Benzodiazepine absetzen – woran es scheitert

Trotz klarer Empfehlungen werden Benzodiazepine häufig langfristig eingenommen – besonders auch von Menschen mit Demenz. Warum ist das so?

Benzodiazepine sind Medikamente zur Behandlung von Angst, Schlafstörungen oder Unruhe. Sie wirken schnell und beruhigend – sind aber für ältere Menschen mit großen Risiken verbunden: Stürze, kognitive Verschlechterung und Abhängigkeit gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen.

Besonders kritisch ist der Einsatz bei Menschen mit Demenz. Denn sie sind nicht nur empfindlicher für Nebenwirkungen, sondern bekommen diese Medikamente sogar häufiger verschrieben als andere ältere Menschen. Studien zeigen: Symptome wie nächtliche Unruhe, Angst oder aggressives Verhalten führen in der Praxis oft zu einer Verordnung – obwohl Leitlinien davon abraten.

Pharmakotherapieblog: Umfrage unter Ärzten und Ärztinnen

Eine aktuelle Umfrage in sechs europäischen Ländern zeigt, welche Hürden beim Absetzen bestehen – auch bei Menschen mit Demenz:

Mangelnde Zeit und personelle Ressourcen, unzureichende Strategien und interne Abläufe, fehlendes Wissen über Alternativen zum Medikament, Sorge vor Reaktionen der Patienten oder Angehörigen, Kooperationsprobleme im Team (z. B. mit Pflege oder anderen Fachärzten).

Gerade bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen scheint das Risiko zu groß, eine funktionierende Medikation infrage zu stellen – selbst wenn sie schadet.

Zum Artikel beim Pharmakotherapieblog.

Jochen Gust

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  • Jochen Gust

    Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent; Freiberufler

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