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	<title>demenz Archive - Demenz-Zeitung</title>
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	<description>Informationen rund um Demenz, Pflege und Versorgung</description>
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	<title>demenz Archive - Demenz-Zeitung</title>
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		<title>Pflegende Angehörige: Drei Jahrzehnte zwischen mehr Unterstützung und wachsender Belastung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Sep 2026 15:28:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 8. September wird in Deutschland der Tag der pflegenden Angehörigen begangen. Ein Anlass, um nicht nur auf ihre heutige Situation zu schauen, sondern auch zurück: Wie hat sich die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/05/pflegende-angehoerige-drei-jahrzehnte-zwischen-mehr-unterstuetzung-und-wachsender-belastung/">Pflegende Angehörige: Drei Jahrzehnte zwischen mehr Unterstützung und wachsender Belastung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Am 8. September wird in Deutschland der Tag der pflegenden Angehörigen begangen. Ein Anlass, um nicht nur auf ihre heutige Situation zu schauen, sondern auch zurück: Wie hat sich die Unterstützung von Menschen verändert, die einen Angehörigen zu Hause pflegen? Und welche Rolle spielte dabei die Einführung der Pflegeversicherung?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch auf europäischer Ebene ist die Situation pflegender Angehöriger inzwischen stärker in den Fokus gerückt: Seit 2020 wird auf Initiative des europäischen Netzwerks Eurocarers jährlich am 6. Oktober der European Carers Day begangen. Denn so selbstverständlich Pflegegeld, Verhinderungspflege oder Rentenbeiträge für Pflegepersonen heute erscheinen mögen: Viele dieser Leistungen sind vergleichsweise jung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>1995: Pflege wird zum eigenen Zweig </strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mit der Einführung der sozialen Pflegeversicherung 1995 veränderte sich die Absicherung von Pflegebedürftigkeit grundlegend. Pflege war zwar auch danach ausdrücklich nicht vollständig durch die Versicherung finanziert. Aber erstmals gab es einen eigenen Sozialversicherungszweig, der auch die Pflege durch Angehörige systematisch unterstützte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegebedürftige konnten beispielsweise Pflegegeld erhalten, wenn ihre Versorgung zu Hause sichergestellt wurde. In den damaligen drei Pflegestufen betrug es 400, 800 beziehungsweise 1.300 D-Mark monatlich. Unter bestimmten Voraussetzungen übernahm die Pflegeversicherung zudem Rentenversicherungsbeiträge für nicht erwerbsmäßig Pflegende. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Leistungen und Rechte hinzu: Entlastungsangebote, Pflegezeit, Familienpflegezeit, Pflegeunterstützungsgeld, Verhinderungspflege und eine umfangreichere soziale Absicherung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-3756" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-300x169.jpg 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-768x432.jpg 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1536x864.jpg 1536w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung-1320x743.jpg 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/09/zeitstrahlpflegeversicherung.jpg 1672w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Immer mehr Menschen werden zu Hause gepflegt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie bedeutend Angehörige für die Versorgung sind, zeigen die Zahlen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei der ersten bundesweiten Pflegestatistik 1999 gab es rund 2,02 Millionen Pflegebedürftige. 1,44 Millionen von ihnen wurden zu Hause versorgt. Rund 1,03 Millionen erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden in der Regel zu Hause durch Angehörige versorgt. 2023 waren bereits 5,69 Millionen Menschen pflegebedürftig. 4,89 Millionen – knapp 86 Prozent – lebten zu Hause. Rund 3,1 Millionen Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Zahlen sind allerdings nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar. Insbesondere der seit 2017 geltende, weiter gefasste Pflegebedürftigkeitsbegriff führte dazu, dass heute auch Menschen als pflegebedürftig anerkannt werden, die nach den früheren Kriterien teilweise keinen oder nur einen eingeschränkten Leistungsanspruch gehabt hätten.</p>



<div style="background:#f3f6f8; border-left:5px solid #2f6f8f; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <div style="font-size:18px; font-weight:600; margin-bottom:18px;">
    Pflege zu Hause: eine deutlich gewachsene Aufgabe für Angehörige
  </div>

  <div style="display:flex; flex-wrap:wrap; gap:30px;">

    <div style="flex:1; min-width:220px;">
      <div style="font-size:38px; font-weight:700; line-height:1; color:#2f6f8f;">
        1999
      </div>
      <div style="font-size:26px; font-weight:700; margin:8px 0 6px;">
        1,03 Millionen
      </div>
      <div>
        Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden in der Regel zu Hause durch Angehörige versorgt.
      </div>
    </div>

    <div style="flex:1; min-width:220px;">
      <div style="font-size:38px; font-weight:700; line-height:1; color:#2f6f8f;">
        2023
      </div>
      <div style="font-size:26px; font-weight:700; margin:8px 0 6px;">
        3,10 Millionen
      </div>
      <div>
        Pflegebedürftige erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt.
      </div>
    </div>

  </div>

  <div style="font-size:14px; line-height:1.5; margin-top:22px; padding-top:14px; border-top:1px solid #ccd5da;">
    <strong>Hinweis:</strong> Diese Zahlen bezeichnen Pflegebedürftige, nicht die Zahl der tatsächlich beteiligten pflegenden Angehörigen. An der Versorgung eines Menschen können mehrere Personen beteiligt sein.
  </div>

</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Demenz: Lange ein blinder Fleck</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz passten lange nur unzureichend in das System der Pflegeversicherung. Entscheidend war vor allem der körperliche Hilfebedarf – etwa beim Waschen, Anziehen oder Essen. Beaufsichtigung, Orientierung, Beruhigung oder die ständige Präsenz von Angehörigen wurden dagegen kaum erfasst.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ab 2002 kamen deshalb schrittweise zusätzliche Leistungen für Menschen mit „erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ hinzu. Der grundlegende Wandel folgte 2017 mit der Einführung der fünf Pflegegrade. Seitdem zählt stärker, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag bewältigen kann. Auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen werden berücksichtigt. Für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen war das ein entscheidender Fortschritt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mehr Unterstützung – aber ein System unter Druck</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Leistungen der Pflegeversicherung wurden über drei Jahrzehnte erheblich erweitert. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die Leistungen erhalten, stark gestiegen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das bringt die soziale Pflegeversicherung zunehmend unter finanziellen Druck. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes entstand allein im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von 770 Millionen Euro. Die Ausgaben lagen elf Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, die Beitragseinnahmen stiegen dagegen lediglich um 3,9 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Neben der wachsenden Zahl Pflegebedürftiger spielen steigende Kosten der Versorgung und der demografische Wandel eine Rolle. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums kamen 1998 noch 29 Beitragszahlende auf einen Leistungsempfänger der sozialen Pflegeversicherung. 2025 waren es nur noch zehn. Die politische Diskussion dreht sich deshalb zunehmend um eine schwierige Frage: Wie kann die Unterstützung von Pflegebedürftigen und Angehörigen erhalten und verbessert werden, wenn gleichzeitig die Finanzierung stabilisiert werden muss?</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f3f6f8; border-left:5px solid #2f6f8f; padding:22px 24px; margin:28px 0;">

  <div style="font-size:14px; font-weight:700; text-transform:uppercase; letter-spacing:0.5px; color:#2f6f8f; margin-bottom:6px;">
    Aktuell 2026
  </div>

  <div style="font-size:22px; font-weight:700; margin-bottom:14px;">
    Was ist politisch geplant?
  </div>

  <p>
    Mit dem geplanten <strong>Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)</strong> soll die Pflegeversicherung strukturell verändert und finanziell stabilisiert werden.
  </p>

  <p>
    Vorgesehen sind unter anderem mehr Prävention, Änderungen bei der Begutachtung, eine neue Pflegebegleitung für Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen sowie die Bündelung bisheriger Einzelleistungen in Budgets. Ab 2028 sollen die Leistungsbeträge außerdem jährlich entsprechend der Inflation angepasst werden.
  </p>

  <p>
    Für Kritik sorgte die geplante Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige auf <strong>70 Prozent</strong> der bisherigen Beträge.
  </p>

  <p>
    Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hat inzwischen angekündigt, diese Kürzung nicht mittragen zu wollen und den Entwurf an dieser Stelle zu korrigieren.
  </p>

  <p style="margin-bottom:16px;">
    Noch ist die Änderung jedoch nicht beschlossen. Das Gesetz befindet sich weiterhin im politischen Verfahren – welche Regelungen am Ende tatsächlich gelten werden, ist daher offen.
  </p>

  <div style="padding-top:14px; border-top:1px solid #ccd5da;">
    <a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/guv-21-lp/pnog"
       target="_blank"
       rel="noopener noreferrer"
       style="color:#2f6f8f; font-weight:600; text-decoration:none;">
      → Bundesgesundheitsministerium: FAQ zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)
    </a>
  </div>

</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was nach 30 Jahren bleibt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die staatliche Unterstützung pflegender Angehöriger ist heute deutlich umfassender als zu Beginn der Pflegeversicherung. Und gerade bei Demenz hat sich auch das Verständnis davon verändert, was Pflege eigentlich bedeutet.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Doch eine Konstante zieht sich durch die gesamte Geschichte: Der größte Teil der Pflege findet weiterhin nicht in Einrichtungen, sondern zu Hause statt. Pflegende Angehörige sind deshalb nicht nur eine Gruppe, die Unterstützung durch das Pflegesystem benötigt. Ohne das, was Familien, Partner, Freunde und andere nahestehende Menschen jeden Tag leisten, wäre dieses Pflegesystem in seiner heutigen Form überhaupt nicht vorstellbar.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/05/pflegende-angehoerige-drei-jahrzehnte-zwischen-mehr-unterstuetzung-und-wachsender-belastung/">Pflegende Angehörige: Drei Jahrzehnte zwischen mehr Unterstützung und wachsender Belastung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Demenz im Krankenhaus: Diese Bescheinigung kann Angehörigen die Begleitung erleichtern</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/04/demenz-im-krankenhaus-diese-bescheinigung-kann-angehoerigen-die-begleitung-erleichtern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Sep 2026 10:24:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Mensch mit Demenz kommt ins Krankenhaus. Die Tochter oder der Sohn möchte bei ihm bleiben – vielleicht weil der Betroffene seine Beschwerden nicht zuverlässig schildern kann, Fragen und Anweisungen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/04/demenz-im-krankenhaus-diese-bescheinigung-kann-angehoerigen-die-begleitung-erleichtern/">Demenz im Krankenhaus: Diese Bescheinigung kann Angehörigen die Begleitung erleichtern</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Mensch mit Demenz kommt ins Krankenhaus. Die Tochter oder der Sohn möchte bei ihm bleiben – vielleicht weil der Betroffene seine Beschwerden nicht zuverlässig schildern kann, Fragen und Anweisungen nicht versteht oder in der fremden Umgebung zunehmend ängstlich und unruhig wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade in der Notaufnahme entstehen dabei immer wieder Konflikte. Angehörige sollen warten oder den Behandlungsbereich verlassen, obwohl sie wissen: Allein wird der Vater, die Mutter oder der Partner mit dieser Situation kaum zurechtkommen. Weniger bekannt ist: Die medizinische Notwendigkeit einer Begleitperson kann ärztlich bescheinigt werden. Eine solche Bescheinigung kann gerade dann hilfreich sein, wenn ein Krankenhausaufenthalt plötzlich notwendig wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wann kann eine Begleitperson medizinisch notwendig sein?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einer stationären Behandlung gehört die aus medizinischen Gründen notwendige Mitaufnahme einer Begleitperson grundsätzlich zu den <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__11.html">Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung</a>.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch bei einem Menschen mit Demenz kann eine solche Begleitung notwendig sein. Entscheidend ist aber nicht allein die Diagnose, sondern der konkrete Unterstützungsbedarf.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die betroffene Person</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Beschwerden, Schmerzen oder Bedürfnisse nicht zuverlässig mitteilen kann,</li>



<li class="has-medium-font-size">Fragen oder medizinische Anweisungen nicht ausreichend versteht,</li>



<li class="has-medium-font-size">in der fremden Umgebung erheblich desorientiert oder verängstigt ist,</li>



