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	<title>pflegegrade Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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	<title>pflegegrade Archive - Demenz-Zeitung</title>
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		<title>Pflegende Angehörige: Drei Jahrzehnte zwischen mehr Unterstützung und wachsender Belastung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Sep 2026 15:28:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Am 8. September wird in Deutschland der Tag der pflegenden Angehörigen begangen. Ein Anlass, um nicht nur auf ihre heutige Situation zu schauen, sondern auch zurück: Wie hat sich die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/05/pflegende-angehoerige-drei-jahrzehnte-zwischen-mehr-unterstuetzung-und-wachsender-belastung/">Pflegende Angehörige: Drei Jahrzehnte zwischen mehr Unterstützung und wachsender Belastung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Am 8. September wird in Deutschland der Tag der pflegenden Angehörigen begangen. Ein Anlass, um nicht nur auf ihre heutige Situation zu schauen, sondern auch zurück: Wie hat sich die Unterstützung von Menschen verändert, die einen Angehörigen zu Hause pflegen? Und welche Rolle spielte dabei die Einführung der Pflegeversicherung?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch auf europäischer Ebene ist die Situation pflegender Angehöriger inzwischen stärker in den Fokus gerückt: Seit 2020 wird auf Initiative des europäischen Netzwerks Eurocarers jährlich am 6. Oktober der European Carers Day begangen. Denn so selbstverständlich Pflegegeld, Verhinderungspflege oder Rentenbeiträge für Pflegepersonen heute erscheinen mögen: Viele dieser Leistungen sind vergleichsweise jung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>1995: Pflege wird zum eigenen Zweig </strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mit der Einführung der sozialen Pflegeversicherung 1995 veränderte sich die Absicherung von Pflegebedürftigkeit grundlegend. Pflege war zwar auch danach ausdrücklich nicht vollständig durch die Versicherung finanziert. Aber erstmals gab es einen eigenen Sozialversicherungszweig, der auch die Pflege durch Angehörige systematisch unterstützte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegebedürftige konnten beispielsweise Pflegegeld erhalten, wenn ihre Versorgung zu Hause sichergestellt wurde. In den damaligen drei Pflegestufen betrug es 400, 800 beziehungsweise 1.300 D-Mark monatlich. Unter bestimmten Voraussetzungen übernahm die Pflegeversicherung zudem Rentenversicherungsbeiträge für nicht erwerbsmäßig Pflegende. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Leistungen und Rechte hinzu: Entlastungsangebote, Pflegezeit, Familienpflegezeit, Pflegeunterstützungsgeld, Verhinderungspflege und eine umfangreichere soziale Absicherung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-3756" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-300x169.jpg 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-768x432.jpg 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1536x864.jpg 1536w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1320x743.jpg 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung.jpg 1672w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Immer mehr Menschen werden zu Hause gepflegt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie bedeutend Angehörige für die Versorgung sind, zeigen die Zahlen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der ersten bundesweiten Pflegestatistik 1999 gab es rund 2,02 Millionen Pflegebedürftige. 1,44 Millionen von ihnen wurden zu Hause versorgt. Rund 1,03 Millionen erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden in der Regel zu Hause durch Angehörige versorgt. 2023 waren bereits 5,69 Millionen Menschen pflegebedürftig. 4,89 Millionen – knapp 86 Prozent – lebten zu Hause. Rund 3,1 Millionen Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Zahlen sind allerdings nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar. Insbesondere der seit 2017 geltende, weiter gefasste Pflegebedürftigkeitsbegriff führte dazu, dass heute auch Menschen als pflegebedürftig anerkannt werden, die nach den früheren Kriterien teilweise keinen oder nur einen eingeschränkten Leistungsanspruch gehabt hätten.</p>



<div style="background:#f3f6f8; border-left:5px solid #2f6f8f; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <div style="font-size:18px; font-weight:600; margin-bottom:18px;">
    Pflege zu Hause: eine deutlich gewachsene Aufgabe für Angehörige
  </div>

  <div style="display:flex; flex-wrap:wrap; gap:30px;">

    <div style="flex:1; min-width:220px;">
      <div style="font-size:38px; font-weight:700; line-height:1; color:#2f6f8f;">
        1999
      </div>
      <div style="font-size:26px; font-weight:700; margin:8px 0 6px;">
        1,03 Millionen
      </div>
      <div>
        Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden in der Regel zu Hause durch Angehörige versorgt.
      </div>
    </div>

