit Demenz können weiterhin lernen. Kognitives Training und kognitive Stimulation können bei leichter bis mittelschwerer Demenz messbare positive Effekte haben. Das bedeutet aber nicht, dass ein durch eine neurodegenerative Erkrankung beeinträchtigtes Gedächtnis durch Übung einfach wieder „fit trainiert“ werden kann.
  </p>
</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Das Gedächtnis ist kein Muskel</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hinter vielen Vorstellungen vom Gedächtnistraining steckt ein eingängiges Bild: So wie ein Muskel durch regelmäßige Belastung kräftiger wird, müsse auch das Gedächtnis durch regelmäßiges Training leistungsfähiger werden. Für eine Demenzerkrankung greift diese Vorstellung jedoch zu kurz.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der Alzheimer-Krankheit und anderen neurodegenerativen Erkrankungen bestehen krankhafte Veränderungen des Gehirns. Kognitives Training beseitigt diese zugrunde liegende Erkrankung nicht. Das bedeutet keineswegs, dass das Gehirn nicht mehr lernfähig wäre oder Training wirkungslos sein müsste. Aber hier ist Präzision wichtig:</p>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie Demenzen schlägt kognitives Training bei Menschen mit leichter und mittelschwerer Demenz ausdrücklich vor. Grundlage ist unter anderem eine Metaanalyse von 33 Studien: Gegenüber Kontrollbedingungen zeigte sich ein moderater Effekt auf Maße der allgemeinen Kognition. Gleichzeitig bewertet die Leitlinie die Vertrauenswürdigkeit dieser <strong>Evidenz nur als niedrig</strong>. Gegenüber anderen aktiven Interventionen ließ sich zudem <strong>keine sichere Überlegenheit</strong> des kognitiven Trainings nachweisen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Gedächtnistraining wirkt überhaupt nicht“ wäre deshalb ebenso falsch wie „Gedächtnistraining macht das Gedächtnis wieder fit“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was bedeutet eigentlich „Verbesserung der Kognition“?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dieser Unterschied ist entscheidend.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Menschen nach einem Trainingsprogramm bei kognitiven Tests bessere Ergebnisse erzielen, ist das zunächst ein relevanter Befund. Daraus darf aber nicht automatisch geschlossen werden, dass für sie nun sämtliche Aufgaben für die Gedächtnisleistungen im Alltag eine Rolle spielen, leichter oder besser zu bewältigen wären.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidenden Fragen lauten beispielsweise: Findet jemand wegen des Gedächtnistrainings häufiger seine verlegte Brille wieder? Erinnert er sich zuverlässiger daran, ob er seine Medikamente bereits eingenommen hat? Kann er sich besser merken, was ihm am Vormittag erzählt wurde? Wird er selbstständiger in seinem Alltag? Sowas wird beim Thema Gedächtnistraining immer wieder suggeriert. Aber genau hier wird die Studienlage wesentlich zurückhaltender.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Cochrane-Review zum kognitiven Training fand zwar kleine bis moderate positive Effekte auf die globale Kognition und beispielsweise auf die semantische Wortflüssigkeit. Für die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen, fanden die Autoren dagegen <strong>keine entsprechenden Verbesserungen</strong>. Auch gegenüber anderen aktiven Behandlungen zeigte sich keine überzeugende Überlegenheit des Trainings. Das bedeutet nicht, dass ein Transfer grundsätzlich unmöglich wäre. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es bedeutet: Aus einem Erfolg bei einer Trainingsaufgabe, beim Gedächtnistraining, darf ein allgemeiner Nutzen im Alltag nicht einfach abgeleitet werden. Und sollte dementsprechend auch nicht werblich gegenüber Betroffenen und ihren Angehörigen benutzt werden, nur um seinen Kurs oder sein Buch zu bewerben.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="576" height="1024" src="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/mythosimtext-576x1024.png" alt="" class="wp-image-3793" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/mythosimtext-576x1024.png 576w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/mythosimtext-169x300.png 169w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/mythosimtext-768x1365.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/mythosimtext-864x1536.png 864w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/mythosimtext.png 941w" sizes="(max-width: 576px) 100vw, 576px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">Menschen mit Demenz können durchaus Neues lernen</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Demenz bedeutet nicht, dass jede Form des Lernens verloren geht. Verschiedene Gedächtnis- und Lernprozesse sind unterschiedlich betroffen. Gerade bei leichter bis mittelschwerer Demenz können verbliebene Fähigkeiten gezielt genutzt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist das Spaced Retrieval: Eine konkrete Information wird zunächst nach kurzer Zeit und anschließend in zunehmend längeren Abständen wieder abgerufen. Studien zeigen, dass Menschen mit Demenz damit beispielsweise Namen-Gesicht-Zuordnungen oder andere spezifische Informationen lernen können. Wie gut sich solche Lernerfolge auf andere Situationen übertragen und wie dauerhaft sie sind, ist allerdings nicht abschließend geklärt. Auch das sogenannte fehlerfreie Lernen kann helfen, konkrete Alltagshandlungen zu erlernen oder wiederzuerlernen. Dabei wird der Lernprozess so gestaltet, dass Fehler möglichst vermieden werden. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist praktisch bedeutsam. Die Aussage lautet aber: „Dieser Mensch kann diese Information oder Handlung lernen.“ Nicht: „Sein Gedächtnis ist insgesamt besser geworden.“</p>
</div>
</div>



<div style="background:#f6f8f4; border-radius:8px; padding:20px; margin:26px 0; border:1px solid #dfe6da;">

  <p style="margin:0 0 16px 0; font-size:1.15em; font-weight:700; color:#2f4735;">
    Lernen ja – Generalisierung nicht automatisch
  </p>

  <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; margin-bottom:12px;">
    <div style="min-width:30px; height:30px; border-radius:50%; background:#dfead9; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:18px;">
      ✓
    </div>
    <div>
      Eine bestimmte Information lernen: <strong>möglich.</strong>
    </div>
  </div>

  <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; margin-bottom:12px;">
    <div style="min-width:30px; height:30px; border-radius:50%; background:#dfead9; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:18px;">
      ✓
    </div>
    <div>
      Eine konkrete Handlung wiedererlernen: <strong>möglich.</strong>
    </div>
  </div>

  <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; margin-bottom:12px;">
    <div style="min-width:30px; height:30px; border-radius:50%; background:#dfead9; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:18px;">
      ✓
    </div>
    <div>
      Bei bestimmten kognitiven Tests besser abschneiden: <strong>möglich.</strong>
    </div>
  </div>

  <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start; margin-bottom:12px;">
    <div style="min-width:30px; height:30px; border-radius:50%; background:#f4ead0; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:18px;">
      !
    </div>
    <div>
      Daraus eine allgemeine Verbesserung sämtlicher Gedächtnisleistungen ableiten:
      <strong>nicht zulässig.</strong>
    </div>
  </div>

  <div style="display:flex; gap:12px; align-items:flex-start;">
    <div style="min-width:30px; height:30px; border-radius:50%; background:#f1dddd; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:18px;">
      ×
    </div>
    <div>
      Eine bestehende Demenzerkrankung durch Übungen rückgängig machen:
      <strong>nicht belegt.</strong>
    </div>
  </div>

