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	<title>sturzprävention Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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	<title>sturzprävention Archive - Demenz-Zeitung</title>
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		<title>Demenz im Krankenhaus: Warum Führungskräfte handeln müssen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 May 2026 11:25:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Problem ist, dass Demenz in vielen Häusern nicht konsequent als Führungs-, Qualitäts- und Risikothema behandelt wird. Zu oft bleibt es bei engagierten Einzelpersonen, einzelnen Fortbildungen oder gut gemeinten Projekten.&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/05/27/demenz-im-krankenhaus-warum-fuehrungskraefte-handeln-muessen/">Demenz im Krankenhaus: Warum Führungskräfte handeln müssen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Problem ist, dass Demenz in vielen Häusern nicht konsequent als Führungs-, Qualitäts- und Risikothema behandelt wird. Zu oft bleibt es bei engagierten Einzelpersonen, einzelnen Fortbildungen oder gut gemeinten Projekten. Diese enden oft, gerade für die Engagierten, frustrierend. Initiativen sterben einen &#8211; im Gesundheitswesen sehr verbreiteten &#8211; Projekttod: leise und schleichend.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz sind längst Teil der Regelversorgung. Sie kommen in die Notaufnahme, auf internistische, chirurgische, geriatrische, neurologische und unfallchirurgische Stationen. Sie kommen wegen Herzinsuffizienz, Infekten, Stürzen, Frakturen, Dehydration, Schmerzen, Operationen oder akuten Verschlechterungen. Die Demenz ist dabei keineswegs immer die Hauptdiagnose. Aber sie verändert nahezu immer die Bedingungen der Behandlung und Versorgung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Robert Koch-Institut verweist für Deutschland auf etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz im Jahr 2021. Das DZNE rechnet langfristig mit einem weiteren deutlichen Anstieg, unter anderem wegen der demografischen Entwicklung. Bis 2050 wird mit bis zu 2,7 Millionen Betroffenen gerechnet. Damit ist klar: Krankenhäuser werden künftig nicht weniger, sondern mehr Patientinnen und Patienten mit Demenz versorgen müssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Demenz ist kein Sonderthema mehr</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele Krankenhäuser arbeiten noch immer so, als seien kognitive Einschränkungen ein Sonderfall. Der normale Ablauf setzt voraus, dass Patientinnen und Patienten verstehen, warten, kooperieren, sich erinnern, Schmerzen beschreiben, Klingeln nutzen, Anweisungen umsetzen und Entlassinformationen aufnehmen können. Bei Menschen mit Demenz ist genau das häufig eingeschränkt. Wer Demenz im Krankenhaus nicht systematisch berücksichtigt, behandelt nicht einfach „wie immer“ weiter. Er behandelt unter Bedingungen, die er fachlich und organisatorisch nicht ausreichend einplant.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In vielen Kliniken wird Demenzsensibilität noch immer<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/08/27/demenz-im-krankenhaus-warum-die-versorgung-so-oft-scheitert-und-was-sich-aendern-muss/"> als weiches Thema behandelt</a>. Als etwas, das wünschenswert wäre, wenn mehr Zeit, mehr Personal und mehr Geld vorhanden wären. Diese Sicht ist verständlich, aber gefährlich. Denn Demenzsensibilität ist keine freundliche Zusatzleistung. Sie ist eine Frage der Patientensicherheit, der Prozessqualität, der Wirtschaftlichkeit und der Personalbindung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wäre es schön, wenn Krankenhäuser demenzsensibler würden? Die entscheidende Frage lautet: Was kostet es, wenn sie es nicht werden?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/bildaufgabenfuehrungskraefte.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="725" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/bildaufgabenfuehrungskraefte-1024x725.png" alt="" class="wp-image-3617" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/bildaufgabenfuehrungskraefte-1024x725.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/bildaufgabenfuehrungskraefte-300x212.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/bildaufgabenfuehrungskraefte-768x543.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/bildaufgabenfuehrungskraefte-1320x934.png 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/05/bildaufgabenfuehrungskraefte.png 1491w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Widerstand ist nicht zwecklos, sondern durchaus erfolgreich</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2019/11/02/was-macht-eigentlich-ein-demenzbeauftragter-im-krankenhaus/">Demenzbeauftragter</a> habe ich gelernt: Widerstand im Krankenhaus tritt eher selten als offene Gegnerschaft auf. Kaum jemand sagt offen, dass Menschen mit Demenz keine Rolle spielen sollen. Viel häufiger entsteht eine Art Treibsand, durch den man sich mühsam bewegen muss. Alle verstehen das Anliegen, alle nicken, niemand widerspricht grundsätzlich – und doch verändert sich im Alltag kaum etwas.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="border-left: 6px solid #6b4f8a; background: #f7f3fb; padding: 18px 22px; margin: 24px 0; font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; color: #1f1f1f; line-height: 1.5;">
  <h3 style="margin: 0 0 12px 0; color: #3f2b56; font-size: 1.2em;">
    Demenzbeauftragte brauchen mehr als einen Titel
  </h3>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Ein Demenzbeauftragter ohne Auftrag, Zeit und Leitungseinbindung wird schnell zur Symbolfigur. Er soll beraten, schulen, Konzepte schreiben und schwierige Situationen lösen – oft ohne echte Entscheidungsmöglichkeiten.
  </p>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Wirksam wird diese Rolle erst, wenn sie organisatorisch verankert ist: mit definierten Zeitanteilen, klaren Zuständigkeiten, Zugang zu relevanten Besprechungen und Rückendeckung durch Pflegeleitung, ärztliche Leitung, Qualitätsmanagement und Geschäftsführung.
  </p>