    <div style="flex:1; min-width:220px;">
      <div style="font-size:38px; font-weight:700; line-height:1; color:#2f6f8f;">
        2023
      </div>
      <div style="font-size:26px; font-weight:700; margin:8px 0 6px;">
        3,10 Millionen
      </div>
      <div>
        Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt.
      </div>
    </div>

  </div>

  <div style="font-size:14px; line-height:1.5; margin-top:22px; padding-top:14px; border-top:1px solid #ccd5da;">
    <strong>Hinweis:</strong> Diese Zahlen bezeichnen Pflegebedürftige, nicht die Zahl der tatsächlich beteiligten pflegenden Angehörigen. An der Versorgung eines Menschen können mehrere Personen beteiligt sein.
  </div>

</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Demenz: Lange ein blinder Fleck</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz passten lange nur unzureichend in das System der Pflegeversicherung. Entscheidend war vor allem der körperliche Hilfebedarf – etwa beim Waschen, Anziehen oder Essen. Beaufsichtigung, Orientierung, Beruhigung oder die ständige Präsenz von Angehörigen wurden dagegen kaum erfasst.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ab 2002 kamen deshalb schrittweise zusätzliche Leistungen für Menschen mit „erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ hinzu. Der grundlegende Wandel folgte 2017 mit der Einführung der fünf Pflegegrade. Seitdem zählt stärker, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag bewältigen kann. Auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen werden berücksichtigt. Für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen war das ein entscheidender Fortschritt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mehr Unterstützung – aber ein System unter Druck</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Leistungen der Pflegeversicherung wurden über drei Jahrzehnte erheblich erweitert. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die Leistungen erhalten, stark gestiegen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das bringt die soziale Pflegeversicherung zunehmend unter finanziellen Druck. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes entstand allein im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von 770 Millionen Euro. Die Ausgaben lagen elf Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, die Beitragseinnahmen stiegen dagegen lediglich um 3,9 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Neben der wachsenden Zahl Pflegebedürftiger spielen steigende Kosten der Versorgung und der demografische Wandel eine Rolle. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums kamen 1998 noch 29 Beitragszahlende auf einen Leistungsempfänger der sozialen Pflegeversicherung. 2025 waren es nur noch zehn. Die politische Diskussion dreht sich deshalb zunehmend um eine schwierige Frage: Wie kann die Unterstützung von Pflegebedürftigen und Angehörigen erhalten und verbessert werden, wenn gleichzeitig die Finanzierung stabilisiert werden muss?</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f3f6f8; border-left:5px solid #2f6f8f; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <div style="font-size:14px; font-weight:700; text-transform:uppercase; letter-spacing:0.5px; color:#2f6f8f; margin-bottom:6px;">
    Aktuell 2026
  </div>

  <div style="font-size:22px; font-weight:700; margin-bottom:14px;">
    Was ist politisch geplant?
  </div>

  <p>
    Mit dem geplanten <strong>Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)</strong> soll die Pflegeversicherung strukturell verändert und finanziell stabilisiert werden.
  </p>

  <p>
    Vorgesehen sind unter anderem mehr Prävention, Änderungen bei der Begutachtung, eine neue Pflegebegleitung für Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen sowie die Bündelung bisheriger Einzelleistungen in Budgets. Ab 2028 sollen die Leistungsbeträge außerdem jährlich entsprechend der Inflation angepasst werden.
  </p>

  <p>
    Für Kritik sorgte die geplante Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige auf <strong>70 Prozent</strong> der bisherigen Beträge.
  </p>

  <p>
    Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hat inzwischen angekündigt, diese Kürzung nicht mittragen zu wollen und den Entwurf an dieser Stelle zu korrigieren.
  </p>

  <p style="margin-bottom:16px;">
    Noch ist die Änderung jedoch nicht beschlossen. Das Gesetz befindet sich weiterhin im politischen Verfahren – welche Regelungen am Ende tatsächlich gelten werden, ist daher offen.
  </p>

  <div style="padding-top:14px; border-top:1px solid #ccd5da;">
    <a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/guv-21-lp/pnog"
       target="_blank"
       rel="noopener noreferrer"
       style="color:#2f6f8f; font-weight:600; text-decoration:none;">
      → Bundesgesundheitsministerium: FAQ zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)
    </a>
  </div>