</div>



<h2 class="wp-block-heading">Auch „kognitive Stimulation“ ist nicht dasselbe wie klassisches Gedächtnistraining</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schon die Begriffe werden häufig vermischt. Im Alltag wird unter „Gedächtnistraining“ vieles zusammengefasst – von Wortspielen und Rechenaufgaben bis zu Musik, Biografiearbeit, Bewegung oder Gesprächen. Die Forschung unterscheidet genauer: Kognitives Training übt meist bestimmte Funktionen mit strukturierten Aufgaben. Kognitive Stimulation ist breiter angelegt und verbindet häufig geistige, soziale und kreative Aktivitäten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für kognitive Stimulation gibt es durchaus Evidenz. Ein Cochrane-Review mit 37 Studien und 2.766 Teilnehmenden fand bei leichter bis mittelschwerer Demenz wahrscheinlich kleine positive Effekte auf die Kognition sowie Hinweise auf Vorteile bei Kommunikation und sozialer Interaktion. Die Ergebnisse waren jedoch heterogen. Auch die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt kognitive Stimulation nur schwach; <strong>die Evidenz für kognitive Effekte wird als niedrig bewertet</strong>. In der zugrunde gelegten Metaanalyse zeigte sich unmittelbar nach der Intervention ein Effekt, nach einem therapiefreien Intervall jedoch kein signifikanter Effekt mehr.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist deutlich nüchterner als das Versprechen, regelmäßige Übungen würden das Gedächtnis dauerhaft stärken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Alte Lieder und Sprichwörter: wertvoll – aber weshalb?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn ein Mensch mit Demenz ein altes Lied mitsingt, ein bekanntes Sprichwort ergänzt oder lebhaft über seinen früheren Beruf erzählt, kann das beeindruckend sein. Solche Angebote können Kommunikation fördern, Erinnerungen zugänglich machen, Freude bereiten und soziale Interaktion ermöglichen. Elemente der Reminiszenz finden sich deshalb auch in Programmen zur kognitiven Stimulation. Trotzdem sollte man vorsichtig mit der Schlussfolgerung sein, dadurch sei das Gedächtnis „trainiert“ worden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dass eine lange gespeicherte Information erfolgreich abgerufen wird, beweist nicht, dass sich dadurch automatisch die Fähigkeit verbessert, heute neue Informationen aufzunehmen und später wieder abzurufen. Das sind unterschiedliche Leistungen. Der Wert einer solchen Situation wird dadurch nicht unbedingt kleiner für die Betroffenen. Im Gegenteil: Ein gemeinsames Lied muss seine Berechtigung nicht erst dadurch erhalten, dass ihm eine nicht belegte „therapeutische Wirkung auf das Gedächtnis“ zugeschrieben wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Problem mit dem „ganzheitlichen Gedächtnistraining“</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders schwierig wird die Bewertung, wenn zahlreiche Elemente miteinander kombiniert werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nehmen wir eine Gruppenstunde mit Bewegung, Musik, Gesprächen, biografischen Erinnerungen, Wortspielen und kleinen Denkaufgaben. Anschließend sind die Teilnehmenden lebhafter, kommunizieren mehr oder berichten von einer angenehmen Stunde. Das ist ein positives Ergebnis.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber wodurch ist es entstanden? War es die Bewegung? Die Aufmerksamkeit durch andere Menschen? Die soziale Interaktion? Die Musik? Das Erfolgserlebnis? Die kognitive Herausforderung? Die Kombination aus allem?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Multikomponentenangeboten kann ein positiver Gesamteffekt nicht ohne Weiteres einer einzelnen Komponente zugeschrieben werden. Gerade deshalb sollte man vorsichtig sein, wenn ein breit angelegtes Aktivierungsangebot anschließend pauschal als Beleg für die Wirksamkeit von „Gedächtnistraining“ dargestellt wird. Leider geschieht das immer wieder – meinem Erleben nach weiß es manch Anbieter häufig tatsächlich selbst nicht besser, verbreitet überzogene oder falsche Behauptungen in diesem Sinne gar nicht absichtlich, sondern ahnungslos.</p>



<div style="background:#f6f8f4; border:1px solid #dfe6da; border-radius:8px; padding:20px; margin:26px 0;">

  <p style="margin:0 0 18px 0; font-size:1.15em; font-weight:700; color:#2f4735;">
    Drei Begriffe – drei unterschiedliche Ziele
  </p>

  <div style="display:flex; gap:14px; align-items:flex-start; margin-bottom:18px;">
    <div style="min-width:42px; height:42px; border-radius:50%; background:#dfead9; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:22px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9e0.png" alt="🧠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />
    </div>
    <div>
      <div style="font-weight:700; margin-bottom:3px;">Kognitives Training</div>
      Strukturierte Übungen mit dem Ziel, bestimmte kognitive Funktionen zu trainieren.
    </div>
  </div>

  <div style="display:flex; gap:14px; align-items:flex-start; margin-bottom:18px;">
    <div style="min-width:42px; height:42px; border-radius:50%; background:#e8ead9; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:22px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4ac.png" alt="💬" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />
    </div>
    <div>
      <div style="font-weight:700; margin-bottom:3px;">Kognitive Stimulation</div>
      Breiter angelegte Aktivierung – häufig in Gruppen, mit sozialer Interaktion sowie geistigen und kreativen Aktivitäten.
    </div>
  </div>

  <div style="display:flex; gap:14px; align-items:flex-start; margin-bottom:20px;">
    <div style="min-width:42px; height:42px; border-radius:50%; background:#e6e2d3; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:22px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f3af.png" alt="🎯" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />
    </div>
    <div>
      <div style="font-weight:700; margin-bottom:3px;">Kognitive Rehabilitation</div>
      Individuelle Arbeit an konkreten Alltagszielen, die für den einzelnen Menschen wichtig sind.
    </div>
  </div>

  <div style="background:#ffffff; border-left:4px solid #6f8f63; padding:14px 16px; border-radius:5px;">
    <span style="font-size:20px; margin-right:6px;"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f50e.png" alt="🔎" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></span>
    Ein Cochrane-Review von 2023 fand gute Evidenz dafür, dass Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz bei konkret trainierten Alltagszielen bessere Leistungen erreichen können. Eine automatische Verbesserung der allgemeinen Funktionsfähigkeit folgt daraus jedoch nicht.
  </div>

</div>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtig: <strong>Prävention ist nicht Behandlung</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Erkenntnisse zur Demenzprävention auf Menschen zu übertragen, die bereits an einer Demenz erkrankt sind. Die Lancet-Kommission hat 2024 zahlreiche beeinflussbare Faktoren beschrieben, die mit dem Risiko verbunden sind, im Laufe des Lebens eine Demenz zu entwickeln. Dazu gehören beispielsweise körperliche Aktivität, soziale Isolation, Bluthochdruck, Hörverlust oder Diabetes.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Präventionsforschung beantwortet damit vor allem die Frage: Was kann dazu beitragen, das Risiko einer Demenz zu verringern?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einer bereits bestehenden Demenz lautet die Frage dagegen: Kann eine bestimmte Maßnahme die kognitiven Fähigkeiten, den Alltag oder andere Folgen der Erkrankung günstig beeinflussen? Das ist nicht dasselbe. Aus der Erkenntnis, dass körperliche, geistige oder soziale Aktivität mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein kann, folgt nicht, dass sich eine bestehende Demenz mit denselben Maßnahmen behandeln oder das Gedächtnis wieder „auftrainieren“ lässt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Allerdings sind solche Maßnahmen auch bei Menschen mit bestehender Demenz untersucht worden. Für körperliches Training sowie kognitive Stimulation und kognitives Training zeigen Studien bestimmte positive Effekte, unter anderem auf kognitive Leistungen. Wie groß und alltagsrelevant diese Effekte sind, hängt jedoch von der jeweiligen Intervention und dem untersuchten Ziel ab; die Evidenz ist nicht für alle Bereiche gleich stark. Der eigenständige Effekt sozialer Aktivität lässt sich zudem wesentlich schwerer von anderen Bestandteilen entsprechender Angebote trennen. Entscheidend ist deshalb auch hier, genau zu benennen, was nachweislich erreicht werden kann. Ein möglicher Nutzen von Bewegung, Aktivierung oder sozialer Teilhabe ist kein Beleg dafür, dass dadurch eine Demenz aufgehalten oder die allgemeine Gedächtnisleistung wiederhergestellt werden kann.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Fazit: Weniger versprechen – genauer hinschauen</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kognitives Training bei Demenz als wirkungslos abzutun, wäre nach der heutigen Studienlage nicht gerechtfertigt. Die aktuelle S3-Leitlinie sieht bei leichter bis mittelschwerer Demenz einen möglichen Nutzen und spricht eine schwache Empfehlung aus. Auch für kognitive Stimulation sind kleine positive Effekte belegt. Gleichzeitig ist die Evidenz keineswegs so stark, dass daraus weitreichende Heilungs- oder Leistungsversprechen abgeleitet werden dürften.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen messbaren Trainingseffekten, konkretem Lernen und einer Verbesserung im Alltag. Menschen mit Demenz besitzen verbliebene Lernfähigkeiten. Diese gezielt zu nutzen, kann sinnvoll und praktisch hilfreich sein.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f6f8f4; border:1px solid #dfe6da; border-radius:8px; padding:20px; margin:26px 0;">