<li class="has-medium-font-size">Untersuchungen oder pflegerische Maßnahmen ohne vertraute Unterstützung kaum toleriert oder</li>



<li class="has-medium-font-size">bei der Kommunikation zwischen Patient und Behandlungsteam auf Hilfe angewiesen ist.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://gesund.bund.de/gesundheitsversorgung/begleitperson-im-krankenhaus">Auch das Bundesgesundheitsportal nennt Menschen mit Demenz ausdrücklich als eine Gruppe, bei der eine vertraute Begleitperson im Krankenhaus besonders wichtig sein kann.</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht nur „Demenz – Begleitperson erforderlich“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer eine solche Bescheinigung beim behandelnden Arzt anspricht, sollte möglichst nicht nur um den Satz „Demenz – Begleitperson erforderlich“ bitten. Die Diagnose allein erklärt noch nicht, warum eine Begleitung medizinisch notwendig ist.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besser ist eine konkrete Beschreibung. Zum Beispiel:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„Aufgrund erheblicher kognitiver Beeinträchtigungen kann der Patient seine Beschwerden und Bedürfnisse nicht zuverlässig mitteilen und medizinische Informationen und Anweisungen nicht ausreichend verstehen beziehungsweise umsetzen. Die Anwesenheit einer vertrauten Begleitperson ist daher aus medizinischen Gründen erforderlich.“.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist keine vorgeschriebene Musterformulierung. Bei einem anderen Menschen können beispielsweise erhebliche Ängste, fehlende Orientierung oder eine ausgeprägte Abwehr von Untersuchungen und Behandlungen im Vordergrund stehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Entscheidend ist also nicht das Etikett „Demenz“, sondern die Frage: Warum benötigt diese Person im Krankenhaus konkret Unterstützung?</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<div style="border-left: 5px solid #567a8f; background: #f3f6f8; padding: 18px 20px; margin: 25px 0; border-radius: 4px;">

  <p style="font-size: 1.15em; margin-top: 0;">
    <strong>Für den Arzttermin: Darum können Sie bitten</strong>
  </p>

  <p>
    Sprechen Sie Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder die behandelnde Fachärztin bzw. den Facharzt darauf an, ob der
    <strong>medizinische Unterstützungsbedarf einer Begleitperson im Krankenhaus schriftlich bescheinigt</strong>
    werden kann.
  </p>

  <p>
    Wichtig ist dabei möglichst eine konkrete Begründung. Zum Beispiel:
  </p>

  <ul>
    <li>Beschwerden und Bedürfnisse können nicht zuverlässig mitgeteilt werden.</li>
    <li>Fragen, Informationen oder medizinische Anweisungen werden nicht ausreichend verstanden.</li>
    <li>In der fremden Umgebung ist die Orientierung erheblich beeinträchtigt.</li>
    <li>Untersuchungen oder Behandlungen können ohne vertraute Unterstützung kaum nachvollzogen oder mitgetragen werden.</li>
    <li>Es kommt in unbekannter Umgebung zu erheblicher Angst, Unruhe oder Abwehr.</li>
  </ul>

  <p style="margin-bottom: 0;">
    <strong>Tipp:</strong> Nicht nur die Diagnose „Demenz“ bescheinigen lassen, sondern möglichst beschreiben lassen,
    warum die vertraute Begleitperson konkret benötigt wird.
  </p>

</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Pflegegrad, Demenz und Eingliederungshilfe sind nicht dasselbe</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">An dieser Stelle ist eine Unterscheidung wichtig.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Pflegegrad sagt zunächst etwas über den Hilfebedarf im Alltag und Leistungen der Pflegeversicherung aus. Aus einem Pflegegrad ergibt sich nicht automatisch, dass ein Angehöriger im Krankenhaus mit aufgenommen werden muss.Umgekehrt kann eine Begleitperson medizinisch notwendig sein, ohne dass ein bestimmter Pflegegrad vorliegt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Daneben gibt es die <a href="https://www.g-ba.de/richtlinien/132/">besondere Krankenhausbegleitungs-Richtlinie</a> des Gemeinsamen Bundesausschusses. Sie legt medizinische Kriterien für die Begleitung von Menschen mit Behinderung bei einer stationären Krankenhausbehandlung fest und steht insbesondere im Zusammenhang mit dem gesetzlichen Krankengeldanspruch der Begleitperson.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für diesen Krankengeldanspruch gelten zusätzliche Voraussetzungen. Die begleitete Person muss unter anderem bestimmte Leistungen der Eingliederungshilfe <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__44b.html">oder gesetzlich gleichgestellte Leistungen </a>erhalten. Eine Demenzdiagnose oder ein Pflegegrad allein reichen dafür also nicht aus. Viele ältere Menschen mit Demenz erhalten Leistungen der Pflegeversicherung, aber keine Eingliederungshilfe. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Wichtig:</strong> Das bedeutet nicht, dass sie keine medizinisch notwendige Begleitperson im Krankenhaus haben können. Die allgemeine Regelung über die medizinisch notwendige Mitaufnahme bei stationärer Behandlung besteht davon unabhängig.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kurz gesagt: Ob eine Begleitung medizinisch notwendig ist und ob der begleitende Angehörige Anspruch auf Krankengeld hat, sind zwei unterschiedliche Fragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kann man sich die Notwendigkeit schon vorher bescheinigen lassen?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ja.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Bundesgesundheitsportal weist darauf hin, dass eine behandelnde Ärztin oder ein behandelnder Arzt eine formlose Bescheinigung über die medizinische Notwendigkeit ausstellen kann. Gerade bei ungeplanten, notfallmäßigen oder wiederholten Krankenhausaufenthalten könne eine solche Bescheinigung hilfreich sein. Dort wird von einer Gültigkeit von in der Regel zwei Jahren gesprochen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch die <a href="https://www.g-ba.de/downloads/62-492-2951/KHB-RL_2022-08-18_iK-2022-11-01.pdf">Krankenhausbegleitungs-Richtlinie</a> sieht ausdrücklich eine Bescheinigung unabhängig von einer konkreten Krankenhauseinweisung vor. Dort kann sie für bis zu zwei Jahre ausgestellt werden, wenn nach ärztlicher Einschätzung davon auszugehen ist, dass die zugrunde liegenden Beeinträchtigungen entsprechend lange fortbestehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei einer Demenzerkrankung kann das nachvollziehbar sein: Erhebliche Einschränkungen bei Kommunikation, Orientierung oder Mitwirkung sind in der Regel nicht nur für einige Wochen vorhanden. Die Zwei-Jahres-Frist sollte trotzdem nicht als eine Art automatischer Anspruch jedes Menschen mit Demenz verstanden werden. Entscheidend bleibt die ärztliche Einschätzung und – bei den besonderen sozialrechtlichen Regelungen – ob deren Voraussetzungen erfüllt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Besonders hilfreich kann die Bescheinigung im Notfall sein</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einer geplanten Krankenhausaufnahme können Angehörige vieles vorher klären. In einem Notfall bleibt dafür oft keine Zeit. Plötzlich steht man mit einem Menschen mit Demenz in der Notaufnahme. Niemand dort kennt den Patienten. Mitarbeitende müssen schnell einschätzen, was er benötigt und warum die Anwesenheit einer vertrauten Person wichtig sein könnte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine bereits vorhandene ärztliche Bescheinigung kann dann ein gewichtiges Argument sein. Sie macht deutlich, dass nicht nur ein besorgter Angehöriger „unbedingt dabei sein möchte“, sondern dass bereits zuvor ein medizinischer Unterstützungsbedarf festgestellt wurde.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber gerade bei der Notaufnahme gibt es eine wichtige Einschränkung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Notaufnahme bedeutet nicht automatisch stationäre Aufnahme</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Behandlung in einer Notaufnahme ist nicht automatisch eine stationäre Krankenhausbehandlung. Solange die Behandlung ambulant erfolgt, lässt sich aus den Regelungen zur medizinisch notwendigen Mitaufnahme bei stationärer Behandlung kein allgemeiner Anspruch ableiten, während der gesamten Behandlung überall mitgehen zu dürfen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Bescheinigung kann auch dort hilfreich sein – sie ist aber keine zwingende „Eintrittskarte“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kommt es zu einer stationären Aufnahme, sieht die Situation anders aus: Dann kann die medizinisch notwendige Mitaufnahme einer Begleitperson grundsätzlich Teil der Krankenhausleistung sein. Auch dann entscheidet letztlich das Krankenhaus beziehungsweise die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, ob die Anwesenheit einer Begleitperson medizinisch notwendig ist. Eine bereits vorhandene Bescheinigung kann diese Entscheidung unterstützen. Nach der besonderen <a href="https://www.g-ba.de/downloads/62-492-2951/KHB-RL_2022-08-18_iK-2022-11-01.pdf">Krankenhausbegleitungs-Richtlinie</a> muss eine vorher ausgestellte Bescheinigung bei der Entscheidung des Krankenhauses sogar berücksichtigt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Bescheinigung ist also kein Persilschein. Sie kann aber die Ausgangslage erheblich verbessern, falls es zu Diskussionen um die Notwendigkeit der Begleitung kommt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Angehörige konkret tun können</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Sie bereits wissen, dass Ihr Angehöriger mit Demenz in einer fremden Krankenhausumgebung ohne vertraute Unterstützung erhebliche Schwierigkeiten hätte, sprechen Sie das beim nächsten Arzttermin an.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schildern Sie möglichst konkret, wobei Unterstützung benötigt wird: Kann die Person Schmerzen und Beschwerden zuverlässig schildern? Versteht sie Fragen und Anweisungen? Kann sie sich orientieren? Kann sie Untersuchungen und Behandlungen nachvollziehen und daran mitwirken? Kommt es in fremder Umgebung regelmäßig zu erheblicher Angst, Unruhe oder Abwehr?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Fragen Sie anschließend, ob dieser Unterstützungsbedarf schriftlich bescheinigt werden kann. Ist eine Bescheinigung vorhanden, sollte sie zusammen mit anderen wichtigen Unterlagen griffbereit aufbewahrt werden – etwa mit Medikamentenplan, Diagnosenübersicht, Kontaktdaten behandelnder Ärztinnen und Ärzte und vorhandenen Vorsorgeunterlagen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einer Demenzerkrankung lässt sich ein Krankenhausaufenthalt nicht immer planen. Man kann aber dafür sorgen, dass der besondere Unterstützungsbedarf nicht erst dann erklärt werden muss, wenn der Notfall bereits eingetreten ist.<br><br>Eine ärztliche Bescheinigung garantiert nicht, dass ein Angehöriger jederzeit und überall beim Menschen mit Demenz bleiben darf. Sie kann aber ein sehr gewichtiges Argument dafür sein, warum seine Anwesenheit nicht nur erwünscht, sondern medizinisch sinnvoll oder notwendig ist.<br></p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="border-left: 5px solid #567a8f; background: #f3f6f8; padding: 18px 20px; margin: 28px 0; border-radius: 4px;">

  <p style="font-size: 1.15em; margin-top: 0;">
    <strong>Hilfreiche Links: Mit Demenz ins Krankenhaus</strong>
  </p>

  <p>
    Diese Informationen und Vorlagen können helfen, einen geplanten oder ungeplanten Krankenhausaufenthalt besser vorzubereiten:
  </p>

  <ul style="padding-left: 20px;">

    <li style="margin-bottom: 12px;">
      <strong>
        <a href="https://www.deutsche-alzheimer.de/publikationen/thema/krankenhaus-1" target="_blank" rel="noopener">
          Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Materialien zum Krankenhaus
        </a>
      </strong><br>
      Broschüre „Mit Demenz im Krankenhaus“ und Patienten-Informationsbogen zum kostenlosen Download.
    </li>

    <li style="margin-bottom: 12px;">
      <strong>
        <a href="https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/medizinisches/im-krankenhaus" target="_blank" rel="noopener">
          Wegweiser Demenz: Im Krankenhaus
        </a>
      </strong><br>
      Informationen zu Aufnahme, Aufenthalt, Entlassung, Rechten und Vorbereitung auf einen Notfall.
    </li>