  <p style="margin: 0;">
    Der Titel allein verändert keine Versorgung. Entscheidend ist, ob aus Beobachtungen verbindliche Abläufe, Schulungen, Auswertungen und konkrete Verbesserungen auf Station entstehen.
  </p>
</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das zeigt ein Grundproblem: Demenz wird im Krankenhaus häufig nicht als klinisch relevanter Faktor verstanden, sondern als störender Begleitumstand. Als etwas, das den Ablauf erschwert, aber nicht zum eigentlichen Behandlungsauftrag gehört. Für mich war und ist der offene Widerstand gegen etwas Neues eher nicht das Problem. Mit diesen Kolleginnen und Kollegen ist Auseinandersetzung möglich. Schwieriger und mitunter gefährlich ist die freundliche Zustimmung ohne Folgen. Das Thema wird gelobt, verschoben, vertagt, in Arbeitsgruppen geparkt oder an Einzelpersonen delegiert. So entsteht der Eindruck, etwas sei in Bewegung – während der Alltag auf Station nahezu unverändert bleibt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer als Demenzbeauftragter etwas verändern will, muss deshalb nicht nur Wissen vermitteln. Er muss Strukturen sichtbar machen, die Veränderung verhindern: fehlende Zuständigkeiten, fehlende Zeitfenster, fehlende Leitungsvorgaben, fehlende Dokumentationsorte, fehlende Schnittstellen und die unausgesprochene Erwartung, dass Pflegefachpersonen das schon irgendwie nebenbei auffangen.<br>Das heißt im Klartext, dass man sich ggfs. entscheiden muss: möchte ich eine sehr beliebte Person innerhalb der Organisation sein? Oder etwas verändern? Man kann nicht immer beides haben. Zumindest nicht jeder Zeit.  </p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Was fehlende Demenzsensibilität kostet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Krankenhäuser stehen unter wirtschaftlichem Druck. Genau deshalb wird Demenzsensibilität manchmal als Zusatzaufgabe betrachtet: wichtig, aber im Alltag kaum finanzierbar. Diese Sicht greift zu kurz, denn die Kosten entstehen dann an anderer Stelle: Stürze, Delirien, Dehydration, Mangelernährung, sedierende Medikamente, Konflikte mit Angehörigen, verzögerte Diagnostik, Entlassprobleme, Beschwerden und Wiederaufnahmen (Drehtüreffekte).</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Führungskräfte ist das der Punkt: Demenzsensibilität kostet Zeit und Ressourcen. Fehlende Demenzsensibilität kostet aber ebenfalls – oft unsichtbarer, unplanbarer und teurer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Pflege fängt auf, was strukturell fehlt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Demenz im Krankenhaus nicht organisiert, verlagert die Arbeit meist auf die Pflegefachpersonen. Sie sind es, die die Folgen ungeeigneter Abläufe unmittelbar auffangen: Unruhe, Angst, Abwehr, Weglauftendenzen, nächtliches Rufen, Sturzgefahr, verweigerte Diagnostik, Ess- und Trinkprobleme, Angehörigenkonflikte und Delirverdacht. Das Problem ist nicht der einzelne Mensch mit Demenz. Das Problem ist ein Krankenhausalltag, der häufig so organisiert ist, als könnten alle Patienten verstehen, kooperieren, warten und sich selbst stabilisieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn das nicht gelingt, entsteht Mehrarbeit: erklären, beruhigen, begleiten, nachtelefonieren, sichern, dokumentieren, deeskalieren, Ersatzlösungen finden. Diese Arbeit ist fachlich anspruchsvoll, wird aber häufig nicht als eigene Leistung sichtbar. Genau dadurch entsteht zusätzliche Belastung. Pflegefachpersonen erleben nicht nur „mehr zu tun“. Sie erleben oft auch, dass sie fachlich nicht so handeln können, wie es nötig wäre. Zu wenig Zeit. Zu wenig geeignete Räume. Zu wenig ärztliche Abstimmung. Zu wenig Rückendeckung. Zu wenig verlässliche Informationen von Angehörigen oder Vorversorgern.