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	<title>altenheim Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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	<title>altenheim Archive - Demenz-Zeitung</title>
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		<title>Gegeben, aber nicht genommen: der stille Medikationsfehler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Feb 2026 11:19:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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		<category><![CDATA[Tablette im Mund]]></category>
		<category><![CDATA[Übergabe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Szenario kennen viele Kolleginnen und Kollegen in der Pflege: beim abendlichen Zu-Bett-Bringen findet man eine Tablette in der Kleidung, im Bett oder auf dem Boden. Oft angelutscht oder angekaut.&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/02/28/gegeben-aber-nicht-genommen-der-stille-medikationsfehler/">Gegeben, aber nicht genommen: der stille Medikationsfehler</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Szenario kennen viele Kolleginnen und Kollegen in der Pflege: beim abendlichen Zu-Bett-Bringen findet man eine Tablette in der Kleidung, im Bett oder auf dem Boden. Oft angelutscht oder angekaut.  Nicht selten ist die Reaktion ein Achselzucken. Ab in den Müll damit – und weiter im Dienst. Manchmal sind Tablettenfunde derart normalisiert, dass die Information noch nicht einmal innerhalb von Teams weitergegeben wird. Keine Übergabe, keine Dokumentation, keine Rückmeldung an behandelne Ärzte. Und das ist ein Fehler. Denn der Fund ist nicht „nur“ eine unangenehme Kleinigkeit, sondern ein Medikationsereignis. Und wenn es nicht als solches behandelt wird, bleiben Risiken unsichtbar, wiederholen sich – und können medizinisch, organisatorisch und rechtlich relevant werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Sie Tablettenfunde nicht bagatellisieren sollten</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Tablette, die später aufgefunden wird, bedeutet zunächst: die tatsächliche Einnahme ist unsicher. Damit wird aus „Medikament gegeben“ möglicherweise „Medikament nicht eingenommen“. Das kann unterschiedliche Folgen haben – je nach Wirkstoff und Situation. Denkbar sind </p>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>Unterdosierung und Therapieversagen (z.B. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/16/schmerzmanagement-im-alter-neu-sortiert-was-die-neue-s3-leitlinie-geripain-bringt/">Schmerzen</a>, Blutdruckentgleisung, zunehmende Unruhe etc.)</li>



<li>Doppelgabengefahr, wenn „vorschnell nachgegeben“ wird</li>



<li>Aspiration oder Schleimhautreizungen, wenn Tabletten im Mund immer wieder angelöst werden</li>



<li>Wiederholungsrisiko: Wenn niemand informiert wird, bleibt das Muster bestehen und wird zum Dauerproblem &#8211; noch dazu zu einem, von dem es keine offizielle Kenntnis gibt</li>



<li>Überdosierungen: die beabsichtigte Wirkung kann nicht eintreten &#8211; der behandelnde Arzt erhöht in der Folge die Dosis. </li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Was in der Praxis immer wieder falsch läuft</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zum Teil erlebe ich einen sehr laxen Umgang mit der Thematik. Das bei Frau X oder Herrn Y immer wieder (!) nicht eingenommene Tabletten in Essensresten, im Müll, eingewickelt in Servietten oder zufällig beim Bettenmachen findet, sei &#8222;ganz normal&#8220;, sagte man mir. Eine Pflegeassistentin in <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/10/11/warum-kommen-menschen-mit-demenz-ins-pflegeheim-und-wann-ist-der-richtige-zeitpunkt/">einem Pflegeheim</a> erklärte mir nebenbei, dass sie &#8222;gar nicht mehr Bescheid&#8220; sage, weil sowieso niemand darauf reagiere. Funde werden kommentarlos entsorgt, nicht als Medikationsereignis behandelt. </p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie mit Tablettenfunden umgegangen werden sollte, sehen Sie hier im Film.</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="1080" style="aspect-ratio: 1920 / 1080;" width="1920" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/TablettengenommenFinal-1.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://youtu.be/nzvEC9WsSPI">Dieses Video können Sie auch auf Youtube sehen und teilen.</a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">2 Fehler, die gefährlich werden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Fehler 1: Der Fund wird „entsorgt“ statt als Medikationsereignis behandelt. Genau hier entstehen Folgeschäden: Beim nächsten Dienst weiß niemand, dass Kontrolle nötig ist, dass die Person Tabletten „bunkert“ oder weglegt, oder dass eine Anpassung der Darreichungsform sinnvoll wäre.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Fehler 2: Keine Übergabe, keine Dokumentation, keine Rückkopplung. Ohne Dokumentation wird aus einem echten Risiko ein unsichtbares Risiko. Und ohne Übergabe bleibt die nächste Pflegefachperson blind. Das ist der Grund, warum manche Bewohner oder Patienten über Tage oder Wochen „angeblich alles bekommen“ – und trotzdem instabil bleiben oder werden, je nach dem.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Vorgang an sich, dass ein Mensch mit Demenz Medikamente &#8222;bunkert&#8220;, wieder herausnimmt, irgendwo liegen lässt oder einfach ablehnt, ist an sich nicht völlig ungewöhnlich. Die pflegefachliche Reaktion darf aber deshalb nicht in einem &#8222;ist doch egal&#8220; bestehen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Sie als Pflegefachpersonen tun sollten</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Funde werden konsequent als Medikationsereignis eingeordnet.</li>