    <li style="margin-bottom: 12px;">
      <strong>
        <a href="https://www.blickwechseldemenz.de/materialien/materialien-vorgaengerprojekte" target="_blank" rel="noopener">
          Notfallmappe für Menschen mit Demenz
        </a>
      </strong><br>
      Vorlagen für wichtige Angaben zu Diagnosen, Medikamenten, Gewohnheiten und persönlichen Besonderheiten.
    </li>

    <li>
      <strong>
        <a href="https://gesund.bund.de/gesundheitsversorgung/begleitperson-im-krankenhaus" target="_blank" rel="noopener">
          Begleitperson im Krankenhaus
        </a>
      </strong><br>
      Informationen des Bundesgesundheitsportals zur medizinisch notwendigen Begleitung und zur ärztlichen Bescheinigung.
    </li>

  </ul>

  <p style="margin-bottom: 0;">
    <strong>Tipp:</strong> Informationsbogen, Medikamentenplan und wichtige Unterlagen am besten schon vor einem Notfall zusammenstellen.
  </p>

</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/04/demenz-im-krankenhaus-diese-bescheinigung-kann-angehoerigen-die-begleitung-erleichtern/">Demenz im Krankenhaus: Diese Bescheinigung kann Angehörigen die Begleitung erleichtern</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 07:07:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
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		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[politische Teilhabe]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlfälschung]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen mit Demenz dürfen wählen. Auch eine fortgeschrittene Demenz führt nicht automatisch zum Verlust des Wahlrechts. Gleichzeitig verlangt das Wahlrecht eines eindeutig: Die Entscheidung muss die Entscheidung des wahlberechtigten Menschen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/">Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz dürfen wählen. Auch eine fortgeschrittene Demenz führt nicht automatisch zum Verlust des Wahlrechts. Gleichzeitig verlangt das Wahlrecht eines eindeutig: Die Entscheidung muss die Entscheidung des wahlberechtigten Menschen selbst sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie wichtig diese Grenze ist, zeigt ein aktueller Verdachtsfall aus Sachsen-Anhalt – wenige Tage vor der Landtagswahl am 6. September 2026.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der aktuelle Fall</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://ostdeutscheallgemeine.com/article/exklusiv-wahlbetrug-mit-der-stimme-einer-dementen-95-jaehrigen-bevollmaechtigter-stellt-strafanzeige-10353231">Die „Ostdeutsche Allgemeine“ </a>berichtet über eine 95-jährige Bewohnerin einer Seniorenresidenz in Dessau, die seit mehreren Jahren an Demenz erkrankt sein soll.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach Darstellung ihres Bevollmächtigten wurde ihm zunächst von einer Mitarbeiterin mitgeteilt, Wahlunterlagen von Bewohnerinnen und Bewohnern seien aus Zeitgründen eingesammelt und vernichtet worden. Als er später beim Wahlbüro nachfragte, habe er jedoch erfahren, dass für seine Tante bereits am 10. August Briefwahlunterlagen beantragt worden seien und sie bereits gewählt habe. Der Bevollmächtigte hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Stadt Dessau-Roßlau bestätigte der Zeitung, dass ihr der Vorgang bekannt sei. Die betroffene Einrichtung äußerte sich gegenüber der Zeitung zunächst nicht. Damit handelt es sich derzeit um einen Verdachtsfall – nicht um einen nachgewiesenen Wahlbetrug.<br><strong><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a9ad741dde98c9236181f5c/dessau-rosslau-staatsanwaltschaft-findet-keine-belege-fuer-wahlmanipulation-im-seniorenheim.html?source=puerto-reco-2_ABC-V50.5.B_schlagzeilen">UPDATE v. 04.09.: Laut der Tageszeitung Welt hat sich der Versdcht auf Wahlbetrug im genannten Fall NICHT erhärtet und die Ermittlungen sind eingestellt worden. </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f3f6f8; border-left:6px solid #2f5f78; padding:22px; margin:28px 0; font-size:18px; line-height:1.6;">
<p style="font-size:22px; font-weight:bold; margin:0 0 15px 0;"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f5f3.png" alt="🗳" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Wahlrecht und Demenz – die wichtigsten Punkte</p>

<p>• Eine Demenzdiagnose bedeutet nicht, dass ein Mensch sein Wahlrecht verliert.</p>

<p>• Die Wahlentscheidung trifft ausschließlich die wahlberechtigte Person selbst.</p>

<p>• Eine andere Person darf niemals stellvertretend entscheiden, welche Partei oder welcher Kandidat gewählt wird.</p>

<p>• Auch eine rechtliche Betreuung oder eine Vollmacht berechtigt nicht dazu, anstelle des Betroffenen eine politische Wahlentscheidung zu treffen.</p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch eine gut gemeinte Motivation ändert daran nichts. Pflegepersonen sind Unterstützende – keine politischen Stellvertreter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn keine Wahlentscheidung mehr möglich ist</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kann ein Mensch aufgrund seiner kognitiven Einschränkungen keine eigene Wahlentscheidung mehr treffen oder äußern, darf niemand diese Entscheidung für ihn übernehmen. Das bedeutet nicht, dass ihm aufgrund seiner Demenz formal das Wahlrecht abgesprochen wird. Es bedeutet lediglich, dass eine andere Person seine Stimme nicht stellvertretend abgeben darf. Genau diese Grenze schützt sowohl das Wahlrecht des Menschen mit Demenz als auch die Freiheit und Geheimhaltung der Wahl.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mögliche strafrechtliche Folgen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Strafgesetzbuch ist an dieser Stelle ausgesprochen eindeutig. Nach § 107a StGB macht sich wegen Wahlfälschung strafbar, wer unbefugt wählt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Gesetz stellt ausdrücklich klar, dass auch derjenige unbefugt wählt, der bei einer eigentlich zulässigen Assistenz entgegen der Wahlentscheidung eines Wahlberechtigten oder ohne dessen geäußerte Wahlentscheidung eine Stimme abgibt. Darauf stehen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Auch der Versuch ist strafbar.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob im aktuellen Fall in Dessau tatsächlich eine solche Straftat begangen wurde, müssen nun die Ermittlungen klären.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Fall zeigt jedoch bereits jetzt, wie sensibel Wahlunterstützung in Pflegeeinrichtungen ist: Unterstützung darf Teil guter Pflege sein. Die politische Entscheidung eines Bewohners zu ersetzen, darf es niemals sein.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/03/verdacht-auf-wahlbetrug-bei-95-jaehriger-mit-demenz-was-pflegepersonen-bei-wahlen-duerfen-und-was-nicht/">Verdacht auf Wahlbetrug bei 95-Jähriger mit Demenz: Was Pflegepersonen bei Wahlen dürfen – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Demenz bei wohnungslosen Menschen: Ein oft übersehenes Risiko</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/09/02/demenz-bei-wohnungslosen-menschen-ein-oft-uebersehenes-risiko/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 09:17:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[ältere Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
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		<category><![CDATA[demenzdiagnostik]]></category>
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		<category><![CDATA[früherkennung]]></category>
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		<category><![CDATA[Obdachlosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungslosenhilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungslosigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, könnten deutlich häufiger und früher an einer Demenz erkranken als bislang angenommen. Darauf weist eine aktuelle Meta-Analyse im „Journal of the American Geriatrics Society“&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/02/demenz-bei-wohnungslosen-menschen-ein-oft-uebersehenes-risiko/">Demenz bei wohnungslosen Menschen: Ein oft übersehenes Risiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, könnten deutlich häufiger und früher an einer Demenz erkranken als bislang angenommen. Darauf weist eine aktuelle Meta-Analyse im „Journal of the American Geriatrics Society“ hin.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Forschenden werteten 36 Studien mit insgesamt mehr als 500.000 Menschen aus, die Wohnungslosigkeit erlebt hatten. Das gewichtete Durchschnittsalter lag bei rund 63 Jahren. Insgesamt wurde bei 6,8 Prozent eine Demenz festgestellt. In vergleichbaren Altersgruppen der Allgemeinbevölkerung liegt die Häufigkeit nach Angaben der Forschenden bei unter drei Prozent.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auffällig früh betroffen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenzerkrankungen scheinen bei wohnungslosen Menschen teilweise bereits in einem Alter aufzutreten, in dem sie in der Allgemeinbevölkerung noch vergleichsweise selten sind. Als mögliche Erklärungen diskutieren die Autoren unter anderem eine beschleunigte gesundheitliche Alterung sowie die hohe Belastung durch bekannte Demenzrisikofaktoren. In den untersuchten Gruppen waren psychische Erkrankungen, Substanzkonsum, Schädel-Hirn-Verletzungen, Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wichtig: <strong>Die Studie beweist nicht, dass Wohnungslosigkeit selbst eine Demenz verursacht.</strong> Die Daten zur Frage, ob Wohnungslosigkeit das Erkrankungsrisiko tatsächlich erhöht, waren sehr uneinheitlich. Denkbar ist zudem die umgekehrte Richtung: Eine beginnende Demenz kann dazu beitragen, dass Menschen Rechnungen, Behördenangelegenheiten oder ihre Wohnsituation nicht mehr bewältigen und schließlich ihre Wohnung verlieren.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background-color:#f3f6f8; border-left:5px solid #4f6f7a; padding:18px 20px; margin:24px 0; border-radius:4px;">
  <div style="font-size:1.1em; font-weight:600; margin-bottom:10px;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f50e.png" alt="🔎" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Der entscheidende Punkt
  </div>