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dauerüberlastung, das ständige Gefühl zu wissen wie es besser sein könnte ohne umsetzen zu können, auch Hilflosigkeit gegenüber unerwartetem Verhalten – all das sorgt für zusätzlichen Stress. Und jede vermeidbare Zusatzbelastung wirkt in ein System hinein, das ohnehin angespannt ist. Wer Demenzversorgung nur improvisiert, riskiert mehr Frustration, mehr krankheitsbedingte Ausfälle, mehr Stundenreduzierungen und mehr Abwanderung aus belastenden Arbeitsbereichen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenzsensible Strukturen sind deshalb nicht nur ein Angebot für Patientinnen, Patienten und Angehörige. Sie sind auch ein Beitrag zur Personalbindung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schlechte Erfahrungen bleiben nicht im Krankenhaus</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt: Schlechte Demenzerfahrungen bleiben heute nicht mehr im Familienkreis. Sie landen in Google-Rezensionen, Klinikbewertungen, sozialen Medien oder Erfahrungsberichten auf Bewertungsportalen. Wer solche Bewertungen liest, findet immer wieder ähnliche Vorwürfe: Die Mutter habe nicht genug getrunken. Der Vater sei nach dem Aufenthalt deutlich verwirrter gewesen. Niemand habe richtig zugehört. Angehörige seien nicht einbezogen worden. Die Patientin sei gestürzt. Die Entlassung sei unverständlich gewesen. Das Personal sei überfordert, genervt oder nicht erreichbar gewesen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob jede einzelne Bewertung fachlich vollständig und fair ist, steht auf einem anderen Blatt. Für Krankenhausleitungen ist aber entscheidend: Diese Bewertungen prägen das Bild des Hauses mit. Sie sind öffentlich, emotional, leicht auffindbar und für andere Angehörige oft glaubwürdiger als jede Imagebroschüre oder humorvolles Tiktok-Video.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Menschen mit Demenz bewerten Angehörige nicht nur das medizinische Ergebnis. Sie bewerten, ob der Mensch gesehen wurde. Ob jemand erklärt hat, was geschieht. Ob Essen, Trinken, Orientierung, Schutz, Kommunikation und Entlassung funktioniert haben. Ein Krankenhaus kann medizinisch gute Arbeit leisten und trotzdem öffentlich schlecht wahrgenommen werden, wenn Angehörige den Eindruck haben, dass ein Mensch mit Demenz dort nicht sicher oder würdevoll versorgt wurde.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Natürlich: Online-Bewertungen sind keine wissenschaftliche Qualitätsmessung. Aber sie können ein Frühwarnsystem für erlebte Versorgungsqualität sein. Wenn Angehörige von Menschen mit Demenz immer wieder ähnliche Defizite schildern, sollte das nicht als bloßes Internetgemecker abgetan werden. Es kann auf strukturelle Schwachstellen hinweisen: Kommunikation, Angehörigeneinbindung, Ess- und Trinkunterstützung, Sturzprävention, Delirprävention, Entlassmanagement oder Umgang mit herausfordernden Situationen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="border-left: 6px solid #1f5f8b; background: #f3f8fb; padding: 18px 22px; margin: 24px 0; font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; color: #1f1f1f; line-height: 1.5;">
  <h3 style="margin: 0 0 12px 0; color: #123a5a; font-size: 1.2em;">
    Angehörige bewerten nicht nur Medizin
  </h3>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Schlechte Erfahrungen mit Demenz im Krankenhaus bleiben heute nicht mehr im Familienkreis. Sie erscheinen in Google-Rezensionen, Klinikbewertungen, sozialen Medien oder persönlichen Erfahrungsberichten.
  </p>