</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was nach 30 Jahren bleibt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die staatliche Unterstützung pflegender Angehöriger ist heute deutlich umfassender als zu Beginn der Pflegeversicherung. Und gerade bei Demenz hat sich auch das Verständnis davon verändert, was Pflege eigentlich bedeutet.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Doch eine Konstante zieht sich durch die gesamte Geschichte: Der größte Teil der Pflege findet weiterhin nicht in Einrichtungen, sondern zu Hause statt. Pflegende Angehörige sind deshalb nicht nur eine Gruppe, die Unterstützung durch das Pflegesystem benötigt. Ohne das, was Familien, Partner, Freunde und andere nahestehende Menschen jeden Tag leisten, wäre dieses Pflegesystem in seiner heutigen Form überhaupt nicht vorstellbar.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Pflegereform: Was sich ändern könnte</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/05/11/pflegereform-was-sich-aendern-koennte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 14:44:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat erste Eckpunkte ihrer geplanten Pflegereform vorgestellt. Die Pflegegrade sollen nicht abgeschafft werden. Bei den Pflegegraden 1 bis 3 sollen die Anspruchsvoraussetzungen aber offenbar wieder stärker an&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/05/11/pflegereform-was-sich-aendern-koennte/">Pflegereform: Was sich ändern könnte</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat erste Eckpunkte ihrer geplanten Pflegereform vorgestellt. Die Pflegegrade sollen nicht abgeschafft werden. </p>



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</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei den Pflegegraden 1 bis 3 sollen die Anspruchsvoraussetzungen aber offenbar wieder stärker an die ursprünglichen wissenschaftlichen Empfehlungen angelehnt werden. Der Hintergrund ist die angespannte Finanzlage der Pflegeversicherung. Die Zahl der Leistungsberechtigten ist seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs stark gestiegen. Warken verweist auf ein erwartetes Defizit von mehr als 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2027 und mehr als 15 Milliarden Euro im Jahr 2028. Damit steht die Pflegeversicherung vor der Frage, wie Leistungen künftig zielgenauer eingesetzt werden können.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Was 2017 anders umgesetzt wurde</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde 2017 ein wichtiger Schritt vollzogen. Pflegebedürftigkeit wurde nicht mehr fast nur über körperliche Hilfe bei einzelnen Verrichtungen verstanden. Auch kognitive und psychische Einschränkungen, Orientierung, Kommunikation und Alltagsbewältigung wurden stärker berücksichtigt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das war besonders für Menschen mit Demenz ein Fortschritt. Ihr Unterstützungsbedarf entsteht oft nicht nur durch körperliche Einschränkungen, sondern durch Orientierungslosigkeit, fehlende Tagesstruktur, Anleitungsbedarf, Verhaltensveränderungen oder fehlende Krankheitseinsicht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gleichzeitig wurde der Zugang zu Leistungen großzügiger geregelt als ursprünglich empfohlen. Der Expertenbeirat hatte für den neuen Pflegegrad 1 einen Einstieg ab 15 Punkten vorgeschlagen. Gesetzlich umgesetzt wurde aber: Pflegebedürftigkeit beginnt bereits ab 12,5 Punkten. Pflegegrad 1 reicht seitdem von 12,5 bis unter 27 Punkten. Dadurch kamen Menschen mit geringeren Einschränkungen früher in den Leistungsbezug.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum das heute überprüft wird</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es geht wohl nicht darum, den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff grundsätzlich zurückzudrehen. Es geht vielmehr um die Frage, ob die unteren Pflegegrade noch so abgegrenzt sind, dass Leistungen vor allem dort ankommen, wo ein erheblicher und dauerhafter Unterstützungsbedarf besteht. Gerade Pflegegrad 1 war ursprünglich eher als niedrigschwelliger, präventiver Unterstützungsgrad gedacht: mit Beratung, Pflegehilfsmitteln, Wohnumfeldmaßnahmen und begrenzter Kostenerstattung. Tatsächlich entstand ein breiterer Leistungszugang, unter anderem mit Entlastungsbetrag und weiteren Ansprüchen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="border-left: 6px solid #2f6f73; background: #eef7f7; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 8px; font-family: Arial, sans-serif; color: #1f2933; line-height: 1.55;">
  <h3 style="margin-top: 0; margin-bottom: 10px; color: #1f4f53; font-size: 1.15em;">
    Warum die Zahl der Leistungsbeziehenden so stark gestiegen ist
  </h3>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Das aktuelle IGES-Gutachten für den GKV-Spitzenverband zeigt: Seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 nehmen deutlich mehr Menschen Leistungen der sozialen Pflegeversicherung in Anspruch, als damals prognostiziert wurde. Der Anteil der Pflegebedürftigen an den gesetzlich Versicherten stieg von 4,6 Prozent im Jahr 2017 auf 7,6 Prozent im Jahr 2024.
  </p>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Als Hauptursache nennt das Gutachten nicht allein die demografische Entwicklung. Entscheidend sei vielmehr, dass seit 2017 mehr Pflegeleistungen beantragt werden – häufiger auch von im Durchschnitt jüngeren und weniger stark beeinträchtigten Personen.
  </p>

