Altersschwerhörigkeit: nicht nur ein Hörproblem

Altersschwerhörigkeit wird oft vor allem als Kommunikationsproblem wahrgenommen. Die aktuelle Forschung legt aber nahe, dass mehr dahinterstecken könnte: Eine 2026 veröffentlichte Studie stützt die Annahme, dass Altersschwerhörigkeit und kognitive Einbußen biologisch im Gehirn miteinander verknüpft sein können. Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass sich bei Presbyakusis nicht nur das Hören verschlechtert, sondern auch Hirnregionen verändert sind, die für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und andere kognitive Leistungen wichtig sind.

Wer schlechter hört, wirkt mitunter unaufmerksam, vergesslich oder desorientiert. Tatsächlich kann es aber sein, dass Gesprächsinhalte nicht sicher ankommen, Reize falsch eingeordnet werden oder die kognitive Belastung in Gesprächen stark zunimmt. Die Studie zeigt genau in diese Richtung: Je ausgeprägter die Hörprobleme waren, desto eher zeigten sich auch Zusammenhänge mit schlechteren Ergebnissen in kognitiven Tests.

Hörbeeinträchtigungen früh erkennen

Für die Praxis heißt das nicht, dass Schwerhörigkeit automatisch Demenz verursacht. Aber es heißt, dass Pflegefachpersonen Hörverluste ernst nehmen sollten. Wenn Bewohner oder Patienten sich zurückziehen, auffallend oft nachfragen, Inhalte missverstehen oder in Gesprächen rasch erschöpfen, sollte nicht nur an „Verwirrtheit“ gedacht werden, sondern auch an ein mögliches Hörproblem. Eine gute Hörumgebung, deutliches Sprechen, Blickkontakt, reduzierte Nebengeräusche und die Prüfung vorhandener Hörhilfen sind deshalb keine Kleinigkeiten, sondern wichtige pflegerische Maßnahmen.

Studie:
Wang X. et al. (2026): Functional-Structural Disruption in Presbycusis: Evidence from Multimodal MRI. eNeuro, 13(3), ENEURO.0294-25.2026.

Das Ärzteblatt berichtete hier.

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Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent; Freiberufler

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