  <p style="margin: 0 0 12px 0;">
    Häufig geht es dabei nicht nur um Diagnostik oder Operationsergebnisse. Angehörige beschreiben, ob der Mensch gesehen wurde: Hat er genug getrunken? Wurde Verwirrtheit ernst genommen? Gab es Orientierung? Wurden Angehörige einbezogen? War die Entlassung verständlich?
  </p>

  <p style="margin: 0;">
    Solche Bewertungen sind keine wissenschaftliche Qualitätsmessung. Sie können aber ein Frühwarnsystem sein. Wenn ähnliche Beschwerden immer wieder auftauchen, sollten Führungskräfte prüfen, ob dahinter strukturelle Schwachstellen stehen.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Demenzsensibilität ernst meint,<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/05/20/kampf-dem-arbeitskreis-warum-solche-gremien-oft-mehr-schaden-als-nuetzen/"> muss sie organisieren</a>. Nicht als Sonderprojekt für Idealisten, sondern als verbindlichen Bestandteil der Versorgung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Versuchen Sie nicht den perfekten ersten Schritt zu entwickeln. Aber machen Sie einen.</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Frage ist nicht, ob alle sofort begeistert sind. Widerstand wird es geben. Entscheidend ist, ob Leitung erkennbar macht: Das ist kein privates Lieblingsthema einzelner Mitarbeitender. Das ist Teil unserer Versorgungsqualität. Die Frage lautet deshalb nicht, ob Krankenhäuser sich zusätzlich um Demenz kümmern sollten. Die Frage lautet, wie lange sie es sich leisten können, Demenz nicht systematisch in ihre Prozesse einzubauen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/05/27/demenz-im-krankenhaus-warum-fuehrungskraefte-handeln-muessen/">Demenz im Krankenhaus: Warum Führungskräfte handeln müssen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Sturzrisiko bei Demenz: Nicht nur die Medikamente zählen</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/01/14/sturzrisiko-bei-demenz-nicht-nur-die-medikamente-zaehlen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2026 13:17:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sturzgefahr bei Menschen mit Demenz wird häufig schnell mit „zu vielen Medikamenten“ oder „Psychopharmaka“ erklärt. Ein aktueller Posterbeitrag (Posterpräsentation) aus Alzheimer’s &#38; Dementia setzt hier einen wichtigen Kontrapunkt: In einer&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/01/14/sturzrisiko-bei-demenz-nicht-nur-die-medikamente-zaehlen/">Sturzrisiko bei Demenz: Nicht nur die Medikamente zählen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Sturzgefahr bei Menschen mit Demenz wird häufig schnell mit „zu vielen Medikamenten“ oder „Psychopharmaka“ erklärt. Ein aktueller Posterbeitrag (Posterpräsentation) aus Alzheimer’s &amp; Dementia setzt hier einen wichtigen Kontrapunkt: In einer Stichprobe von 185 Menschen mit klinisch diagnostizierter Alzheimer-Erkrankung und klinisch bedeutsamen neuropsychiatrischen Symptomen (zum Beispiel Unruhe oder Agitation) zeigte sich das Sturzrisiko vor allem in Abhängigkeit vom funktionellen Demenzstadium (FAST). Die Anzahl der Psychopharmaka und die Anzahl anderer Medikamente waren in den statistischen Modellen dagegen nicht signifikant mit dem Sturzrisiko (Morse Fall Scale) verbunden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was das bedeutet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In fortgeschrittenen Stadien ist das Grundrisiko zu Stürzen oft „stadiumsgetrieben“: eingeschränkte Stand- und Gangstabilität, Impulsaufstehen, fehlende Gefahreneinsicht, unsichere Transfers und nächtliche Wege sind zentrale Treiber. Entsprechend sollte Sturzprävention weniger als reine Medikationsfrage verstanden werden, sondern als konsequente Alltags- und Prozessarbeit: sichere Transfers (Bett–Stuhl–Toilette), ausreichende Begleitung in Hochrisikozeiten (Abend, Nacht, Schichtwechsel), klare Wegeführung, gutes Licht, passende Hilfsmittel, sichere Schuhe, sowie die dokumentierte Beobachtung typischer Auslöser und Situationen. Es unterstreicht die Wichtigkeit pflegerisch-therapeutischer Begleitung und Anleitung einerseits. Es ist aber auch ein Hinweis auf die