Glucosamin bei Alzheimer: Neue Studie liefert Warnsignal

Eine neue Studie in Nature Metabolism lenkt den Blick auf einen bisher wenig beachteten Mechanismus bei Alzheimer: eine gestörte Verzuckerung von Proteinen im Gehirn. Gemeint ist nicht einfach „zu viel Zucker im Essen“, sondern ein biochemischer Prozess, bei dem Zuckerstrukturen an Proteine angehängt werden.

Die Forschenden beschreiben, dass diese sogenannte Hyperglycosylierung bei Alzheimer verstärkt auftritt und möglicherweise selbst zur Krankheitsentwicklung beiträgt.

Warum Glucosamin in den Blick gerät

Besonders brisant ist der Blick auf Glucosamin. Dieses Nahrungsergänzungsmittel wird häufig bei Gelenkbeschwerden eingenommen und gilt vielen Menschen als vergleichsweise harmlos.

In Alzheimer-Modellen der Studie verschlechterte Glucosamin jedoch kognitive Leistungen. In einer rückblickenden Auswertung von Patientendaten war dokumentierte Glucosamin-Einnahme bei Menschen mit Alzheimer-verwandten Demenzen zudem mit schlechterem Überleben verbunden.

Kein endgültiger Beweis, aber ein Warnsignal

Das heißt nicht, dass Glucosamin jetzt für alle Menschen als gefährlich bewiesen ist. Die Patientendaten zeigen zunächst einen Zusammenhang, keinen endgültigen Kausalbeweis.

Trotzdem ist die Botschaft für die Praxis wichtig: Nahrungsergänzungsmittel sollten bei Menschen mit Alzheimer oder leichter kognitiver Beeinträchtigung nicht nebenbei, dauerhaft und ohne klare Indikation eingenommen werden.

Gut zu wissen

Nahrungsergänzungsmittel wirken oft harmlos, werden aber mit vielen Gesundheitsversprechen beworben. Unabhängige Informationen, Warnungen und Faktenchecks bietet die Verbraucherzentrale.

Klartext Nahrungsergänzung der Verbraucherzentrale

Gerade in einer zeit, in der sich viele Menschen über Instagram oder Tiktok informieren, ist es seitens von Gesundheitsprofis wichtig darauf hinzuweisen, dass auch „Ergänzungsmittel“ nicht ohne Absprache gegeben werden sollten. Vor allem Menschen mit fortgeschrittener Demenz können solchen Gaben durch Angehörige häufig nicht aktiv selbst widersprechen.

Die Studie zeigt vor allem eines: „Natürlich“, „frei verkäuflich“ oder „nur ein Nahrungsergänzungsmittel“ bedeutet nicht automatisch sicher. Bei Menschen mit Alzheimer oder MCI sollten solche Präparate bewusst geprüft und nicht einfach dauerhaft weitergegeben werden.

Quelle:
Hawkinson, T. R. et al.: Hyperglycosylation is a metabolic driver of Alzheimer’s disease. Nature Metabolism, veröffentlicht am 9. Juni 2026. DOI: 10.1038/s42255-026-01538-4.

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Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent; Freiberufler

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