  <p style="margin:0 0 18px 0; font-size:1.15em; font-weight:700; color:#2f4735;">
    Was kann ich von einem Angebot erwarten?
  </p>

  <div style="display:flex; gap:14px; align-items:flex-start; margin-bottom:16px;">
    <div style="min-width:42px; height:42px; border-radius:50%; background:#dcebd7; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:22px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f7e2.png" alt="🟢" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />
    </div>
    <div>
      <div style="font-weight:700; margin-bottom:3px;">Gut belegt beziehungsweise realistisch</div>
      Aktivierung, konkrete Lernerfolge, soziale Interaktion und messbare kognitive Effekte bei leichter bis mittelschwerer Demenz.
    </div>
  </div>

  <div style="display:flex; gap:14px; align-items:flex-start; margin-bottom:16px;">
    <div style="min-width:42px; height:42px; border-radius:50%; background:#f3e8c8; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:22px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f7e1.png" alt="🟡" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />
    </div>
    <div>
      <div style="font-weight:700; margin-bottom:3px;">Nicht automatisch übertragbar</div>
      Verbesserungen bei trainierten Aufgaben können sich auf andere Fähigkeiten oder den Alltag übertragen – das hängt jedoch von Intervention und Ziel ab und darf nicht einfach vorausgesetzt werden.
    </div>
  </div>

  <div style="display:flex; gap:14px; align-items:flex-start;">
    <div style="min-width:42px; height:42px; border-radius:50%; background:#f0dada; display:flex; align-items:center; justify-content:center; font-size:22px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f534.png" alt="🔴" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />
    </div>
    <div>
      <div style="font-weight:700; margin-bottom:3px;">Zu weitgehende Versprechen</div>
      Das Gedächtnis allgemein wieder „fit“ zu machen, eine Demenz rückgängig zu machen oder sie durch Rätsel und Übungen zuverlässig aufzuhalten, ist nicht belegt.
    </div>
  </div>

</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Doch ein Erfolg beim trainierten Inhalt ist noch kein Beweis dafür, dass das Gedächtnis insgesamt wieder leistungsfähiger geworden ist. Vielleicht wäre der Umgang mit dem Begriff „Gedächtnistraining“ schon gewonnen, wenn Anbieter genauer sagen würden, was sie tatsächlich erreichen wollen: aktivieren, Freude ermöglichen, soziale Kontakte fördern, bestimmte Fähigkeiten üben oder konkrete Informationen einprägen. Gerade für Menschen mit fortgeschrittener Demenz: ein Angebot muss nicht künstlich dadurch aufgewertet werden, dass man ihm eine Wirkung auf das Gedächtnis zuschreibt, die gar nicht belegt ist.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen(Auszug)</p>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">DGN/DGPPN: S3-Leitlinie Demenzen, Living Guideline, Version 6.1 vom 27. April 2026, insbesondere Empfehlungen zu kognitivem Training und kognitiver Stimulation.</li>



<li class="has-medium-font-size">Bahar-Fuchs A, Martyr A, Goh AMY et al.: Cognitive training for people with mild to moderate dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019; CD013069. <a href="https://www.cochrane.org/evidence/CD013069_cognitive-training-people-mild-moderate-dementia?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">Cochrane-Review zum kognitiven Training</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Woods B, Rai HK, Elliott E et al.: Cognitive stimulation to improve cognitive functioning in people with dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023; CD005562. <a href="https://www.cochrane.org/de/evidence/CD005562_can-cognitive-stimulation-benefit-people-dementia?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">Cochrane-Review zur kognitiven Stimulation</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Kudlicka A, Martyr A, Bahar-Fuchs A et al.: Cognitive rehabilitation for people with mild to moderate dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023; CD013388. <a href="https://www.cochrane.org/de/evidence/CD013388_what-are-benefits-and-risks-cognitive-rehabilitation-people-mild-moderate-dementia?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">Cochrane-Review zur kognitiven Rehabilitation</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Oren S, Willerton C, Small J: Effects of spaced retrieval training on semantic memory in Alzheimer&#8217;s disease: a systematic review. 2014. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24023380/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">PubMed-Eintrag zu Spaced Retrieval</a></li>



<li class="has-medium-font-size">de Werd MME, Boelen D, Rikkert MGMO, Kessels RPC: Errorless learning of everyday tasks in people with dementia. Clinical Interventions in Aging. 2013. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24049443/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">PubMed-Eintrag zu Errorless Learning</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Livingston G, Huntley J, Liu KY et al.: Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet 2024;404:572–628. DOI 10.1016/S0140-6736(24)01296-0. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39096926/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">PubMed-Eintrag zum Lancet-Bericht 2024</a></li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/13/mythos-gedaechtnistraining-was-laesst-sich-bei-demenz-wirklich-trainieren/">Mythos Gedächtnistraining: Was lässt sich bei Demenz wirklich trainieren?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>4. Bayerischer Fachtag „Demenz im Krankenhaus“ am 24. November 2026</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 08:50:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie können Krankenhäuser demenzsensibler werden – und warum ist das nicht nur eine Frage guter Versorgung, sondern auch eine Investition in die Zukunft? Unter dem Titel „Das demenzsensible Krankenhaus –&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/10/4-bayerischer-fachtag-demenz-im-krankenhaus-am-24-november-2026/">4. Bayerischer Fachtag „Demenz im Krankenhaus“ am 24. November 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie können Krankenhäuser demenzsensibler werden – und warum ist das nicht nur eine Frage guter Versorgung, sondern auch eine Investition in die Zukunft?</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="1024" src="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/bayrdemenztag-819x1024.png" alt="" class="wp-image-3780" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/bayrdemenztag-819x1024.png 819w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/bayrdemenztag-240x300.png 240w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/bayrdemenztag-768x960.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/bayrdemenztag.png 1122w" sizes="auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Titel „Das demenzsensible Krankenhaus – eine Investition in die Zukunft“ findet am 24. November 2026 der 4. Bayerische Fachtag Demenz im Krankenhaus statt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte und Verantwortliche, die sich mit der Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus beschäftigen. <br><br>Der Fachtag findet von 10:00 bis 16:20 Uhr im Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck statt und kann auch hybrid besucht werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Teilnahme ist kostenfrei.<br><br>Termin: 24. November 2026<br>Zeit: 10:00–16:20 Uhr<br>Ort: Veranstaltungsforum Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck / Hybrid<br>Anmeldung bis: 16. November 2026</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Anmeldung:<br><a href="https://eveeno.com/4_fachtag_demenz_im_krankenhaus">https://eveeno.com/4_fachtag_demenz_im_krankenhaus</a></p>
</div>
</div>
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		<title>Stille Aspiration bei Demenz: Wenn niemand hustet</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/08/stille-aspiration-bei-demenz-wenn-niemand-hustet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2026 18:13:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
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		<category><![CDATA[Schluckstörung]]></category>
		<category><![CDATA[Stille Aspiration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie Pflege Auffälligkeiten beim Essen und Trinken erkennen, zusammenführen und rechtzeitig weitergeben kann. Ein Mensch mit Demenz hustet beim Mittagessen mehrfach nach dem Trinken. Das fällt auf. Eine Pflegende wird&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/08/stille-aspiration-bei-demenz-wenn-niemand-hustet/">Stille Aspiration bei Demenz: Wenn niemand hustet</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie Pflege Auffälligkeiten beim Essen und Trinken erkennen, zusammenführen und rechtzeitig weitergeben kann. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Mensch mit Demenz hustet beim Mittagessen mehrfach nach dem Trinken. Das fällt auf. Eine Pflegende wird genauer hinsehen und möglicherweise eine Schluckstörung vermuten. Schwieriger wird es allerdings, wenn niemand hustet. Wenn das Offensichtliche ausbleibt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einer stillen Aspiration gelangt Speichel, Flüssigkeit oder Nahrung in die Atemwege, ohne dass die betroffene Person mit einem erkennbaren Husten- oder Räusperreflex darauf reagiert. Gerade darin liegt das Problem: Das Ausbleiben von Husten ist deshalb kein Beweis dafür, dass sicher geschluckt wird.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Menschen mit Demenz ist diese Problematik relevant. Schluckstörungen treten insbesondere in fortgeschrittenen Stadien gehäuft auf. Die deutsche S3-Leitlinie Demenzen weist ausdrücklich darauf hin, dass Dysphagien die Nahrungsaufnahme erschweren und Aspirationen mit entsprechenden medizinischen Risiken, beispielsweise einer Pneumonie, begünstigen können. Bei einem Verdacht soll eine Dysphagiediagnostik erfolgen. Eine ältere deutsche Leitlinie zur neurogenen Dysphagie nennt für Menschen mit Demenz einen Anteil von etwa 20 bis 30 Prozent mit schwerer Dysphagie und stiller, von den Betroffenen selbst nicht bemerkter Aspiration. Diese Zahl sollte nicht so verstanden werden, dass jeder vierte Mensch mit einer Demenz still aspiriert. Erkrankungsstadium, Begleiterkrankungen und untersuchte Population spielen eine erhebliche Rolle. Sie zeigt aber zumindest, dass stille Aspiration kein exotisches Phänomen ist.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.15em; font-weight: 700; margin-bottom: 12px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f441.png" alt="👁" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stille Aspiration kurz erklärt
  </div>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    <strong>Aspiration</strong> bedeutet, dass Material unterhalb der Stimmlippen in die Atemwege gelangt.
  </p>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    Bei einer <strong>stillen Aspiration</strong> fehlt eine erkennbare Schutzreaktion wie Husten oder Räuspern.
  </p>