enorme Bedeutung, die geriatrische Arbeit leisten kann, wenn sie &#8222;demenzgerecht&#8220; gemacht ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtige Einordnung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Ergebnis bedeutet nicht, dass Medikamente „egal“ sind. Es bedeutet, dass die bloße Anzahl in <strong>dieser Gruppe kein verlässlicher Hebel</strong> war. Für die Praxis bleibt der Medikationscheck sinnvoll, aber zielgerichtet: Welche Substanzen begünstigen Sedierung, Orthostase, Gangunsicherheit oder Delir? Pflege kann hier durch präzise Beobachtungen nach Änderungen (Schwanken, Tagesmüdigkeit, Blutdruckabfälle, neue Verwirrtheit) die ärztliche Anpassung fachlich stützen. Gleichzeitig sollte der Schwerpunkt der Sturzprävention im Team sichtbar auf Funktionsniveau, Transfersicherheit und situativer Unterstützung liegen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quelle: <a href="https://alz-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/alz70857_102061">Gok, S. et al. (2025). Fall Risk and Psychotropic and General Medication Use in Dementia with Neuropsychiatric Symptoms. Posterpräsentation (Posterabstract), Alzheimer’s &amp; Dementia, 21(Suppl. 3), e102061. DOI: 10.1002/alz70857_102061</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/01/14/sturzrisiko-bei-demenz-nicht-nur-die-medikamente-zaehlen/">Sturzrisiko bei Demenz: Nicht nur die Medikamente zählen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Demenz im Krankenhaus: warum die Versorgung so oft scheitert und was sich ändern muss</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2025 10:46:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Krankenhausaufenthalt ist für die meisten Menschen eine Ausnahmesituation. Für Menschen mit Demenz bedeutet er jedoch häufig eine existentielle Krise. Angehörige berichten immer wieder, dass ihre Mutter oder ihr Vater&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2025/08/27/demenz-im-krankenhaus-warum-die-versorgung-so-oft-scheitert-und-was-sich-aendern-muss/">Demenz im Krankenhaus: warum die Versorgung so oft scheitert und was sich ändern muss</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ein Krankenhausaufenthalt ist für die meisten Menschen eine Ausnahmesituation. Für Menschen mit Demenz bedeutet er jedoch häufig <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/08/19/delir-im-krankenhaus-warum-menschen-mit-demenz-besonders-gefaehrdet-sind/">eine existentielle Krise</a>. Angehörige berichten immer wieder, dass ihre Mutter oder ihr Vater nach dem Klinikaufenthalt „wie ausgewechselt“ sei – orientierungslos, deutlich schwächer, nicht selten mit bleibenden bleibenden Einschränkungen und höherem Versorgungsbedarf als zuvor. Studien bestätigen diese Erfahrungen: Der Krankenhausaufenthalt ist für Menschen mit Demenz riskant. Warum ist das so, welche Folgen hat es – und was müsste sich ändern?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn Strukturen nicht passen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/30/krankenhaus-report-2025-kliniken-unzureichend-vorbereitet-auf-steigende-zahl-hochaltriger-patienten-pflege-spielt-schluesselrolle/">Krankenhäuser sind in erster Linie auf akute medizinische Probleme ausgerichtet:</a> Herzinfarkte, Infektionen, Operationen. Und eine Demenz an und für sich ist erstmal kein akutes medizinisches Problem. Demenz gilt häufig nur als Nebendiagnose bei einem Krankenhausaufenthalt &#8211;  obwohl sie den gesamten Behandlungsverlauf mitbestimmt. Für Menschen mit Demenz bedeutet die Klinik fast immer den Verlust von Orientierung, Routinen und vertrauten Bezugspersonen. Hinzu kommt, dass viele Krankenhäuser baulich und organisatorisch nicht auf die besonderen Bedürfnisse dieser Patientengruppe eingestellt sind. Lange, unübersichtliche Flure, wechselndes Personal, grelles Licht, hektische Abläufe – all das verstärkt Unsicherheit und Angst. Angehörige erleben daher oft, dass ihre demenzerkrankten Familienmitglieder im Krankenhaus regelrecht „untergehen“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schlechtere Behandlungsergebnisse</h2>