  <p style="margin:0; line-height:1.6;">
    Verwirrtheit, Vergesslichkeit und Orientierungsschwierigkeiten bei wohnungslosen Menschen sind nicht automatisch Folgen von Alkohol, Drogen, psychischer Erkrankung oder des Lebens auf der Straße. Gerade bei älteren Betroffenen sollte auch eine Demenz als mögliche Ursache abgeklärt werden.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Was bedeutet das für Deutschland?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Thema betrifft auch die deutsche Versorgung. Zum 31. Januar 2026 waren hierzulande rund 452.900 wohnungslose Menschen behördlich untergebracht; mehr als 43.000 von ihnen waren bereits 60 Jahre oder älter. Menschen, die auf der Straße leben oder verdeckt wohnungslos sind, sind in dieser Statistik noch nicht enthalten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei älteren wohnungslosen Menschen sollten deshalb Gedächtnisprobleme, Orientierungsschwierigkeiten oder auffällige Veränderungen nicht vorschnell ausschließlich Alkohol, psychischen Erkrankungen oder einfach &#8222;den schwierigen Lebensumständen&#8220; zugeschrieben werden. Eine Demenz muss als mögliche Ursache mitgedacht werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Autoren plädieren zudem dafür, in der Wohnungslosenhilfe nicht starr an Altersgrenzen wie 65 Jahren festzuhalten. Sinnvoll wären niedrigschwellige Möglichkeiten zur Abklärung kognitiver Veränderungen sowie eine engere Zusammenarbeit von Wohnungslosenhilfe, Medizin, Psychiatrie, Suchthilfe, Pflege und Sozialarbeit. Nach einer Diagnose braucht es außerdem Wohn- und Versorgungsangebote, die auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen tatsächlich erreichen können.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Studie macht damit auf eine Versorgungslücke aufmerksam: Demenz ist nicht ausschließlich ein Thema des hohen Alters – und sie kann gerade bei Menschen in besonders prekären Lebenssituationen leicht übersehen werden.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quelle: <a href="https://agsjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jgs.70072">Hoang PM et al. „Prevalence and Risk of Dementia Among Adults Who Have Experienced Homelessness, a Meta-Analysis“. Journal of the American Geriatrics Society, 2026.</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/09/02/demenz-bei-wohnungslosen-menschen-ein-oft-uebersehenes-risiko/">Demenz bei wohnungslosen Menschen: Ein oft übersehenes Risiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/08/16/schmerzen-bei-demenz-warum-beobachten-im-sitzen-nicht-reicht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 18:24:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[Bewegung]]></category>
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		<category><![CDATA[geriatrie]]></category>
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		<category><![CDATA[nonverbale Schmerzzeichen]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[pflegepraxis]]></category>
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		<category><![CDATA[Schmerzbeobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[schmerzen]]></category>
		<category><![CDATA[schmerzen erkennen bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Schmerzerkennung]]></category>
		<category><![CDATA[schmerzskala]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schmerzen bei Menschen mit Demenz zu erkennen, ist häufig schwierig. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer kann es Betroffenen fallen, Schmerzen zuverlässig zu benennen, ihre Stärke einzuschätzen oder zu&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/08/16/schmerzen-bei-demenz-warum-beobachten-im-sitzen-nicht-reicht/">Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schmerzen bei Menschen mit Demenz zu erkennen, ist häufig schwierig. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer kann es Betroffenen fallen, Schmerzen zuverlässig zu benennen, ihre Stärke einzuschätzen oder zu erklären, wo genau etwas wehtut.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dann gewinnt die Beobachtung an Bedeutung: Verzieht der Mensch das Gesicht? Stöhnt er? Schützt er einen Körperteil? Verändert sich seine Haltung oder sein Verhalten? Für die Schmerzbeurteilung sind in der Pflege verschiedene Skalen etabliert. Doch dabei gibt es ein Problem: oftmals werden Schmerzskalen in relativer Ruhe benutzt. Konkret: die Pflegefachperson setzt sich neben den sitzenden oder liegenden Pflegebedürftigen und füllt das Formular aus.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber: es reicht möglicherweise nicht, sich neben einen ruhig sitzenden oder liegenden Menschen zu setzen und ihn einige Minuten zu beobachten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In Ruhe unauffällig – bei Bewegung Schmerzen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie groß der Unterschied sein kann, zeigte eine britische Untersuchung mit 230 älteren Menschen mit Demenz, die ungeplant in ein Akutkrankenhaus aufgenommen worden waren. Während ihres Krankenhausaufenthaltes wurde wiederholt auf Schmerzverhalten geachtet – sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Ergebnis ist bemerkenswert:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Bei 19 Prozent wurde mindestens einmal Schmerzverhalten in Ruhe beobachtet. Bei Bewegung waren es 57 Prozent.</strong> Das bedeutet nicht, dass alle diese Menschen dauerhaft Schmerzen hatten. Es zeigt aber sehr deutlich, wie stark die Situation beeinflussen kann, ob Schmerz überhaupt erkennbar wird. Eine spätere wissenschaftliche Auswertung derselben Patientengruppe kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die beobachteten Schmerzwerte waren während Aktivität deutlich höher als in Ruhe. Die Forschenden sprechen dabei von einem möglichen Floor-Effekt: In Ruhe sammeln sich die Werte am unteren Ende einer Beobachtungsskala. Der Mensch erscheint unauffällig – obwohl sich bei Bewegung durchaus Schmerzzeichen zeigen können.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Schmerz entsteht nicht erst beim Aufstehen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Man kann sich das an einer alltäglichen Situation vorstellen. Eine Person sitzt ruhig in ihrem Sessel. Sie stöhnt nicht, ihr Gesicht wirkt entspannt, die Körperhaltung erscheint unauffällig. Dann soll sie aufstehen. Beim Vorbeugen verzieht sie plötzlich das Gesicht. Beim Hochkommen hält sie das rechte Bein steif. Sie klammert sich an der Armlehne fest und stöhnt. Der naheliegende Gedanke wäre: Jetzt hat sie Schmerzen. Genauer wäre jedoch:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jetzt werden die Schmerzen sichtbar.</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Bewegung muss den Schmerz nicht verursacht haben. Möglicherweise bestand beispielsweise bereits eine schmerzhafte Arthrose, eine Verletzung, eine Druckstelle oder ein muskuloskelettales Problem. Solange der betroffene Körperbereich nicht belastet oder bewegt wurde, war davon im Verhalten kaum etwas zu erkennen. Gerade bei Menschen, die ihre Beschwerden nicht mehr zuverlässig mitteilen können, kann dieser Unterschied entscheidend sein. Also auch bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher.png"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1024x768.png" alt="" class="wp-image-3723" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1024x768.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-300x225.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-768x576.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1320x990.png 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher.png 1448w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch andere Studien zeigen höhere Schmerzwerte bei Bewegung. Bereits 2010 untersuchten Forschende 60 Pflegeheimbewohner mit Demenz und bekannten Schmerzproblemen. Die Bewohner wurden sowohl in Ruhe als auch während standardisierter Bewegungen beobachtet. Bei unterschiedlichen Verfahren zur Schmerzbeobachtung zeigten sich während der Bewegung signifikant mehr Schmerzzeichen als in Ruhe.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch andere Forschungsgruppen haben deshalb gezielt Bewegungen in die Schmerzerfassung einbezogen. Dahinter steht ein einfacher Gedanke: Wer wissen möchte, ob beispielsweise Hüfte, Knie, Schulter oder Rücken Schmerzen verursachen, erhält möglicherweise mehr Informationen, wenn diese Körperbereiche bei einer ohnehin notwendigen Alltagshandlung bewegt oder belastet werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Beobachtung in Ruhe ist trotzdem nicht falsch</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aus den Forschungsergebnissen sollte allerdings nicht der umgekehrte Schluss gezogen werden, Menschen müssten ausschließlich bei Bewegung beobachtet werden. Auch Schmerzen in Ruhe sind wichtig. Manche Erkrankungen verursachen gerade dann Beschwerden, wenn ein Mensch liegt oder längere Zeit dieselbe Position einnimmt.Sinnvoller ist deshalb die Kombination:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie verhält sich der Mensch in Ruhe – und was verändert sich bei Bewegung? </p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f4f8fb; border-left:5px solid #3b82a0; padding:18px 20px; margin:24px 0; border-radius:6px; line-height:1.6;">
  
  <div style="font-size:1.15em; font-weight:700; margin-bottom:8px;">
    <span style="margin-right:7px;" aria-hidden="true"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></span>
    Bewegung beobachten heißt nicht, Schmerzen zu provozieren
  </div>

  <p style="margin:0 0 8px 0;">
    Ein wichtiger Punkt darf dabei nicht missverstanden werden:
    Niemand sollte einen Menschen absichtlich in eine schmerzhafte Bewegung zwingen, nur um herauszufinden, ob etwas wehtut.
  </p>

  <p style="margin:0;">
    Es geht vielmehr darum, <strong>notwendige und ohnehin stattfindende Bewegungen bewusster zu beobachten</strong>.
  </p>

</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch internationale Empfehlungen zur Schmerzerfassung bei Demenz weisen darauf hin, dass Beobachtungen sowohl in Ruhe als auch während Transfers und Aktivitäten des täglichen Lebens erfolgen sollten. Der Vergleich kann zusätzliche Informationen liefern, die eine einzelne Momentaufnahme nicht bietet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unauffälliges Verhalten in Ruhe beweist keine Schmerzfreiheit.</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wo eine verständliche Selbstauskunft noch möglich ist, sollte sie weiterhin genutzt werden. Fremdbeobachtung ergänzt diese Einschätzung insbesondere dann, wenn Kommunikation zunehmend schwierig wird. Vielleicht müssen wir nicht nur anders beobachten – sondern im richtigen Moment. In der Pflege wird viel darüber gesprochen, welches Instrument zur Schmerzerfassung verwendet werden sollte. Diese Frage ist wichtig. Aber möglicherweise beginnt das Problem noch früher.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn eine Pflegefachperson einen Menschen nur ruhig im Bett oder im Sessel erlebt, fehlen unter Umständen genau die Situationen, in denen sich Schmerzen bemerkbar machen. Die Forschung zeigt inzwischen recht deutlich, dass Schmerzverhalten bei Menschen mit Demenz während Bewegung wesentlich häufiger sichtbar werden kann als in Ruhe.</p>



<p class="has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-paragraph">Deshalb lohnt sich im Pflegealltag eine zusätzliche Frage. Nicht nur: <strong>„Welche Schmerzzeichen sehe ich?“, s</strong>ondern auch: <strong>„Wann schaue ich eigentlich hin?“</strong>.<br> Denn manchmal reicht Beobachten im Sitzen schlicht nicht aus.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph"><br><br>Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen und zum Weiterlesen:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Sampson EL, White N, Lord K et al. (2015):</strong> Pain, agitation, and behavioural problems in people with dementia admitted to general hospital wards: a longitudinal cohort study. <em>Pain</em>.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25790457/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25790457/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Dunford E et al.</strong> <strong>(2022):</strong> Psychometric evaluation of the Pain Assessment in Advanced Dementia scale in an acute general hospital setting.<br><a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9828226/">https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9828226/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Ersek M et al. (2010):</strong> Comparing the psychometric properties of the Checklist of Nonverbal Pain Behaviors and the Pain Assessment in Advanced Dementia scale in persons with dementia.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20088854/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20088854/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Husebø BS et al.</strong> <strong>(2007):</strong> Mobilization-Observation-Behavior-Intensity-Dementia Pain Scale (MOBID): development and validation of a nurse-administered pain assessment tool for use in dementia.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17509814/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17509814/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>International Association for the Study of Pain (IASP):</strong> Pain Assessment in Dementia.<br><a href="https://www.iasp-pain.org/resources/fact-sheets/pain-assessment-in-dementia/">https://www.iasp-pain.org/resources/fact-sheets/pain-assessment-in-dementia/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Lautenbacher S, Schreiber V, Grupp C et al.</strong> <strong>(2026):</strong> Pain differences in cognitive impairment appear only during active motor tasks. <em>Frontiers in Pain Research</em>.<br><a href="https://www.frontiersin.org/journals/pain-research/articles/10.3389/fpain.2026.1849507/full">https://www.frontiersin.org/journals/pain-research/articles/10.3389/fpain.2026.1849507/full</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/08/16/schmerzen-bei-demenz-warum-beobachten-im-sitzen-nicht-reicht/">Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Aug 2026 08:48:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Akutkrankenhaus]]></category>
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		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[barmer krankenhausreport]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[delir]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzsensibles krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[geriatrie]]></category>
		<category><![CDATA[kognitive beeinträchtigung]]></category>
		<category><![CDATA[krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenhausaufnahme]]></category>
		<category><![CDATA[Nationale Demenzstrategie]]></category>
		<category><![CDATA[patientensicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege im Krankenhaus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen mit Demenz gehören längst zum Alltag deutscher Krankenhäuser. Das ist keine neue Entwicklung. Schon vor vielen Jahren zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der älteren Krankenhauspatientinnen und -patienten kognitiv&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/">Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz gehören längst zum Alltag deutscher Krankenhäuser. Das ist keine neue Entwicklung. Schon vor vielen Jahren zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der älteren Krankenhauspatientinnen und -patienten kognitiv beeinträchtigt ist. Verändert hat sich vor allem etwas anderes: Wir verstehen heute wesentlich besser, welche Folgen eine Demenz für nahezu den gesamten Krankenhausaufenthalt haben kann.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidende Frage lautet deshalb vielleicht nicht mehr: Was müssen Mitarbeitende in  Krankenhäusern über Demenz lernen? Sondern: Warum gelingt es noch immer nicht überall, vorhandenes Wissen zuverlässig in Strukturen und Abläufe zu übersetzen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Demenz gehört schon lange dazu</h2>



<div style="background:#f4f7f9; border-left:5px solid #4f7896; padding:20px 22px; margin:28px 0; border-radius:4px;">

  <div style="font-size:1.25em; font-weight:700; margin-bottom:16px;">
    Demenz im Krankenhaus – vier Zahlen
  </div>

  <div style="display:grid; grid-template-columns:repeat(auto-fit,minmax(180px,1fr)); gap:20px;">

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        18,4 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der untersuchten Krankenhauspatientinnen und -patienten ab 65 Jahren hatten eine Demenz.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        nur 36,7 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der in der Studie festgestellten Demenzerkrankungen waren auch in der Krankenakte dokumentiert.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        +33 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        mehr Krankenhauseinweisungen gab es bei Menschen mit Demenz im Vergleich zu Menschen ohne Demenz.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        10,6 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der Krankenhausfälle mit Demenz hatten 2023 ein dokumentiertes Delir – gegenüber 3,4 % aller Krankenhausfälle ab 65 Jahren.
      </div>
    </div>