  <p style="margin: 14px 0 6px 0;">
    <strong>Deshalb gilt:</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0 0 6px 0;">
    ➜ Kein Husten bedeutet nicht keine Aspiration.
  </p>

  <p style="margin: 0;">
    ➜ Eine stille Aspiration lässt sich durch reine Beobachtung nicht sicher ausschließen.
  </p>

</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Pflege kann eine stille Aspiration nicht „sehen“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit stellt sich für die Pflege ein scheinbares Dilemma. Wenn das entscheidende Symptom gerade darin besteht, dass die typische Reaktion ausbleibt: Worauf soll man dann achten? Die Antwort liegt früher im Prozess: Pflege kann Veränderungen erkennen, einzelne Beobachtungen miteinander verbinden und daraus einen begründeten Verdacht auf eine Schluckstörung ableiten. Das ist ein wichtiger Unterschied dazu, auf ein plötzlich auftretendes Symptom zu reagieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Menschen mit Demenz besitzt Pflege hierfür eine besondere Ausgangsposition. Pflegepersonen erleben die Betroffenen nicht nur in einer kurzen Untersuchungssituation, sondern während zahlreicher Mahlzeiten, beim Trinken zwischendurch, bei der Medikamenteneinnahme, bei der Mundpflege und zu unterschiedlichen Tageszeiten. <br>Das Problem ist allerdings offensichtlich: Selten erlebt eine einzelne Pflegeperson alle diese Situationen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das eigentliche Problem heißt Schichtwechsel</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Pflegefachperson bemerkt beim Frühstück, dass Herr Müller ungewöhnlich lange braucht. <br>Mittags stellt eine Kollegin fest, dass Nahrung in einer Wangentasche verbleibt. <br>Im Spätdienst fällt auf, dass er nach dem Trinken zeitweise anders klingt.<br>In der Nacht wird eine stärkere Verschleimung dokumentiert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jede Beobachtung für sich muss noch keine Dysphagie bedeuten. Zusammen entsteht jedoch ein Muster, das eine Abklärung notwendig macht. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob professionelle Beobachtung funktioniert: Die Informationen müssen zusammenkommen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hier könnte auch KI unterstützen: Sie könnte dokumentierte Beobachtungen aus verschiedenen Schichten zusammenführen und auf wiederkehrende Veränderungen oder auffällige Kombinationen hinweisen. Die klinische Bewertung bliebe dabei Aufgabe der Fachpersonen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Beobachtungen überhaupt konkret und strukturiert dokumentiert werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein allgemeiner Hinweis wie „beim Essen beobachten“ reicht dafür kaum aus. Erst recht nicht im Alltag unter Zeitdruck. Pflege benötigt deshalb eine definierte Logik dafür,</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">was als relevante Veränderung gilt,wann gezielt beobachtet wird,</li>



<li class="has-medium-font-size">welche Beobachtungen über Schichten weitergegeben werden,</li>



<li class="has-medium-font-size">wer die Informationen zusammenführt</li>



<li class="has-medium-font-size">und ab welchem Punkt weitere Diagnostik erforderlich wird.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht jeder Mensch muss bei jeder Mahlzeit überwacht werden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein System, bei dem Pflegende jede Mahlzeit ausführlich auf mögliche Schluckstörungen beobachten, wäre unrealistisch. Sinnvoller ist ein Trigger-System.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die S1-Leitlinie „Geriatrisches Assessment der Stufe 2“ nennt unter anderem häufiges Verschlucken, Husten nach Essen oder Trinken, veränderte Stimme, geringere Ess- und Trinkmengen, Gewichtsverlust, veränderte Kopfhaltung sowie wiederholt ungeklärte Fieberschübe und Pneumonien als mögliche Hinweise. Das RCSLT-Kompetenzmodell bezieht zusätzlich Faktoren wie Wachheit, Atmung, Körperhaltung, Mundhygiene, Ernährungs- und Flüssigkeitszustand sowie Ermüdung ein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Praxis entscheidend ist deshalb nicht nur ein einzelnes Symptom, sondern vor allem die Frage:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Was ist neu oder anders als bisher?“. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Veränderung gegenüber gestern kann wichtiger sein als die Norm</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit fortgeschrittener Demenz essen häufig ohnehin langsam. Manche benötigen seit Monaten Unterstützung, andere kauen sehr lange oder müssen immer wieder zum nächsten Handlungsschritt aufgefordert werden. Eine reine Checkliste kann deshalb schnell zu Fehlinterpretationen führen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.15em; font-weight: 700; margin-bottom: 12px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f50e.png" alt="🔎" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Die vielleicht wichtigste Frage
  </div>

  <p style="margin: 0 0 10px 0; font-size: 1.08em;">
    <strong>Was ist anders als sonst?</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    Bei Menschen mit Demenz sollte eine Schluckbeobachtung immer den individuellen Ausgangszustand berücksichtigen.
  </p>

  <p style="margin: 0;">
    Neu auftretende oder zunehmende Veränderungen sind häufig wichtiger als ein einzelnes isoliertes Merkmal.
  </p>

</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Frau Schmidt seit einem Jahr 45 Minuten für ihr Mittagessen benötigt, ist dies zunächst ihr bekannter Zustand.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn dieselbe Frau innerhalb weniger Tage plötzlich 70 Minuten benötigt, zunehmend ermüdet, wiederholt Nahrung im Mund behält und weniger trinkt, ist die Veränderung wesentlich aussagekräftiger.<br>Pflege sollte deshalb nicht nur fragen:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Ist dieses Verhalten auffällig?“, sondern zusätzlich: „Ist dieses Verhalten neu und / oder deutlich stärker als bisher?“</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Vier Bereiche für die pflegerische Beobachtung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die gezielte Beobachtung lassen sich vier Bereiche unterscheiden:</p>



<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">1. Orale Phase und Schluckvorgang</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hinweise können neu auftretende orale Residuen oder Pocketing, verlängerte Kauphasen, mehrfaches Nachschlucken, Probleme beim Speichelmanagement oder eine veränderte Kopfhaltung beim Schlucken sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">2. Stimme, Husten und Respiration</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Relevant sind Husten oder Räuspern während bzw. nach der Nahrungsaufnahme, eine veränderte Stimmqualität sowie neue respiratorische Auffälligkeiten oder Probleme mit dem Sekretmanagement. Fehlender Husten schließt eine Aspiration nicht aus.</p>