  <p style="margin: 0; font-size: 0.88em; color: #4b5563;">
    Quelle: IGES Institut im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes: 
    <a href="https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/modellprojekte/pflege_abgeschlossene_projekte_8/pflegepraevalenzen.jsp" target="_blank" rel="noopener noreferrer" style="color: #1f4f53; text-decoration: underline;">
      Erklärungsfaktoren für die Entwicklung der Pflegeprävalenzen seit 2017
    </a>, veröffentlicht 2026.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Neben strengeren Zugangsvoraussetzungen bei den Pflegegraden 1 bis 3 sind weitere Änderungen im Gespräch. Dazu gehören weniger Einzelleistungen und transparentere Budgets, ein Budget für Akut- und Notfälle sowie ein Anspruch auf professionelle Pflegebegleitung, vor allem zur Unterstützung Angehöriger.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zugleich soll stärker betont werden, dass die Pflegeversicherung eine Teilleistungsversicherung bleibt und keine Vollabsicherung bietet. Außerdem werden spätere oder gestreckte Zuschüsse bei längeren Heimaufenthalten, eine Begrenzung der Heimkosten, höhere Belastungen höherer Einkommen, eine bessere Anlage des Pflegevorsorgefonds sowie mehr Prävention, geriatrische Rehabilitation und Erhalt der Selbstständigkeit genannt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Richtung ist damit erkennbar: Die Pflegeversicherung soll übersichtlicher, finanziell tragfähiger und stärker auf tatsächliche Pflegebedürftigkeit ausgerichtet werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum die Reform notwendig ist</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ohne Reform droht die Pflegeversicherung immer tiefer in eine Finanzierungskrise zu geraten. Das betrifft nicht nur Beitragszahlende, sondern am Ende auch Pflegebedürftige, Angehörige, ambulante Dienste und Einrichtungen. Wenn Ausgaben dauerhaft schneller steigen als Einnahmen, entsteht politischer Druck: Beiträge steigen, Leistungen werden gekürzt oder der Bund muss stärker einspringen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Reform ist deshalb nicht nur eine Sparmaßnahme. Sie ist auch der Versuch, die Pflegeversicherung langfristig handlungsfähig zu halten. Denn ein System, das finanziell aus dem Gleichgewicht gerät, verliert Verlässlichkeit – gerade für diejenigen, die später auf Pflege angewiesen sind.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders wichtig wird dabei sein, zwischen leichter Unterstützung und echter Pflegebedürftigkeit sauber zu unterscheiden. Frühe Hilfen können sinnvoll sein, etwa um Angehörige zu entlasten oder eine Wohnraumanpassung zu ermöglichen. Gleichzeitig muss die Pflegeversicherung ihre begrenzten Mittel so einsetzen, dass Menschen mit erheblichem Unterstützungsbedarf nicht schlechter gestellt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die offene Streitfrage</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kritik gibt es dennoch. Patientenschützer, Linke und Caritas warnen davor, die Reform zu stark bei Pflegebedürftigen und Angehörigen anzusetzen. Sie fordern unter anderem, versicherungsfremde Leistungen stärker aus Steuermitteln zu finanzieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei steht auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in der Kritik. Er weigere sich weiterhin, versicherungsfremde Leistungen aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Der Bundesrat hatte zuvor auf Initiative Baden-Württembergs gefordert, dass der Bund solche gesamtgesellschaftlichen Aufgaben aus Steuermitteln bezahlt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Kritik ändert aber nichts an der Grundfrage: Die Pflegeversicherung braucht eine tragfähige Neuordnung. Entscheidend wird sein, ob die Reform nur Leistungen begrenzt – oder ob sie zugleich mehr Klarheit, bessere Steuerung und verlässliche Unterstützung für wirklich pflegebedürftige Menschen schafft.</p>