  </div>

  <div style="font-size:0.82em; color:#666; margin-top:18px; border-top:1px solid #d7dee3; padding-top:10px;">
    Quellen: GHoSt; Motzek et al.; BARMER Krankenhausreport 2025
  </div>

</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><br>Die General Hospital Study (GHoSt) untersuchte 2014 und 2015 ältere Patientinnen und Patienten in deutschen Allgemeinkrankenhäusern. Bei 18,4 Prozent der über 65-Jährigen wurde eine Demenz festgestellt, weitere 19,8 Prozent hatten eine leichte kognitive Beeinträchtigung. Insgesamt waren damit rund 40 Prozent kognitiv beeinträchtigt. Bemerkenswert ist ein anderer Befund: Nicht einmal bei vier von zehn der tatsächlich betroffenen Patientinnen und Patienten war die Demenz in der Krankenakte dokumentiert. Bei fast zwei Dritteln fehlte ein entsprechender Hinweis.<br><br>Das bedeutet wohl nicht, dass Krankenhäuser zwei Drittel aller Demenzerkrankungen schlicht „übersehen“ hätten. Manche Erkrankungen waren vermutlich zuvor nicht diagnostiziert, zudem kann die Abgrenzung zwischen Demenz, Delir und akuter kognitiver Verschlechterung schwierig sein. Für die Versorgung bleibt der Befund dennoch relevant: Ein Krankenhaus kann nicht darauf vertrauen, dass eine bestehende Demenz bei der Aufnahme bereits bekannt und dokumentiert ist. Und darf die Wirkung dieser Diagnose auf Behandlung und Verlauf des Krankenhausaufenthalts nicht unterschätzen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schon einige Jahre zuvor hatte eine Untersuchung im Auftrag der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ein ähnliches Strukturproblem sichtbar gemacht. 2009 berichteten 81,9 Prozent der befragten Pflegekräfte, immer häufiger Menschen mit Demenz zu versorgen. Gleichzeitig fühlten sich nur rund 30 Prozent dafür ausreichend qualifiziert. Lediglich 27,7 Prozent der befragten Krankenhausleitungen konnten überhaupt ein demenzsensibles Versorgungskonzept benennen. Erfolgreiche Modellprojekte wurden damals noch als „Insellösungen“ beschrieben.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Menschen mit Demenz kommen häufiger ins Krankenhaus</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob Menschen mit Demenz allerdings <strong>heute häufiger als früher</strong> ins Krankenhaus kommen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Zwar stiegen die dokumentierten Krankenhausfälle mit Demenz bis 2019, nach der Corona-Pandemie liegen sie aber unter diesem Höchststand. Zudem beeinflussen Demografie, Diagnostik und Kodierung die Zahlen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="
  background-color: #eef5f8;
  border-left: 5px solid #28708a;
  padding: 16px 18px;
  margin: 24px 0;
  border-radius: 4px;
  font-size: 1.05em;
  line-height: 1.5;
">
  <span style="font-size: 1.3em; margin-right: 8px;">&#128269;</span>
  <strong>Belegt ist das höhere Hospitalisierungsrisiko – nicht ein kontinuierlicher Anstieg über die Jahre.</strong>
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Menschen mit Demenz im Krankenhaus behandelt werden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessanter als die reine Zahl der Krankenhausaufenthalte ist möglicherweise der Blick auf ihre Ursachen. Menschen mit Demenz werden häufig aufgrund akuter Erkrankungen und Krisen aufgenommen – beispielsweise nach Frakturen und Verletzungen, bei Flüssigkeitsmangel oder Erkrankungen des Harnsystems.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung.png"><img decoding="async" width="1024" height="725" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1024x725.png" alt="" class="wp-image-3714" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1024x725.png 1024w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-300x212.png 300w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-768x543.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1320x934.png 1320w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung.png 1491w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade hier zeigt sich, dass Demenz weit mehr ist als eine zusätzliche Diagnose in der Patientenakte. Ein Mensch mit Demenz kann möglicherweise nicht zuverlässig daran denken, ausreichend zu trinken. Er kann die Aufforderung, nach einem Sturz nicht allein aufzustehen, wenige Minuten später vergessen haben. Eine Infektion äußert sich womöglich zunächst durch Unruhe, Rückzug oder Nahrungsverweigerung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Krankenhaus behandelt dann vielleicht eine Fraktur, eine Herzinsuffizienz oder einen Flüssigkeitsmangel – die Demenz beeinflusst jedoch maßgeblich, wie diese Erkrankung überhaupt behandelt werden kann bzw. das Outcome der Maßnahmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Krankenhausaufenthalt bringt zusätzliche Risiken</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders deutlich wird das beim Delir. 2023 wurde bei 10,6 Prozent der Krankenhausfälle von Menschen mit Demenz ein Delir dokumentiert. Bei allen Krankenhausfällen ab 65 Jahren waren es 3,4 Prozent. Bei Demenz in Verbindung mit einer Femurfraktur lag der Anteil sogar bei 18,6 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hinzu kommen erhebliche Anforderungen an die Pflege. In der GHoSt-Studie berichteten Pflegefachleute bei 87,5 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Demenz und/oder Delir mindestens eine herausfordernde Pflegesituation. Bei 57 Prozent wurde mehr Pflegezeit als üblich benötigt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist kein Hinweis darauf, dass Menschen mit Demenz „schwierige Patienten“ wären. Es zeigt vielmehr einen Konflikt zwischen kognitiven Einschränkungen und einem Versorgungssystem, das stark auf Orientierung, Gedächtnis, Kooperation und Selbstständigkeit angewiesen ist. Im ambulanten Bereich wird das Thema Delir häufig ebenfalls stark unterschätzt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Viel hat sich verändert – aber nicht überall</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Inzwischen ist demenzsensible Krankenhausversorgung auch gesundheitspolitisch längst kein Randthema mehr. Sie ist Bestandteil der Nationalen Demenzstrategie. Kognitive Screenings, Angehörigenintegration, Delirprävention, kürzere Wartezeiten, Orientierungshilfen und angepasste Behandlungsabläufe werden seit Jahren diskutiert und erprobt. Wissen ist jedoch das eine, die Umsetzung eine andere. Es erstaunt mich immer wieder: in Schulungen in Krankenhäusern sind Teilnehmer manchmal regelrecht erstaunt zu hören, dass es im eigenen Haus einen speziellen Qualitätszirkel Demenz oder Delir gibt. Nie von gehört&#8230;. .</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts zeigte 2021/22 beispielsweise, dass zwar 52 Prozent der befragten Allgemeinkrankenhäuser in der Notaufnahme regelhaft ein kognitives Kurzscreening älterer Patienten durchführten. Eine Delirgefährdung war jedoch nur in 42 Prozent Bestandteil der Triage. Nur 28 Prozent gaben an, dass alle Beschäftigten in Notaufnahme beziehungsweise Rettungsdienst im Umgang mit Menschen mit Demenz geschult seien. Einen akustisch und visuell abgeschirmten Wartebereich hatten lediglich sieben Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit hat sich gegenüber den „Insellösungen“ von vor 15 Jahren zweifellos viel verändert. Von einer flächendeckend demenzsensiblen Krankenhausversorgung kann dennoch kaum gesprochen werden, betrachtet man diese Zahlen. Mein eigenes Erleben als Referent bestätigt das auch in der Hinsicht, dass Demenz immernoch &#8222;stiefmütterlich&#8220; behandelt wird und im Schulungsbereich häufig ein &#8222;nice to have&#8220; ist, aber nicht mehr. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Kein Erkenntnisproblem mehr?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für viele Menschen mit Demenz ist ein Krankenhausaufenthalt zudem eine kritische Phase ihres weiteren Krankheits- und Pflegeverlaufs. Nach BARMER-Daten benötigten rund 19 Prozent der zuvor ambulant oder teilstationär versorgten Menschen mit Demenz nach dem Krankenhausaufenthalt Kurzzeitpflege oder eine vollstationäre Versorgung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Daraus darf nicht geschlossen werden, dass der Krankenhausaufenthalt diese Verschlechterung verursacht hat.</strong> Menschen kommen schließlich gerade deshalb ins Krankenhaus, weil sie akut erkrankt oder verletzt sind. Die Zahlen zeigen aber, wie vulnerabel diese Patientengruppe ist.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Was Menschen mit Demenz im Krankenhaus benötigen, ist heute in vielen Bereichen bekannt. Die spannendere – und unbequemere – Frage lautet daher:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn wir so viel darüber wissen, warum hängt eine gute Versorgung noch immer so stark davon ab, in welchem Krankenhaus und auf welcher Station ein Mensch mit Demenz landet?</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/">Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Delir bei Demenz: Wenn die Akutphase vorbei ist, bleibt dennoch das Risiko</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/07/07/delir-bei-demenz-wenn-die-akutphase-vorbei-ist-bleibt-dennoch-das-risiko/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 16:33:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[4at]]></category>
		<category><![CDATA[Akutpflege]]></category>
		<category><![CDATA[delir]]></category>
		<category><![CDATA[delir bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Delirnachsorge]]></category>
		<category><![CDATA[delirprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Delirrezidiv]]></category>
		<category><![CDATA[delirrisiko]]></category>
		<category><![CDATA[delirscreening]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzzeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Desorientierung]]></category>
		<category><![CDATA[entlassmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[exsikkose]]></category>
		<category><![CDATA[hypoaktives Delir]]></category>
		<category><![CDATA[Infekt]]></category>
		<category><![CDATA[jochen gust]]></category>
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		<category><![CDATA[langzeitpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Medikamentenänderung]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege nach Delir]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegefachpersonen]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeverlegungsbericht]]></category>
		<category><![CDATA[Remission]]></category>
		<category><![CDATA[sturzrisiko]]></category>
		<category><![CDATA[Verhaltensveränderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Delir ist akut gefährlich. Aber auch nach dem scheinbaren Abklingen darf es pflegefachlich nicht abgehakt werden. Wenn Unruhe, Halluzinationen oder starke Desorientierung nachlassen, entsteht leicht der Eindruck von Stabilisierung.&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/07/07/delir-bei-demenz-wenn-die-akutphase-vorbei-ist-bleibt-dennoch-das-risiko/">Delir bei Demenz: Wenn die Akutphase vorbei ist, bleibt dennoch das Risiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Delir ist akut gefährlich. Aber auch nach dem scheinbaren Abklingen darf es pflegefachlich nicht abgehakt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Unruhe, Halluzinationen oder starke Desorientierung nachlassen, entsteht leicht der Eindruck von Stabilisierung. Dieser Eindruck kann trügen. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/23/persistentes-delir-weit-verbreitet-und-langanhaltend/">Ein Delir kann persistieren</a>, hypoaktiv weiterbestehen oder zwar remittieren, aber neue funktionelle Risiken hinterlassen: weniger Mobilität, schlechtere Trinkmenge, mehr Stürze, Dysphagie, Schlafstörungen, neue Angst und ein erhöhtes Risiko für weitere Delire.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Menschen mit Demenz ist das frühere Ausgangsniveau nach einem Delir nicht immer wieder erreichbar. Die entscheidende pflegefachliche Frage lautet deshalb nicht: Ist die Person wieder wie vorher? Sondern: Ist das Delir remittiert – und welche neuen oder verstärkten Risiken bleiben danach bestehen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Pflegefachpersonen ist deshalb nicht nur die akute Delirerkennung wichtig. Entscheidend ist auch, was danach passiert. Und damit dann auch wieder erneut klar, wer die Hauptlast hinsichtlich Versorgung und auch Prävention trägt. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wann ist ein Delir denn vorbei?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Delir gilt fachlich als remittiert, wenn die delirtypischen Merkmale nicht mehr nachweisbar sind: keine akute oder fluktuierende Aufmerksamkeitsstörung, keine auffällige Veränderung von Bewusstsein, Wahrnehmung, Denken oder psychomotorischem Verhalten im Sinne des Delirs.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Menschen mit Demenz ist das schwer zu beurteilen, weil Demenzsymptome und Delirsymptome überlappen. Maßstab ist der Zustand vor dem Delir – auch wenn dieser Zustand nach dem Delir nicht wieder vollständig erreicht wird. Dazu braucht es strukturierte Beobachtung, Fremdanamnese und bei Verdacht ein standardisiertes Screening. Geeignet sind je nach Setting zum Beispiel 4AT, Nu-DESC, DOS/DOSS, auf Intensivstationen CAM-ICU oder ICDSC. Der 4AT erfasst unter anderem Wachheit, Orientierung/Kognition, Aufmerksamkeit und akute Veränderung beziehungsweise fluktuierenden Verlauf. Bei schwerer Demenz muss das Ergebnis besonders vorsichtig im Verlauf und mit Fremdinformation interpretiert werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wichtig ist: Ein Screening ersetzt nicht die fachliche Gesamtbeurteilung. Es verhindert aber, dass Pflege nur nach Eindruck dokumentiert: „besser“, „ruhiger“, „verwirrt“ oder „klarer“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie lange muss Pflege nach einem Delir aufmerksam bleiben?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflege muss immer aufmerksam sein. Deswegen verlangt professionelle Pflege eben auch mehr, als Laienpflege. </p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine harte Frist gibt es nachfolgend eines deliranten Zustandes so nicht. Fachlich sinnvoll ist eine gestufte Nachsorge.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für mindestens drei Monate sollte ein erlittenes Delir als aktives Risikoereignis präsent bleiben. Diese Frist ist keine starre Leitlinienvorgabe, aber sie ist pflegefachlich begründbar. Eine deutsche Nachbeobachtungsstudie zu Menschen mit Demenz beziehungsweise Delir auf Demenz fand, dass innerhalb der ersten drei Monate nach Entlassung 14 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Delir auf Demenz starben, aber keine Person aus der Vergleichsgruppe mit Demenz ohne Delir.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="border: 2px solid #8a4b00; background: #fff7e8; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 10px; font-family: inherit; color: #222; line-height: 1.55; font-size: 18px;">
  
