Demenzprävention ist mehr als Bewegung und gesunde Ernährung

Demenzprävention und Gehirngesundheit dürfen nicht auf „mehr Bewegung und gesünder essen“ verkürzt werden. Darauf weist ein neues wissenschaftliches Statement der American Heart Association hin. Die Autorinnen und Autoren beschreiben Gehirngesundheit als Ergebnis vieler Einflüsse über die gesamte Lebensspanne – von frühen Kindheitserfahrungen bis ins hohe Alter.

Im Mittelpunkt stehen ausdrücklich nicht nur klassische vaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen. Das Papier rückt weitere Faktoren in den Blick: psychische Gesundheit, chronischer Stress, Schlafqualität, Umweltbelastungen, chronische Entzündung, das Darmmikrobiom, soziale Benachteiligung, Bildung, belastende Kindheitserfahrungen, chronische Erkrankungen und Infektionen.

Gehirngesundheit unter Bedingungen

Damit wird deutlich: Wer über Demenzprävention spricht, darf die Verantwortung nicht allein beim einzelnen Menschen abladen. Natürlich bleiben Bewegung, ausgewogene Ernährung, guter Schlaf, Rauchverzicht und ein maßvoller Umgang mit Alkohol wichtig. Aber sie sind nur ein Teil des Bildes. Gehirngesundheit hängt auch davon ab, unter welchen Bedingungen Menschen aufwachsen, arbeiten, wohnen, altern und medizinisch versorgt werden.

Die Botschaft des AHA-Statements ist deshalb weniger eine einfache Verhaltensregel als ein Perspektivwechsel: Gehirngesundheit entsteht im Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren. Wer Demenzprävention ernst nimmt, muss dieses Zusammenspiel berücksichtigen – im Alltag, in der Versorgung und in politischen Entscheidungen.

Quelle: Marsh EB et al.: Brain Health Across the Life Span: A Framework for Future Studies. Scientific Statement der American Heart Association, veröffentlicht in Stroke, 2026. DOI: 10.1161/STR.0000000000000518.

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Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent; Freiberufler

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