<li class="has-medium-font-size">Es wird versucht, zu identifizieren was genau gefunden wurde und wann der eigentliche Einnahmezeitpunkt hätte sein sollen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Vorschnelles Handeln ohne Klärung und Absprachen wird unterbunden &#8211; es wird nicht automatisch „nachgeben“ solange etwas unklar ist.</li>



<li class="has-medium-font-size">Rückmeldung an den behandelnden Arzt / Ärztin nach Risiko und Kontext.</li>



<li class="has-medium-font-size">Saubere Dokumentation und Übergabe.</li>



<li class="has-medium-font-size">Ggfs. Darreichungsform überprüfen und Alternativen besprechen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Muster prüfen: wann kommt das vor? Kontext? Äußerungen? Wie ist der Vorgang?</li>



<li class="has-medium-font-size">Grenzen einhalten: keine &#8222;kreativen Eigenlösungen&#8220; &#8211; z.B. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=e8cmR3XHqd4">der verdeckten Medikamentengabe</a> bei Ablehnung.</li>



<li class="has-medium-font-size">Erforderlichenfalls Einnahmekontrolle sicherstellen.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine gefundene Tablette ist kein „kleiner Zwischenfall“, sondern ein Warnsignal: Die Einnahme war unsicher – und damit auch die Wirkung der Therapie. Entscheidend ist nicht, ob die Tablette im Müll landet, sondern ob das Ereignis im Team ankommt: mit kurzer Dokumentation, klarer Übergabe und einem Plan für die nächste Gabe (beobachtete Einnahme, Cheeking-Risiko, Darreichungsform prüfen). So wird aus einem achselzuckenden Moment ein professioneller Sicherheitsstandard – zum Schutz der betroffenen Person und zur Entlastung des Teams.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen und weitere Infos:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">ZQP: Sicherheit bei der Medikation (Grundlagen, Risikopunkte, Hilfsmittel): <a href="https://www.zqp.de/thema/medikation/?utm_source=chatgpt.com">https://www.zqp.de/thema/medikation/</a></li>



<li class="has-medium-font-size">ZQP: Medikationsfehler bei pflegebedürftigen Menschen vermeiden (Presse/Infos): <a href="https://www.zqp.de/presse/medikationsfehler-vermeiden/?utm_source=chatgpt.com">https://www.zqp.de/presse/medikationsfehler-vermeiden/</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Smith et al. (2017): Medication non-adherence in persons with dementia or cognitive impairment (systematische Übersichtsarbeit, PLOS ONE): <a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0170651&amp;utm_source=chatgpt.com">https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0170651</a></li>