  <div style="font-weight: 700; font-size: 20px; margin-bottom: 12px; color: #5c3200;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Delir bleibt ein Risikomarker
  </div>

  <p style="margin: 0 0 14px 0;">
    Auch nach dem scheinbaren Abklingen bleibt ein Delir dauerhaft 
    <strong>anlassbezogen relevant</strong>.
  </p>

  <ul style="margin: 12px 0 16px 0; padding-left: 1.2em;">
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9a0.png" alt="🦠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Infekt</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4a7.png" alt="💧" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Exsikkose</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1fa79.png" alt="🩹" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Sturz oder Operation</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a1.png" alt="⚡" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Schmerz</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f6bd.png" alt="🚽" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Harnverhalt oder Obstipation</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f48a.png" alt="💊" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Sedierung oder Medikamentenänderung</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f501.png" alt="🔁" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Ortswechsel</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9e0.png" alt="🧠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> auffällige Verhaltensänderung</li>
  </ul>

  <p style="margin: 0;">
    In diesen Situationen muss ein <strong>erneutes Delir früh mitgedacht</strong> werden. 
    Die S3-Leitlinie nennt ein Delir in der Vorgeschichte ausdrücklich als 
    <strong>Risikofaktor für ein weiteres Delir</strong>.
  </p>

</div>

</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach einem Delir bedeutet „drei Monate aufmerksam bleiben“ nicht, dass täglich routinemäßig ein Delirbogen ausgefüllt werden muss. Ich meine damit eine niedrigere Schwelle für pflegefachliches Handeln. Jede akute Veränderung gegenüber dem bekannten Zustand muss ernst genommen werden: neue Schläfrigkeit, schwankende Aufmerksamkeit, Trinkmengenrückgang, Mobilitätsverlust, Sturz, Schmerzzeichen, Fieber, Harnverhalt, Obstipation, Halluzinationen, Angst oder auffällige Unruhe. Wer viel oder gar ausschließlich mit Menschen mit Demenz arbeitet, steht stets im Risiko Verhaltensveränderungen &#8222;der Demenz&#8220; zuzuordnen. Daher dieser Aufruf zur besonderen Sensibilität nach einer deliranten Episode. Das frühere Delir ist deshalb kein abgeschlossener Eintrag in der Vorgeschichte, sondern ein Risikohinweis für die aktuelle Versorgung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein durchgemachtes Delir erhöht das Risiko für weitere Delire</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Frage nach dem Rezidivrisiko lässt sich nicht mit einer einzigen belastbaren Prozentzahl für „Menschen mit Demenz nach Delir“ beantworten. Dafür unterscheiden sich Settings, Demenzschwere, Frailty, Multimorbidität, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/28/gegeben-aber-nicht-genommen-der-stille-medikationsfehler/">Medikation</a>, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/03/11/demenz-auf-falscher-faehrte-bei-infektionen-schmerzen/">Infektlast</a> und Erhebungsmethoden zu stark.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Richtung ist aber klar: Ein Delir in der Vorgeschichte gilt als Risikofaktor für ein weiteres Delir. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">Die S3-Leitlinie</a> formuliert für die Tertiärprävention, dass die nach einem Delir relevanten Risikofaktoren und deren Management weiter bedeutsam bleiben. In der stationären Langzeitpflege seien präventive nicht-pharmakologische Maßnahmen essenziell, um erneute Delirien zu vermeiden. Zugleich sei kontinuierliche interdisziplinäre Beobachtung nötig, um ein Wiederauftreten frühzeitig zu erkennen und eine rasche Ursachenbehandlung zu ermöglichen. Pflegefachlich folgt daraus: Wer einmal ein Delir hatte, gehört bei neuer akuter Belastung wieder in die Delir-Risikogruppe. Bei Menschen mit Demenz gilt das besonders.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Willkommen in der Drehtür: <strong>Entlassung nach Delir ohne Nachsorgeempfehlung bleibt Risiko</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/06/29/kurzzeitpflege-verzweifelt-gesucht-uebergangspflege/">Krankenhäuser entlassen Menschen mit Demenz</a> nicht selten nach einem behandelten oder sich bessernden Delir. Die akute Ursache ist therapiert, die Medikation angepasst, die Person wirkt ruhiger oder wieder besser erreichbar. Oder wehrt sich wenigstens weniger gegen die Versorgung. Hilfreich wäre, konkrete Aussage zur Delirnachsorge zu treffen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="725" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik-725x1024.png" alt="" class="wp-image-3691" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik-725x1024.png 725w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik-212x300.png 212w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik-768x1085.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik.png 1055w" sizes="auto, (max-width: 725px) 100vw, 725px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn ein Mensch mit Demenz während des Aufenthalts ein Delir hatte, reicht es nicht, nur die Medikation zu übergeben. Die Anschlussversorgung muss wissen, ob das Delir remittiert war oder ob noch Auffälligkeiten bestanden, welche Form beobachtet wurde, welche Auslöser wahrscheinlich waren und worauf Pflege, Hausarztpraxis und Angehörige in den nächsten Tagen und Wochen achten sollen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Krankenhäuser stehen hier in der Verantwortung. Ein behandeltes oder gebessertes Delir ist kein erledigtes Randereignis, sondern ein relevantes Risiko für die weitere Versorgung. Deshalb gehören in Arztbrief und Pflegeverlegungsbericht konkrete ärztliche und pflegefachliche Handlungsempfehlungen: Wann ist eine erneute ärztliche Rückmeldung nötig? Welche Warnzeichen sprechen für ein persistierendes oder erneutes Delir? Welche körperlichen Auslöser müssen weiter beobachtet werden? Welche Medikationsrisiken bestehen? Welche Einschränkungen sind neu hinzugekommen?</p>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Delirnachsorge muss deshalb Teil der Entlassungsqualität sein – ärztlich und pflegefachlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was Pflege konkret beobachten muss</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach einem Delir reicht eine allgemeine Formulierung wie „weiter beobachten“ nicht aus. Beobachtung muss konkretisiert werden. Pflegefachlich relevant sind vor allem: Aufmerksamkeit und Wachheit bzw. Fluktuation, Mobilität und Transfers (Bedarf), Essen, Trinken und Schlucken, Ausscheidung, Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerz und Infektzeichen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach einem Delir darf Pflege nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Auch wenn das Delir formal vorbei ist, bleibt es relevant: zunächst wegen möglicher Persistenz, dann wegen erhöhter Komplikations- und Sterberisiken, langfristig wegen des Risikos weiterer Delire. In Verlegungsberichten bzw. Entlassbriefen darf und sollte dieser Nachsorgebedarf deutlich betont werden. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen bzw. weitere Links zum Thema</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie / Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“. AWMF-Register Nr. 109-001. 2025/2026.<br>Wichtig für Risikofaktoren, Follow-up Care, Tertiärprävention und Informationstransfer.<br><a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/109-001">https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/109-001</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Houdelet-Oertel, A., Lauer, R., Molitor, V., Walter, R., Dörner, J., Palm, R., Otte, I., Vollmar, H. C., &amp; Holle, B. Prevalence of delirium among older nursing home residents: a systematic review and meta-analysis. European Geriatric Medicine. 2026.<br>Wichtig für Delir im Pflegeheim.<br><a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s41999-026-01422-0">https://link.springer.com/article/10.1007/s41999-026-01422-0</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Whitby, J., Nitchingham, A., Caplan, G., Davis, D., &amp; Tsui, A. Persistent delirium in older hospital patients: an updated systematic review and meta-analysis. Delirium. 2022.<br>Wichtig für persistierendes Delir nach der Akutphase.<br><a href="https://deliriumjournal.com/article/36822-persistent-delirium-in-older-hospital-patients-an-updated-systematic-review-and-meta-analysis">https://deliriumjournal.com/article/36822-persistent-delirium-in-older-hospital-patients-an-updated-systematic-review-and-meta-analysis</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnorr, T. S., Fleiner, T. F., Schroeder, H., Reupke, I., Woringen, F., Trumpf, R., Schroeder, S., Zijlstra, W., &amp; Haussermann, P. Post-discharge mortality in patients with delirium and dementia: A 3-year follow up study. Frontiers in Psychiatry. 2022.<br>Wichtig für die frühe Hochrisikophase nach Delir auf Demenz.<br><a href="https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry/articles/10.3389/fpsyt.2022.835696/full">https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry/articles/10.3389/fpsyt.2022.835696/full</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">National Institute for Health and Care Excellence. Delirium in adults. Quality statement 5: Communication of diagnosis to GPs. NICE Quality Standard QS63.<br>Wichtig für die Forderung, ein aktuelles oder abgeklungenes Delir in der Entlassungskommunikation ausdrücklich zu benennen.<br><a href="https://www.nice.org.uk/guidance/qs63/chapter/quality-statement-5-communication-of-diagnosis-to-gps">https://www.nice.org.uk/guidance/qs63/chapter/quality-statement-5-communication-of-diagnosis-to-gps</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/07/07/delir-bei-demenz-wenn-die-akutphase-vorbei-ist-bleibt-dennoch-das-risiko/">Delir bei Demenz: Wenn die Akutphase vorbei ist, bleibt dennoch das Risiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 20:06:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Abwehrverhalten]]></category>
		<category><![CDATA[aggression bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Autonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Beschämung]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungsgestaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Biografiearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzpflege]]></category>
		<category><![CDATA[herausfordernde Situationen]]></category>
		<category><![CDATA[herausforderndes verhalten]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollverlust]]></category>
		<category><![CDATA[Korrigieren bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Personzentrierung]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege bei Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegefachpersonen]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegekommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Statusbedrohung]]></category>
		<category><![CDATA[Validation]]></category>
		<category><![CDATA[verweigerung]]></category>
		<category><![CDATA[würde]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Pflegefachpersonen erleben es immer wieder: Unterstützung ist fachlich notwendig, wird aber von Menschen mit Demenz abgewehrt. Die Körperpflege eskaliert. Eine Anleitung wird als Bevormundung erlebt. Eine gut gemeinte Erinnerung führt&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/">Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen erleben es immer wieder: Unterstützung ist fachlich notwendig, wird aber von Menschen mit Demenz abgewehrt. Die Körperpflege eskaliert. Eine Anleitung wird als Bevormundung erlebt. Eine gut gemeinte Erinnerung führt zu Gereiztheit. Eine Aktivierung wird verweigert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schnell wird solches Verhalten als „aggressiv“, „uneinsichtig“ oder „unkooperativ“ beschrieben. Das ist nachvollziehbar, erklärt aber oft zu wenig. Eine hilfreiche zusätzliche Perspektive ist das sozialpsychologische Konzept der Statusbedrohung. Statusbedrohung bedeutet: Ein Mensch erlebt, dass sein Rang, seine Würde, seine Kompetenz, seine Selbstbestimmung oder seine Rolle infrage gestellt wird. Er fühlt sich nicht einfach gestört, sondern herabgesetzt. Gerade bei Demenz kann das eine wichtige Rolle spielen, weil viele alltägliche Hilfen ungewollt genau diese Botschaft transportieren können: Du kannst das nicht mehr. Andere bestimmen jetzt. Du bist nicht mehr zuständig. Nicht einmal für Dich selbst. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterstützung kann Abhängigkeit vor Augen führen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aus Sicht der Pflege ist eine Handlung oft sachlich klar: Jemand braucht Unterstützung beim Waschen, Anziehen, Essen, bei der Orientierung oder bei der Sicherheit. Für die betroffene Person kann dieselbe Handlung aber eine andere Bedeutung haben. Hilfe kann als Beweis von Abhängigkeit erlebt werden. Anleitung kann wie Kontrolle wirken. Korrektur kann beschämend sein. Sicherheit kann sich wie Entmündigung anfühlen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist besonders bedeutsam, weil Menschen mit Demenz häufig Fähigkeiten verlieren, aber ihr Gefühl für Würde, Beschämung und Behandlung oft lange erhalten bleibt. Sie können vielleicht nicht mehr genau erklären, warum eine Situation sie verletzt. Aber sie spüren, ob sie ernst genommen werden, ob über sie bestimmt wird oder ob sie ihr Gesicht verlieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Die Reaktion richtet sich dann weniger gegen die konkrete Pflegehandlung.</a> Sie richtet sich gegen die erlebte soziale Botschaft dieser Handlung.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<aside style="border-left: 5px solid #6f8f72; background: #f6f3ec; padding: 1.1em 1.2em; margin: 2em 0; border-radius: 8px; font-family: inherit; line-height: 1.55;">
  <h3 style="margin-top: 0; color: #2f4f34;">Was bedeutet Statusbedrohung?</h3>