<p class="has-pale-cyan-blue-background-color has-background has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Menschen mit Demenz bleibt wichtig: Ihr Unterstützungsbedarf darf nicht wieder unterschätzt werden. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff war hier ein fachlicher Fortschritt. Eine Reform sollte deshalb nicht die Anerkennung kognitiver und psychischer Einschränkungen zurücknehmen, sondern die Leistungen zielgenauer, transparenter und langfristig finanzierbar machen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.aerzteblatt.de/news/warken-gibt-erste-details-zur-pflegereform-bekannt-19b2589d-a2ef-4f1b-bee7-0fe2fa6a22a2?utm_source=chatgpt.com">Ärzteblatt: Warken gibt erste Details zur Pflegereform bekannt</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/pflegeversicherung/forschung/projekte_unterseiten/IGES_Entwicklung_Pflegepraevalenz_Abschlussbericht_final-2026-04-22.pdf?utm_source=chatgpt.com">GKV-Spitzenverband / IGES: Entwicklung der Pflegeprävalenzen und weiterer Kennzahlen seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="GKV-Spitzenverband: Starker Anstieg Pflegebedürftigkeit – Zugang zur Pflege in unteren Pflegegraden prüfen">GKV-Spitzenverband: Starker Anstieg Pflegebedürftigkeit – Zugang zur Pflege in unteren Pflegegraden prüfen</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/bundesrat-versicherungsfremde-leistungen-aus-bundessteuermitteln-finanzieren?utm_source=chatgpt.com">Baden-Württemberg: Bundesrat fordert Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Bundessteuermitteln</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/05/11/pflegereform-was-sich-aendern-koennte/">Pflegereform: Was sich ändern könnte</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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		<item>
		<title>Pflegegrad 1 abschaffen – wirklich? Nachgefragt beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2025/10/02/pflegegrad-1-abschaffen-wirklich-nachgefragt-beim-ministerium-fuer-arbeit-gesundheit-und-soziales-des-landes-nordrhein-westfalen/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2025/10/02/pflegegrad-1-abschaffen-wirklich-nachgefragt-beim-ministerium-fuer-arbeit-gesundheit-und-soziales-des-landes-nordrhein-westfalen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 15:49:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[abschaffung pflegegrad 1]]></category>
		<category><![CDATA[chn]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitswesen]]></category>
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		<category><![CDATA[leistungen der pflegeversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[pflegegrade]]></category>
		<category><![CDATA[pflegepolitk]]></category>
		<category><![CDATA[pflegereform]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Den Pflegegrad 1 abschaffen? Bisher eine BILD-Meldung, die mehrere Medien aufgegriffen haben. In den kommenden Jahren fehlen Milliarden in der Pflegeversicherung. Woher soll das notwendige Geld kommen, wie kann eingespart&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2025/10/02/pflegegrad-1-abschaffen-wirklich-nachgefragt-beim-ministerium-fuer-arbeit-gesundheit-und-soziales-des-landes-nordrhein-westfalen/">Pflegegrad 1 abschaffen – wirklich? Nachgefragt beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Den Pflegegrad 1 abschaffen? Bisher eine BILD-Meldung, die mehrere Medien aufgegriffen haben. In den kommenden Jahren fehlen Milliarden in der Pflegeversicherung. Woher soll das notwendige Geld kommen, wie kann eingespart werden?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Politik steht vor einer unangenehmen und undankbaren Aufgabe: die sozialen Sicherungssysteme müssen finanziell stabilisiert werden. Wie das gelingen kann – dafür gibt es unterschiedliche Vorstellungen und Szenarien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Milliardendefizite – eine Bestandsaufnahme ist überfällig</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch wenn es vielen Menschen nicht bewusst ist – über die Effizienz des Gesundheitssystems wird immer wieder diskutiert. <a href="https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2023/12/germany-country-health-profile-2023_2e55ab0e/21dd4679-en.pdf">Deutschland gibt sehr viel Geld aus</a>, ohne dass die Ergebnisse unbedingt besser wären als in Ländern, die weniger Geld pro Kopf ausgeben.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<!-- Infokasten: Pflegegrade-Reform -->
<style>
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</style>