<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">3. Mahlzeitenverlauf und Vigilanz</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zu beachten sind eine deutlich verlängerte Essdauer, zunehmende Ermüdung, Mahlzeitenabbrüche, reduzierte orale Aufnahme sowie Veränderungen von Vigilanz und Aufmerksamkeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading has-medium-font-size">4. Klinischer Verlauf</h3>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch unbeabsichtigter Gewichtsverlust, rezidivierende ungeklärte Fieberschübe, Pneumonien oder eine allgemeine klinische Verschlechterung können Anlass sein, eine bislang unerkannte Dysphagie in die Ursachenklärung einzubeziehen.</p>



<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.15em; font-weight: 700; margin-bottom: 12px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f3e0.png" alt="🏠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Für pflegende Angehörige
  </div>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    Achten Sie vor allem auf <strong>Veränderungen</strong>: Verschluckt sich die Person häufiger? Bleibt Nahrung im Mund? Dauert Essen oder Trinken plötzlich länger? Klingt die Stimme danach feucht oder „gurgelnd“? Wird weniger gegessen oder getrunken, tritt ungeklärtes Fieber auf oder kommt es wiederholt zu Atemwegsinfekten?
  </p>

  <p style="margin: 0 0 10px 0;">
    Solche Beobachtungen sollten Sie der Pflegefachperson des Pflegedienstes und/oder dem behandelnden Arzt mitteilen – <strong>auch dann, wenn kein Husten auftritt.</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Hilfreich ist eine konkrete Beschreibung: <strong>Was ist neu, seit wann und wie häufig tritt es auf?</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0 0 6px 0;">
    <strong>Bei akuter Atemnot oder schwerem Verschlucken mit Atemproblemen: Notruf 112.</strong>
  </p>

  <p style="margin: 0;">
    Bei dringenden gesundheitlichen Beschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten, die nicht lebensbedrohlich sind, hilft der <strong>ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117</strong> weiter.
  </p>

</div>



<h2 class="wp-block-heading">Pflege: eine Beobachtung muss mindestens die nächste Schicht erreichen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der entscheidende Schritt erfolgt anschließend in Dokumentation und Übergabe.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Hat schlecht gegessen.“ hilft wenig. Auch „weiter beobachten“ reicht als Information kaum aus. Wichtig ist, möglichst konkret festzuhalten und weiterzugeben, was sich verändert hat, seit wann die Auffälligkeit besteht und worauf die folgenden Kolleginnen und Kollegen gezielt achten sollen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das RCSLT-Kompetenzmodell macht diesen Punkt ausdrücklich zum Bestandteil professioneller Dysphagieversorgung: Informationen sollen zeitnah und klar an das Team weitergegeben und Beobachtungen nachvollziehbar dokumentiert werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wann reicht Beobachten nicht mehr?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine gezielte Beobachtungsphase darf nicht dazu führen, eine notwendige Abklärung aufzuschieben. Wenn sich Auffälligkeiten wiederholen, mehrere Hinweise zusammenkommen oder der klinische Eindruck eindeutig für eine Schluckstörung spricht, muss aus der Beobachtung ein Dysphagieverdacht werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die S3-Leitlinie Demenzen formuliert dazu knapp und eindeutig: Bei Verdacht auf eine Dysphagie sollte eine Dysphagiediagnostik durchgeführt werden. Damit schließt sich der Kreis. Pflege kann sehr viel erkennen – aber gerade stille Aspiration zeigt die Grenze der klinischen Beobachtung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Person kann aspirieren, ohne zu husten. Wenn trotz klinisch wenig spektakulärer Mahlzeiten ein begründeter Dysphagieverdacht besteht, sind weiterführende Untersuchungen erforderlich.</p>



<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 20px; margin: 28px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.2em; font-weight: 700; margin-bottom: 18px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9ed.png" alt="🧭" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Eine mögliche pflegerische Praxis-Matrix
  </div>

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f440.png" alt="👀" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 1 – Allgemeine Aufmerksamkeit
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Keine neue Veränderung. Essen und Trinken entsprechen dem bekannten individuellen Zustand.
    </p>
    <p style="margin: 0;">
      ➜ Normale pflegerische Alltagsbeobachtung.
    </p>
  </div>

  <hr style="border: 0; border-top: 1px solid #c9d8df; margin: 18px 0;">

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f50e.png" alt="🔎" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 2 – Beobachtungstrigger
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Eine neue oder zunehmende Auffälligkeit wird festgestellt.
    </p>

    <ul style="margin: 8px 0 10px 20px; padding: 0;">
      <li>Mundreste / Pocketing</li>
      <li>auffällig längere Kau- oder Essdauer</li>
      <li>Husten oder Räuspern</li>
      <li>veränderte Stimme</li>
      <li>geringere Ess- oder Trinkmenge</li>
      <li>neue Ermüdung</li>
      <li>veränderte Atmung</li>
      <li>veränderte Kopfhaltung</li>
      <li>deutlich veränderte Vigilanz</li>
    </ul>

    <p style="margin: 0;">
      ➜ Gezielte Beobachtung aktivieren und für die Folgeschicht sichtbar dokumentieren und übergeben.
    </p>
  </div>

  <hr style="border: 0; border-top: 1px solid #c9d8df; margin: 18px 0;">

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9e9.png" alt="🧩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 3 – Muster erkennen
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Die Auffälligkeit tritt wiederholt auf oder mehrere Hinweise kommen zusammen.
    </p>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      ➜ Beobachtungen schichtübergreifend zusammenführen.
    </p>
    <p style="margin: 0;">
      <strong>Leitfrage:</strong> Ein einzelnes Ereignis – oder eine konsistente Veränderung?
    </p>
  </div>

  <hr style="border: 0; border-top: 1px solid #c9d8df; margin: 18px 0;">

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 4 – Dysphagieverdacht
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Das Muster spricht für eine mögliche Schluckstörung.
    </p>
    <p style="margin: 0;">
      ➜ Standardisiertes Screening durch entsprechend geschulte Personen bzw. direkte fachliche Abklärung nach einrichtungsinternem Verfahren.
    </p>
  </div>

  <hr style="border: 0; border-top: 1px solid #c9d8df; margin: 18px 0;">

  <div style="margin-bottom: 18px;">
    <div style="font-weight: 700; font-size: 1.08em; margin-bottom: 6px;">
      <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1fa7a.png" alt="🩺" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Stufe 5 – Weitere Diagnostik
    </div>
    <p style="margin: 0 0 8px 0;">
      Das Screening ist auffällig oder der klinische Verdacht besteht trotz unauffälligem Screening weiter.
    </p>
    <p style="margin: 0;">
      ➜ Dysphagiediagnostik sowie logopädische und ärztliche Abklärung, ggf. FEES oder VFSS.
    </p>
  </div>

  <div style="margin-top: 20px; padding-top: 14px; border-top: 1px solid #c9d8df; font-size: 0.92em;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2139.png" alt="ℹ" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> <strong>Hinweis:</strong> Diese Matrix ist eine redaktionell abgeleitete Praxishilfe und kein validiertes Screening- oder Diagnoseinstrument.
  </div>

</div>



<h2 class="wp-block-heading">Dienste und Einrichtungen sind gefordert</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es reicht ganz klar nicht, einzelnen Pflegenden zu sagen, sie müssten „besser beobachten“. Damit strukturierte Beobachtung funktioniert, braucht es klare Abläufe.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Wer darf ein Dysphagiescreening durchführen?</li>



<li class="has-medium-font-size">Wo wird ein Beobachtungstrigger dokumentiert?</li>



<li class="has-medium-font-size">Wie erkennt die nächste Schicht, dass gezielt beobachtet werden soll?</li>



