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	<title>wiedervereinigung Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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		<title>36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 23:18:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost und West längst nicht in allen Lebensbereichen verschwunden. Auch bei Pflege und Demenz zeigen aktuelle Daten regionale Muster. Manche Unterschiede&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/">36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost und West längst nicht in allen Lebensbereichen verschwunden. Auch bei Pflege und Demenz zeigen aktuelle Daten regionale Muster. Manche Unterschiede sind deutlich, andere erstaunlich klein – und nicht für jede naheliegende Frage gibt es überhaupt belastbare Daten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Blick auf die Häufigkeit von Demenzerkrankungen, häusliche Pflege und die Bezahlung von Altenpflegeprofis zeigt vor allem eines: ein einfaches „Ost gegen West“ wird der Wirklichkeit selten gerecht.  </p>



<h2 class="wp-block-heading">Bei Demenz zeigt sich weiterhin ein Ost-West-Muster</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders interessant sind aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts. Auf Grundlage von Krankenkassen-Routinedaten wurde untersucht, wie häufig diagnostizierte Demenzerkrankungen regional auftreten. Für das Jahr 2022 ergibt sich eine administrative Demenzprävalenz von 2,8 Prozent bei Menschen ab 40 Jahren. Bei den über 65-Jährigen waren es 6,9 Prozent.</p>



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  <strong>Wichtig zur Einordnung:</strong><br><br>
  Die Formulierung „höhere Demenzprävalenz im Osten“ ist erklärungsbedürftig. Gemessen wurde eine <em>administrative Prävalenz</em>: Grundlage sind ärztlich dokumentierte Diagnosen in Krankenkassendaten. Menschen mit einer nicht erkannten oder nicht dokumentierten Demenz tauchen darin nicht auf.
</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei fällt die regionale Verteilung auf: Das RKI beschreibt ein klares Muster mit höheren Prävalenzen in Ostdeutschland und im Osten Bayerns. Höhere Werte finden sich allerdings auch in Teilen des Ruhrgebiets und des Saarlands. Es gibt also keine scharfe Grenze, an der die Demenzhäufigkeit plötzlich von „West“ zu „Ost“ wechselt. Entscheidend ist ein weiterer Punkt: Bei der Analyse wurden regionale Unterschiede der Altersstruktur berücksichtigt. Das Ost-West-Muster lässt sich daher nicht einfach damit erklären, dass in ostdeutschen Regionen mehr ältere Menschen leben. Die Prävalenz wurde auf Grundlage von Routinedaten geschätzt und unter anderem hinsichtlich Alter, Geschlecht und Morbidität adjustiert.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ist Demenz im Osten häufiger?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Darauf geben die Daten keine einfache Antwort. Aus der Untersuchung lässt sich insbesondere <strong>nicht</strong> ableiten, dass das Leben in Ostdeutschland selbst ein Demenzrisiko darstellt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als Einflussfaktoren kommen grundsätzlich unterschiedliche gesundheitliche, soziale und versorgungsbezogene Bedingungen infrage – etwa die Verteilung kardiovaskulärer Risikofaktoren, Sozialstruktur, Gesundheitsverhalten oder Unterschiede bei Diagnostik und Versorgung. Welchen Anteil einzelne Faktoren am beobachteten regionalen Muster haben, lässt sich aus den Daten jedoch nicht bestimmen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist zugleich die Entwicklung über die Zeit: Zwischen 2017 und 2022 ging die altersstandardisierte Prävalenz von Demenzerkrankungen leicht zurück. Wegen der Alterung der Bevölkerung ist dennoch mit einer steigenden absoluten Zahl von Menschen mit Demenz zu rechnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was wir über Demenz in Ost und West nicht wissen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Naheliegend wäre nun die Frage, ob sich auch die Versorgung von Menschen mit Demenz systematisch unterscheidet. Werden sie im Osten häufiger zu Hause versorgt? Leben sie häufiger im Pflegeheim? Gibt es Unterschiede beim Schweregrad der Erkrankung oder bei der Verteilung verschiedener Demenzformen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für solche direkten Ost-West-Vergleiche liegen mir derzeit keine entsprechend belastbaren aktuellen Daten vor, die sich für eine einfache Gegenüberstellung eignen. Auch Pflegegrade als &#8222;Messgröße&#8220; können diese Lücke nicht schließen. Ein Pflegegrad beschreibt schließlich den Grad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und nicht etwa den Schweregrad einer Demenzerkrankung oder deren Vorhandensein an sich.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für einen Vergleich lohnt deshalb ein Blick auf die Pflege insgesamt. Diese Daten sind nicht demenzspezifisch, beschreiben aber den Versorgungsrahmen, in dem auch viele Menschen mit Demenz leben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Häusliche Pflege: Im Osten häufiger ausschließlich Pflegegeld</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Wissenschaftliche Institut der AOK befragte im Herbst 2025 bundesweit 1.490 Menschen, die als Hauptpflegepersonen einen Angehörigen mit anerkanntem Pflegegrad zu Hause versorgen. Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In Ostdeutschland gaben 65,5 Prozent der Befragten an, ausschließlich Pflegegeld zu beziehen. In Westdeutschland waren es 52,2 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine reine Pflegegeldversorgung bedeutet in der Regel, dass die Pflege überwiegend privat organisiert wird und keine regulären ambulanten Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen in Anspruch genommen werden. Die Zahlen dürfen jedoch nicht unmittelbar auf Menschen mit Demenz übertragen werden. Die Untersuchung umfasst häusliche Pflege insgesamt. Bei 15,7 Prozent der in der Befragung gepflegten Personen wurde eine Demenz angegeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verhinderungspflege wird im Westen häufiger genutzt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Verhinderungspflege zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Unter den Befragten mit einer ausschließlichen Pflegegeldversorgung nahmen in Westdeutschland 41,0 Prozent Verhinderungspflege in Anspruch. In Ostdeutschland waren es 26,9 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Verhinderungspflege soll Angehörige zeitweise entlasten, wenn sie die Pflege etwa wegen Krankheit, Urlaub oder aus anderen Gründen vorübergehend nicht übernehmen können. Warum das Angebot im Osten in dieser Gruppe deutlich seltener genutzt wurde, lässt sich aus der Untersuchung nicht beantworten. Unterschiedliche Versorgungsstrukturen, sozioökonomische Bedingungen oder historisch gewachsene Pflegearrangements können eine Rolle spielen, ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang ist damit jedoch nicht belegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessant ist außerdem: Bei der Intensität der Pflege zeigt sich kaum ein Unterschied. 64,1 Prozent der ostdeutschen und 63,1 Prozent der westdeutschen Befragten waren täglich in die Versorgung eingebunden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Altenpflegeprofis: Die Lohnlücke besteht noch</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Bezahlung gibt es noch einen Ost-West-Unterschied. Vollzeitbeschäftigte Altenpflegefachkräfte verdienten 2024 im Median 4.189 Euro brutto im Westen und 4.024 Euro im Osten – eine Differenz von 165 Euro beziehungsweise knapp vier Prozent. Bei Altenpflegehilfskräften betrug der Abstand 141 Euro. Die Lohnlücke besteht damit weiter, fällt in der Altenpflege aber vergleichsweise gering aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine zwei &#8222;Pflegewelten&#8220; – aber messbare Unterschiede</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">36 Jahre nach der Wiedervereinigung lassen sich in Pflege und Demenz also noch regionale Unterschiede erkennen. Für die Demenz ist vor allem der Befund bemerkenswert, dass sich auch nach Berücksichtigung der Altersstruktur ein höheres regionales Prävalenzniveau in Ostdeutschland zeigt. Warum dieses Muster besteht, lässt sich bislang nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der häuslichen Pflege zeigen aktuelle Befragungsdaten ebenfalls Unterschiede: Im Osten berichten Angehörige häufiger von Pflegearrangements mit ausschließlichem Pflegegeld, während Verhinderungspflege in dieser Gruppe deutlich seltener genutzt wird. Diese Zahlen betreffen allerdings die Pflege insgesamt und dürfen nicht als demenzspezifische Befunde verstanden werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei der Bezahlung von Altenpflegekräften ist die frühere Grenze noch messbar – allerdings deutlich schwächer als in vielen anderen Bereichen des Arbeitsmarktes. Die Daten zeigen damit keine zwei völlig unterschiedlichen Pflegesysteme. Sie zeigen aber, dass regionale Unterschiede auch dreieinhalb Jahrzehnte nach der deutschen Einheit noch vorhanden sind – und dass genaueres Hinsehen häufig mehr erklärt als ein einfacher Vergleich von Ost und West.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Robert Koch-Institut (2025): „Demenzerkrankungen – Prävalenz, Trends und regionale Verteilung in Deutschland. Eine Auswertung auf Basis von GKV-Routinedaten.“ Journal of Health Monitoring 2025. DOI: 10.25646/13078.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaftliches Institut der AOK – WIdO (2026): „Zur Lage pflegender Angehöriger – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede.“ WIdOmonitor 1/2026.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – IAB (2025): „Entgelte von Pflegekräften 2024.“ Auswertung der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/10/04/36-jahre-einheit-wie-unterschiedlich-sind-pflege-und-demenzversorgung-in-ost-und-west/">36 Jahre Einheit – wie unterschiedlich sind Pflege und Demenzversorgung in Ost und West?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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