<aside class="jg-infobox" role="note" aria-label="Infokasten: Pflegegrade">
  <h4>Von Pflegestufen zu Pflegegraden</h4>
  <p>
    Bis Ende 2016 galt in Deutschland das System mit Pflegestufen (Stufen 0, I, II, III).
    Bei Demenz bzw. eingeschränkter Alltagskompetenz war es schwierig, eine Einstufung zu bekommen,
    wenn kein großer Aufwand für körperliche Pflegeleistungen nachgewiesen wurde.
    Mit den Pflegestärkungsgesetzen (vor allem PSG&nbsp;II/III) ab 2013–2017 wurde ein neuer
    Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt, der nicht mehr nur körperliche, sondern auch
    kognitive und psychische Beeinträchtigungen stärker berücksichtigt. Damit sollte insbesondere
    Menschen mit Demenz besser geholfen werden. Seit der Reform gibt es fünf Pflegegrade.
    Der Grad&nbsp;1 steht für „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeit“
    (kein starker Pflegebedarf).
  </p>
</aside>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Aufregung über die Meldung rund um die Abschaffung des Pflegegrades 1 war und ist groß. Mehr als 800.000 Menschen wären direkt betroffen, so die Befürchtung. Ob das so käme, wäre natürlich eine Frage von Übergangsfristen und auch der ganz praktischen Wirkung – wie viele Menschen würden wohl rechtzeitig eine Höherstufung beantragen und auch bekommen? Welche Folgekosten entstünden bei einer plötzlich wegfallenden Unterstützungsleistung? Tatsächlich ist es doch so: die Diskussion darum, ob es wirklich Aufgabe einer PFLEGEversicherung sein kann Putzhilfen in Privathaushalten zu bezahlen, gibt es schon lange. Inhaltlich zumindest – jetzt ist eine verschärfte finanzielle Dimension hinzu und an der Oberfläche angekommen. Die entscheidende Frage ist: was wollen wir mit Leistungen der Pflegeversicherung erreichen, welche Leistungen nutzen den Pflegebedürftigen am meisten &#8211;  und wie erreichen und messen wir das?</p>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Durch den klammen Haushalt hat die Diskussion politisch an Fahrt gewonnen – schon vor einiger Zeit. Nur wurde dies öffentlich kaum wahrgenommen und viele Politprofis scheuen das Thema zumindest öffentlich auch ein wenig, weil die Reaktionen vorhersehbar sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">NRW-Gesundheitsminister: ehrliche Bestandsaufnahme nötig</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Karl-Josef Laumann scheut die Diskussion offenbar nicht. In der Aufregung um die Meldungen zu einer Abschaffung des Pflegegrad 1 sagte er der <a href="https://rp-online.de/wirtschaft/loch-in-pflegekasse-pflegegrad-1-vor-dem-aus-laumann-offen-fuer-reform_aid-135886425">Rheinischen Post</a>: „&#8220;Wir wollen für die Menschen eine verlässliche Pflegeversicherung erhalten und sie zukunftsfest machen. Dazu gehört auch eine ehrliche Bestandsaufnahme nach acht Jahren seit Einführung der neuen Pflegegrade“. Und weiter wird er zitiert mit: „Der Pflegegrad 1 als „Präventionsgrad“ hat nicht dazu geführt, dass sich die Pflegebedürftigkeit weniger stark entwickelt. Eher wurde die Erwartung gestärkt, Pflege umfasse auch Leistungen, die nicht zur Kernaufgabe der Pflegeversicherung zählen.“. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Daraus ergaben sich meinerseits Fragen, die sich leider nicht direkt mit Herrn Minister Laumann klären liessen. Schriftlich teilte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW mit:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:  </strong>Herr Laumann hat darauf hingewiesen, dass beim Pflegegrad 1 auch eine Erwartungshaltung entstanden sei, Leistungen außerhalb der Pflege abzudecken. Welche Leistungen sind damit konkret gemeint?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>MAGS NRW:</strong> Pflegegrad 1 hat grundsätzlich die Zielsetzung, Selbstständigkeit zu erhalten und schwere Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, indem beispielsweise bereits frühzeitig mit Beratung und der Empfehlung von Rehabilitationsmaßnahmen angesetzt werden kann. Acht Jahre nach seiner Einführung ist daher die Frage zu stellen, ob seine derzeitige Ausgestaltung diese Erwartungen wirklich erfüllt hat, oder ob er noch einmal gerade mit Blick auf dieses Ziel neu auszurichten ist. Führen die aktuellen Leistungen gerade im Pflegegrad 1 wirklich dazu, dass Pflegebedürftigkeit vielleicht sogar auch wieder überwunden oder zumindest gemindert werden kann? Im Gesamtkontext einer großen Pflegereform sind genau diese Fragen und damit auch bestehende Strukturen auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls noch einmal anzupassen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong> Jochen Gust:</strong> Neben einer möglichen Streichung des Pflegegrad 1 ist von weiteren Einsparungen die Rede. Welche anderen Sparmaßnahmen stehen aktuell im Raum?