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  <h3 id="ig-demenz-titel">Schlechtere Behandlungsergebnisse – Demenz im Krankenhaus</h3>
  <p class="lead">Vergleich von Patient:innen <strong>mit</strong> vs. <strong>ohne</strong> Demenz (stationär). Relatives Risiko (adjusted OR) und ausgewählte Komplikationsraten.</p>

  <div class="grid">
    <!-- Block 1: Relatives Risiko/OR -->
    <div class="card">
      <div class="subhead">Relatives Risiko (adjusted OR) – während des Aufenthalts</div>
      <div class="tiny">Skala bis +50 % (höher = häufiger bei Patient:innen mit Demenz)</div>

      <div class="riskbar" style="--val:32">
        <div class="label">Akutes Organversagen</div>
        <div class="barwrap"><div class="bar"></div></div>
        <div class="val">+32 %</div>
      </div>

      <div class="riskbar" style="--val:50">
        <div class="label">Schwere Sepsis</div>
        <div class="barwrap"><div class="bar"></div></div>
        <div class="val">+50 %</div>
      </div>

      <div class="riskbar" style="--val:28">
        <div class="label">Krankenhaussterblichkeit</div>
        <div class="barwrap"><div class="bar"></div></div>
        <div class="val">+28 %</div>
      </div>

      <div class="tiny" style="margin-top:8px">Hinweis: Prozentwerte entsprechen ungefähr den aOR-Steigerungen (1,32; 1,50; 1,28).</div>
    </div>

    <!-- Block 2: Komplikationsraten -->
    <div class="card">
      <div class="subhead">Komplikationsraten (Demenz vs. ohne Demenz)</div>

      <div class="legend">
        <span><i style="background:#1f6feb"></i>Demenz</span>
        <span><i style="background:#9bbcf6"></i>ohne Demenz</span>
      </div>

      <!-- UTI -->
      <div class="pair">
        <div class="what">Harnwegsinfektion</div>
        <div>
          <div class="scale" aria-label="Demenz 13,4 %">
            <span class="dmn" style="width:13.4%"></span>
          </div>
          <div class="tiny">Demenz: 13,4 %</div>
        </div>
        <div>
          <div class="scale" aria-label="ohne Demenz 7,9 %">
            <span class="nod" style="width:7.9%"></span>
          </div>
          <div class="tiny">ohne Demenz: 7,9 %</div>
        </div>
      </div>

      <!-- Pneumonie -->
      <div class="pair">
        <div class="what">Pneumonie</div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="dmn" style="width:4.8%"></span></div>
          <div class="tiny">Demenz: 4,8 %</div>
        </div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="nod" style="width:3.5%"></span></div>
          <div class="tiny">ohne Demenz: 3,5 %</div>
        </div>
      </div>

      <!-- Dekubitus -->
      <div class="pair">
        <div class="what">Dekubitus</div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="dmn" style="width:5.9%"></span></div>
          <div class="tiny">Demenz: 5,9 %</div>
        </div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="nod" style="width:3.8%"></span></div>
          <div class="tiny">ohne Demenz: 3,8 %</div>
        </div>
      </div>

      <!-- Delir -->
      <div class="pair">
        <div class="what">Delir</div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="dmn" style="width:4.0%"></span></div>
          <div class="tiny">Demenz: 4,0 %</div>
        </div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="nod" style="width:1.5%"></span></div>
          <div class="tiny">ohne Demenz: 1,5 %</div>
        </div>
      </div>

      <p class="tiny" style="margin-top:8px">Zusatz: Mindestens eine der vier Komplikationen tritt bei Demenz-Patient:innen deutlich häufiger auf (RR ≈ 2,5).</p>
    </div>