<li class="has-medium-font-size">§ 1832 BGB Ärztliche Zwangsmaßnahmen (amtlicher Text): <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1832.html?utm_source=chatgpt.com">https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1832.html</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Wegweiser Demenz: Betreuungsrecht – ärztliche Zwangsmaßnahmen (Einordnung): <a href="https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/rechtliches/rechte-und-pflichten/betreuungsrecht-aerztliche-zwangsmassnahmen?utm_source=chatgpt.com">https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/rechtliches/rechte-und-pflichten/betreuungsrecht-aerztliche-zwangsmassnahmen</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Fachartikel (Nursing/Medikation bei Demenz): <a href="https://www.magonlinelibrary.com/doi/pdf/10.12968/nrec.2008.10.1.27955?download=true&amp;utm_source=chatgpt.com">https://www.magonlinelibrary.com/doi/pdf/10.12968/nrec.2008.10.1.27955?download=true</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Studie zu Praxis und Risiken beim Zerkleinern von Medikamenten (Open Access, PMC): <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12877580/?utm_source=chatgpt.com">https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12877580/</a></li>
</ul>
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		<title>Caritas gegen Sawatzki-Schelte: Warum wir genauer auf die Altenpflege schauen müssen</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2025/12/08/caritas-gegen-sawatzki-schelte-warum-wir-genauer-auf-die-altenpflege-schauen-muessen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 15:51:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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		<category><![CDATA[kritik an der pflege]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn prominente Menschen über Pflegeheime sprechen, hören viele zu. Genau deshalb haben die Aussagen der Schauspielerin Andrea Sawatzki in einem Interview der Westfälischen Nachrichten (15.11.) so eingeschlagen: Sie sagte, sie&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2025/12/08/caritas-gegen-sawatzki-schelte-warum-wir-genauer-auf-die-altenpflege-schauen-muessen/">Caritas gegen Sawatzki-Schelte: Warum wir genauer auf die Altenpflege schauen müssen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn prominente Menschen über Pflegeheime sprechen, hören viele zu. Genau deshalb haben die Aussagen der Schauspielerin Andrea Sawatzki in einem Interview der Westfälischen Nachrichten (15.11.) so eingeschlagen: Sie sagte, sie werde „vermeiden, in ein Heim zu kommen“ und zeichnete ein Bild, in dem Menschen mit schweren Erkrankungen und Demenz im Heim ihre Würde verlieren und nicht mehr am Leben teilhaben könnten.<a href="https://www.caritas-bistum-muenster.de/aktuelles/presse-und-medien/presse/caritas-fordert-fairen-blick-auf-die-altenpflege-06c90c14-52b7-4921-bde1-4a3098342254?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener"></a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Fairer Blick gefordert</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nun ist Frau Sawatzki sicher keine Expertin für die Altenpflege noch für das Thema Demenz. Die Reaktion aus der katholischen Altenhilfe im Bistum Münster ließ daher auch nicht lange auf sich warten. Die Caritas-Einrichtungen dort fordern einen „fairen Blick“ auf die Altenpflege – und wehren sich gegen das, was sie als falsches und pauschales Bild von Pflegeheimen empfinden. <br>Natürlich: Es gibt Missstände in der Pflege, es gibt schlechte Häuser und Haltungen in Teams die hochproblematisch sind. Personalmangel und Überlastung kommen häufig hinzu. Wer in der Altenpflege arbeitet oder Angehörige in Heimen hat, weiß das nur zu gut. Kritik ist notwendig – gerade wenn sie konkrete Zustände benennt und Veränderung anstößt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Problematisch wird es dort, wo einzelne Erfahrungen oder zugespitzte Bilder verallgemeinert werden<br>Die Bandbreite der Reaktionen in den Einrichtungen reichte laut Bericht von Enttäuschung über Wut bis hin zu Entsetzen: <a href="https://www.kirche-und-leben.de/artikel/caritas-fordert-fairen-blick-altenpflege-bistum-muenster-pflegeheime-schaupielerin-andrea-sawatzki-kritik-senioren">bei Kirche &amp; Leben können Sie weiterlesen</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Heimspiel 1: mehr „Bedarf“ für den Unsympathen?</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2023/02/03/heimspiel-1-mehr-bedarf-fuer-den-unsympathen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Feb 2023 12:59:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenheim]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[angehörige]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[stationäre pflege]]></category>