<li class="has-medium-font-size">Wer führt die Beobachtungen zusammen?</li>



<li class="has-medium-font-size">Wann werden Logopädie und ärztlicher Dienst einbezogen?</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der DNQP-Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ ist zwar kein eigener Dysphagiestandard. Er unterstreicht aber die Verantwortung der Pflege für die frühzeitige Erfassung ernährungsrelevanter Probleme und deren Ursachen sowie die Notwendigkeit geeigneter Strukturen und Dokumentation. Auch die internationale ESPEN-Leitlinie zur Ernährung und Flüssigkeitsversorgung bei Demenz betont die systematische Einschätzung von Ernährungsproblemen und empfiehlt eine erneute Bewertung insbesondere dann, wenn sich Gesundheitszustand, Ess- und Trinkfähigkeit oder Ess- und Trinkverhalten verändern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht jeder Husten ist eine Aspiration – und nicht jede Aspiration führt zur Pneumonie</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei aller notwendigen Aufmerksamkeit darf aus dem Thema keine permanente Alarmdiagnostik werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Husten beim Trinken beweist keine Aspiration. Eine veränderte Stimme beweist keine Aspiration. Eine Pneumonie beweist keine Aspiration. Und auch eine nachgewiesene Aspiration führt nicht zwangsläufig zu einer Aspirationspneumonie. Die einzelnen Beobachtungen müssen immer im Zusammenhang betrachtet werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Professionelle Beobachtung heißt, aus Einzelheiten ein Muster zu machen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Stille Aspiration macht deutlich, wo die Stärke professioneller Pflege liegt. Nicht darin, beim Essen neben jedem Menschen zu sitzen und auf Husten zu warten. Sondern darin, kleine Veränderungen wahrzunehmen, sie mit dem bisherigen Zustand einer Person zu vergleichen, Beobachtungen anderer Mitarbeitender einzubeziehen und rechtzeitig zu erkennen, wann aus einer Auffälligkeit ein abklärungsbedürftiger Verdacht geworden ist.</p>



<div style="height:61px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="border-left: 5px solid #4f7f9a; background: #f3f7f9; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 4px;">

  <div style="font-size: 1.15em; font-weight: 700; margin-bottom: 12px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2139.png" alt="ℹ" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Hinweis zur Veröffentlichung
  </div>

  <p style="margin: 0;">
    Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und pflegerischen Sensibilisierung. Die vorgeschlagene Beobachtungsmatrix ist <strong>kein validiertes medizinisches Screening-Instrument</strong> und ersetzt weder ein standardisiertes Dysphagiescreening noch die fachärztliche oder therapeutische Diagnostik.
  </p>

</div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen und weiterführende Literatur</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) &amp; Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) (Hrsg.): S3-Leitlinie Demenzen – Living Guideline, Version 6.0 vom 24.02.2026. AWMF-Registernummer 038-013.</li>



<li>Dziewas R, Allescher HD, Aroyo I et al.: Diagnosis and treatment of neurogenic dysphagia – S1 guideline of the German Society of Neurology. Neurological Research and Practice 3, 23 (2021). DOI: 10.1186/s42466-021-00122-3.</li>



<li>Krupp S für die AG Assessment der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG): S1-Leitlinie „Geriatrisches Assessment der Stufe 2 – Living Guideline“. AWMF-Registernummer 084-002LG, aktuelle Fassung 2026.</li>



<li>Royal College of Speech and Language Therapists (RCSLT): Eating, Drinking and Swallowing Competency Framework (EDSCF) for non-SLTs. Kompetenzrahmen für Pflegende, Betreuungspersonen und andere Berufsgruppen im Umgang mit Ess-, Trink- und Schluckstörungen.</li>



<li>Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“, 1. Aktualisierung 2017.</li>



<li>Volkert D, Beck AM, Faxén-Irving G et al.: ESPEN guideline on nutrition and hydration in dementia – Update 2024. Clinical Nutrition 43 (2024), 1599–1626. DOI: 10.1016/j.clnu.2024.04.039.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/08/stille-aspiration-bei-demenz-wenn-niemand-hustet/">Stille Aspiration bei Demenz: Wenn niemand hustet</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Pflegende Angehörige: Drei Jahrzehnte zwischen mehr Unterstützung und wachsender Belastung</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/05/pflegende-angehoerige-drei-jahrzehnte-zwischen-mehr-unterstuetzung-und-wachsender-belastung/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2026/09/05/pflegende-angehoerige-drei-jahrzehnte-zwischen-mehr-unterstuetzung-und-wachsender-belastung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Sep 2026 15:28:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[30 Jahre Pflegeversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[angehörige]]></category>
		<category><![CDATA[Angehörigenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Familienpflegezeit]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche pflege]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege zu Hause]]></category>
		<category><![CDATA[pflegebedürftigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[pflegegeld]]></category>
		<category><![CDATA[pflegegrade]]></category>
		<category><![CDATA[pflegende angehörige]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeneuordnungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[pflegepolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeunterstützungsgeld]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegezeit]]></category>
		<category><![CDATA[PNOG]]></category>
		<category><![CDATA[Rentenversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Absicherung]]></category>
		<category><![CDATA[verhinderungspflege]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 8. September wird in Deutschland der Tag der pflegenden Angehörigen begangen. Ein Anlass, um nicht nur auf ihre heutige Situation zu schauen, sondern auch zurück: Wie hat sich die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/05/pflegende-angehoerige-drei-jahrzehnte-zwischen-mehr-unterstuetzung-und-wachsender-belastung/">Pflegende Angehörige: Drei Jahrzehnte zwischen mehr Unterstützung und wachsender Belastung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Am 8. September wird in Deutschland der Tag der pflegenden Angehörigen begangen. Ein Anlass, um nicht nur auf ihre heutige Situation zu schauen, sondern auch zurück: Wie hat sich die Unterstützung von Menschen verändert, die einen Angehörigen zu Hause pflegen? Und welche Rolle spielte dabei die Einführung der Pflegeversicherung?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch auf europäischer Ebene ist die Situation pflegender Angehöriger inzwischen stärker in den Fokus gerückt: Seit 2020 wird auf Initiative des europäischen Netzwerks Eurocarers jährlich am 6. Oktober der European Carers Day begangen. Denn so selbstverständlich Pflegegeld, Verhinderungspflege oder Rentenbeiträge für Pflegepersonen heute erscheinen mögen: Viele dieser Leistungen sind vergleichsweise jung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>1995: Pflege wird zum eigenen Zweig </strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mit der Einführung der sozialen Pflegeversicherung 1995 veränderte sich die Absicherung von Pflegebedürftigkeit grundlegend. Pflege war zwar auch danach ausdrücklich nicht vollständig durch die Versicherung finanziert. Aber erstmals gab es einen eigenen Sozialversicherungszweig, der auch die Pflege durch Angehörige systematisch unterstützte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegebedürftige konnten beispielsweise Pflegegeld erhalten, wenn ihre Versorgung zu Hause sichergestellt wurde. In den damaligen drei Pflegestufen betrug es 400, 800 beziehungsweise 1.300 D-Mark monatlich. Unter bestimmten Voraussetzungen übernahm die Pflegeversicherung zudem Rentenversicherungsbeiträge für nicht erwerbsmäßig Pflegende. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Leistungen und Rechte hinzu: Entlastungsangebote, Pflegezeit, Familienpflegezeit, Pflegeunterstützungsgeld, Verhinderungspflege und eine umfangreichere soziale Absicherung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-3756" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-300x169.jpg 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-768x432.jpg 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1536x864.jpg 1536w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1320x743.jpg 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung.jpg 1672w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Immer mehr Menschen werden zu Hause gepflegt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie bedeutend Angehörige für die Versorgung sind, zeigen die Zahlen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der ersten bundesweiten Pflegestatistik 1999 gab es rund 2,02 Millionen Pflegebedürftige. 1,44 Millionen von ihnen wurden zu Hause versorgt. Rund 1,03 Millionen erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden in der Regel zu Hause durch Angehörige versorgt. 2023 waren bereits 5,69 Millionen Menschen pflegebedürftig. 4,89 Millionen – knapp 86 Prozent – lebten zu Hause. Rund 3,1 Millionen Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Zahlen sind allerdings nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar. Insbesondere der seit 2017 geltende, weiter gefasste Pflegebedürftigkeitsbegriff führte dazu, dass heute auch Menschen als pflegebedürftig anerkannt werden, die nach den früheren Kriterien teilweise keinen oder nur einen eingeschränkten Leistungsanspruch gehabt hätten.</p>