  <p>
    <strong>Definition:</strong> Statusbedrohung meint, dass ein Mensch eine Situation als Angriff auf seine Würde, Kompetenz, Rolle, Selbstbestimmung oder soziale Anerkennung erlebt.
  </p>

 
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Menschen mit Demenz besonders verletzlich sind</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenz bedroht viele Bereiche, an denen Menschen ihren Status und ihr Selbstbild festmachen: Selbstständigkeit, Orientierung, Kontrolle, Sprache, Alltagskompetenz und soziale Rolle.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer früher selbst entschieden, organisiert, versorgt, gearbeitet, geführt oder Verantwortung getragen hat, erlebt Hilfe nicht automatisch als Entlastung. Hilfe kann auch als Bruch mit dem bisherigen Selbstbild empfunden werden. Besonders anfällig sind Situationen, in denen Defizite sichtbar werden. Auch Korrekturen sind heikel, weil sie nicht nur eine sachliche Information enthalten, sondern oft eine beziehungsbezogene Botschaft: Deine Wahrnehmung stimmt nicht. Ich weiß es besser.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einem Menschen, der ohnehin Kontrolle verliert, kann das als massiver Angriff auf Würde und Erwachsensein erlebt werden. Menschen mit Demenz erleben das wiederholt &#8211; auch dann, wenn es &#8222;nicht so gemeint&#8220; ist. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur: Was macht die Person? Sondern auch: Welche Rolle oder welche Selbstständigkeit ist in dieser Situation gerade bedroht bzw. sieht diese Person möglicherweise bedroht?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Pflegefachpersonen praktisch daraus ableiten können</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-819x1024.png" alt="" class="wp-image-3679" srcset="https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-819x1024.png 819w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-240x300.png 240w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-768x960.png 768w, https://demenz-zeitung.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild.png 1122w" sizes="auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der wichtigste Perspektivwechsel lautet: Hilfe sollte so angeboten werden, dass möglichst wenig Status verloren geht. Dazu gehört, Defizite nicht unnötig sichtbar zu machen. Unterstützung sollte nicht als Kontrolle erscheinen, sondern als Assistenz. Wahlmöglichkeiten sollten erhalten bleiben, ohne zu überfordern. Körpernahe Pflege braucht besonders viel Schutz von Intimsphäre, Tempo und Selbstbestimmung. Und manchmal gilt für alle Beteiligten, schlicht nicht so viel Aufhebens um das Geschehen zu machen. <br>Hilfreich sind kleine Entscheidungen, klare Orientierung, ruhige Übergänge und eine Sprache, die Komfort, Sicherheit oder Gewohnheit betont, statt Unfähigkeit in den Vordergrund zu stellen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/06/08/demenz-und-trauma-alte-wunden-neue-herausforderungen-fuer-die-pflege/">Auch Biografie ist hier wichtig. </a>Wer weiß, welche Rollen ein Mensch früher hatte, versteht besser, welche Situationen heute beschämend oder entmachtend wirken können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Der fachliche Nutzen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Konzept der Statusbedrohung erklärt Demenzverhalten nicht vollständig. Es sollte auch nicht als neue Universaltheorie verkauft werden. Aber es bietet eine brauchbare Brille für den Pflegealltag.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">aus „<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/27/nach-dem-vorfall-nicht-einfach-weitermachen-warum-sie-in-der-pflege-einen-buddy-check-etablieren-sollten/">aggressiv</a>“ wird dann möglicherweise: Die Situation bedroht Kontrolle oder Intimsphäre. </li>



<li class="has-medium-font-size">aus „uneinsichtig“ wird: Die Person schützt vielleicht ein altes Selbstbild.</li>



<li class="has-medium-font-size">aus „unkooperativ“ wird: Die Person versucht, Selbstbestimmung zurückzugewinnen.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Sicht entschuldigt nicht jedes Verhalten und ersetzt keine Gefährdungseinschätzung. Aber sie verhindert, dass Menschen mit Demenz vorschnell moralisch bewertet werden. Und sie eröffnet Handlungsmöglichkeiten: weniger Druck, weniger Bloßstellung, weniger Korrektur, mehr Würde, mehr Wahl, mehr Beziehung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Statusbedrohung mitdenkt, fragt deshalb nicht nur, was erledigt werden muss. Er fragt auch, wie die Situation für den Menschen mit Demenz wirkt. Der entscheidende Gedanke für die Praxis lautet:</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz wehren sich nicht immer gegen die Hilfe selbst. Manchmal wehren sie sich gegen den Verlust von Würde, Rolle und Selbstbestimmung, den diese Hilfe für sie bedeutet. Und wir sind gefordert Wege zu finden, diese Hilfe anders anzubieten. <br><br>Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/">Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Medienbiografie und -bewußtsein werden Teil der Pflege werden</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/06/27/medienbiografie-und-bewusstsein-werden-teil-der-pflege-werden/</link>
					<comments>https://demenz-zeitung.de/2026/06/27/medienbiografie-und-bewusstsein-werden-teil-der-pflege-werden/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 12:10:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzpflege]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Teilhabe]]></category>
		<category><![CDATA[falsche Erinnerungen]]></category>
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		<category><![CDATA[jochen gust]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflege der Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[pflegeethik]]></category>
		<category><![CDATA[Schutzkonzepte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die heutige Generation alter Menschen ist in einer Welt aufgewachsen, in der Erinnerungen vor allem aus eigenem Erleben, Familienerzählungen, Briefen, Fotos, Zeitungen, Radio und analogem Fernsehen gespeist wurden. Natürlich konnten&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/06/27/medienbiografie-und-bewusstsein-werden-teil-der-pflege-werden/">Medienbiografie und -bewußtsein werden Teil der Pflege werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die heutige Generation alter Menschen ist in einer Welt aufgewachsen, in der Erinnerungen vor allem aus eigenem Erleben, Familienerzählungen, Briefen, Fotos, Zeitungen, Radio und analogem Fernsehen gespeist wurden. Natürlich konnten auch diese Medien Erinnerungen färben. Auch früher wurden Geschichten ausgeschmückt, Fotos falsch gedeutet, Filme mit dem eigenen Leben vermischt oder Ereignisse im Rückblick verändert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber etwas ist neu: Die kommenden Generationen werden ihr ganzes Leben lang von einer kaum überschaubaren Flut digitaler Bilder, Videos, Nachrichten, Reels, Chats, Computerspiele, Avatare und KI-generierter Inhalte begleitet worden sein. Sie werden nicht nur Erinnerungen an ihr eigenes Leben mitbringen, sondern auch Milliarden medialer Eindrücke, die sich über Jahrzehnte emotional aufgeladen, wiederholt, geteilt und gespeichert haben.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Entscheidende ist: Emotionen prüfen keine Echtheit. Ein KI-generiertes Video kann Angst, Trost oder Sehnsucht auslösen, auch wenn es kein reales Ereignis abbildet. Für das spätere Erinnern kann diese emotionale Aufladung trotzdem wirksam werden. Was oft gesehen, stark empfunden und immer wieder innerlich aufgerufen wird, kann sich im Gedächtnis mit einer Bedeutung festsetzen, die unabhängig davon ist, ob die Szene tatsächlich erlebt wurde.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Versorgung von Menschen mit Demenz ist das keine technische Randfrage. Es wird eine der vielen fachlichen Herausforderungen der Zukunft werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erinnerung ist kein Archiv</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir neigen dazu, Erinnerung wie ein inneres Archiv zu verstehen: Was geschehen ist, wird abgelegt und später wieder hervorgeholt. So funktioniert das menschliche Gedächtnis aber nicht. Erinnern ist (auch) Rekonstruktion. Beim Erinnern werden Bruchstücke, Gefühle, Bedeutungen, Bilder, spätere Informationen und aktuelle Bedürfnisse neu zusammengesetzt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schon heute erleben Pflegende, dass Menschen mit Demenz Vergangenheit und Gegenwart vermischen, Orte verwechseln, Angehörige anders einordnen oder aus einer inneren Wirklichkeit heraus handeln, die für Außenstehende zunächst unverständlich wirkt. Das ist nicht neu. Neu ist aber die Frage, aus welchem Material diese innere Wirklichkeit künftig zusammengesetzt sein wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Falsche Erinnerungen können echtes Verhalten auslösen</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Erinnerung muss nicht faktisch richtig sein, um handlungsleitend zu werden. Eine Person kann Angst haben, weil sie etwas als bedrohlich erlebt. Sie kann Scham empfinden, weil eine innere Szene beschämend wirkt. Sie kann misstrauisch werden, weil eine Erklärung für eine Lücke im Gedächtnis gesucht wird. Sie kann aufbrechen wollen, weil ein alter oder medial geprägter Handlungsimpuls plötzlich Gegenwart wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Genau hier kann herausforderndes Verhalten entstehen. Nicht als bloße Folge einer „falschen Erinnerung“, sondern weil eine falsch zugeordnete Erinnerung zur Wirklichkeit des Augenblicks wird. Wenn ein inneres Bild Angst macht, ist die Angst echt. Wenn eine vermeintliche Verpflichtung drängt, ist der Druck echt. Wenn eine erlebte Kränkung als aktuell empfunden wird, ist die Abwehr echt. Das macht die Situation fachlich so anspruchsvoll. Pflegende dürfen falsche Aussagen nicht blind bestätigen. Aber sie dürfen die erlebte Not auch nicht einfach wegkorrigieren.<br></p>