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		<category><![CDATA[wahrnehmung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Pflege und Betreuung ist die selbstkritische Auseinandersetzung mit dem was man mit sich selbst und mit anderen Menschen macht, unabdingbar. Gegenüber Menschen mit Demenz ist das Risiko groß, die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/02/03/heimspiel-1-mehr-bedarf-fuer-den-unsympathen/">Heimspiel 1: mehr „Bedarf“ für den Unsympathen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In Pflege und Betreuung ist die selbstkritische Auseinandersetzung mit dem was man mit sich selbst und mit anderen Menschen macht, unabdingbar. Gegenüber Menschen mit Demenz ist das Risiko groß, die selbstkritische Betrachtung eigener Handlungen weniger zu hinterfragen. Schließlich kann man seinen eigenen Verstand, sein Wissen, problemlos einsetzen um die verschiedensten Situationen zu bewältigen, während Menschen mit Demenz die hilfe- und unterstützungsbedürftigen sind. In Pflege und Betreuung sind wir objektiv, wenn wir Maßnahmen planen, Therapie einleiten oder eskalieren, die Versorgung sicherstellen und optimale Unterstützung zu ermöglichen. Richtig?</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Denkfehler – Irren ist menschlich</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Denkfehler ist eine Verzerrung oder eine Fehlinterpretation der Wahrnehmung oder Bewertung von Informationen, die zu einer falschen Schlussfolgerung führen kann. In der Versorgung von Menschen kann das fatal sein – und zum Beispiel zu weniger Kontakt für die Betroffenen führen, zu weniger Unterstützung – und möglicherweise zu einem größeren Medikamenteneinsatz. Dabei sind Denkfehler zutiefst menschlich – und für niemanden völlig zu vermeiden. </p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Wenn 2 das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe</h2>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/02/definition-1024x1024.png" alt="" class="wp-image-1448" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/definition-1024x1024.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/definition-300x300.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/definition-150x150.png 150w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/definition-768x768.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/definition-1536x1536.png 1536w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2023/02/definition-2048x2048.png 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Mit ausreichend zeitlichem Versatz und natürlich anonymisiert ein Beispiel aus meiner Arbeit: <br>Frau Müller lebt mit Demenz im Haussonnenschein. Sie wird von allen sehr geschätzt. Die adrette alte Dame läuft viel herum, geht auch mal in fremde Zimmer und legt sich dort ins Bett für ein Nickerchen. Dafür hat man viel Verständnis („Orientierungsgestört“) und warb auch bei den Mitbewohnern immer wieder darum, wenn die sich über die fremde Frau in ihren Betten beschwerten. Außerdem umarmt sie spontan sowohl die Mitarbeitenden, als auch ihre Mitbewohner – einfach weil ihr danach ist. Sie gilt als <em>„richtig liebe Omi.“</em> – so wird sie mir beschrieben, als ich wegen einer anderen Sache in der Einrichtung war.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Schon beim ersten Besuch in dem Haus habe ich es – allerdings nicht richtig bewusst – wahrgenommen. Erst in der Übergabe bei meinem dritten Gastspiel fiel es mir richtig auf: &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf derselben Station war Peter K. untergebracht. Ein großer, hagerer, ungepflegt wirkender und sehr dementer Mann. Dieser Bewohner <em>„störte“</em> die anderen Bewohner, und immer öfter <em>„respektiert er die Privatsphäre anderer Bewohner nicht“</em>. Manchmal lief Peter K. nämlich in fremde Zimmer und setze sich dort in Sessel oder auf die Betten, meist um Zeitung zu lesen. Peter K. verstand wenig von dem was man ihm sagte. Auf deutliche Ansprachen, dass er in fremden Zimmern <em>„nichts zu suchen“</em> habe, so berichtete man mir, reagierte er sogar <em>„übergriffig“</em> in dem er den Mitarbeitenden <em>„völlig distanzlos“</em> auf die Schulter klopfte oder den Arm tätschelte. Eine Kollegin gab an, Angst vor dem Mann zu haben – schon seit er im Haus sei… .