    <!-- Block 3: Einordnung -->
    <div class="card">
      <div class="subhead">Einordnung &#038; Methodik (Kurz)</div>
      <ul class="tiny" style="margin:0 0 6px 18px">
        <li>Vergleich stationärer Verläufe <em>mit</em> vs. <em>ohne</em> Demenz; alters- und komorbiditätsbereinigt (aOR/RR).</li>
        <li>Komplikationsraten stammen aus einem bevölkerungsweiten Kollektiv (New South Wales, Australien; 2006–2007), risikoadjustiert auf Episodebene.</li>
      </ul>
      <div class="qnote">
        <small><strong>Quellen:</strong>
          Shen&nbsp;HN et al., PLoS ONE 2012 (aOR 1,32/1,50/1,28);
          Bail&nbsp;K et al., BMJ Open 2013 (Komplikationsraten);
          Bail&nbsp;K et al., BMC Health Services Research 2015 (Kosten &#038; RR≈2,5).
        </small>
        <small>
          <a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0042751" target="_blank" rel="noopener">PLoS ONE 2012</a> ·
          <a href="https://bmjopen.bmj.com/content/3/6/e002770" target="_blank" rel="noopener">BMJ Open 2013</a> ·
          <a href="https://bmchealthservres.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12913-015-0743-1" target="_blank" rel="noopener">BMC HSR 2015</a>
        </small>
      </div>
    </div>
  </div>
</section>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz haben im Krankenhaus nachweislich schlechtere Outcomes als andere ältere Patientinnen und Patienten. Komplikationen wie Infektionen, Stürze, Mangelernährung und Dekubitus treten bei Demenzkranken signifikant häufiger auf. Sie liegen im Schnitt drei bis sieben Tage länger als vergleichbare Patienten ohne Demenz. Auch die Sterblichkeit ist erhöht. Viele Betroffene verlassen die Klinik in einem deutlich schlechteren Zustand – Mobilität, Alltagskompetenzen oder Kommunikationsfähigkeit gehen verloren. Innerhalb von 30 Tagen nach Entlassung kommt es zudem deutlich häufiger zu erneuten stationären Aufnahmen (Drehtür-Effekt). Besonders gravierend ist der dauerhafte Verlust an Selbstständigkeit. Nicht selten ist ein Krankenhausaufenthalt der Kipppunkt, nach dem eine Pflegeheimaufnahme unvermeidbar wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Belastung für die Mitarbeitenden jeder Klinik</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch für Pflegefachpersonen und Ärzte ist die Situation belastend. Menschen mit Demenz benötigen mehr Zuwendung, Orientierung und Begleitung – in einem System, das auf Effizienz und schnelle Abläufe getrimmt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unruhe, Verweigerung von Untersuchungen oder Weg/Hinlauftendenzen stellen die Mitarbeitenden vor Herausforderungen, für die oft weder Zeit noch Schulungen vorhanden sind. Pflegende berichten von Frustration, Stress und dem Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Das führt zu moralischem Druck (moral distress) &nbsp;und einem erhöhten Burnout- oder Coolout-Risiko. Das Ergebnis sind schlechte Erfahrungen für Patienten und Angehörige bei gleichzeitiger Überforderung der Mitarbeitenden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Teure Fehlversorgung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die schlechte Versorgung ist nicht nur menschlich belastend, sondern auch teuer. Menschen mit Demenz verursachen durch längere Liegezeiten, zusätzliche Komplikationen und Wiederaufnahmen zum Teil deutlich höhere Kosten als andere Patienten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland werden die Zusatzkosten pro Fall auf rund 1.200 Euro geschätzt, bei verlängerten Liegezeiten kommen pro Tag weitere 500 bis 1.500 Euro hinzu. Internationale Studien sprechen von Mehrkosten im fünfstelligen Dollarbereich pro Jahr und Patient. Summiert auf die steigende Zahl Betroffener entstehen so Milliardenkosten – für etwas, das durch demenzsensible Strukturen zumindest teilweise vermeidbar wäre.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Strukturelle Probleme und Fehlanreize</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Warum ändern die Kliniken das nicht einfach? Der Grund liegt u.a. im Finanzierungssystem. Abgerechnet wird über Fallpauschalen (DRGs). Gezahlt wird für die Hauptdiagnose und bestimmte Prozeduren – nicht für den tatsächlichen (Pflege)Aufwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demenz taucht zwar oft als Nebendiagnose auf, erhöht die Vergütung aber nur geringfügig. Der Mehraufwand in der Pflege, die längere Aufenthaltsdauer und die zusätzlichen Risiken bleiben unvergütet. Für die Kliniken bedeutet das: viel Arbeit, aber kein finanzieller Vorteil. Präventive und begleitende Maßnahmen lohnen sich systemseitig nicht. So entsteht ein Teufelskreis: Je komplexer der Patient, desto