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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum die Quelle der Angst zählt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die erste Reaktion ist es oft egal, ob eine Erinnerung stimmt. Angst bleibt Angst. Wer sich bedroht fühlt, braucht Schutz, Ruhe und Orientierung. Für den weiteren Umgang ist die Quelle aber entscheidend. Denn Pflege muss nicht nur beruhigen, sondern verstehen, was die Not immer wieder auslöst. Kommt die Angst aus Schmerz, aus einer Verkennung, aus einer alten Lebenserfahrung — oder aus Bildern, Nachrichten, Social Media oder KI-Videos, die immer wieder innere Not aktivieren?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Davon hängt ab, wo Pflege ansetzt: bei der Ansprache, bei der Umgebung, bei Reizen im Zimmer, bei Gesprächen mit Angehörigen, beim Umgang mit digitalen Geräten oder bei der Auswahl von Bildern und Videos. Die Angst ist echt. Aber ihre Quelle entscheidet mit darüber, was Pflege verändern kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Werden Pflegende auch Medienwächter sein müssen?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine unbequeme Frage schließt sich daran an: Werden Pflegende künftig auch eine Art Medienwächter sein müssen? Ganz neu ist das Problem nicht. Schon heute achten Pflegefachpersonen darauf, was ein Mensch mit fortgeschrittener Demenz noch gut verarbeiten kann. Kriegsnachrichten, Katastrophenbilder, Thriller, Horrorfilme oder aufwühlende Fernsehsendungen können Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit oder Misstrauen verstärken. Im Alltag wird dann oft pragmatisch reagiert: Das Programm wird gewechselt, der Fernseher ausgeschaltet, die Situation beruhigt, manchmal auch mit Angehörigen besprochen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Doch die digitale Zukunft macht diese Frage schwieriger. Wenn Smartphone, Tablet, Sprachassistenz, digitaler Bilderrahmen und Computer selbstverständlich verfügbar sind, liegt der Zugang zu belastenden Bildern, KI-Videos, Verschwörungserzählungen, Kriegsclips oder täuschend echten künstlichen Stimmen nicht mehr nur im Gemeinschaftsraum oder im Fernsehprogramm. Er liegt in der Hand, auf dem Nachttisch, im Chatverlauf, im Algorithmus, vielleicht auch jederzeit verfügbar und gegenwärtig z.B. in der smarten Brille, im ständig vernetzten Rollator oder Rollstuhl und in der smarten Uhr am Handgelenk. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer greift dann regulierend ein? Und mit welchem Recht?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflege hat keine pauschale Befugnis, Medienzugang einfach zu beschränken. Auch Menschen mit Demenz behalten Rechte, Vorlieben, Gewohnheiten und ein Recht auf Teilhabe. Ein Smartphone wegzunehmen, Apps zu sperren oder Inhalte zu filtern, nur weil sie irritierend wirken, wäre keine pflegerische Selbstverständlichkeit, sondern ein erheblicher Eingriff. Gleichzeitig hat Pflege eine Schutzaufgabe, wenn Inhalte erkennbar Angst auslösen, Verkennungen verstärken, herausforderndes Verhalten befeuern oder die Person überfordern. Genau darin liegt die Spannung: Nichtstun kann fachlich falsch sein, vorschnelles Eingreifen aber ebenfalls.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist: Bei Kindern und Jugendlichen wird derzeit intensiv darüber diskutiert, ob und wie der Zugang zu sozialen Medien begrenzt werden sollte. Es geht um Altersgrenzen, Plattformverantwortung, algorithmische Risiken, Suchtverhalten, schädliche Inhalte und technische Schutzmechanismen. Man muss Menschen mit Demenz nicht mit Kindern gleichsetzen, um festzustellen: Auch hier geht es um verletzliche Menschen, digitale Überforderung, Schutz und Teilhabe.<br></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#eaf6ff; border-left:6px solid #2b7dbd; border-radius:14px; padding:24px 26px; margin:32px 0; font-family:Arial, Helvetica, sans-serif; color:#1f2f3a; box-shadow:0 2px 10px rgba(0,0,0,0.06);">

  <div style="display:flex; align-items:center; gap:12px; margin-bottom:16px;">
    <div style="font-size:34px; line-height:1;"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2753.png" alt="❓" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></div>
    <h3 style="margin:0; font-size:24px; line-height:1.3; color:#174f7a;">
      Offene Fragen für die Pflege der Zukunft
    </h3>
  </div>

  <p style="font-size:19px; line-height:1.65; margin:0 0 18px 0;">
    Wenn wir Schutzräume für Kinder im digitalen Raum diskutieren, müssen wir dann nicht auch über Schutzkonzepte für Menschen mit fortgeschrittener Demenz sprechen?
  </p>

  <p style="font-size:19px; line-height:1.65; margin:0 0 18px 0;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2696.png" alt="⚖" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Dürfen Pflegeeinrichtungen zum Beispiel bestimmte Apps oder Nachrichtenportale innerhalb ihres hauseigenen Netzwerks sperren, weil deren Aussagen nicht mit der eigenen politischen Haltung übereinstimmen?
  </p>

  <p style="font-size:19px; line-height:1.65; margin:0;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f6e1.png" alt="🛡" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Wer verhindert, dass die Aussage <strong>„zum Schutz“</strong> am Ende nur der Zensur dient?
  </p>

</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflege wird diese Fragen nicht allein beantworten können. Vielleicht braucht es künftig klare ethische, rechtliche und fachliche Leitlinien dazu, wie mit digitalen Medien bei fortgeschrittener Demenz umzugehen ist. Nicht als Zensur. Nicht als Bevormundung. Sondern als verantwortliches Abwägen: Was gehört zur Autonomie dieses Menschen? Was beruhigt? Was überfordert? Was aktiviert Angst? Was verstärkt Verkennung? Und wann wird aus Mediennutzung ein Schutzthema? Medienbewusstsein in der Pflege bedeutet deshalb nicht, Pflegende zu Kontrolleuren zu machen. Es bedeutet, digitale Inhalte als mögliche Einflussfaktoren auf Erleben, Verhalten und Wohlbefinden ernst zu nehmen.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Medienbiografie als neue Pflegefrage</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bisher fragt Biografiearbeit nach Familie, Beruf, Gewohnheiten, Verlusten, Rollen, Werten und prägenden Lebensereignissen. Das bleibt wichtig. Aber es wird nicht mehr reichen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zur Lebensgeschichte wird künftig auch gehören, in welchen digitalen Räumen ein Mensch gelebt hat. Welche sozialen Netzwerke waren Alltag? Welche Plattformen haben Nähe, Angst, Empörung, Trost oder Zugehörigkeit erzeugt? Welche digitalen Routinen gehörten zum Leben? Welche beruflichen Tools wurden täglich genutzt? Gab es Chatbots, Avatare, KI-Bilder, rekonstruierte Stimmen oder Videos von Menschen und Orten, die emotional bedeutsam waren? Pflegekräfte werden das nicht lückenlos prüfen können. Niemand kann rekonstruieren, welche Inhalte ein Mensch über Jahrzehnte gesehen hat. Aber Medienbiografie muss als fachliche Kategorie ernst genommen werden. Nicht als digitale Spurensicherung, sondern als Teil der Frage: Aus welchen Bildern, Geschichten, Medien und Gefühlen baut dieser Mensch gerade seine Wirklichkeit?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist nicht nebensächlich. Wer nur nach klassischen biografischen Auslösern sucht, übersieht künftig möglicherweise einen Teil der Lebenswirklichkeit. Medienbiografie kann helfen, Verhalten besser einzuordnen, belastende Reize zu erkennen, Angehörige zu sensibilisieren und biografisches Material nicht unkritisch als Wahrheit zu übernehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nicht entlarven, sondern verstehen</strong></h2>



<p class="has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Aufgabe der Pflege wird nicht darin bestehen, Menschen mit Demenz ihre falschen Erinnerungen auszureden. Das wäre häufig beschämend, beziehungsgefährdend und vor allem zumindest akut wirkungslos. Die Aufgabe wird eher darin bestehen, zwischen Fakt und Gefühl zu unterscheiden. Ohne ausreichende Kompetenzen dazu, wird das schwierig. Es bleibt: die Aussage selbst kann falsch sein. Die Angst dahinter jedoch nicht. Die Erinnerung kann vermischt sein. Der Wunsch nach Sicherheit aber ist real. Der Anlass kann unklar sein. Die Handlungslogik aber kann verstehbar werden. Pflege hat gelernt, Verhalten nicht nur als Störung zu sehen, sondern als Ausdruck. Künftig müssen wir vielleicht noch einen Schritt weitergehen: Verhalten kann auch Ausdruck einer erinnerten, falsch erinnerten, medial geprägten oder sogar forcierten Stimmung oder künstlich verstärkten Wirklichkeit sein. <br><br>All das macht Pflege künftig möglicherweise nicht einfacher. Es wird jedoch zu den wichtigen Skills gehören, künftig mehr von KI, SocialMedia und Algorithmen zu verstehen. &#8222;Lustige&#8220; TikTok-Videos über Pflege oder banalste Aussagen in Instagramvideos über die Versorgung von Menschen mit Demenz werden nicht ausreichen.  <br></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>



<ol start="1" class="wp-block-list"></ol>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/06/27/medienbiografie-und-bewusstsein-werden-teil-der-pflege-werden/">Medienbiografie und -bewußtsein werden Teil der Pflege werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>KI-Sprachanalyse kann Hinweise geben – ersetzt aber keine Demenzdiagnostik</title>
		<link>https://demenz-zeitung.de/2026/06/17/ki-sprachanalyse-kann-hinweise-geben-ersetzt-aber-keine-demenzdiagnostik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 05:09:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzdiagnostik]]></category>
		<category><![CDATA[Diagnostikstandard]]></category>
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		<category><![CDATA[screening]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachanalyse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine neue Studie in JAMA Neurology untersucht, ob künstliche Intelligenz aus kurzen Mitschnitten normaler Gespräche zwischen Patienten und Hausärzten Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen erkennen kann. Ausgewertet wurden Audioaufnahmen von 966&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine neue Studie in JAMA Neurology untersucht, ob künstliche Intelligenz aus kurzen Mitschnitten normaler Gespräche zwischen Patienten und Hausärzten Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen erkennen kann. Ausgewertet wurden Audioaufnahmen von 966 englischsprachigen Menschen ab 55 Jahren, bei denen bislang keine Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigung dokumentiert war. Als Vergleich diente der Montreal Cognitive Assessment, kurz MoCA.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtig: Es geht um Screening, nicht um Diagnose</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Ergebnis klingt zunächst interessant: Das beste Modell erreichte in der externen Validierungsgruppe eine Sensitivität von 68,2 Prozent und eine Spezifität von 63,6 Prozent. Der positive Vorhersagewert lag jedoch nur bei 30,4 Prozent. Praktisch bedeutet das: Viele auffällige KI-Hinweise wären falsch positiv. Anders gesagt: Von den Personen, die das System als auffällig markiert, hätte ein großer Teil nach dem Studienkriterium keine kognitive Beeinträchtigung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Praxis heißt das: Solche Verfahren könnten künftig helfen, in der Hausarztpraxis frühzeitig genauer hinzuschauen. Sie ersetzen aber keinen diagnostischen Standard. Eine Demenzdiagnose bleibt eine fachliche Gesamteinschätzung mit Anamnese, Fremdanamnese, kognitiver Testung, Alltagsbezug, Ausschluss anderer Ursachen und gegebenenfalls weiterführender fachärztlicher Diagnostik. Die Studie zeigt also nicht: „KI erkennt Demenz.“ Sie zeigt: Sprach- und Stimmmerkmale könnten ein zusätzlicher Hinweisgeber sein – mehr nicht.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="Quelle: Joseph T. Colonel, Jacqueline Becker, Lili Chan et al.: Acoustic Analysis of Primary Care Patient–Clinician Conversations to Screen for Cognitive Impairment. JAMA Neurology. Online veröffentlicht am 15. Juni 2026. doi: 10.1001/jamaneurol.2026.1868.">Quelle: Joseph T. Colonel, Jacqueline Becker, Lili Chan et al.: Acoustic Analysis of Primary Care Patient–Clinician Conversations to Screen for Cognitive Impairment. JAMA Neurology. Online veröffentlicht am 15. Juni 2026. doi: 10.1001/jamaneurol.2026.1868.</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-zeitung.de/2026/06/17/ki-sprachanalyse-kann-hinweise-geben-ersetzt-aber-keine-demenzdiagnostik/">KI-Sprachanalyse kann Hinweise geben – ersetzt aber keine Demenzdiagnostik</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-zeitung.de">Demenz-Zeitung</a>.</p>
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