</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin sicher, es ist Ihnen schon beim Lesen aufgefallen. Die „liebe Omi“ zeigt prinzipiell dasselbe Verhalten – und wird durch die Mitarbeitenden geschützt und ihr großes Verständnis entgegengebracht. Sie kann nichts falsch machen, die alte Sympathin.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Peter K. der große, wenig attraktive und vielleicht sogar etwas unnahbar wirkende alte Herr galt niemandem als „sympathischer Opi“ – und erfährt ein ganz anderes Urteil durch die Pflege <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/21/betreuung-und-aktivierung-2-kartensets-und-1-buch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">und Betreuung</a>. Der Entschluss lautete, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/12/11/pillen-statt-personal-die-pflege-von-menschen-mit-demenz-ist-nicht-ausreichend-durch-kompetentes-personal-abgesichert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">den Hausarzt aufzufordern etwas gegen die Distanzlosigkeit zu unternehmen</a>, bevor es möglicherweise zu einem tätlichen Angriff kommen würde. Viele Mitarbeitende sahen sich durch die Handlungen der beiden Bewohner jeweils in ihrem Sympathie-Antipathie-Urteil bestätigt: die liebe Frau Müller umarmt, weil sie eben die liebe Frau Müller ist und so auch <em>„Dankbarkeit“</em> ausdrückt. Egal was sie tat, alles floss in die Bestätigung ein, was für ein <em>„guter Fang sie für die Station“</em> sei. Wie schön, mal so einen Sonnenschein versorgen zu dürfen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz dazu Peter K.. Alles was er tat bestätigte, dass er <em>„unangenehm“</em> ist. Der Unsympath tätschelt während einer (sinnlosen) Strafpredigt nicht etwa zur Beruhigung den Arm seines Gegenübers um zu signalisieren, „Okay, tut mir leid. Sind wir wieder gut?“. Nein, er zeigt damit, dass er sich in der Vorstufe eines körperlichen Angriffs befindet, sein Verhalten wurde als <em>„respektlos“</em> und <em>„bedrohlich“</em> gewertet. Während Frau Müller auch mal Essen von ihren Mitbewohnern <em>„stibitzte“</em>, griff Herr K. unverschämt anderen in die Teller und musste daher allein an einem Tisch essen…..</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Ach, Ihnen nicht?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht finden Sie das Beispiel aus meinem Arbeitsalltag albern denn etwas in dieser Art kann Ihnen als Profi natprlich nicht passieren. Sind Sie sicher? Kognitive Verzerrungen, Denkfehler haben viele Formen. Vielleicht haben Sie von einigen gehört. Z.b. dem Horn-Effekt, dem Halo-Effekt, dem Bestätigungsfehler oder von Übergeneralisierung? Lohnt es sich wirklich nicht, die stark übergewichtige Pflegebedürftige zur Sitzgymnastik oder pflege der Hochbeete mitzunehmen, weil sie von Bewegung offensichtlich nicht viel hält?<br>Ohne Zahlen dazu parat zu haben: wenn jeder Mensch Denkfehlern unterliegt, unterliegen wir diesen auch in der Versorgung von Menschen mit Demenz an der ein oder anderen Stelle. Und vielleicht ist das ein Thema, mit dem wir uns viel mehr beschäftigen sollten, als wir es tun. Um unserer (Vor-)Urteile willen. In jedem Fall halte ich es für eine Aufgabe aller Demenzbeauftragten in allen Einrichtungen und Standorten. <br><br><strong>Einen Tipp</strong> habe ich, weil ich es vor Jahren während einer langen Autofahrt genossen habe: <a href="https://amzn.to/3DHeBtR" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Glaub nicht alles was Du denkst“ von Alexandra Reinwarth.</a> Das (Hör-)Buch bietet einen tollen, leichten Einstieg mit völlig aus dem Leben gegriffenen Beispielen von Denkfehlern. Die wir alle machen.<br></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelfoto: Max Vakhtbovych on pexels</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Bei einigen Links zu Produkten – Büchern z.B., sind sog. Amazon-Affiliate-Links gesetzt. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen: für den Käufer ändert sich nicht, jedoch bekomme ich eine kleine Werbekostenerstattung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2023/02/03/heimspiel-1-mehr-bedarf-fuer-den-unsympathen/">Heimspiel 1: mehr „Bedarf“ für den Unsympathen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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