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong> MAGS NRW:</strong> Die Reformdiskussionen auf eine reine Diskussion von Sparmaßnahmen zu reduzieren, wird der Arbeit der von der Bundesregierung eingesetzten Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Reform der Pflegeversicherung nicht gerecht. Vielmehr geht es darum, die Pflegeversicherung zukunftsfest zu machen. Dabei ist die Finanzierung zwar ein Teil, aber nicht der ausschließliche. Vielmehr ist auf das Gesamtsystem zu blicken und zu fragen, ob es den Zielen, die man sich mit der Pflegeversicherung gesetzt hat, auch im Wortlaut des Gesetzes, gerecht wird oder ob und an welchen Stellen Anpassungen notwendig sind.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Als Sozial- und Gesundheitspolitiker setzt sich Herr Laumann dafür ein, eine angemessene Versorgung Pflegebedürftiger sicherzustellen. Wie bewertet er die aktuelle und künftige Entwicklung hinsichtlich der Finanzierung der Pflegeversicherung, wenn Reformen jetzt ausbleiben, weil sich dies politisch nicht durchsetzen lässt im erforderlichen Umfang? Wird der Bund nicht ohnehin Defizite ausgleichen (müssen) – auch ohne Reformen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>MAGS NRW:</strong> Ziel der Bund-Länder-Arbeitsgruppe ist es, zum Ende des Jahres konsensfähige Vorschläge, auch zur künftigen Finanzierung der Pflegeversicherung, zu unterbreiten.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">(Antworten v. Referat Presse; 02.10.2025, schriftl. Anfrage).</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr Präventionsleistungen sind wünschenswert und sinnvoll</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn wirklich Prävention das Ziel ist, wird das ohne pflegefachliche Begleitung und Expertise nicht gehen. Zeit, das Thema <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/07/demenz-und-community-health-nursing/">Community Health Nursing</a> nochmal anzusprechen? Wünschenswert wäre aus meiner Sicht (nicht nur) im Bereich der Versorgung und Unterstützung von Menschen mit Demenz, wenn mehr Alltagsbetreuung und mehr pflegefachliche Begleitung ermöglicht würde. Ich kann die Kritik und die Sorgen um den Pflegegrad 1 natürlich nachvollziehen und teile sie auch, wenn Worte wie „Abschaffung“ fallen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Momentan sehe ich eine komplette, sprich „ersatzlose“, Streichung des Pflegegrades 1 als kaum realistisches Szenario an. Kluge Politik stärkt Prävention. Prävention stärkt man nicht, in dem man Menschen mit Unterstützungsbedarf einfach etwas streicht. Ich erwarte also eher Veränderungen, denn eine komplette Streichung. Möglicherweise auch eine Verlagerung von Leistungen in den andere Töpfe / Aufgabenbereiche. Auch das wäre eine denkbare „Strategie“, um Kosten bei der Pflegeversicherung einzusparen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Solange es keine konkret nachlesbaren Planungen, keine Gesetzentwurf gibt, bleibt es bei Spekulationen. Ich halte es im Sinne aller Versicherten für geboten, dass diese baldmöglichst beendet werden können. Dafür muss die Politik etwas Konkretes vorlegen. Alles andere hält Menschen in Unsicherheit. Das können gerade Betroffene und deren Angehörige überhaupt nicht gebrauchen, zusätzlich zu all den ohnehin bestehenden Belastungen.  </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In diesem Sinne, Frau Gesundheitsministerin Warken und Herr Minister Laumann: bitte werden sie konkret – möglichst bald. &nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2025/10/02/pflegegrad-1-abschaffen-wirklich-nachgefragt-beim-ministerium-fuer-arbeit-gesundheit-und-soziales-des-landes-nordrhein-westfalen/">Pflegegrad 1 abschaffen – wirklich? Nachgefragt beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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