<div style="background:#f3f6f8; border-left:5px solid #2f6f8f; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <div style="font-size:18px; font-weight:600; margin-bottom:18px;">
    Pflege zu Hause: eine deutlich gewachsene Aufgabe für Angehörige
  </div>

  <div style="display:flex; flex-wrap:wrap; gap:30px;">

    <div style="flex:1; min-width:220px;">
      <div style="font-size:38px; font-weight:700; line-height:1; color:#2f6f8f;">
        1999
      </div>
      <div style="font-size:26px; font-weight:700; margin:8px 0 6px;">
        1,03 Millionen
      </div>
      <div>
        Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden in der Regel zu Hause durch Angehörige versorgt.
      </div>
    </div>

    <div style="flex:1; min-width:220px;">
      <div style="font-size:38px; font-weight:700; line-height:1; color:#2f6f8f;">
        2023
      </div>
      <div style="font-size:26px; font-weight:700; margin:8px 0 6px;">
        3,10 Millionen
      </div>
      <div>
        Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt.
      </div>
    </div>

  </div>

  <div style="font-size:14px; line-height:1.5; margin-top:22px; padding-top:14px; border-top:1px solid #ccd5da;">
    <strong>Hinweis:</strong> Diese Zahlen bezeichnen Pflegebedürftige, nicht die Zahl der tatsächlich beteiligten pflegenden Angehörigen. An der Versorgung eines Menschen können mehrere Personen beteiligt sein.
  </div>

</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Demenz: Lange ein blinder Fleck</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz passten lange nur unzureichend in das System der Pflegeversicherung. Entscheidend war vor allem der körperliche Hilfebedarf – etwa beim Waschen, Anziehen oder Essen. Beaufsichtigung, Orientierung, Beruhigung oder die ständige Präsenz von Angehörigen wurden dagegen kaum erfasst.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ab 2002 kamen deshalb schrittweise zusätzliche Leistungen für Menschen mit „erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ hinzu. Der grundlegende Wandel folgte 2017 mit der Einführung der fünf Pflegegrade. Seitdem zählt stärker, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag bewältigen kann. Auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen werden berücksichtigt. Für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen war das ein entscheidender Fortschritt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mehr Unterstützung – aber ein System unter Druck</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Leistungen der Pflegeversicherung wurden über drei Jahrzehnte erheblich erweitert. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die Leistungen erhalten, stark gestiegen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das bringt die soziale Pflegeversicherung zunehmend unter finanziellen Druck. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes entstand allein im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von 770 Millionen Euro. Die Ausgaben lagen elf Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, die Beitragseinnahmen stiegen dagegen lediglich um 3,9 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Neben der wachsenden Zahl Pflegebedürftiger spielen steigende Kosten der Versorgung und der demografische Wandel eine Rolle. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums kamen 1998 noch 29 Beitragszahlende auf einen Leistungsempfänger der sozialen Pflegeversicherung. 2025 waren es nur noch zehn. Die politische Diskussion dreht sich deshalb zunehmend um eine schwierige Frage: Wie kann die Unterstützung von Pflegebedürftigen und Angehörigen erhalten und verbessert werden, wenn gleichzeitig die Finanzierung stabilisiert werden muss?</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f3f6f8; border-left:5px solid #2f6f8f; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <div style="font-size:14px; font-weight:700; text-transform:uppercase; letter-spacing:0.5px; color:#2f6f8f; margin-bottom:6px;">
    Aktuell 2026
  </div>

  <div style="font-size:22px; font-weight:700; margin-bottom:14px;">
    Was ist politisch geplant?
  </div>

  <p>
    Mit dem geplanten <strong>Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)</strong> soll die Pflegeversicherung strukturell verändert und finanziell stabilisiert werden.
  </p>

  <p>
    Vorgesehen sind unter anderem mehr Prävention, Änderungen bei der Begutachtung, eine neue Pflegebegleitung für Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen sowie die Bündelung bisheriger Einzelleistungen in Budgets. Ab 2028 sollen die Leistungsbeträge außerdem jährlich entsprechend der Inflation angepasst werden.
  </p>

  <p>
    Für Kritik sorgte die geplante Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige auf <strong>70 Prozent</strong> der bisherigen Beträge.
  </p>

  <p>
    Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hat inzwischen angekündigt, diese Kürzung nicht mittragen zu wollen und den Entwurf an dieser Stelle zu korrigieren.
  </p>

  <p style="margin-bottom:16px;">
    Noch ist die Änderung jedoch nicht beschlossen. Das Gesetz befindet sich weiterhin im politischen Verfahren – welche Regelungen am Ende tatsächlich gelten werden, ist daher offen.
  </p>

  <div style="padding-top:14px; border-top:1px solid #ccd5da;">
    <a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/guv-21-lp/pnog"
       target="_blank"
       rel="noopener noreferrer"
       style="color:#2f6f8f; font-weight:600; text-decoration:none;">
      → Bundesgesundheitsministerium: FAQ zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)
    </a>
  </div>

</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was nach 30 Jahren bleibt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die staatliche Unterstützung pflegender Angehöriger ist heute deutlich umfassender als zu Beginn der Pflegeversicherung. Und gerade bei Demenz hat sich auch das Verständnis davon verändert, was Pflege eigentlich bedeutet.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Doch eine Konstante zieht sich durch die gesamte Geschichte: Der größte Teil der Pflege findet weiterhin nicht in Einrichtungen, sondern zu Hause statt. Pflegende Angehörige sind deshalb nicht nur eine Gruppe, die Unterstützung durch das Pflegesystem benötigt. Ohne das, was Familien, Partner, Freunde und andere nahestehende Menschen jeden Tag leisten, wäre dieses Pflegesystem in seiner heutigen Form überhaupt nicht vorstellbar.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/05/pflegende-angehoerige-drei-jahrzehnte-zwischen-mehr-unterstuetzung-und-wachsender-belastung/">Pflegende Angehörige: Drei Jahrzehnte zwischen mehr Unterstützung und wachsender Belastung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 07:07:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Briefwahl]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[politische Teilhabe]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlassistenz]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlbetrug]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlfälschung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlhilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlrecht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://demenz-im-krankenhaus.de/?p=3734</guid>

					<description><![CDATA[<p>Menschen mit Demenz dürfen wählen. Auch eine fortgeschrittene Demenz führt nicht automatisch zum Verlust des Wahlrechts. Gleichzeitig verlangt das Wahlrecht eines eindeutig: Die Entscheidung muss die Entscheidung des wahlberechtigten Menschen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/">Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz dürfen wählen. Auch eine fortgeschrittene Demenz führt nicht automatisch zum Verlust des Wahlrechts. Gleichzeitig verlangt das Wahlrecht eines eindeutig: Die Entscheidung muss die Entscheidung des wahlberechtigten Menschen selbst sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie wichtig diese Grenze ist, zeigt ein aktueller Verdachtsfall aus Sachsen-Anhalt – wenige Tage vor der Landtagswahl am 6. September 2026.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der aktuelle Fall</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://ostdeutscheallgemeine.com/article/exklusiv-wahlbetrug-mit-der-stimme-einer-dementen-95-jaehrigen-bevollmaechtigter-stellt-strafanzeige-10353231">Die „Ostdeutsche Allgemeine“ </a>berichtet über eine 95-jährige Bewohnerin einer Seniorenresidenz in Dessau, die seit mehreren Jahren an Demenz erkrankt sein soll.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach Darstellung ihres Bevollmächtigten wurde ihm zunächst von einer Mitarbeiterin mitgeteilt, Wahlunterlagen von Bewohnerinnen und Bewohnern seien aus Zeitgründen eingesammelt und vernichtet worden. Als er später beim Wahlbüro nachfragte, habe er jedoch erfahren, dass für seine Tante bereits am 10. August Briefwahlunterlagen beantragt worden seien und sie bereits gewählt habe. Der Bevollmächtigte hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Stadt Dessau-Roßlau bestätigte der Zeitung, dass ihr der Vorgang bekannt sei. Die betroffene Einrichtung äußerte sich gegenüber der Zeitung zunächst nicht. Damit handelt es sich derzeit um einen Verdachtsfall – nicht um einen nachgewiesenen Wahlbetrug.<br><strong><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a9ad741dde98c9236181f5c/dessau-rosslau-staatsanwaltschaft-findet-keine-belege-fuer-wahlmanipulation-im-seniorenheim.html?source=puerto-reco-2_ABC-V50.5.B_schlagzeilen">UPDATE v. 04.09.: Laut der Tageszeitung Welt hat sich der Versdcht auf Wahlbetrug im genannten Fall NICHT erhärtet und die Ermittlungen sind eingestellt worden. </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f3f6f8; border-left:6px solid #2f5f78; padding:22px; margin:28px 0; font-size:18px; line-height:1.6;">
<p style="font-size:22px; font-weight:bold; margin:0 0 15px 0;"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f5f3.png" alt="🗳" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Wahlrecht und Demenz – die wichtigsten Punkte</p>