unwirtschaftlicher wird seine Versorgung für das Krankenhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich noch als <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2019/11/02/was-macht-eigentlich-ein-demenzbeauftragter-im-krankenhaus/">Demenzbeauftragter im Krankenhaus</a> gearbeitet habe, habe ich gesehen wie viel geändert werden kann und wie effektiv eine Sonderstation sein kann. Es gibt schließlich auch Krankenhäuser, die sich des Themas (teils schon lange) angenommen haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Politische Forderungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dass sich insgesamt etwas ändern muss, ist inzwischen erkannt. In der Nationalen Demenzstrategie, die Bund, Länder und Fachverbände gemeinsam beschlossen haben, werden konkrete Maßnahmen benannt: Demenzsensible Krankenhäuser sollen etabliert werden – durch bauliche Anpassungen, feste Abläufe und geschultes Personal. Angehörige sollen systematisch einbezogen werden, da sie wichtige Informationsquellen und Orientierungspersonen sind. Zudem sind Schulungen und Weiterbildungen für alle Berufsgruppen vorgesehen, die im Krankenhaus mit Menschen mit Demenz zu tun haben. Nicht zuletzt geht es um neue Finanzierungsmodelle: Der erhöhte Pflegeaufwand muss abgebildet werden, um demenzsensible Strukturen wirtschaftlich möglich zu machen. Die puren Zahlen geben es her: Demenz im Krankenhaus darf keine Nebensache sein, sondern muss in der Krankenhausplanung und -finanzierung als zentrale Herausforderung berücksichtigt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: Menschlich und wirtschaftlich notwendig</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Krankenhäuser sind für Menschen mit Demenz aktuell Hochrisiko-Orte. Für die Betroffenen bedeutet das Leid und Verlust an Lebensqualität, für Angehörige Frustration, für Mitarbeitende Überlastung. Und für uns alle: vermeidbare Kosten in Milliardenhöhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/24/viele-bausteine-fuehren-zum-demenzfreundlichen-krankenhaus/">Demenzsensible Strukturen</a>, mehr und regelmäßig praxisnahe Schulungen, Einbindung der Angehörigen und eine Finanzierung, die den tatsächlichen Aufwand abbildet. Das wäre nicht nur menschlich geboten, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Solange diese Veränderungen ausbleiben, bleibt der Satz vieler Angehöriger leider bittere Realität: „Das Krankenhaus hat mehr geschadet, als geholfen.“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade vor diesem Hintergrund tue ich mich schwer, wenn seitens Beratungsstellen oder auf Webseiten empfohlen wird, Menschen mit Demenz ins Krankenhaus einweisen zu lassen, wenn kein (Kurzzeit)Pflegeplatz von Angehörigen gefunden wird. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/05/20/der-bahnhof-krankenhaus-broeckelt/">Krankenhäuser sind nicht die geeigneten Verschiebebahnhöfe </a>für Menschen mit Demenz und können ein strukturelles Problem an anderer Stelle nicht mal eben abfangen. Wer Menschen mit Demenz ins Krankenhaus einweisen lässt um für <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2019/12/11/achtung-ueberlieger-kurzzeitpflege-im-krankenhaus/">einen Zeitpuffer</a> zu sorgen oder weil das dortige Entlassmanagement schließlich <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/04/16/studie-oftmals-koennen-leistungen-nicht-in-anspruch-genommen-werden-weil-die-anbieter-oder-plaetze-fehlen/">„irgendeine“ Lösung für den fehlenden Pflegeplatz</a> finden muss nimmt zumindest in Kauf, dass die Prozedur den Betroffenen schadet. Das entbindet Krankenhäuser nicht von ihrer Verantwortung Menschen mit Demenz besser zu versorgen. Krankenhauseinweisungen sollten jedoch nicht als Abkürzung aus einem strukturellen Problem normalisiert werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">*Die Prozentwerte im oberen Block sind relative Risikoanstiege (adjusted OR) bei Demenz im Vergleich zu Nicht-Demenz im Krankenhaus (nicht „absolutes Risiko durch Krankenhaus“). Die Raten unten sind risikoadjustierte Komplikationsraten in einem großen Verwaltungsdatensatz (NSW, Australien).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2025/08/27/demenz-im-krankenhaus-warum-die-versorgung-so-oft-scheitert-und-was-sich-aendern-muss/">Demenz im Krankenhaus: warum die Versorgung so oft scheitert und was sich ändern muss</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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					<wfw:commentRss>https://demenz-zeitung.de/2025/08/27/demenz-im-krankenhaus-warum-die-versorgung-so-oft-scheitert-und-was-sich-aendern-muss/feed/</wfw:commentRss>
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