<p>• Eine Demenzdiagnose bedeutet nicht, dass ein Mensch sein Wahlrecht verliert.</p>

<p>• Die Wahlentscheidung trifft ausschließlich die wahlberechtigte Person selbst.</p>

<p>• Eine andere Person darf niemals stellvertretend entscheiden, welche Partei oder welcher Kandidat gewählt wird.</p>

<p>• Auch eine rechtliche Betreuung oder eine Vollmacht berechtigt nicht dazu, anstelle des Betroffenen eine politische Wahlentscheidung zu treffen.</p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch eine gut gemeinte Motivation ändert daran nichts. Pflegepersonen sind Unterstützende – keine politischen Stellvertreter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn keine Wahlentscheidung mehr möglich ist</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kann ein Mensch aufgrund seiner kognitiven Einschränkungen keine eigene Wahlentscheidung mehr treffen oder äußern, darf niemand diese Entscheidung für ihn übernehmen. Das bedeutet nicht, dass ihm aufgrund seiner Demenz formal das Wahlrecht abgesprochen wird. Es bedeutet lediglich, dass eine andere Person seine Stimme nicht stellvertretend abgeben darf. Genau diese Grenze schützt sowohl das Wahlrecht des Menschen mit Demenz als auch die Freiheit und Geheimhaltung der Wahl.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mögliche strafrechtliche Folgen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Strafgesetzbuch ist an dieser Stelle ausgesprochen eindeutig. Nach § 107a StGB macht sich wegen Wahlfälschung strafbar, wer unbefugt wählt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Gesetz stellt ausdrücklich klar, dass auch derjenige unbefugt wählt, der bei einer eigentlich zulässigen Assistenz entgegen der Wahlentscheidung eines Wahlberechtigten oder ohne dessen geäußerte Wahlentscheidung eine Stimme abgibt. Darauf stehen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Auch der Versuch ist strafbar.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob im aktuellen Fall in Dessau tatsächlich eine solche Straftat begangen wurde, müssen nun die Ermittlungen klären.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Fall zeigt jedoch bereits jetzt, wie sensibel Wahlunterstützung in Pflegeeinrichtungen ist: Unterstützung darf Teil guter Pflege sein. Die politische Entscheidung eines Bewohners zu ersetzen, darf es niemals sein.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/">Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<title>Demenz bei wohnungslosen Menschen: Ein oft übersehenes Risiko</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/02/demenz-bei-wohnungslosen-menschen-ein-oft-uebersehenes-risiko/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 09:17:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, könnten deutlich häufiger und früher an einer Demenz erkranken als bislang angenommen. Darauf weist eine aktuelle Meta-Analyse im „Journal of the American Geriatrics Society“&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/02/demenz-bei-wohnungslosen-menschen-ein-oft-uebersehenes-risiko/">Demenz bei wohnungslosen Menschen: Ein oft übersehenes Risiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, könnten deutlich häufiger und früher an einer Demenz erkranken als bislang angenommen. Darauf weist eine aktuelle Meta-Analyse im „Journal of the American Geriatrics Society“ hin.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Forschenden werteten 36 Studien mit insgesamt mehr als 500.000 Menschen aus, die Wohnungslosigkeit erlebt hatten. Das gewichtete Durchschnittsalter lag bei rund 63 Jahren. Insgesamt wurde bei 6,8 Prozent eine Demenz festgestellt. In vergleichbaren Altersgruppen der Allgemeinbevölkerung liegt die Häufigkeit nach Angaben der Forschenden bei unter drei Prozent.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auffällig früh betroffen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenzerkrankungen scheinen bei wohnungslosen Menschen teilweise bereits in einem Alter aufzutreten, in dem sie in der Allgemeinbevölkerung noch vergleichsweise selten sind. Als mögliche Erklärungen diskutieren die Autoren unter anderem eine beschleunigte gesundheitliche Alterung sowie die hohe Belastung durch bekannte Demenzrisikofaktoren. In den untersuchten Gruppen waren psychische Erkrankungen, Substanzkonsum, Schädel-Hirn-Verletzungen, Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wichtig: <strong>Die Studie beweist nicht, dass Wohnungslosigkeit selbst eine Demenz verursacht.</strong> Die Daten zur Frage, ob Wohnungslosigkeit das Erkrankungsrisiko tatsächlich erhöht, waren sehr uneinheitlich. Denkbar ist zudem die umgekehrte Richtung: Eine beginnende Demenz kann dazu beitragen, dass Menschen Rechnungen, Behördenangelegenheiten oder ihre Wohnsituation nicht mehr bewältigen und schließlich ihre Wohnung verlieren.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background-color:#f3f6f8; border-left:5px solid #4f6f7a; padding:18px 20px; margin:24px 0; border-radius:4px;">
  <div style="font-size:1.1em; font-weight:600; margin-bottom:10px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f50e.png" alt="🔎" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Der entscheidende Punkt
  </div>

  <p style="margin:0; line-height:1.6;">
    Verwirrtheit, Vergesslichkeit und Orientierungsschwierigkeiten bei wohnungslosen Menschen sind nicht automatisch Folgen von Alkohol, Drogen, psychischer Erkrankung oder des Lebens auf der Straße. Gerade bei älteren Betroffenen sollte auch eine Demenz als mögliche Ursache abgeklärt werden.
  </p>
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</div>
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<h2 class="wp-block-heading">Was bedeutet das für Deutschland?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Thema betrifft auch die deutsche Versorgung. Zum 31. Januar 2026 waren hierzulande rund 452.900 wohnungslose Menschen behördlich untergebracht; mehr als 43.000 von ihnen waren bereits 60 Jahre oder älter. Menschen, die auf der Straße leben oder verdeckt wohnungslos sind, sind in dieser Statistik noch nicht enthalten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei älteren wohnungslosen Menschen sollten deshalb Gedächtnisprobleme, Orientierungsschwierigkeiten oder auffällige Veränderungen nicht vorschnell ausschließlich Alkohol, psychischen Erkrankungen oder einfach &#8222;den schwierigen Lebensumständen&#8220; zugeschrieben werden. Eine Demenz muss als mögliche Ursache mitgedacht werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Autoren plädieren zudem dafür, in der Wohnungslosenhilfe nicht starr an Altersgrenzen wie 65 Jahren festzuhalten. Sinnvoll wären niedrigschwellige Möglichkeiten zur Abklärung kognitiver Veränderungen sowie eine engere Zusammenarbeit von Wohnungslosenhilfe, Medizin, Psychiatrie, Suchthilfe, Pflege und Sozialarbeit. Nach einer Diagnose braucht es außerdem Wohn- und Versorgungsangebote, die auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen tatsächlich erreichen können.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Studie macht damit auf eine Versorgungslücke aufmerksam: Demenz ist nicht ausschließlich ein Thema des hohen Alters – und sie kann gerade bei Menschen in besonders prekären Lebenssituationen leicht übersehen werden.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quelle: <a href="https://agsjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jgs.70072">Hoang PM et al. „Prevalence and Risk of Dementia Among Adults Who Have Experienced Homelessness, a Meta-Analysis“. Journal of the American Geriatrics Society, 2026.</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/02/demenz-bei-wohnungslosen-menschen-ein-oft-uebersehenes-risiko/">Demenz bei wohnungslosen Menschen: Ein oft übersehenes Risiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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